18.-22.8.2014: Facharzt für Plastische Chirurgie

Fachleute antworten jeweils eine Woche lang auf Eure Fragen

Moderator: Brigitte

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Brigitte
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18.-22.8.2014: Facharzt für Plastische Chirurgie

Beitragvon Brigitte » Do 14. Aug 2014, 19:22

Dr. med. David Kiermeir ist Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, FMH. Seine Facharztausbildung absolvierte Dr. Kiermeir an renommierten Kliniken wie der Charité in Berlin und am Inselspital in Bern, wo er seit 2013 als Oberarzt tätig ist. Seit 2014 arbeitet er in der Klinik im Spiegel (http://www.klinikimspiegel.ch).
Dr. Kiermeir wird vom 18.-22. August 2014 nach Möglichkeit einmal täglich alle Eure Fragen zu seinem Fachgebiet kompetent beantworten. Natürlich dürfen die Fragen schon früher gestellt werden - einfach einen Beitrag ("antworten") schreiben. Dr. Kiermeir wird die Antwort ab 18.8.14 direkt in dasselbe Kästchen schreiben.
Bitte habt Verständnis dafür, dass dies nur in relativ allgemeiner Form geschehen kann, da ihm ja individuelle Befunde, Laborwerte oder Fotos nicht vorliegen.

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Betty Boop
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Re: 18.-22.8.2014: Facharzt für Plastische Chirurgie

Beitragvon Betty Boop » Sa 16. Aug 2014, 17:51

Guten Tag Dr. Kiermeier
Vor ca. 10 Jahren habe ich meine Brüste verkleinern lassen. (Von G auf C) Nun bin ich schwanger und hoffe, dass ich stillen kann. (Damals wurde mir gesagt, dass sie die Milchdrüsengänge erhalten konnten). Gibt es etwas, das ich speziell beachten muss?
Von einer Hebamme habe ich gehört man soll PH-neutrales Douchegel benutzen und die Brüste/Brustwarzen in den letzen Schwangerschaftswochen nicht mehr eincremen. Gilt dies auch für operierte Brüste? Oder brauche ich eine Spezialpflege?
Vielen Dank für ihre Antwort.


Liebe Betty Boop
Vielen Dank für Ihre sehr interessante Frage.
Bei einer Brustreduktion wird der Brustaufbau verändert. Prinzipiell ist Stillen möglich wenn nach der Operation immer noch Brustdrüsengewebe Anschluss an die Brustwarze hat und das ist bei den allermeisten heutzutage verwendeten Techniken der Fall.
Ebenso wichtig für das Stillen ist das Vorhandensein von Sensibilität in der Brustwarze, denn die triggert die Ausschüttung von Hormonen (Oxytocin und Prolactin), welche für die Milchproduktion und -abgabe verantwortlich sind.
Wenn das Gefühl in der Brustwarze da ist und eine Brustdrüsengewebe schonende Technik verwendet wurde stehen die Chancen fürs Stillen also ganz gut. Bitten Sie auf alle Fälle eine Stillberaterin um Unterstützung und Anleitung.
Informieren Sie auch Ihren betreuenden Arzt/Ärztin darüber dass Sie eine Brustreduktion hatten, denn er/sie muss das Gewicht Ihres Babys genau überwachen und sicherstellen, dass Ihr Baby genügend Milch erhält.
Ausser Narbenpflege für ca. 1 Jahr benötigt die Brust nach Reduktion keine Spezialpflege. Auch wenn es um die Vorbereitung für das Stillen geht, so können Sie ruhig den Empfehlungen Ihrer Hebamme folgen.
Ich hoffe ich habe Ihre Fragen beantwortet und wünsche Ihnen alles Gute für die bevorstehende Geburt
David Kiermeir

trivia
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Re: 18.-22.8.2014: Facharzt für Plastische Chirurgie

