Spontane BEL-Geburt zu Hause

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anschein
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Spontane BEL-Geburt zu Hause

Beitrag von anschein » Do 11. Jan 2018, 23:45

Ich möchte diesen Bericht gerne hier veröffentlichen, da ich Frauen darin bestärken möchte, für ihr Bauchgefühl und ihre eigenen Entscheidungen einzustehen... Er ist recht lang geworden :oops: Es war ein Kampf, meine dritte Tochter, trotz BEL spontan gebären zu dürfen.

Deiner Geburt geht eine kleine, spannende Vorgeschichte voraus. Die ich hier nicht weglassen möchte. Dass diese ihren Weg auf diese Weise genommen hat, hat viel mit den Erfahrungen mit den Geburten deiner Schwestern zu tun. Ohne diese Erfahrungen, hätte ich nicht den Mut gehabt, diesen Weg zu gehen. Das war bei M ein geplanter Kaiserschnitt wegen Plazentainsuffizienz, an dem Erlebnis hatte ich lange zu knabbern und eine anschliessende lange aber doch erfolgreiche spontane Hausgeburt mit N. Nachdem Ns Geburt zu Hause so ein gutes Erlebnis war, war für mich von Anfang an klar, dass ich dich auch zu Hause zur Welt bringen möchte. Bereits zu Anfang der Schwangerschaft bin ich zur Hebamme gegangen, um schon mal sicher zu gehen, dass sie dann auch Zeit für uns hat. Die Schwangerschaft verlief sehr gut und ich habe mich körperlich sehr fit gefühlt bis zum Schluss. Ca 3 Wochen vor deinem Geburtstermin hat die Hebamme mich dann zum Ultraschall ins Krankenhaus geschickt, weil sie den Verdacht hatte, dass du dich noch in der Steisslage befindest. Das war dann auch so. Im ersten Moment habe ich mich geärgert und im zweiten habe ich mich bei dem Gedanken, dich trotzdem zu Hause zur Welt zu bringen, ganz wohl gefühlt. Die Hebamme meinte, es müsse einfach Dr B dabei sein, sonst könne sie das nicht machen (das ist der Arzt in der Region, der Hausgeburtshebammen unterstützt bei Besonderheiten). Ich habe mich gegen den Versuch einer äusseren Wendung entschieden, weil ich das Gefühl hatte, dass du dich sowieso nicht drehen würdest und auch weil ich das nicht mit Gewalt erzwingen wollte. Ich hatte ein gutes, vertrauensvolles Gefühl. Ich habe mich aber auch intensiv mit dem Thema BEL-Geburt beschäftigt und mich auch über die Risiken informiert. Es stellt sich dann einfach die Frage, wie gehe ich mit dem Thema „Verantwortung“ um. Kann ich damit umgehen, wenn etwas passiert? Kann ich mit dieser „Schuld“ leben und den Vorwürfen die von aussen kommen würden? Und auch das Thema „Schuld“ hat mich sehr beschäftigt. Warum ist es so wichtig jemanden die Schuld geben zu können, wenn etwas Tragisches passiert? Und für mich war es stimmig zu sagen, dass ich aus meinem Herzen für dich und für uns, vielleicht sogar für das Frau-Sein entscheide, dich natürlich zur Welt zu bringen. Genauso wie ich ständig Entscheidungen für meine Kinder treffe nach bestem Wissen und Gewissen mit allen Konsequenzen. Der Termin rückte näher und die Hebamme meinte, dass Dr B mich noch sehen möchte vor der Geburt. Also bin ich mit N nach SO gefahren. Dr B war nicht zufrieden mit deiner Grösse und Fruchtwassermenge und hatte in Anbetracht meiner Vorgeschichte mit M Angst, dass eine Plazentainsuffizienz vorliegt. Er hat gesagt, dass er so eine Hausgeburt nicht unterstützen könne und hat mir einen Termin im Spitalzentrum Biel gemacht, mit dem Hinweis, dass es möglich sei, dass sie dich recht schnell holen werden. Es war ein Déja-vu und ein Schock. Im Auto habe ich so geweint, dass ich kaum noch die Strasse gesehen habe. Am nächsten Tag hat mein Mann J mich ins Krankenhaus begleitet. Der Assistenzarzt hat mich untersucht und meinte, dass deine Grösse gut sei aber tatsächlich nicht mehr viel Fruchtwasser da sei. Er meinte auch, dass wenn mir eine Spontangeburt so wichtig sei, man das sicherlich probieren könne, man müsse einfach in den nächsten 1-2 Tagen einleiten. Dann kam noch die Oberärztin, um das nochmals zu überprüfen. Die hat dann doch noch genügend Fruchtwasser gefunden, meinte auch, dass mit dir alles bestens sei, dass man ruhig warten könne und auch dass einem spontanen Versuch nichts im Weg stünde. Sie hat mich dann aber doch davon überzeugt, die äussere Wendung zu probieren. Also bin ich am nächsten Tag recht nervös wieder