Und weiter gehts mit dem Wundern...

Für alles, was nicht in die anderen Foren passt...

Moderator: conny85

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stella
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von stella »

Berufswahl
Mir ist dabei erstens wichtig, dass sie sich überlegen, was sie von Herzen gerne tun würden und zweitens, dass sie sich eine Ausbildung suchen, von der sie leben können.
Es nützt nichts, wenn sie Ethnologin werden und keine Anstellung bekommen.

Interessant ist, dass eines meiner Mädel später einmal zuhause bei den Kindern bleiben will. Sie hat die Kita gehasst.
Das andere Mädel will Ärztin oder Tierärztin oder Tierforscherin werden und Kinder haben, aber der Mann soll dann zu den Kindern schauen. Das aus der gleichen Familie.

Ich lasse jährlich meine Kids im WAH, wenn wir das Thema Arbeit und Vereinbarkeit haben, einen Text "ich in 20 Jahren" schreiben. Und es ist erschreckend, wie sich da in den letzten 20 Jahren (liess den früher immer in Deutsch schreiben) wenig geändert hat. Ab und zu habe ich ein Mädchen, welches jetzt sagt, dass es mal keine Kinder haben will. Ansonsten schreibt die Mehrheit über klassische Rollenteilung oder darüber, dass die Frau dann in einem Minipensum arbeiten wird.
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uetliberg
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von uetliberg »

@danci: es braucht noch viel viel Zeit, bis sich das ändern wird.

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danci
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von danci »

@ Uetliberg
Oh ja...

@ Stella
Wie bei uns:
Meine Mutter hat immer viel gearbeitet, wir waren viel alleine und sehr selbständig. Ich fand das toll, wollte es schon immer so machen und habe es auch so umgesetzt. Auch fand ich es immer super, dass meine Eltern trotz Kindern ihr eigens Leben hatte mit Hobbies, Freunden Arbeit und wie unseres. Meine Schwester brachten diese Erfahrungen dazu, dass sie bis zum Schulalter der Kinder zu Hause war, danach tiefprozentig anfing, die Kinder sehr lange keine 30 Minuten alleine zu hause lies, einkaufen schickte o.ä. Während meine Tochter zum Beispiel bereits in der 4. Klasse selber mit dem Bähnli + einmal umsteigen zu ihrem Hobby fuhr, fährt mein Neffe nun in der 9. Klasse zum ersten Mal selber Zug, da er ins Gymi geht. Meine Kinder (12, 9 und 5) können seit einem Jahr gut mal ein Mittagessen alleine einnehmen, ihre Kinder (15 und 12) sehr ausnahmsweise und seit diesem Jahr etc. etc. Auch sonst steht bei ihnen das Familienleben vor allem, sie nehmen auch das Telefon nicht ab, wenn gerade Familienzeit ist abmachen ist oft schwierig und wenn, dann nachdem sie es zusammen besprochen haben etc. Ist kein Vorwurf an sie, ist für mich einfach immer wieder so erstaunlich, wie unterschiedlich wir ticken.
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jupi2000
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von jupi2000 »

Stella
Und wenn die Jungen das so wollen? Was spricht dagegen? Sie sollen einfach wählen und selbst bestimmen können, oder? Egal für welches Modell sie sich entscheiden.
Meine Tochter möchte sicher mal Kinder. Dann teilzeit arbeiten und ihre Kinder meinem Mann und mir bringen zum hüten :lol:
Mein Sohn möchte auch Kinder. Nur wirds eher schwierig als schwuler Mann auf legalem Weg zu einem Kind zu kommen. Mal sehen, was die Zukunft in der Beziehung so bringt.
Meine 2.Tochter ist noch nicht sicher, ob sie Kinder möchte.

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stella
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von stella »

Jupi
Es ist utopisch, dass die Jugendlichen heute die absolute Wahl haben. Und sie werden in unserer Gesellschaft sozialisiert - da würde ich mir langsam Gleichwertigkeit, Gleichberechtigung aller Geschlechter wünschen.

Danci
Das ist sehr interessant.
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millou
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von millou »

danci hat geschrieben: Sa 30. Jan 2021, 12:59 Anschlussfrage: Thematisiert ihr dies mit Euren Kindern (vielleicht insbesondere Töchter), wenn es um die Berufswahl geht?
Ganz klar.
Genau in der Art wie ich es mit Jungs diskutieren würde.
Ziel: einen Job, der dir und deinem Wesen und deinen Fähigkeiten entspricht UND der dir ein unabhängiges Leben ermöglicht.

