Dr. Karg Gedichte / Teil 2

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Dr. Karg
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Zu keiner Zeit

Beitrag von Dr. Karg » Mo 28. Okt 2019, 09:39


Zu keiner Zeit

So viele Verse, wunderbare Reime
Sind wohl niemals geschrieben worden.
Das Dichtervolk ist aufgestanden,
Erfüllt mit seinen Versgirlanden
Die Welt mit herrlich-freien Worten
Und lässt uns so nicht mehr alleine.

So kann ich heute immer lesen,
Was neu gestaltet, anmutsuchend
Die Sinne, Herzen hier erreicht,
Weil unsere Poesie nicht bleicht,
Nicht lebensfliehend, lebensfluchend
Der Dichter Lust bringt sie zum Wesen.

Niemals zuvor durfte ich sehen
Solch große Fülle in den Foren,
Die mir ein Paradies bescheren,
Weil sie die Dichterfreude mehren,
So dass, als Spätkind auserkoren
Zu Dichterfreunden ich darf gehen.

Da finden sich auch neue Worte,
Wortschöpfungen von großer Glut,
Die ich gern lesen kann und will,
Auch wenn sie mit dem anderen Stil
Mir selber geben neuen Mut,
Damit ich sie im Sinne horte.

Da sind die neuen Endungen,
Die freundlich mein Gemüt erreichen
Und ich Sprachfreude spüren kann.
Das Heimelige treff' ich an,
Weil keine Not muss von mir weichen,
Als Sinn in neuen Wendungen.

So viele Verse, wunderbare Reime
Sind wohl niemals geschrieben worden.
Das Dichtervolk ist aufgestanden,
Erfüllt mit seinen Versgirlanden
Die Welt mit herrlich-freien Worten
Und lässt uns so nicht mehr alleine.


©Hans Hartmut Karg
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Blickmomente

Beitrag von Dr. Karg » Di 29. Okt 2019, 07:30


Blickmomente

Sie stand im Raum
und hielt sich fest
in einer Straßenbahn,
wo mitwippend
die süßen Bällchen
versahen nun ihr Fest.

Die wippten
mit den Bodenwellen,
erbebten sinnlich,
wenn an den Haltestellen
nun auch die Blicke kamen
und hielten sich dort fest.

Wie wonniglich,
dem Männerauge
wunderbar gebaut!
Gern möchte man
sie kontaktieren –
doch Frau dies nicht zulässt!

So schau' ich nur
zu Reizen voll Verlangen
und möchte doch,
dass lang sie bliebe.
Doch sie steigt plötzlich aus –
zurück traurig sie Augen lässt.


©Hans Hartmut Karg
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Designhaus

Beitrag von Dr. Karg » Di 29. Okt 2019, 07:56


Designhaus

Das Haus hat kein einziges Fenster zur Sonne,
Wie kann man denn so etwas bauen?
Es sieht aus, als wär' es 'ne steinerne Tonne –
Kann man da dem Leben noch trauen?

Architekten sind bisweilen ja mutige Leute,
Doch der Bauherr muss darin ständig leben,
Und zwar auch künftig und nicht nur heute:
Will er denn nicht mehr zur Sonne streben?

Doch gebaut ist gebaut, sagt der Architekt,
Da kann man halt nichts mehr verändern.
Alles ist inzwischen geprüft und gecheckt,
So ist das wohl in all unseren Ländern...

Nun lebt der mutige Bauherr im Haus
Sein Leben, damit er dort wohne,
Wo man ihm den Himmel klammerte aus,
Damit man die Augen ihm schone.

Deshalb muss er öfter zum Süden fahren,
Dreimal im Jahr – mindestens!
Dort braucht er keine Sonne einsparen,
Nicht im Sommer, im Herbst und im Lenz.


©Hans Hartmut Karg
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Altersgefahren

Beitrag von Dr. Karg » Mi 30. Okt 2019, 10:56


Altersgefahren

Gar mancher wird ja wunderlich,
Wenn ihn das Alter packt,
Er nervt gern Dich und nervt gern mich,
Oft ohne Sinn und Takt.

Scheinschlachten werden initiiert,
Die unnötig und überflüssig,
Beziehungen zu Bruch geführt
Mit Gründen, die meistens nur müßig.

