Corona-Virus

Für alles, was nicht in die anderen Foren passt...

Moderator: Mrs. Bee

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Stella*
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Corona-Virus

Beitrag von Stella* »

In diversen Threads wurde schon einiges darüber geschrieben. Damit die anderen Threads nicht damit "zugemüllt" werden, könnten wir uns hier drin darüber austauschen.

Habt ihr Angst vor dem Virus, resp. wie geht ihr damit um?

Ist der Virus bei euren Kindern ein Thema?

Ich selber habe das Gefühl, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Virus in der Schweiz ist. Habe aber selber keine Angst davor, daran zu erkranken.
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Nuuneli
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Re: Corona-Virus

Beitrag von Nuuneli »

So was ich mitbekommen habe, waren die meisten Leute, die am Coronavirus gestorben sind, schon vorbelastet. Deshalb habe ich keine Angst und wir verhalten uns wie immer in der Grippesaison: vermehrt Hände waschen. Ansonsten kann man sich ja nicht wirklich davor schützen, ausser man bleibt zuhause und hält Quarantäne...
200120042007

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huckepack
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Re: Corona-Virus

Beitrag von huckepack »

jetzt ist er in der Schweiz ;-)

Mialania
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Re: Corona-Virus

Beitrag von Mialania »

huckepack hat geschrieben:
Di 25. Feb 2020, 15:54
jetzt ist er in der Schweiz ;-)
War nach Italien auch zu erwarten.

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Helena
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Re: Corona-Virus

Beitrag von Helena »

An alle, die in Minergiemehrfamilienhäusern wohnen oder in Klimatisierten Gebäuden arbeiten:
Geht das Ding nicht durch die Lüftungen? Ich nehm an, dass das auch auf den Kreuzfahrtschiffen ein Problem war?

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Netterl
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Re: Corona-Virus

Beitrag von Netterl »

Ok, dann muss sich aber jemand davor stellen und in den Lüftungseinlass eine zeitlang reinhusten, stelle ich mir vor. :lol:

Ich denke, der realistischere Übertragungsweg ist klassisch über Hände und Anhusten.
Weiß jemand was genaueres über die Übertragung?
Zuletzt geändert von Netterl am Di 25. Feb 2020, 17:14, insgesamt 1-mal geändert.
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newearth84
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Re: Corona-Virus

Beitrag von newearth84 »

Netterl hat recht ^_^
.

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Helena
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Re: Corona-Virus

Beitrag von Helena »

Beweis?

Desroches
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Re: Corona-Virus

Beitrag von Desroches »

Angst habe ich keine, aber sicher einen gewissen Respekt. Ich, mein Mann und meine Kinder sind gesund, also sprich keine sog. Vorbelastungen. Ich mache mir wenn, dann eher Sorgen um die ältere Generation in unserer Familie, da gibt es schon Personen mit sog. Vorbelastungen...
Verhalten tun wir uns gleich wie schon vor ein paar Jahren bei der Schweinegrippe: noch öfters Händewaschen wie bisher eh schon, Händedesinfektionsmittel in der Handtasche und im Auto um z.b. nach dem Einkaufen etc. Die Hände "reinigen" zu können wenn grad kein Wasser und Seife da sind.

Habt ihr Mundschutzmasken daheim vorrätig?
Zuletzt geändert von Desroches am Di 25. Feb 2020, 17:43, insgesamt 2-mal geändert.

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Netterl
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Re: Corona-Virus

Beitrag von Netterl »

@Helena: Ich habe keinen Beweis, nur eine Mutmaßung aufgrund des bisher gehörten.