Ich selbst konnte in der Theorie immer selbst entscheiden, habe aber von meinen Eltern, insbesondere meiner Mutter NIE die Unterstützung und Anerkennung erhalten, wie mein Bruder. Eben weil ich ein Mädchen bin und später ja eh mal Familie habe und daheim bleibe.
Sie versteht bis zum heutigen Tag nicht, dass ich arbeite (ich in der Theorie 80%, aktuell sind es aber 100%, mein Mann ebenfalls 100%) und ich kriege regelmässig von ihr zu hören, wie arm meine Kinder sind weil sie in Kita resp. jetzt Hort "müssen" (2 Tage die Woche, den Rest sind sie daheim...)
Das absolut Essentielle: dass mein Job mich glücklich macht, mir Energie, Bestätigung, Anerkennung, Zufriedenheit gibt lässt sie völlig ausser acht.

jupi2000
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von jupi2000 »

stella hat geschrieben: Sa 30. Jan 2021, 14:57 Jupi
Es ist utopisch, dass die Jugendlichen heute die absolute Wahl haben. Und sie werden in unserer Gesellschaft sozialisiert - da würde ich mir langsam Gleichwertigkeit, Gleichberechtigung aller Geschlechter wünschen.

Danci
Das ist sehr interessant.
Kann sein. Ich denke aber, dass nicht das Geschlecht der Jugendlichen ausschlaggebend ist ob sie die Wahl haben, sondern eher der soziale Status der Eltern. Oder besser gesagt, je reicher die Eltern, desto mehr Wahl die Jungen.

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ChrisBern
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von ChrisBern »

Ich weiss gar nicht, ob es wirklich das Geld ist oder eher die Erfahrung und/oder Haltung der Eltern? Ich komme aus der ehemaligen DDR und aufgrund der Wende sind damals viele Eltern arbeitslos geworden und haben teilweise auch keinen Job in ihrer qualifikation mehr gefunden. Das in kombi mit der Abwertung des Geldes führte dazu, dass Geld echt ein Thema war, auch bei uns (mein Vater hat mit höchster akademischer Ausbildung und trotz, dass er immer auf sehr hohem Posten mit gutem Gehalt gearbeitet hat, 1000 Euro Rente bekommen, nur als Beispiel). Trotzdem stand es für meine Eltern nie in Frage, dass beide Töchter studieren und dass sie das nach besten Möglichkeiten finanziell unterstützen. Bei meinem Mann das gleiche, ebenso wie bei den meisten meiner Kollegen in der Schule. Bildung war halt in der Kultur wichtig und das wurde sich echt abgespart. Daher glaube ich, dass das nicht total von den Finanzen abhängt oder will es zumindest hoffen.

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Ursi71
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von Ursi71 »

Spannende Diskussion: Bei mir ist es auch so, dass ich micht nicht abhängig machen will. Ich wollte immer genug Einkommen haben, dass ich nicht auf meinen Mann angewiesen wäre, wenn er mal das Weite suchen sollte. Und mal ganz ehrlich, auch weil ich die Möglichkeit haben will, zu gehen ohne ihm auf der Tasche zu liegen, wenn es mir in der Ehe irgendwann mal "aushenken" sollte :oops: .
Und mein Einkommen ist auch eine Absicherung für ihn. Grad letzthin hatten wir die Diskussion, dass er in seiner (Gross)Firma plötzlich der einzige Mitarbeiter über 50 ist. Wer da nichts böses denkt... :roll: Und wir haben dann durchgerechnet, dass ich auf 80% erhöhen könnte und wir dann selbst wenn GG nie mehr einen Job finden sollte, weiterhin ohne uns viel einschränken zu müssen, gut durchkommen würden.

Mich wundert grad noch etwas anderes (oder eben nicht so anderes): Dass Tochter (1. Sek) ein Zeugnis von der Schule heimbringt und voll genervt fragt: "Warum haben ALLE Mädchen in Mathe nur eine 4 oder 4.5 und ALLE Jungs 5 oder 5.5?"
Zufall? Ich glaub das nicht.
Tochter hat den Lehrer noch extra gefragt, warum sie nur eine 4.5 hatte (Sie hatte eine 5 erwartet). Der Lehrer hatte geantwortet: "Ja ich hätte dir auch aufrunden können..."
Ob er bei einem Jungen auch abgerundet hätte?
Ach, und es ist ein sehr junger Lehrer, falls sich jemand wundern sollte...