Beitragvon trivia » So 17. Aug 2014, 19:31

Guten Abend Herr Dr. Kiermeir

Ich habe dank einem Magenbypass über 50kg Gewicht verloren. Ich treibe viel Sport (mind. 4x die Woche). Ich habe grosse Probleme mit der Haut im Po und Hüftbereich und beim Joggen und Biken statke Schmerzen, trotz Stützunterhose.
Meine Ärztin meinte dass sich diese Haut nicht zurückbilden würde, aber da das nicht ihr Fachgebiet sei, könne sie das nicht 100% sagen. Wie gross ist die Möglichkeit dass sich Haut zurückbildet? Ist das überhaupt möglich? Und habe ich grössere Chancen einen Bodylift bezahlt zu bekommen von der KK wenn ich in der Zusatzversicherung drin habe: Fettschürzenoperation nach Einverständnis des Vertrauensarztes oder ist es auch dann ein grosses Glück das man ein ok bekommt?
Und dann habe ich mir vor 4 Jahren die Brüste wegen tubulärer Brust vergrössern lassen mit Silikon (340ml je Seite) durch die Abnahme habe ich in der rechten Brust starkes Rippling und seit etwa 3 Monaten auch starke Schmerzen. Ich habe das Gefühl das Implantat hat sich gedreht. Ist das etwas was man demnächst korrigieren muss oder ist das, von den Schmerzen abgesehen, ein rein ästhetisches Problem das Rippling?
Vielen dank für Ihre Hilfe.


Liebe Trivia,
Zunächst Gratulation zu dem respektablen Gewichtsverlust. Ihre Situation mit intensiver sportlicher Aktivität hört sich nach einer Erfolgsstory an.
Was Sie beschreiben sind häufige Probleme welche nach massivem Gewichtsverlust auftreten können.
Überschüssige Haut bildet sich während ca. 6 Monaten teilweise zurück, wie stark dieser Effekt ist hängt von Faktoren ab wie Ausmass des Überschusses, Alter und Genetik. Nach 6 Monaten ist in der Regel keine signifikante Reduktion des Hautmantels mehr zu erwarten.
Ab diesem Zeitpunkt kann man die Möglichkeit erwägen, den störenden Hautüberschuss an Bauch, Oberschenkel und evtl. Oberarmen und Rücken operativ zu entfernen.
Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine Körper-formende Operation nach massiver Gewichtsabnahme wenn der Hautüberschuss die Gesundheit beeinträchtigt. Die Gesundheit beeinträchtigen können z.B. chronische Hautreizungen und Entzündungen. Auch Bewegungseinschränkungen oder begleitende Bauchwandbrüche können einen Grund darstellen. Wichtig ist, dass vor der Operation ein Kostengutsprachegesuch an die Krankenkasse gestellt wird, zu dem auch die relevanten Befunde eingereicht werden. Wenn man zusatzversichert ist, ist das auf alle Fälle ein Vorteil, schliesslich bezahlen Sie extra, können also auch ein extra an Leistung verlangen. Was ich aus Ihren Zeilen herauslese hört sich so an, als könnte hier durchaus eine Leistungspflicht der Krankenkasse bestehen.
Rippling bedeutet, dass das Implantat tastbare oder sichtbare Falten wirft. Dies war vor allem ein Problem früherer flüssiger Silikonfüllungen gewesen und kommt bei den neueren Implantatgenerationen mit kohäsiven Silikongels und bei formstabilen Implantaten seltener vor.
Rippling sieht und tastet man eher bei schlanken Frauen mit geringem Haut- und Weichteilmantel. Bei einer Implantatlage unter dem Brustmuskel liegt zumindest in der oberen Hälfte der Brust mehr Eigengewebe in Form des Brustmuskels über den Implantaten. Hierdurch kann das Rippling in der oberen Hälfte der Brust deutlich gesenkt werden.
Falls das Rippling nur gering ausgeprägt ist und keine fortgeschrittene Kapselfibrose vorliegt, kann unter Umständen eine Korrektur durch Eigenfett Verpflanzung erfolgen. Hierbei wird Eigenfett z. B. aus dem Bauch oder der Hüfte entnommen, schonend aufbereitet und in die Wellentäler der gefalteten Hautweichteile an der Brust verpflanzt.
Bei Rippling in Zusammenhang mit Schmerzen sollte man an eine höhergradige Kapselfibrose denken und Sie sollten sich von einem erfahrenen Facharzt für Plastische Chirurgie untersuchen lassen um das abzuklären.
Ich wünsche Ihnen alles Gute und stehe Ihnen gerne mit weiteren Informationen zur Verfügung.
David Kiermeir

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australia09
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Re: 18.-22.8.2014: Facharzt für Plastische Chirurgie

Beitragvon australia09 » Mo 18. Aug 2014, 15:13

Sehr geehrter Herr Dr. Kiermeir

Meine Brüste sind seit der Geburt der zweiten Tochter extrem kleiner (von c auf a) und hängend geworden. Nun mache ich mir ernsthaft Gedanken, die Brüste vergrössern zu lassen, da mich der Anblick extrem belastet. Ich schrecke aber (noch) vor den Risiken zurück. Wie lange ist man etwa ausser Gefecht? (Meine Kinder sind 2&4 Jahre alt), Welche Risiken gibt es und in welcher Höhe befinden sich die Kosten?