Zudem ist eine Lüftungsanlage auf einem Schiff deutlich anders konzipiert als eine Anlage in einem EFH.
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Netterl
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Re: Corona-Virus

Beitrag von Netterl »

Vielleicht sollte ich noch hinzufügen: Ich beschäftige mich beruflich teilweise mit Lüftungsanlagen. Wenn sowas durch die Lüftung käme, dann auch durch die Fensterritzen etc. So dicht wie man denkt, ist ein Gebäude nämlich nicht.
Und der Vorteil von vielen Anlagen ist: Da sind zunächst mal Filter vorgeschaltet.
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Helena
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Re: Corona-Virus

Beitrag von Helena »

Naja, aber eine Fensterritze verteilt keine Innenluft. Viren sind ja in Innenräumen definitiv dichter gestreut.
Wenn die Nachbarin meiner Eltern im Minergiehaus ihre gruusigen Lauch-Knobligerichte kocht, dann stinkt die ganze Wohnung meiner Eltern danach. Sie haben offenbar nicht automatisch Filter, denn im Falle eines Brandes müsste man die ganze Anlage von Hand abstellen.

newearth84
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Re: Corona-Virus

Beitrag von newearth84 »

Helena
Wie Netterl bereits gesagt hat, das Konzept ist anders zwischen MFH und Kreuzfahrtschiff. Zudem macht Menschendichte auch etwas aus. Virus überlebt nicht so lange ausserhalb des Körpers, ist darum die Wahrscheinlichkeit geringer. Mach dir nicht zu viel Sorgen. Falls Menschen im HH sind mit gesundheitlicher Vorbelastung, Immunschwäche, vielleicht öfters Balkontüre öffnen für eine bessere Zirkulation.
.

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tris
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Re: Corona-Virus

Beitrag von tris »

Da bei mir der Radio oft läuft, hat mein Sohn viel mitbekommen- er hat aktuell tierisch Angst...er hat ja so eine Situation auch noch nie gehört...

Ich selber bin uneingeschränkt locker unterwegs. Arbeite seit immer im Gesundheitswesen und so habe ich Schweine-, Vogelgrippe (ja da hatte sich so manch ein Arzt Dank Verkauf von Tamiflu ein unnötig goldenes Näschen verdient) an der Front mitbekommen- des Weiteren gabs noch SARS und Ebola.

Gleichzeitig denke ich an die spanische Grippe, welche vor 100 Jahren kurzum ein paar Mill. Menschen ausgepustet hat.

Was mir im Moment fehlt (ich glaube irgendwie nicht, dass dieser Virus von Tier an Mensch an einem chin. Markt losgetreten wurde)- eben der tatsächliche Ursprung. Mag etwas verschwörerisch zum lesen scheinen, aber ein Resultat aus einem Labor - auch im Zusammenhang mit Weltmacht und Erpressung- erscheint mit wesentlich plausibler... nun ja diese Aussage nutzt ebenso wenig wie den Rückzug ins Schneckenloch...

Nun ja, wenn ich kurzum auf Grund dieses Corona Virus ins Gras beissen müsste (war ein paar Mal an der Fasi im gröbsten Menschengewimmel ohne Maske- bzw. nur leicht maskiert)- dann war es halt mein Lebensplan...

Mir fehlen einfach mehr Tatsachenberichte und dass im Winter vermehrt immungeschwächte Menschen am Grippe erliegen ist nichts Neues- einerseits ist unsere Technik einfach so weit dem Trend einen Namen zu geben und andererseits werden wir konstant im Zusammenhang mit anderen Themen in den Medien verarscht...

Also solange ich niemanden persönlich kenne den es erwischt hat, schiebe ich keine Panik... nicht mal
weil ich aktuell selber huste wie ein Hund...

alles Liebe
üses chline Sterndli 27.10.2012- du beschützisch üs
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sonrie
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Re: Corona-Virus

Beitrag von sonrie »

@Lüftung: ja, da sind Filter drin, aber nicht solche die Viren zurückhalten, sondern einfache Partikelfilter. Ich meine, dass ein HEPA 14 Filter auch Viren filtern kann, aber die Filter werden in Reinräumen und OPs eingesetzt und wohl aus rein finanziellen Gründen nicht im MFH. Die Problematik solcher Lüftungen ist bei Corona genau dieselben wie bei anderen Viruserkrankungen, man müsste sich also jeden Jahr Gedanken um Grippeviren machen, die sich im MFH verteilen. Genauso wie halt auch in Zügen, Bussen, Fliegern, Klassenzimmern, Bürogebäuden etc...