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danci
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von danci »

Ursi71 hat geschrieben: Sa 30. Jan 2021, 16:51 Mich wundert grad noch etwas anderes (oder eben nicht so anderes): Dass Tochter (1. Sek) ein Zeugnis von der Schule heimbringt und voll genervt fragt: "Warum haben ALLE Mädchen in Mathe nur eine 4 oder 4.5 und ALLE Jungs 5 oder 5.5?"
Zufall? Ich glaub das nicht.
Tochter hat den Lehrer noch extra gefragt, warum sie nur eine 4.5 hatte (Sie hatte eine 5 erwartet). Der Lehrer hatte geantwortet: "Ja ich hätte dir auch aufrunden können..."
Ob er bei einem Jungen auch abgerundet hätte?
Ach, und es ist ein sehr junger Lehrer, falls sich jemand wundern sollte...
:shock: :shock: :shock: Wow, nein, das halte ich auch nicht für einen Zufall. :shock:


@ Jugend
Ich bin auch nicht sicher, dass sich diese Jugendlichen so im Klaren ist, was es bedeutet. Wieviele ältere Frauen sagen heute, sie hätten nie derart reduziert oder aufgehört, wenn sie wirklich gewusst hätten, wie tief die Rente ist oder es so schwierig sei, wieder einzusteigen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Generation unserer Mütter eine ganze Generation voller Wieder-Einsteigerinnen war, die zwar logischerweise in Konkurrenz mit den Männern standen, aber nur mit diesen und gerade in den typischen Frauenberufen war das ja nicht so schlimm. Zudem musste ein AG überlegen, ob er eine jungen Frau einstellt, die dann evtl. bald wieder geht oder eine ältere, die die Familienpause hinter sich hat und von 45-64 bleibt. Bereits heute ist das anders. Der Hausfrauenanteil liegt bei 20%, diese Frauen konkurrieren beim Wiedereinstieg auch mit denen, die immer drin waren. Das macht es einiges schwieriger. In der nächsten Generation wird sich das noch intensivieren. Ob die 15-jährigen wirklich soweit denken?

Ich selber werde dieses Jahr 40 :oops: :mrgreen: . Und eigentlich macht mir das wenig aus, aber mich beschäftigt durchaus seit 1-2 Jahren das Gefühl, einfach nicht mehr alles machen zu können. Noch bis vor Kurzem dachte ich immer, was ich jetzt mache ist super, ich könnte aber genauso gut alles abbrechen, etwas anderes studieren, etwas komplett ändern. Nun spüre ich dass das wohl nicht ganz realistisch ist. Klar, kann ich kündigen und einen anderen Weg einschlagen, aber noch 10 Jahre bleiben und dann noch komplett neu anfangen geht halt eher nicht mehr, also ich habe die Wahl, kann aber nicht mehr alles haben. Mit 35 hätte ich keinen Gedanken daran verschwendet. Mit 15 sowieso nicht.
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enjel
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von enjel »

stella hat geschrieben: Sa 30. Jan 2021, 14:20 Berufswahl
Mir ist dabei erstens wichtig, dass sie sich überlegen, was sie von Herzen gerne tun würden und zweitens, dass sie sich eine Ausbildung suchen, von der sie leben können.
Es nützt nichts, wenn sie Ethnologin werden und keine Anstellung bekommen.
Ich bin Ethnologin - und ich habe seit Uniabschluss nie weniger als 80 Prozent gearbeitet :mrgreen:
Ich bin der Überzeugung, Hauptsache Abschluss, was ist sekundär. Denn gerade heute arbeitet kaum jemand das ganze Leben im gelernten Beruf. Ich inklusive. Dein letztes Kriterium finde ich viel weniger wichtig, als das grundsätzliche Vorleben eines unabhängigen Lebens, auch finanziell.
Und ja, wir beinflussen sehr viel, ohne es zu merken. Findet die Mädchen, die Mathe cool finden, als Beispiel. Das war schon in meiner Jugend so .... Und: dass ich Mathe mochte, das fanden übrigens meist nur Mädchen/Frauen komisch :wink:

P.S. Als Zusatz: Die matheliebende Ethnologin ist in der Statistik gelandet ;-) So apropos, Abschluss und gewähltes Berufsfeld ....
Zuletzt geändert von enjel am Sa 30. Jan 2021, 19:21, insgesamt 1-mal geändert.
Manche Ohren haben Wände. (Robert Lembke)

Yoghurt
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von Yoghurt »

Ich glaube, ich gebe einfach mal meinen Senf dazu, auch wenn es kein ausgereifter Gedankengang ist. Wir leben im Moment faktisch das traditionelle Rollenmodell. Das hat mehrere Gründe, die ich hier nicht alle aufführen will, das geht euch nämlich nichts an. :P Einer der Gründe war aber, dass ich in meinem erlernten (studierten) Beruf überhaupt nicht mehr glücklich war und wusste, dass ich kaputt gehe, wenn ich das weiterverfolge. Dieses Fach habe ich damals studiert, weil meine Familie mich unter Druck gesetzt hat. Vorgeblich war es eine moderne Familie, meine Mutter war "emanzipiert" und hat auch immer gearbeitet und in ihrem Beruf mehr verdient als mein Vater, aber das Denken war völlig althergebracht. Ich bin aufgewachsen mit "Ein Mädchen tut dies nicht, ein Mädchen tut jenes nicht, ein Mädchen trägt Röcke, ein Mädchen hat lange Haare, ein Mädchen wehrt sich nicht, wenn es angegriffen wird" etc. Dass Yoghurt einen Beruf ergreift, der nicht in irgendeiner Form Status hat und vor allem, der ihr Spass macht, das ging gar nicht! Ausserdem war es eine Zeit, in der jeder Berufsberater dazu geraten hat, nicht nach Interesse zu studieren, sondern nach Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Mit der Folge, dass die Hörsääle in bestimmten Fächern brechend voll waren, und was waren die Folgen für den Arbeitsmarkt? Genau.
Jedenfalls habe ich einen "guten" Beruf studiert, der nur leider nicht so ganz zu mir passt.

In Absprache mit meinem Mann habe ich meinen ursprünglichen Beruf aufgegeben und eine Zweitausbildung angefangen. Die hat mir sehr viel gegeben, aber ich hatte praktisch kein Einkommen. Irgendwann kam dann unser Sohn, der besondere Bedürfnisse hat und den wir nicht einfach so irgendwohin geben können. Ausserdem kamen meine eigenen Erfahrungen als Kind ins Spiel. Meine Mutter hat immer gearbeitet, und sie hatte keine Lust, sich mit mir zu beschäftigen. Ihre Arbeit war immer die perfekte Ausrede, sich nicht mit mir abgeben zu müssen. Bastelnachmittag in der Schule? Das sollen Mütter machen, die nicht berufstätig sind! Chilbi im Dorf? Die Mütter von Yoghurts Kolleginnen fragen, ob sie Yoghurt mitnehmen, ich bin berufstätig! Das, obwohl sie ihre Arbeitszeit problemlos hätte so einteilen können, dass sie für solche Sachen Zeit gehabt hätte. Bei meinem Sohn habe ich es ganz bewusst anders gemacht. Solche Gelegenheiten sind etwas Besonderes, und da bin ich gerne sofort dabei. Hinzu kommt, dass mein Sohn vom ganzen Schulsetting oft überfordert war und ich ihn auffangen musste. Damit konnte ich keinen Job vereinbaren. Als er noch klein war, hatten wir zum Glück eine Tagesmutter, die ihn genommen und akzeptiert hat, wie er war, so dass ich ein wenig Entlastung hatte. Aber auch da musste ich flexibel sein, wenn mein Sohn zu überreizt war. Mit festen Arbeitszeiten wäre es nicht zu vereinbaren gewesen.

Inzwischen habe ich meine Zweitausbildung so weit abgeschlossen, dass ich beruflich etwas damit anfangen kann. Es gibt mir sehr viel, und ich kann meine Stärken und Talente voll zur Geltung bringen. Problem: In dem Beruf ist man freiberuflich tätig. Einerseits gut bezüglich Flexibilität, andererseits bin ich noch in der Anfangsphase, und die ist in diesem Beruf kein Selbstläufer.

Nebenher bin ich auch noch ehrenamtlich engagiert.