Liebe Australia 09
Die Schwangerschafts- und Stillperiode bedeutet eine Höchstleistung für die weibliche Brust, welche sich in dieser Zeit in Form und Volumen erheblich verändert. Dies gilt sowohl für die Brustdrüse, wie auch den Hautmantel. Während die Drüse nach der Schwangerschaft und Stillperiode über Monate hinweg häufig schrumpft (Involution), vermag die Haut dies nicht im selben Masse, was eine erschlaffte Haut mit leeren Brüsten zur Folge haben kann. Für viele junge Mütter ist dies eine psychisch sehr belastende Situation. Anatomisch gesehen ist dies jedoch der ideale Zeitpunkt für eine Brustvergrösserung.
Von einer Brustvergrösserung kann man vollere Brüste und vermehrte Projektion erwarten, die Harmonie der Figur, Selbstvertrauen und Selbstbild werden verbessert.
Keine Operation ist ohne Risiken, jedoch sind diese bei einer Brustvergrösserung kalkulierbar:
Nachblutung (Hämatom) 1%, Infektrate kleiner als 1%, Kapselbildung 3-4%, Narbenprobleme sind selten. Gelegentlich treten Asymmetrien auf, die z.T. schon vor der Operation bestanden haben und die sich nach der Brustvergrösserung akzentuieren können. Selten sind erneute Operationen wegen Verschiebung der Implantate notwendig.
Die modernen Implantate sind mit kohäsivem Silikongel gefüllt und können nicht mehr auslaufen. Deshalb sind die früher praktizierten Implantatwechsel nach jeweils 10 bis 15 Jahren heute nicht mehr erforderlich.
Für 4 Wochen sollte Tag und Nacht ein Sport-BH getragen werden, in dieser Zeit ist auf die Ausübung sportlicher Aktivität zu verzichten.
Auszeit: 1 Woche Büro-Arbeit. Körperlich anstrengende Aktivität: 3-4 Wochen. Und 2 Kinder in Ihrem Alter würde ich eher als „anstrengende Aktivität“ einordnen. Während dieser Zeit empfiehlt es sich Hilfe nach Hause zu holen.
Die angegebenen Preise für Brustvergrösserungen variieren zwischen 12 000 und 15 000 CHF je nach Region, je nachdem welche Prothesen verwendet werden und welche Leistungen im Paket enthalten sind (stationär/ambulant; mit/ohne Nachkontrollen, usw.).
Wichtig ist, dass Sie Vertrauen zu Ihrem gut ausgebildeten Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie haben und sich gut aufgehoben fühlen.
Ich hoffe dass ich Ihnen ein wenig die Angst vor diesem gut etablierten Standardeingriff der Plastischen Chirurgie nehmen konnte.
Ihr David Kiermeir

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DaMi86
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Re: 18.-22.8.2014: Facharzt für Plastische Chirurgie

Beitragvon DaMi86 » Mo 18. Aug 2014, 15:22

Sehr geehrter Herr Dr. Kiermeir

Ich habe folgende Fragen betreffend Brustverkleinerung:

Gibt es Kriterien, ab wann es "medizinisch notwendig" ist, die Brüste zu verkleinern? bin seit der Schwangerschaft auf 90F ubd fühle mich extrem unwohl.

Ich habe mal gehört, dass sich die Kosten so +\- auf 8000 Franken belaufen würden. Wann übernimmt die KK?

Wie lange dauert die Heilung?

Wie gross ist das Risiko, dass bei einer allfälligen weiteren Schwangerschaft die Brüste wieder wachsen?

Herzlichen Dank für Ihre Antwort!