Sternli05
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Re: Corona-Virus

Beitrag von Sternli05 »

Masken haben wir keine, diese ganz normalen nützen ja angeblich nicht, es braucht welche mit Filter.
Hände desinfizieren nützt auch nur etwas wenn man es richtig macht.
Wasche meine Hände eh recht häufig.

Meine Kinder haben keine Angst. Bei unserem Jüngsten muss i h aufpassen, er hat Angststörungen. Es gibt aber im Moment weltweit keine betroffenen Kinder. Das hat ihn total beruhigt.

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Opti
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Re: Corona-Virus

Beitrag von Opti »

Stella* hat geschrieben:
Di 25. Feb 2020, 14:38
In diversen Threads wurde schon einiges darüber geschrieben. Damit die anderen Threads nicht damit "zugemüllt" werden, könnten wir uns hier drin darüber austauschen.

Habt ihr Angst vor dem Virus, resp. wie geht ihr damit um?

Ist der Virus bei euren Kindern ein Thema?

Ich selber habe das Gefühl, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Virus in der Schweiz ist. Habe aber selber keine Angst davor, daran zu erkranken.
Hoi Stella
Ich bin gerne informiert über den aktuellen Stand, aber ich habe keine Angst. Möglicherweise werde ich krank, dann ist es wahrscheinlich wie eine heftige Grippe und ich werde höchstwahrscheinlich danach wieder gesund. Dasselbe gilt für Mann und Kind.
Würde die von der Elterngeneration jemand krank, dann ist es auch wahrscheinlich, dass es gut kommt, aber so eindeutig ist es da schon nicht mehr, dahin gehen schon ein paar Gedanken. Aber es müsste 2x schief gehen (krank werden und sterben).

Was mich mehr beschäftigt ist die allgemeine Panik. Mich nervt es langsam (vor allem die, die Blödsinn erzählen). Meine Tochter - und das finde ich schlimmer - ist verängstigt am Montag von der Schule heimgekommen. Sie hätten eine Stunde über das Virus gesprochen. Resultat war, dass meine Tochter all die Horror-Märchen verinnerlicht hat. Wir haben dann wirklich ganz genau zusammen fundierte Berichte studiert bis sie selbst einschätzen konnte, was Angst macht und auch realistisch zu Sorgen führen kann und was nur Bullshit ist. Und natürlich, jetzt nach dem Tessiner Fall wieder, damit sie auf morgen vorbereitet ist. Finde ich anstrengend und nervig. Wenn man in der Schule sowas diskutiert, soll es de-eskalierend sein...
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Lotus
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Re: Corona-Virus

Beitrag von Lotus »

Ich platzier hier mal folgende Info:

Aus guten Quellen weiss ich, dass die Mitarbeiter einer gewissen Hotline genausoviele Infos haben und weitergeben dürfen, wie ihr selbst auf der BAG-Webseite nachlesen könnt!

Ruft lieber den Arzt an, wenn ihr Beschwerden habt. Die Reiseversicherung, wenn ihr was buchen wollt, oder euren Chef, wenn ihr wissen wollt, ob ihr Daheim bleiben dürft ;)

Lotus
"Erziehung ist organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend." Mark Twain

swam
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Re: Corona-Virus

Beitrag von swam »

Lüftung: Wir wohnen auch in einem Minergie Mehrfamilienhaus. Die Luft, die in die Wohnung kommt, wird von draussen angesogen. Wir riechen also nur Gerüche, die von draussen kommen, nicht aber, wenn der Nachbar kocht :D Das wundert mich ehrlich gesagt schon etwas, dass man riecht, wenn jemand im Haus kocht!