Faktisch bin ich also in finanzieller Hinsicht von meinem Mann abhängig, weil mein eigenes Einkommen sehr bescheiden ist. Aber mein Mann unterstützt mich in jeder HInsicht, freut sich über meine Erfolge und ermutigt mich, neue Wege zu gehen. So stimmt es für uns, und ich möchte nicht aus falsch verstandener Emanzipation einen Weg gehen, der für unsere Familie nicht so passend ist und eher zu einer Belastung würde.

millou
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von millou »

Ich hab ein Mädel daheim, das mathemässig voll oben raus schlägt. Sie wird bereits jetzt als 4. Klässlerin als Streber bezeichnet von Klassenkameraden. Ob es an der Kombi Mädchen/Mathe liegt weiss ich nicht, vermute es aber stark. Sie entspricht in vielen Charakterzügen und Eigenschaften ganz und gar nicht den Mädchen-Klischees.
Sie hat einen starken Charakter, aber sie fragt sich trotzdem, warum sie sich rechtfertigen muss, weil sie Mathe liebt.
Ich hoffe stark, sie lässt sich dadurch auf ihrem Weg nicht beirren. Ich bestärke sie darin, dass sie es für sich richtig macht und dass sie ihre Leidenschaft für Mathe ausleben darf, für ihre Rechte einstehen darf und dass das genau richtig ist.

Desroches
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von Desroches »

Mein Sohn befindet sich z. Z. auch grad in der Berufswahl. In diesem Zusammenhang hat mir kürzlich ein Vater gesagt, dass er seiner Tochter geraten habe, einen Beruf zu wählen, der später gut mit der Familie zu vereinbaren ist. Und ich hab mich gefragt: wirklich? Ist das in der heutigen Zeit wirklich noch nötig? Irgendwie bin ich überzeugt, dass die Kinderbetreuung bzw. die Vereinbarkeit der Berufe mit Familie sich nochmals zum positiven verändern wird, bis unsere Kinder Eltern werden - ich bin überzeugt, dass sich bis dahin beide Elternteile die Kinderbetreuung - mit Unterstützung von Fremdbetreuung - teilen werden. Beide Teilzeit (in welchen Pensen auch immer), aber ich glaube nicht, dass bis dann weiterhin vorallem die Mütter kleinprozentig und die Väter hoch- bis 100%ig arbeiten.

Wir selber hatten auch aus privaten und gemeinsam entschiedenen Gründen die ersten 10 Jahre das Modell, dass GG 100+% arbeitete und ich daheim blieb. Es hat für uns beide gestimmt. Seit 5 Jahren arbeite ich nun 40-50% im vorherigen Beruf und wir sind damit ebenfalls happy. Ob ich es im Nachhinein trotzdem nochmals gleich machen würde? Eher nicht. Jedoch fehlten damals gewisse Rahmenbedingungen, die aufgrund unserer fortschrittlichen Gemeinde inzwischen tatsächlich besser zu händeln wären.

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stella
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von stella »

Aus verschiedenen Gründen (keine Verfügbarkeit von familienergänzenden Betreuungsmöglichkeit plus Kind mit sehr starken Bedürfnissen) war ich die ersten 6 Jahre tiefprozentig in der Erwerbsarbeit. Ich habe aber immer damit gehadert. Da wir aber keine Grosseltern hatten, die einspringen konnten und es auch keine Kita gab, die Kinder unter zwei Jahren aufnahm, fügte ich mich hinein, auch aus dem Grund, dass mein Mann deutlich mehr verdient. Ich habe dann schnell gemerkt, dass frau auch in meinem Beruf in die Bedeutungslosigkeit versinkt mit einem tiefen Pensum. Nach sechs Jahren habe ich einen Leitungsjob übernommen und in einer grösseren Gemeinde das schulergänzende Betreuungsangebot mitaufgebaut. Das war eine spannende, aber auch zehrende Zeit, vor allem, weil da ja noch das Kind war, welches uns sehr brauchte. Nach weiteren fünf Jahren, die Betreuung lief dann an fünf Nachmittagen, das Team war eingespielt, Routine kam, die interessierte mich wenig, bin ich zurück in meinen angestammten Beruf. Beruflich hatte ich nur noch eine Rolle. Ich arbeitete zwischen 27 und 55%. Im Moment möchte ich mehr, 70 - 80%. Das ist aber an meinem Arbeitsort nicht möglich. In zwei Jahren wird jemand pensioniert. Dort werde ich dann mein Pensum aufstocken. Deswegen den Arbeitsort wechseln würde ich nicht wollen. Ich habe zu viele positive Dinge an meinem jetzigen Arbeitsort.
Mein Mann hat immer 100% gerabreitet. Aber er konnte recht viel frei einteilen, so dass er eigentlich immer auch beteiligt war an der Care- und Hausarbeit. Mal mehr, mal weniger, je nach dem, wie viel ich gearbeitet habe.
Leider hat bei meiner Pensionskasse sehr viel gewechselt, so dass ich aktuell viel schlechter dastehe, als damals, als ich das erste Kind kam, mir vorausgesagt wurde. Das ärgert mich ein wenig. Aber ich kann es nicht ändern.