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Liebe DaMi86,
Wenn die Brüste nach der Schwangerschaft und dem Abstillen zu gross sind, so muss man seinen Brüsten zunächst Zeit lassen. Jeder Körper erholt sich in der für ihn eigenen Geschwindigkeit von der Schwangerschaft, Geburt und Stillperiode. Das Körpergewicht sollte sich in den Monaten nach dem Abstillen langsam wieder dem Ausgangsgewicht nähern. Häufig geht auch das Volumen der Brüste dabei erheblich zurück.
Das Körpergewicht – und damit komme ich schon zur ersten Frage – ist übrigens auch eines der wichtigsten Kriterien, ob eine Brustreduktion medizinisch notwendig ist. Normales Körpergewicht bedeutet einen Body Mass Index (BMI) <= 25 kg Körperwicht/Grösse in Metern im Quadrat. Dies gilt nicht nur für die Krankenkasse, sondern ist auch für den langfristigen ästhetischen Erfolg der Operation entscheidend. Jede grössere Gewichtsveränderung nach der Operation wird das ästhetische Resultat beeinträchtigen und sollte - wenn möglich und vorhersehbar - vermieden werden. Das Risiko, dass die Brüste bei einer erneuten Schwangerschaft an Volumen zunehmen liegt bei 100%.
Sollte es nun ungeplantermassen nach einer Brustreduktion zur einer Schwangerschaft kommen, so ist das ja ein erfreuliches Ereignis und wie bereits in der Antwort auf die erste Frage erwähnt normalerweise auch kein Problem. Es kann nur sein, dass nach dem Abstillen und einer adäquaten Erholungszeit eine Bruststraffung zur Verbesserung des ästhetischen Erscheinungsbildes der Brust gewünscht wird.
Zurück zur Krankenkasse: Damit eine Brustreduktion als Kassenleistung gilt müssen Beschwerden im Sinne von Hals- oder Rückenschmerzen vorhanden sein. Ausser Normgewicht fordern die Krankenkassen dass die Schmerzen zunächst mittels Physiotherapie behandelt werden. Von Fall zu Fall wird auch eine Beurteilung der Ursache der Schmerzen durch einen Rheumatologen oder Orthopäden gewünscht.
Sollte keine Leistungspflicht der Krankenkasse bestehen und es sich um eine ästhetische Brustreduktion handeln, so belaufen sich die Kosten mit stationärer Behandlung auf ca. 16 000 – 22 000 CHF in unterschiedlichen Leistungspaketen verpackt.
Nach der Operation sollte man sich eine gewisse Auszeit von der Arbeit gönnen, ca. 2 Wochen bei einem Bürojob. Mit körperlich anstrengender und sportlicher Tätigkeit sollte man 4 Wochen warten um ein optimales Ergebnis zu garantieren. Bis zur vollständigen Heilung vergehen ca. 4 Wochen, während dieser Zeit trägt die Patientin einen Spezial-BH. Auch hier gilt wie bei der Brustvergrösserung, dass man sich für ca. 2 Wochen Hilfe für Kinder und Haushalt organisieren sollte.
Zusammenfassend gilt für Frauen, die über eine Brustreduktion nachdenken und in absehbarer Zeit ein (weiteres) Kind planen, die Empfehlung, mit der Operation bis nach der Schwangerschaft und Stillperiode zu warten. Einerseits weil kann man dann sicher sein kann, dass man die Stillfähigkeit nicht einbüsst und andererseits weil sich die Brüste während der Schwangerschaft und Stillperiode normalerweise deutlich verändern.
Vielen Dank für Ihre Frage.
Herzliche Grüsse,
David Kiermeir

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Timna
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Re: 18.-22.8.2014: Facharzt für Plastische Chirurgie

Beitragvon Timna » Di 19. Aug 2014, 21:51

Grüezi Herr Dr. Kiermeir
Meine Haut ist sehr empfindlich und jetzt auch nach fast 2 Jahren ist meine Kaiserschnitt-Narbe nicht wunschgemäss verheilt. Ich pflegte meine Narbe mit Narbenpflaster (mepilex border) und später Narbensalbe (Dermatix ultra). Jetzt ist zwar etwas besser, aber die Narbe ist nimmer noch rot und in der Mitte etwas wulstig.
Nun zu meiner Frage: Ich spiele mit den Gedanken, meine Narbe entstören zu lassen. Ist das grundsätzlich eine gute Idee oder ist das Risiko zu gross, das die neue Narbe wieder nicht wunschgemäss abheilt?
Vielen Dank für Ihre Antwort.