Dann werden Fässer aufgemacht,
Die leer sind oder schon zerfallen,
Beziehungskisten mitgebracht,
Die nichts sind, als nur Stolperfallen.

Gar manche Menschen sind ein Graus,
Lassen den Nächsten nicht mehr ruhen,
Gehen nicht in die Welt hinaus
Mit ihren neuen Wanderschuhen.

Die ganze Welt zu dominieren,
Anstatt sich freudig zu vergnügen,
So dass Anscheu manche verspüren,
Wo immer nur ein hartes Rügen.

Man hüte sich vor solchem Alter,
Wenn Selbstweihrauch wird Attitüde,
Wo einer nur Gesprächsgestalter,
Der alle Seelen redet müde.

Ich hoffe, dass ich nicht so werde
Und Mitmenschen nicht nerven muss,
Weil Lebensfreude sich mir mehrte
Und Menschlichsein der Bruderkuss.


©Hans Hartmut Karg
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Entscheidung

Beitrag von Dr. Karg » Mi 30. Okt 2019, 11:31


Entscheidung

Der Morgen hat viel Licht gebracht,
Gekommen ist die erste Kälte.
Nun holt der Glanz ihn mit Bedacht,
Damit auch Freude sich jetzt melde.

Nichts nimmt mir weg die frühe Ruhe,
Kein Flug, kein Rauch steht im Gemüt.
So geht der Blick zur alten Truhe,
Die sich um meine Gunst bemüht.

Soll ich sie öffnen oder schließen,
Den Inhalt endlich gar entsorgen,
Wo doch schon neue Worte fließen,
Die sich ein wenig Himmel borgen.

Da mischt von oben sich die Kunde,
Gibt Halt mir für den ganzen Tag,
Weil sinnend ich steh' in der Runde –
Wie ich es halt schon immer mag.

Ich muss nicht in die Truhe schauen,
Wenn mir der Himmel Sonne bringt,
Darf auf die eigenen Kräfte bauen,
Mit denen auch d e r Tag gelingt.

Tief breitet sich Zufriedenheit
Vom Garten her in meine Seele,
Hofft weiter auf Geborgenheit,
Damit Suchen den Tag nicht stehle.


©Hans Hartmut Karg
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Kleinmütig

Beitrag von Dr. Karg » Do 31. Okt 2019, 07:06


Kleinmütig

Wie kurz ist doch des Lebens Lauf,
Man sollte nicht nur streiten.
Es geht täglich die Sonne auf –
Und Pferde kann man reiten!

Wie überregt sind doch die Stimmen,
Die laut zeternd oft Nerven töten,
Zum Frieden und zum Weltgelingen
Nichts beitragen, nur Augen röten.

Kleinteilig geht dann das Verhandeln,
Als wäre alles nur ein Spiel:
Leichtfertig will stets nur anbandeln
Der Werber, dem das Geld das Ziel.

Wo sind die großen Weltideen,
Wer spricht sie aus, wer setzt sie durch?
Wer wird auf die Umsetzung sehen –
Durch Lasten und Gestrüpp hindurch?

Wo klein die Seele, klein der Geist
Nicht über Schatten springen kann,
Da ist die Lösung längst verreist
Und arm ist die Gesellschaft dran.

Demokratie braucht Neuideen,
Nicht alten Wein in trübem Keller:
Man muss doch auf die Menschen sehen,
Sonst dreht sich alles nur noch schneller.

Aufwachen müssen die Personen,
Die von Verantwortung getragen
Heraustreten aus Komfortzonen,
Nach ethischen Konzepten jagen.

Suchet beherzt nach neuen Wegen,
Ja nicht nach eitlen Etiketten!
Erst dann wird sich die Welt bewegen,
Wenn wir uns nicht in Talkshows retten!


©Hans Hartmut Karg
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Die heile Welt

Beitrag von Dr. Karg » Do 31. Okt 2019, 07:34


Die heile Welt

Ach, unsere Welt besteht aus einer lieben Stadt,
Ich wohne, wo man kaum die Autos hört,
Man beste Luft vom hohen Berge hat
Und keine Unbill die Idylle stört.

Von Nachbargrundstücken hört man
Kleinkinder, die mit Eltern, Omas spielen,
Die schaukeln, gegen Abend irgendwann
Verstummen, weil sie in den vollen Sielen.