Mich nervt auch dieses Panikmache! Ausser Verunsicherung bringt das doch gar nichts.

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F. Scarpi
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Re: Corona-Virus

Beitrag von F. Scarpi »

Diese Sache muss "man" ganz sicher ernst nehmen. Aussagen wie, es gäbe "Hysterie" und "Panikmache" sind fehl am Platz. Diese gibt es einerseits zwar schon auch, aber Verharmlosung ist in der heutigen Zeit so verbreitet wie das Gegenteil (die Haltung, uns wird es schon nicht treffen, etc.) Das kann sehr fahrlässig sein. Wir haben immer das Gefühl (natürlich auch mit Recht), "wir" würden es mit Angst, Panik, Hysterie und unserem Gefahrenempfinden übertreiben, aber genau so gibt es auch einen Hang zur Fahrlässigkeit, weil wir uns in Sicherheit wiegen.

Hier ein Interview mit einem Experten in der NZZ, das ich sehr interessant fand, fundiert, kritisch und ohne Panikmache:
Spoiler:

Experte zum Corona-Ausbruch:

«Man muss jetzt nicht die halbe Schweiz unter Quarantäne stellen»
Der Epidemienforscher Christian Althaus sagt, es gebe keinen Anlass zur Panik. Dem Bundesamt für Gesundheit wirft er allerdings Verharmlosung vor. Laut dem Fachmann steht die Schweiz wegen des Coronavirus vor der «grössten gesundheitlichen Notlage ihrer jüngeren Geschichte».

Herr Althaus, Sie schreiben auf Twitter, die Schweiz stehe vor einer der «grössten gesundheitlichen Notlagen ihrer jüngeren Geschichte». Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Das hat natürlich auch damit zu tun, dass es in den letzten Jahrzehnten glücklicherweise keine grössere gesundheitliche Notlage gab, mal abgesehen von der HIV-Epidemie. Die Daten, die wir zum Coronavirus haben, zeigen, dass wir nun mit einer globalen Pandemie rechnen müssen. Und die Sterblichkeit ist höchstwahrscheinlich massiv höher als bei einer saisonalen Grippe. Es geht aber nicht nur um die zu erwartenden Todesfälle, sondern auch um die drohende Überlastung der Spitäler. Deshalb muss auch die Schweiz mit beträchtlichen Konsequenzen für die Gesundheit, die Wirtschaft, die Mobilität und das gesellschaftliche Leben rechnen.

Einige Experten sagen aber, dass die Mortalität bei Covid-19 nicht viel höher sei als bei der saisonalen Grippe. Das würde bedeuten, dass vielleicht einer von tausend Infizierten sterben würde. Was macht Sie so sicher, dass es weitaus schlimmer ist?

Die meisten Fachleute gehen wie ich davon aus, dass die Sterblichkeit bei rund einem Prozent liegt. Das wären etwa zehnmal so viele Todesfälle wie bei einer normalen Grippe. Aber auch viel mehr schwere Erkrankungen sind möglich, was das Gesundheitssystem an den Anschlag bringen kann. Das Gefährliche beim neuen Coronavirus ist, dass es keine Immunität in der Bevölkerung gibt. Das kann dazu führen, dass sich vielleicht 30, 40 Prozent oder mehr der Leute anstecken.

Es könnte also drei Millionen Infizierte in der Schweiz geben. Bei einer Sterblichkeit von einem Prozent sprechen wir von 30 000 Toten.

Ja. Ein solches Worst-Case-Szenario ist nicht ausgeschlossen.

Ein Menschenleben ist ein Menschenleben. Und dennoch: Die neue Krankheit betrifft vor allem ältere Leute, die oft schon geschwächt sind. Das relativiert doch die Gefahr des Virus.