Liebe Timna,
es tut mir sehr leid, dass Ihre Narbe nach 2 Jahren noch nicht schön ist. Grundsätzlich unterscheidet man eine überschiessende Narbenbildung (sog. hypertrophe Narbe) von einem Narben-Keloid. Das wichtigste klinische Unterscheidungskriterium ist, dass eine hypertrophe Narbe auf die ursprüngliche (vielleicht etwas verbreiterte) Narbe beschränkt ist und sich ein Keloid hingegen über die Narbengrenzen auf die vormals gesunde Haut ausdehnt. Betroffen sind vor allem junge Menschen und bei Keloiden auch Menschen mit dunkler Hautfarbe. Ursache für eine Störung der Narbenheilung kann übermässige Spannung auf der Narbe sein, was aber typischerweise nach einem Kaiserschnitt nicht der Fall ist, da ja nach der Entbindung die Haut gut vorgedehnt ist. Vielleicht gab es einen Wundinfekt nach dem Kaiserschnitt?
In Ihrem Fall scheint es sich am ehesten um eine hypertrophe Narbe zu handeln. Und hier die gute Nachricht, eine hypertrophe Narbe geht irgendwann auch von alleine zurück. Wir können den Verlauf jedoch positiv beeinflussen. Die bisherige Narbenpflege hört sich korrekt an, nach 2 Jahren sollte eine Narbe jedoch eigentlich langsam ausgereift sein. Wenn die Narbe nun immer noch gerötet ist, so deutet dies auf anhaltende Aktivität hin und man sollte (wenn nicht schon geschehen) Silicon-sheets auf die Narbe auflegen. Wenn dies nicht hilft, so ist eine Steroid-Injektion in die Narbe zu erwägen. In Einzelfällen kann man eine solche Narbe auch chirurgisch sanieren. Sie merken es gerade, Sie hören hier die Meinung eines Chirurgen basierend auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Ich habe selbst keine Erfahrung mit Entstören von Narben, und kann hierzu nur sagen „wer heilt hat recht“.
Für welche Therapie Sie sich auch entscheiden mögen, ich wünsche Ihnen einen guten Narbenheilungsverlauf!
David Kiermeir

Sunne12
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Re: 18.-22.8.2014: Facharzt für Plastische Chirurgie

Beitragvon Sunne12 » Do 21. Aug 2014, 13:20

Guten Tag Kiermeir

Seit der 1. Geburt habe ich eine Nabelhernie und eine irreversible Rectusdiastase. Mittlerweilen habe ich mich damit arrangiert und werde über eine OP erst nachdenken, wenn es mich stört. Medizinisch ist es nicht dringend notwendig, da sich die Hernie bis auf eine kleine Stelle zurückgebildet hat. Die RS ist etwa bei 2cm an der breitesten Stelle (in der Nabelregion). Falls ich jedoch mal eine OP machen möchte, was sind die Bedingungen, damit die KK das bezahlen würde? 2. Frage: In der Rückbildung wurde uns gesagt, dass Rückenschmerzen auch daher kommen können. Kann man das den wirklich feststellen, dass es je nach Schmerz einen Zusammenhang gibt?
Vielen Dank!