Berufswahl, typisch Mädchen, typisch Junge
Ich denke nicht, dass man es so plakativ sagen kann, z.B. mit Mathe.
Aber generell würde ich sagen, dass die Geschlechterstereotypien immer noch recht ausgeprägt sind. Da tut sich nur langsam was. Ebenfalls in der Bewertung, was typisch weiblich, typisch männlich ist. Lernt ein Mädel Zimmermann, dann ist sie cool. Lernt ein Junge Fachangestellter Gesundheit, dann ist das nicht wirklich cool.
Ich hatte mal vor über 16 Jahren eine Fortbildung zu diesem Thema und ich denke, dass seit da nicht sehr viel gewechselt hat. Mädchen wählen immer noch nur aus einer Handvoll Berufe aus: Verkauf, Büro, FAGe, FABe, Floristin, Coiffeuse. Das sind glaub von den Mädchen die meist gewählten Ausbildungen. Bei den Jungs kommen halt etliche Handwerksausbildungen dazu. Die sind breiter aufgestellt. Ich habe selten mal ein Mädel, welches einen typischen Jungenberuf lernt. (Malerin, Schreinerin, eine Zimmerin...) Die lassen sich in den letzten fünf Jahren an einer Hand abzählen. Ich hatte in den letzten fünf Jahren keinen einzigen Jungen, der einen typischen Frauenberuf ergriffen hat.
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Helena
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von Helena »

Ist es nicht seeeehr kurzsichtig, wenn man einem Mädchen weniger Support gibt, weil es ja mal Familie hat?
Es könnte doch auch in einer Ehe kinderlos bleiben? Asexuell sein? Lesbisch? Oder sonst was?

Ich hab keinen Bruder, denke aber nicht, dass der anders behandelt worden wäre...

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ChrisBern
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von ChrisBern »

Auf die Idee wäre ich jetzt nie gekommen, meiner Tochter zu empfehlen, einen Job zu wählen, der gut vereinbar ist. ;-) schräger Gedankengang. Meine Tochter hatte einmal eine Zeit, wo sie sagte: ich werde Astronaut und Papa passt dann auf meine Kinder auf. ;-)

sonrie
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von sonrie »

welche Berufe sind denn gut mit Familie vereinbar und welche nicht?
"Wenn Aufregung helfen würde, Probleme zu lösen, würde ich mich aufregen." (Angela Merkel in "Die Getriebenen")

millou
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von millou »

sonrie hat geschrieben: Sa 30. Jan 2021, 20:24 welche Berufe sind denn gut mit Familie vereinbar und welche nicht?
Ein Beruf mit flexiblen Arbeitszeiten. Wenn ich einen Job habe, bei dem ich um 8.00 auf der Matte stehen muss, das Kind aber erst um 8.00 daheim los kann, dann wird es schwierig, je nach Arbeitsweg sogar ein Ding der Unmöglichkeit.

millou
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Re: Und weiter gehts mit dem Wundern...

Beitrag von millou »

Helena hat geschrieben: Sa 30. Jan 2021, 19:37 Ist es nicht seeeehr kurzsichtig, wenn man einem Mädchen weniger Support gibt, weil es ja mal Familie hat?
Es könnte doch auch in einer Ehe kinderlos bleiben? Asexuell sein? Lesbisch? Oder sonst was?

Ich hab keinen Bruder, denke aber nicht, dass der anders behandelt worden wäre...
Ich hab früher daheim auf die Frage, warum ich mehr helfen muss als mein Bruder die Antwort erhalten, weil du ein Mädchen bist.

Und es geht in die gleiche Richtung, wie ein Vater der gefeiert wird weil er nur 80% arbeitet. Wann bitte ist schon jemals eine Mutter gefeiert worden, weil sie nur 80% arbeitet?
Wie oft höre ich "er hat dann seinen Papitag". Noch nie habe ich gehört "sie hat dann ihren Mamitag".

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