Die vielen Autos parken in der Straße,
Wenn irgendwo jemand Geburtstag feiert
Und vom Balkon, von der Terrasse
Ein wenig lauter nun ein Radio leiert.

Im Sommer reifen Brombeeren, Zucchini,
Tomaten, Äpfel, sogar Felsenbirnen.
Ich hör' Musik von Mozart und Pucchini,
Wo Bäume schattenreich Gärten beschirmen.

Ich hoffe, noch ein wenig dieses Paradies zu schauen,
Noch möglichst lange hier verweilen im Idyll:
Kein Unwerk soll den freien Blick verbauen,
Nur Augen öffnen für des Himmels freies Spiel.

Denn der bestirnte Himmel über mir
Wird tags von weißen Wolken überflogen,
Wo in der heilen Welt leb' ich mit Dir,
Als wären ewig wir hierher gezogen.

Es ist die neue Heimat unter Fremden,
Die mehr bereitet, als nur alte Fehden,
Wenn abends wir in kurzen Hemden
Bei Sonnenschein in reichen Garten treten.


©Hans Hartmut Karg
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Ein Sonnentag geht auf

Beitrag von Dr. Karg » Fr 1. Nov 2019, 10:07


Ein Sonnentag geht auf

Wenn morgendlich Dunstfelder schwinden
und Strahlen nun den Tag verkünden,
steht Sonne wieder mächtig auf,
begleitet meinen Lebenslauf.

Sagt der mir: „Ich bin Dir ja doch
der schönste, friedvollste und längste!“ –
Oder mehrt er mir nur Lebensängste?

Wird Sonnenlicht den Tag entstauben
oder Atem mir gar rauben?


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Perfektionist

Beitrag von Dr. Karg » Fr 1. Nov 2019, 10:29


Perfektionist

Die Tagesplanung fest im Kopf,
Beschreitend auch die Niederungen:
Sitzt am Revers das Tuch, der Knopf,
Sind präpariert Stimme und Lungen,
Um Konferenzen durchzustehen
Und immer sehr gut auszusehen
Im Audimax – und bei den Jungen?

Das alles läuft am Schnürchen ab,
Geplant, vollkommen durchgespielt.
Er hält in Händen fest den Stab,
Weil er zum Herrschen ja gewillt:
Selbst wenn wenig voran gebracht
Vom Morgen bis zur späten Nacht,
So bleibt er doch willensgestillt.

Der Perfektionist fragt sich ja nur,
Ob alles denn so abgelaufen,
Wie's im Sinne seiner Natur,
Dann muss er keine Haare raufen.
Die Folgen interessieren nicht,
Nur, ob man lobt, über ihn spricht,
Die Eitelkeiten glatt verlaufen.


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Selbdritt

Beitrag von Dr. Karg » Sa 2. Nov 2019, 10:23

Selbdritt

Anna muss doch niemand heißen,
Wenn man einen Dreier liebt.
Liebe kann namenlos reisen,
Wenn sie sich die Höhe gibt.

Manche Freude bleibt dem Mann,
Dem dies die Natur gebar:
Zwei zu lieben, weil er kann –
Ohne Zwang, ohne Gefahr.

Bleibt oft viel zu wenig Mut
Denen, die im Zweier reisen,
Schamvoll ziehen ihren Hut,
Um dann doch Amor zu preisen.

Zwei beglücken klingt versöhnlich,
Wenn das Einverständnis dies ankündigt.
Nichts ist dabei falsch und dämlich,
Keiner sich dabei versündigt.


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Ob je

Beitrag von Dr. Karg » Sa 2. Nov 2019, 10:44

Ob je

Ob je der Reim ins Netz noch findet,
Der Dichter noch den Leser bindet?
Ich weiß es nicht, wo ausgegossen,
Das junge Leben längst verflossen.

Wie gern habe ich doch gereimt,
Mich mit der Muttersprach' vereint,
Um dieser Welt Worte zu geben,
Die reich gestalten dieses Leben.

Ob das verstanden auch von allen?
Ob Ironie noch sprengt die Fallen?
Leser müssen sich nicht schinden,
Um dies für sich heraus zu finden...