Liebe Sunne12,
Während der Schwangerschaft dehnt der wachsende Uterus den Bauch und die geraden Bauchmuskeln (Sixpack-Muskel). Das Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskeln, welche im Normalzustand in der Mittellinie des Bauches über eine Faszienbrücke miteinander verwachsen sind nennt man Rectusdiasthase. Eine Rectusdiasthase kann eine Vorwölbung in der Mitte des Bauches verursachen, welche manchmal nur bei Anspannung der Bauchmuskeln sichtbar wird.
Eine Rectusdiasthase tritt hauptsächlich im 2. oder 3. Trimester der Schwangerschaft auf und bildet sich in den Monaten und bis zu einem Jahr nach der Geburt langsam wieder zurück. Ein gewisser Grad an Rectusdiasthase kann jedoch dauerhaft bestehen bleiben. Die Rectusdiasthase kann die Funktion der Bauchmuskeln schwächen, da die sich ja nicht mehr an dem anatomisch dafür vorgesehenen Ort befinden. Wenn die Bauchmuskeln zu schwach sind, kann das sensible muskuläre Gleichgewicht gestört sein und dies wiederum kann, wie Ihnen in der Rückbildungsgymnastik vollkommen richtig dargestellt wurde, zu Rückenschmerzen vor allem im Lumbalbereich führen.
Eine Rectusdiasthase als Folge einer Schwangerschaft tritt vermehrt auf bei Frauen über 35, bei Mehrlingsschwangerschaften, bei mehrfachen Schwangerschaften und hohem Geburtsgewicht des Babys.
Während der Schwangerschaft sollte man ab dem 2. Trimester auf Bauchmuskelübungen verzichten, da diese in der Situation eine Rectusdiasthase verstärken können.
Wenn Sie nun eine Rectusdiasthase haben, so wenden Sie sich zunächst an Ihren Hausarzt. Ein(e) Physiotherapeut(in) kann Ihnen mit gezielten Übungen helfen die Muskelkraft des Bauches zu stärken. Die geraden Bauchmuskeln kann man jedoch mit Übungen leider nicht mehr näher zusammenbringen, dies kann dafür sehr gut durch einen operativen Eingriff gelöst werden.
Wenn die Rectusdiasthase über 2 cm gross ist, Sie Schmerzen haben und Sie in Ihrem täglichen Leben beeinträchtigt sind, dann besteht Krankheitswert und es sollte eine operative Korrektur erfolgen (das bezahlt dann auch die Krankenkasse)
Wenn Sie die Vorwölbung am Bauch ästhetisch stört und Sie keine Beschwerden haben, so kann man die Operation aus ästhetischen Gründen durchführen. Häufig wird diese Operation in Zusammenhang mit einer Bauchstraffung durchgeführt.
Und dann haben Sie ja noch eine Nabelhernie, welche prinzipiell eine Indikation zur Operation darstellt (auch hier bezahlt die Krankenkasse). Im Rahmen solch einer kassenpflichtigen Operation kann man auch eventuell gewünschte ästhetische Operationen wie Rectusdiasthasen-Repair oder Bauchstraffung durchführen, wobei die Zusatzkosten selbst getragen werden.
Ich wünsche Ihnen alles Gute!
Ihr David Kiermeir

Prinzessin
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Re: 18.-22.8.2014: Facharzt für Plastische Chirurgie

Beitragvon Prinzessin » Do 21. Aug 2014, 21:27

Sehr geehrter Herr Dr. Kiermeir

Meine Tochter ist nun 3 Jahre alt.
Sie hatte im Alter von 42 stunden eine OP am Darm ( der Darm war nicht zusammengewachsen und wurde zusammen"geflickt" ( ein Ausdruck von Arzt im Kinderspital Zürich ) und an der gleichen stelle einfach ein bisschen grösser wurde im alter von 8 Monaten nochmals der Darmverschluss operiert.

Die Narbe an sich ist recht ok, aber da sie sehr jung und leicht ( 1800 gramm ) war bei der OP ist nun die Narbe mit dem Bauchinnern angewachsen, ich hoffe ich erkläre es so richtig. Man kann die Bauchdeckenhaut nicht verschieben. Kann man da was machen?
Was ist wenn sie mal ein bisschen mehr Gewicht hat oder mal schwanger ist? An der stelle wo die Narbe ist kann ja der Bauch nicht mitwachsen?
Die Narbe selber stört uns nicht, die gehört zu Ihr. Aber eben das angewachsene, dort haben wir Angst das es mal Probleme geben kann.
Dann ist da noch Ihr Bauchnabel, er ist sehr gross und abstehend, das stört uns doch sehr, wenn sie was enges anhat sieht man Ihn. Jetzt geht es ja noch, aber als erwachsene Frau ist das dann sicher nicht so toll. Kann man da was machen?