Es ist sicher eine gute Nachricht, dass junge Erwachsene und Kinder in den allermeisten Fällen eine milde Erkrankung durchlaufen. Wir sehen aber auch Todesfälle bei jungen Menschen, bei jungen Ärzten. Das wäre bei einer normalen Grippe so sicher nicht zu erwarten. Und wir sehen eine sehr hohe Sterblichkeit bei Leuten über 50, 60 Jahren. Deshalb muss man alle Massnahmen treffen, damit sich diese Leute besser schützen können.

Die Sterblichkeit zu beurteilen, ist sehr schwierig. Das zeigte sich 2009 bei der Grippepandemie, die auch unter dem Namen Schweinegrippe bekannt ist. Im Nachhinein stellten sich die ersten Einschätzungen als viel zu pessimistisch heraus. Haben Sie nicht die Hoffnung, dass dies nun auch so sein könnte?

Ich wäre sehr froh, wenn ich und all die anderen Experten total falsch liegen würden. Die Wahrscheinlichkeit ist aber leider sehr klein. 2009 hat man anfänglich überreagiert, das kann man rückblickend sagen. Nur sind wir derzeit in einer komplett anderen Situation. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) diese Geschichte nachwirkt. Deshalb geht man dort, wohl aus einem Bauchgefühl heraus, davon aus, dass die heutige Epidemie ähnlich verlaufen wird wie jene vor elf Jahren.

Sie kritisieren das BAG harsch und sprechen von einer «unverantwortlichen Fehleinschätzung der Gefährlichkeit» des Coronavirus.

Die Aussage, die Gefährlichkeit sei etwa so hoch wie bei einer saisonalen Grippe, ist absurd und basiert nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Fast alle internationalen Experten, auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), sehen das komplett anders. Die Chinesen, die auch etwas von der Sache verstehen, hätten sicher nicht all die Massnahmen wie die Abriegelung ganzer Städte getroffen, wenn die Sterblichkeit wie bei einer Grippe wäre.

Orten Sie ein personelles Problem beim BAG?

Ich kann mir vorstellen, dass das Bundesamt zu wenige Experten hat, die diese komplexen epidemiologischen Fragen beurteilen könnten. Und leider gibt es relativ wenig Austausch mit Experten in der Schweiz, aber auch im Ausland, die diese Informationen liefern und das BAG unterstützen könnten.

Sie sehen Technokraten am Werk?

Oder eher Beamte . . .

Sie kritisieren insbesondere die Kommunikation des BAG. Wie hätte eine optimale Kommunikation ausgesehen?

Die Hauptaufgabe des BAG ist es, im Hintergrund die Strukturen zu etablieren, die es nun braucht, da wir die ersten Corona-Fälle haben. Ich gehe davon aus, dass dies gemacht wurde. Wichtig ist aber auch, neue wissenschaftliche Erkenntnisse aufzunehmen und zu kommunizieren. Mir ist aufgefallen, dass bei den Pressekonferenzen der letzten Wochen immer wieder Falschinformationen verbreitet wurden.

Nämlich?

Ich habe eine ganze Liste erstellt. Ein Beispiel: Eine Woche nachdem es bereits zu Infektionen ausserhalb Chinas gekommen war, wusste man beim BAG offenbar nichts davon. Oder kürzlich wurde behauptet, dass keine neuen Länder betroffen seien, obwohl die Fälle aus Iran schon bekannt waren.

Bundesrat Alain Berset war bemüht, den Ball flach zu halten, um keine Panik auszulösen. Sie haben in den sozialen Netzwerken alarmierende Töne angeschlagen. Was ist Ihre Motivation dafür?

Als Wissenschafter stehe ich für eine offene Diskussionskultur. Deshalb kommuniziere ich diese Fakten. Es hat zwar überhaupt keinen Sinn, Panik zu verbreiten, und die Bevölkerung muss auch nicht eingeschüchtert sein. Aber sie muss wissen, dass eine Epidemie auf die Schweiz zukommen wird.