©Hans Hartmut Karg
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Der Todesengel der Freiheit

Beitrag von Dr. Karg » So 3. Nov 2019, 10:09


Der Todesengel der Freiheit

Mit dem Tod ist der Tyrann ja stets vertraut,
Weil Freiheit mit der Sprache er nicht ehrt,
Auf Egomanie des Eigenen nur schaut
Und Menschenwürde ständig verheert.

Bis heut' hat er noch nicht begriffen,
Dass alles Leben Toleranz doch braucht,
Damit es nicht geschunden, abgeschliffen
Entwest die letzte Größe noch verhaucht.

So meint der Todesengel ohne Freiheit
Allein Himmel und Hölle früh zu scheiden,
Hält nur sein Vorurteil für alle Welt bereit,
Wird Wortneuschöpfungen auch allen neiden.

Denn er bleibt todvernarrt, ohne Humor,
Sieht nicht die Chance in gefundener Sprache,
Braucht immer für sich selber den Furor,
Weil Lebensfreude ja nicht seine Sache.

Deshalb begreift er niemals jenen Wert,
Den hier ein Augenzwinkern leicht verbreitet,
Ist programmiert auf Feuer und Schwert,
Wobei Unflätigkeit ihn gern verleitet.

Da krank die Seele in dem öden Leib
Kann er leider nicht anders handeln,
Muss aggressiv, oftmals zum Zeitvertreib
Auch Netzwerke dann schlimm verschandeln


©Hans Hartmut Karg
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Europas Zukunft

Beitrag von Dr. Karg » So 3. Nov 2019, 10:39


Europas Zukunft

Wir müssen uns schon überlegen,
Wie wir hier in Europa weiterleben wollen:
Wollen wir Humanität und Würdesegen
Oder das Chaos ohne faires Sollen?

Wollen wir denn Zerstörungen zulassen
Der Sittenpotentiale, die tradiert
Und gar den Hass in Foren fassen,
Von Bosheit und von Neid verführt?

Unser Europa hat es nicht verdient,
Dass es zerstörerische Kräfte akzeptiert,
Wo man mitunter nur auf Rache sinnt,
Humanität niemals ernsthaft im Schilde führt.

Deshalb möchte ich hier anmahnen,
Dass mit dem Recht die Politik das schafft,
Was lebenswürdig und Staatsrahmen
Den Menschen sichert Freude und Kraft.

Es darf künftig deshalb auch nicht angehen,
Dass Bürger in Europa diffamiert,
Die Henker ihre „Leistung“ sehen
Und Korruption die Herzen korrumpiert.


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Johann Georg Elsers Vermächtnis

Beitrag von Dr. Karg » Mo 4. Nov 2019, 05:57

Johann Georg Elsers Vermächtnis

Da muss ein Mensch schon Rückgrat haben
Und innewohnend sittlich' Werte,
Sich nicht an Macht und Kulten laben,
Wie Hitlers breite Kämpferherde.

Wie hat der Elser doch gelitten,
Als er das Unrecht kommen sah
Und mit sich innerlich gestritten,
Als ihm das Augenöffnen nah!

Jetzt endlich dem Paroli bieten,
Der nach des Menschen Leben trachtet,
Weil Todesmut Taten gebieten,
Die Bombe längst säulenverfrachtet!

Da muss etwas gewachsen sein,
Das alle Zeiten überdauert,
Wenn in der Würde ganz allein
Das Herz nicht führervernarrt erschauert.

Elser, ganz groß und erkenntnisreif,
Sieht nun: Den Arbeitern geht’s schlechter,
Weil dieser Unrechtsstaat als Greif
In Taschen fasst – als Menschenverächter!

Dem Unrecht folgt totale Herrschaft,
Indem die Jugend rekrutiert,
Damit sie mit der Heeresmacht
Von Hitler in den Krieg geführt.

Der Handwerker Elser bleibt hellsichtig
Und sieht sehr früh, was schließlich kam:
Weil Hitler lügt, stets unaufrichtig,
Er Elsers kostbares Leben nahm.


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Novemberabend mit Kranichen

Beitrag von Dr. Karg » Mo 4. Nov 2019, 06:13


Novemberabend mit Kranichen

Noch scheinen spärlich Sonnenstrahlen
Durch Wolkenöffnungen hindurch,
Um Kreise in das Land zu malen,
Gleitend so über Ackerfurch'
In dunstverhangen-weiten Räumen,
Verschwindend zwischen hohen Bäumen.