DANKE vielmals im voraus für dir Antwort
es liebs gruessli Evelyne mit Sophie




Liebe Prinzessin,
Ihre Sophie hatte wahrscheinlich eine sog. Darmatresie, eine Kontinuitätsunterbrechung im Darm und dann wurden die Darmenden wieder aneinandergenäht. Und dann kam es nach 8 Monaten zu einem Darmverschluss, der glücklicherweise auch erfolgreich operiert wurde. Durch eine (oder zwei) Operationen entstehen Narben im Bauchinneren, sowie an der Bauchoberfläche. Vereinfacht dargestellt werden das „Innere“ und die „Oberfläche“ durch eine derbe Bindegewebeschicht getrennt, die Bauchfaszie (Abdominalfaszie). Probleme kann die innere Narben machen, z.B. im Sinne eines Darmverschlusses oder die äussere Narbe im Sinne von Einziehungen und Schmerzen. Und dann kann es noch zu einem Narbenbruch kommen, das wäre ein Auseinanderweichen der Narbe in der Bauchfaszie. Aber keine Angst, diese Komplikationen sind alle selten.
Die Probleme, welche durch die oberflächliche Narbe entstehen können sind die geringsten. Die Narbe wird mit Sophie mitwachsen, also leider auch grösser werden. Wenn Sie sich irgendwann später wenn sie älter ist daran stört oder die Narbe Schmerzen verursacht, kann man die Narbe problemlos und ohne grosses Risiko eventuell sogar in örtlicher Betäubung korrigieren. Zur Narbenkorrektur haben wir Plastischen Chirurgen einige Möglichkeiten, darunter auch elegante minimal invasive Techniken.
Und dann ist da noch der Bauchnabel, hier hat Sophie scheinbar einen Nabelbruch. Solange er nicht schmerzt ist das kein Problem und bis zum ca. 3. Lebensjahr bildet sich der Bruch häufig von alleine zurück. Ich würde noch etwas abwarten und wenn der Bruch nicht kleiner wird Ihren Kinderarzt bezüglich einer kleinen Operation konsultieren.
Ihnen und Sophie sende ich herzliche Grüsse und wünsche für die Zukunft alles Gute.
David Kiermeir

Jamiro

Re: 18.-22.8.2014: Facharzt für Plastische Chirurgie

Beitragvon Jamiro » Do 21. Aug 2014, 21:51

Sehr geehrter Herr Dr. Kiermeir

Infolge eines Nabelbruchs und eines Hernienrezidivs etwas oberhalb des Nabels wurde mir ein ca 10x10 cm grosses Netz rund um die Nabelgegend eingesetzt und gleichzeitig die Rektusdiastase verschlossen. Dies war alles durch einen relativ kleinen Schnitt rund um den Nabel möglich. Grundsätzlich bin ich mit dem Resultat der OP sehr zufrieden- mit Ausnahme der aus zwei Schwangerschaften resultierenden Fettansammlung in der Bauchmitte, die mich seit der Operation noch besser sichtbar dünkt. Deshalb frage ich mich, ob eine Fettabsaugung trotz des Netzes möglich wäre? Was halten Sie in diesem Zusammenhang von Brustvergrösserungen mit Eigenfett? Ergebnisse, Risiken, Langzeiterfahrungen etc?