Sie haben auch kritisiert, dass die Schweiz zu passiv sei. Wo liegt das Problem?

Derzeit geht die WHO von einer kleinen Chance aus, dass sich eine weltweite Ausbreitung noch verhindern lässt. Deshalb unterstützt sie die drastischen Massnahmen in China und jene in anderen Ländern. Singapur zum Beispiel ist sehr gut vorbereitet und versucht alles, um eine Ausbreitung zu verhindern. Jedes Land hat die Verantwortung – alleine schon aus internationaler Solidarität –, mindestens zu Beginn zu versuchen, die Ausbreitung zu stoppen oder zu verlangsamen.

Und das tut die Schweiz nicht?

Ich habe den Eindruck, dass man in der Schweiz akzeptiert hat, dass man eine Ausbreitung nicht mehr stoppen kann. Aber das wäre gefährlich. Denn durch eine Verlangsamung würde man Zeit gewinnen, um den Anstieg der Patientenzahlen in den Spitälern besser zu verkraften.

Sprechen wir von konkreten Massnahmen. Wie gravierend müsste die Situation in der Schweiz werden, damit Anfang März der Autosalon in Genf abgesagt werden müsste?

Das muss das BAG entscheiden. Solche Szenarien sollten dort in der Schublade sein.

Können Sie als Experte für Epidemiologie das nicht beurteilen?

Das sind politische Entscheide. Diese müssen die Schweizer Behörden in Absprache mit der Weltgesundheitsorganisation und den europäischen Partnern treffen. In Italien wurden der Karneval und andere Anlässe abgesagt. Es ist gut möglich, dass solche Massnahmen auch hierzulande nötig werden.

Und wenn auch das nichts nützt?

Ab einem gewissen Zeitpunkt ergibt es wohl keinen Sinn mehr, solch drastische Massnahmen umzusetzen. Dann sollte man sich darauf konzentrieren, die Patienten in den Spitälern bestmöglich zu versorgen und beispielsweise Altersheime besonders zu schützen.

Welche Massnahmen sollte die Schweiz jetzt schon ergreifen?

Es geht sicher nicht darum, die Grenzen zu schliessen. Wir leben in einer liberalen Gesellschaft, und Mobilität ist ein hohes Gut. Es ist aber etwas absurd, wenn nur im Tessin die Patienten mit Lungenentzündung auf das neue Coronavirus getestet werden. Solche Massnahmen sollten für die ganze Schweiz gelten – auch wenn der erste Fall nun das Tessin betrifft.

Bei allen Massnahmen muss man auch mögliche Kollateralschäden bedenken.

Man muss jetzt nicht die halbe Schweiz unter Quarantäne stellen. Wichtig wäre, dass es genügend Kapazitäten für die Rückverfolgung der Kontaktpersonen von Infizierten (Contact-Tracing) gäbe.

Ist es denkbar, dass bei einer schwereren Epidemie auch die Armee zum Einsatz kommt?

Das VBS ist nicht so aufgestellt, dass es in einer solchen Situation gute Arbeit leisten kann. Epidemien sind kein Fokus des Departements. Das sollte sich ändern. Denn beim VBS geht es ja auch um Bevölkerungsschutz. Und Pandemien sind eine der grössten Gefahren für unsere Gesellschaft, grösser wohl als Terrorismus oder Krieg.

Was könnte die Armee konkret leisten?

Soldaten könnten ausgebildet werden, um das Contact-Tracing zu unterstützen. Zudem könnte die Armee logistische Unterstützung bieten. In der Schweiz sind allerdings die Kantone für das Gesundheitssystem zuständig. Das ist problematisch.

Inwiefern?

In Zürich zum Beispiel gibt es derzeit nur 17 Leute für das Contact-Tracing. Da ist man bei einem grösseren Ausbruch komplett überfordert.
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