Dann wieder zieht die Grauwelt auf
Und dunkel fallen herbe Schleier,
Welche im weiteren Tageslauf
Ziehen die Kraniche zum Weiher,
Wo stehend sie, erwartungsvoll,
Verkalten weiter ohne Groll.

Dann zieht die Dunkelheit heran,
Schutz bietet Vögeln das Gefieder,
Und weil man ja nicht anders kann,
Bleibt man hier gerne auch als Ritter,
Der sich kaum noch wirklich bewegt,
Wenn Welt sich auf den Abend legt.


©Hans Hartmut Karg
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Wo Milch und Honig flossen

Beitrag von Dr. Karg » Di 5. Nov 2019, 09:14

Wo Milch und Honig flossen

Des Menschen Schlauheit trachtete
Schon immer nach Bequemlichkeit,
Weshalb er bald verfrachtete
Sein Leben hin zur Wasserzeit.

Jäger, Sammler waren passé,
Die Niederungen lockten ihn,
Zurück wichen das Eis, der Schnee,
Sesshaftigkeit war sein Gewinn.

So zog er in das Tal der Ströme,
Wo Milch und Honig ihn anlockten
Und er auf diese Art bequeme
Zeitfenster fand, wo Männer hockten,

Backgammon spielten, Rotwein tranken,
Steinwerker Reliefs vermaßen,
Bis heut' Geschichten Taten umranken,
Im Tanze Mädchen sich vergaßen.

Jetzt kamen Götter, Religionen,
Das Leben wurde bunt und reich,
Bescherte weltweit Stromregionen
Kunstformen im Kulturbereich.

Da gab es eben nicht nur Sklaven,
Die für Herrschaften schuften mussten,
Welche Reichtümer im Raffen
Sammelten im Machtverkrusten.

Auch Schriften wurden neu erfunden,
Wo Reichtum Selbstbewusstsein brachte,
Liebe im Ritus eingebunden,
Weil man Gesetze dort beachte(t).

Der Mensch war nicht nur Sklavenhalter,
Auch wenn man uns das sagen will,
Er war ebenso Weltgestalter
Mit Kunst, mit Schrift, Kultur als Ziel.

Schon gab es erste Fußabdrücke
Als Mal der Zivilisation
Und großartige Einzelstücke
Von Steinmetzarbeit, Religion.

Vielleicht können wir wiederfinden
Jedoch ohne die Sklaverei! –,
Dass wir uns an die Musen binden
Und nicht nur Lebensferne sei.


©Hans Hartmut Karg
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Umgang mit dem Stundenglas

Beitrag von Dr. Karg » Di 5. Nov 2019, 09:55


Umgang mit dem Stundenglas

Wenn Gelb und Rot in Grünkraft fließen,
Tropfend Nasslasten sich ergießen
In unseren Wäldern ungefragt,
Ist es die Zeit, die uns jetzt sagt:
Und wieder wird ein Jahr vergehen
Und nicht auf unsere Wünsche sehen.

Denn es bleibt uns ins Buch geschrieben,
Gerade wenn wir innig lieben:
Die Zeit geht dann schneller vorbei,
Ihr ist die Liebe einerlei:
Auch wo Neues von uns gefunden,
Bleiben wir stets zeitgebunden.

Das Neue ist neugierumflossen,
Erklimmt mit Hoffen Leitersprossen,
Weil dort Farben herausgeputzt,
Der Tag zum Aufleben genutzt
Mit neuem Anlauf mutig bleibt,
Weil er mehr, als nur Stunden schreibt.


©Hans Hartmut Karg
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"Ich hab' doch nichts gelernt"

Beitrag von Dr. Karg » Mi 6. Nov 2019, 08:26


„Ich hab' doch nichts gelernt“
Hans Sachs zu Ehren

Mir geht es oft wie dem Hans Sachs:
„Ich hab' doch nichts gelernt!“
Gebührt Ehre dem Räucherlachs,
Wenn der Hering besternt?

„Latein und Griechisch sind nicht meins“!
Nicht viele seh'n die Ironie:
Weil er mit Altem doch auch eins
Erkennen wir sein Wortgenie.

Der Schuhmacher, Poet dazu,
Wie ihn die Welt doch nennt,
Braucht deshalb keinen Gnadenschuh,
Weil menschlich er sich kennt.