Besten Dank für Ihre Antwort und freundliche Grüsse
Jamiro


Liebe Jamiro,
eine Fettabsaugung auch mit liegendem Netz nach Hernien-Operation möglich. Bevor Sie über eine erneute Operation nachdenken, würde ich jedoch eine angemessen Zeit verstreichen lassen, um sicherzustellen, dass das Endresultat erreicht ist, ca. 6-12 Monate nach der vorhergehenden Operation.
Ihre zweite Frage zur Brustvergrösserung mit Eigenfett ist eine sehr gute Frage.
Man kann Fettgewebe durch Fettabsaugen (Liposuction) gewinnen, mit verschiedenen Methoden aufbereiten und anschliessend an anderer Stelle, z.B. in die Brust wieder einspritzen (sog. Lipofilling oder Fettgewebs-Transplantation). Das wird relativ häufig an verschiedenen Stellen des menschlichen Körper u.a. im Gesicht zum Volumenausgleich und Kontouring mit grossem Erfolg durchgeführt.
Brustvergrösserung durch Eigenfett war lange Zeit auch in Fachkreisen umstritten, einerseits weil die Methoden noch nicht so ausgereift waren und andererseits weil die Sicherheit des Lipofilling in Frage stand. Mittlerweile ist dies jedoch ein etabliertes Verfahren, welches unter Berücksichtigung gewisser Regeln als sicher gilt.
In bestimmten Situationen ist die Eigenfett-Transplantation sicherlich die beste Methode der Brustvergrösserung, beispielsweise bei Frauen, welche immer wiederkehrende Kapselfibrosen auf Implantate entwickeln oder Implantate generell ablehnen.
Wenn man über eine Brustvergrösserung mit Eigenfett nachdenkt, muss man folgende Dinge wissen:
- gut geeignet nach Stillzeit oder nach Implantatentnahme
- nicht geeignet bei starkem familiären Brustkrebsrisiko
- bei einer Operation können 1/2, max. 1 Körbchengrösse dauerhaft aufgebaut werden
- meist sind zwei Eingriffe erforderlich
- ein Teil des Fettes (30-50%) wird innerhalb 3-4 Monaten nach der Operation wieder abgebaut, der Rest bleibt dauerhaft.
- es muß Spenderfett vorhanden sein. Bei schlanken Patientinnen ohne Fettüberschuss an Problemzonen ist das Verfahren nicht anwendbar.
- Vorteil: die Fettabsaugung zur Fettgewinnung verbessert die Körpersilhouette
- Vorteil: Verzicht auf Implantate und deren Langzeitfolgen
Die Attraktivität der Eigenfett-Transplantation ist bei geeigneten Patienten durch die kombinierte Behandlung von Problemzonen und gleichzeitigem natürlichem Ergebnis der Brustvergrösserung sicherlich einzigartig.
Auch hier gilt, dass Sie sich von einem erfahrenen Plastischen Chirurgen, welcher sich an die Richtlinien der Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie hält, beraten und operieren lassen sollten.
Ich hoffe ich habe Ihre Fragen beantwortet, sollten weitere Fragen zu diesem grossen Thema bestehen, so stehe ich gerne zur Verfügung.
Schönes Wochenende,
David Kiermeir

tin
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Re: 18.-22.8.2014: Facharzt für Plastische Chirurgie

Beitragvon tin » Do 21. Aug 2014, 21:52

Guten Tag,
bei der Geburt des 2. Kindes habe ich einige Geburtsverletzungen erhalten (die ganze Geburt hat weniger als eine Stunde gedauert, und das Baby war 4100gr. , nehme an, es ist deswegen) Es ist alles gut verheilt, Beckenboden in Ordnung (Die Geburt ist 2 Jahre her). Nur die Schamlippen hängen irgendwie "hinaus". Optisch kann ich damit leben, aber ich habe das Gefühl, die Schamlippen würden in den Weg kommen. Insbesondere nach langem Radfahren schmerzt es. Ich spiele deshalb mit dem Gedanken, die Schamlippen einfach abschneiden oder zurückschneiden zu lassen. Wird dies überhaupt gemacht? Ist es empfehlenswert? Kann es zu Narbenbildungen kommen' Würden eventuell entstehende Narben beim Radfahren erst recht irritieren?
Vielen Dank für Ihre Antwort




Liebe Tin,
Sie und ihr Körper haben die Geburtsverletzungen ohne bleibende funktionelle Beschwerden überstanden, das ist schon einmal sehr erfreulich. Und das Problem, das Sie geschildert haben, ist glücklicherweise lösbar.
Durch das Geburtstrauma, aber auch durch genetische Faktoren, Alterungsprozesse oder Wachstum nach der Pubertät kann es dazu kommen, dass die inneren Schamlippen nicht mehr von den äusseren Schamlippen bedeckt werden. Wenn die inneren Schamlippen gut sichtbar sind, wird es in unserem Kulturkreis als unschön empfunden und es kann zudem zu Beschwerden führen, wie Schmerzen oder Reiben beim Fahrradfahren und anderen Sportarten, Tragen enger Kleidung oder beim Geschlechtsverkehr.
Die Schamlippenverkleinerung oder Labioplastik (Plastische Korrektur von Schamlippen) ist mittlerweile der häufigste Eingriff der ästhetischen Intimchirurgie und erfreut sich zunehmender Beliebtheit.
Zu Ihrer Frage: Ja es man macht es, ja es ist empfehlenswert wenn es ästhetisch stört oder gar Schmerzen bereitet, und ja es gibt Narben, welche nach Abheilung in der Regel keine Beschwerden verursachen.
Gegen die Schmerzen beim Fahrradfahren wird Ihnen die Operation sicherlich helfen.
Herzliche Grüsse,
David Kiermeir


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