Der Sachs, der keine Tröten braucht
Und auch nicht dauernd Beckmesser,
Weil denen nur der Gockel raucht,
In Hosentaschen das Klappmesser.

Hans Sachs hat die Zeit eingefangen
Und sich niemals verbiegen lassen,
Ist seinen eigenen Weg gegangen,
Abseits vom Schlagen und vom Hassen.

Humor und Ironie hat er
Sich lebenslang bewahren können.
So kommt er heute noch daher
Mit seinen off'nen Knittelschönen.

Ich halt es mit dem Schuhmacher,
Der Leben reimend eingefangen:
Auch wenn der Zeitgeist oftmals quer
Kann man zur Lebenslust gelangen.



©Hans Hartmut Karg
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Zugvögel

Beitrag von Dr. Karg » Mi 6. Nov 2019, 08:54


Zugvögel

Noch immer sammeln sich ihre Züge
Und brechen auf in den warmen Süden,
Damit sich das Jahr in ihr Schicksal füge,
Abseits von den dräuenden Kältemüden,
Die neidvoll auf die Reisenden blicken,
Weil ihnen dieser Flug nicht erlaubt,
Sind sie doch gebunden in Arbeitssegen,
Der manche Sehnsüchte ihnen raubt.
So müssen sie, wenn Vogelzüge starten
Auf ihren Urlaub noch lange warten.

Virtuell ziehen Vögel auch über Schirme,
Die anderswo längst versammelt sind
Vom Wiesengrund holen letztes Gewürm,
Wo Schafe längst geschützt vor Wind
Vom Stall und von Wärme ganz erfasst,
Während Vögel sich in die Lüfte erheben
Frei sind von nördlicher Erdenlast
Sich in großer Höhe nach Süden schweben,
Nur hin zur Sonne weiter abzubiegen,
Um über Gibraltar nach Afrika zu fliegen.

Haben sie das Meer endlich überquert,
Wird Afrika ihnen zur zweiten Heimat,
Bleiben dort sie hoffentlich unversehrt,
Wo das gute Wetter bringt ihnen die Saat,
Nahrungsquellen sich ja reichlich erschließen,
Sonne die Erde, den Himmel überfließt,
Um das Vogelleben dort zu genießen,
Wo immer auch neues Leben sprießt.
So sind sie nach langer Überwinterungszeit
Gekräftet und zum Rückflug bereit.


©Hans Hartmut Karg
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Verdrängtes?

Beitrag von Dr. Karg » Do 7. Nov 2019, 09:45


Verdrängtes?

Vor mehr als dreißig Jahren: Beklemmung!
Mit dem Schwiegervater weit spaziert:
Zonengrenze, Todesstreifen, Völkertrennung,
An Selbstschussanlagen vorbei zum Weg geführt!

Dort redet man beim Gehen immer leise,
Weil alles unwirklich, seelenbedrückt.
Nur hinter Zäunen eine kleine Meise,
Wo bald die Grenzer nachgerückt.

Hoch oben auf dem Wachturm stehen sie,
Alle mit Feldstechern in starker Hand:
Die Freiheit gab es dort doch wirklich nie
In diesem unnahbaren, fremden Land!

Dreißig Jahre danach: Nichts mehr zu sehen,
Wo die brutale Grenze der Systeme.
Alles kann frei man jetzt begehen,
Vorbei die Propaganda, Furcht und Häme.

Wer die Beklemmung je erlebt,
Wird an die Seelennöte sich erinnern,
Wo heut' Normalität erneut erstrebt –
Neuideologien dennoch schimmern...

Wer sich jetzt weiter abgewickelt fühlt,
Der wird auch keine Schmach vergessen,
Ist nicht gewillt, was einstmals hochgespült
Aus seiner späten Seele auszulesen.

Nichts ist doch gut, was ideologieverbohrt
Dem Alten weiterhin nachweint,
Wo Vernunftgründe ständig angeschmort
Dagegen sind, dass heut' vereint.

Die Traumata, sie wird es weiter geben,
Sie werden unterschwellig Wirkung zeigen.
Und nur das unverfälschte, junge Leben
Kann langsam sich zu neuen Ufern neigen.


©Hans Hartmut Karg
2019

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