im Krankenhaus angetanzt. Drei Versuche haben sie unternommen, um dich von aussen zu drehen. Und es hat nicht geklappt. Es war leider eine andere Oberärztin im Dienst als am Vortag. Diese kam nun und hat mich darüber informiert, dass sie mir in diesem Fall einen geplanten Kaiserschnitt empfehlen würde. Meinen Einwand, dass ich es spontan probieren möchte und dass sie mir gerne einen Kaiserschnitt machen können, wenn es nicht anders geht, hat sie abgelehnt, mit der Begründung, dass dein Kopfumfang grösser sei als dein Körperumfang und dass das die Gefahr, dass der Kopf stecken bleibt erhöht. Sie meinte, dass wenn ich spontan entbinden möchte, ich mir eine andere Klinik suchen müsse. Ich war so verzweifelt nach diesem Termin und ich habe mich so übermächtigt gefühlt und ich war wütend! Zu Hause ist mir dann in den Sinn gekommen, dass ich gar keine genauen Auskünfte erhalten habe, bezüglich deines Kopf- und Körperumfangs. Ich habe dann im Krankenhaus angerufen und gesagt, dass ich gerne Informationen aus meiner Patientenakte hätte (von J weiss ich, dass man als Patient da ein Recht drauf hat, das sagt einem ja auch keiner). Zuerst hatten sie kurioser Weise keinen Zugriff auf die Akte und erst nachdem ich 2x angerufen habe, habe ich erfahren, dass die Differenz 1,6mm (!!!) betragen hat. Und so genau sind die Ultraschalluntersuchungen dann auch wieder nicht... Da habe ich mich dann wirklich endgültig völlig für blöd verkauft gefühlt. Ich war so wütend und dachte: bei diesen Arschlöchern soll ich mich jetzt auf den OP-Tisch legen, die mir irgendwelche fadenscheinige Scheisse erzählen? Die Hebamme hat mich während dieser Tage immer begleitet und unterstützt aber sie konnte ohne Dr B die Geburt zu Hause nicht begleiten, aus Haftungsgründen. Und da war man wieder beim Thema „Schuld“ und warum kann ich die Verantwortung nicht einfach selber übernehmen? Also war ich jetzt an dem Punkt, entweder zu Hause ganz ohne professionelle Unterstützung zu entbinden, oder diesen Kaiserschnitt zu machen. Und ich war sehr traurig, dass mir alle anderen Optionen zu diesem Zeitpunkt genommen wurden.
Ich habe eine Bekannte, die ebenfalls Oberärztin in der Gynäkologie ist. Ich habe mit ihr Kontakt aufgenommen und sie hat sich bemüht, mir einen Termin beim Chefarzt Gynäkologie des Inselspitals in Bern einen Termin zu machen, weil er wohl der Einzige sei in der Region, der noch BEL-Geburten mache. Ausserdem hat sie mich darüber informiert, dass man mir im Spitalzentrum die Geburtshilfe nicht verweigern darf, wenn ich dort mit Wehen bin und mich auf keinen Kaiserschnitt einlasse. Man dürfe mich erst in dem Moment operieren, wenn ich mein Einverständnis gegeben habe. Dann kam der Anruf vom Spitalzentrum, um mit mir einen Termin für den geplanten Kaiserschnitt zu vereinbaren. Ich habe der Frau am Telefon erklärt, dass ich keinen Termin machen werde, da ich nicht mein Einverständnis für einen operativen Eingriff geben kann, dessen Notwendigkeit sich mir nicht erschliesst und dass ich dann einfach vorbei kommen werde, wenn bei mir die Geburt losgeht. Sie hat mich daraufhin mit der leitenden Hebamme verbunden, die meinte, ich solle das doch lieber mit ihr vor Ort planen und für ein Gespräch wieder ins Krankenhaus kommen. Endlich hatte ich das Gefühl, ernst genommen zu werden und bin recht guter Dinge wieder ins Krankenhaus gefahren. Ich vermute, dass die leitende Hebamme zurückgepfiffen wurde, weil statt mit ihr, hatte ich einen Termin mit der Chefärztin, die mir höchstpersönlich erzählt hat, wie gefährlich eine spontane BEL-Geburt sei, welche Verletzungen alle bei dir und bei mir auftreten könnten und dass man mir im schlimmsten Fall das Becken spalten müsse. Sie hat gesagt, dass ich von der „romantischen Vorstellung einer natürlichen Geburt“ loslassen solle und mich für die schonende und sanfte Alternative, den Kaiserschnitt entscheiden soll. Sie hat kein Wort über die Risiken eines Kaiserschnittes im Vergleich verloren und mich am Schluss mit den Worten verabschiedet, dass ich das Beste für mein Kind entscheiden solle. Kein Arzt würde einer Frau unter normalen Umständen kurz vor dem Entbindungstermin solche Angst machen vor der Geburt, ihr erzählen, welche Verletzungen alle beim Kind durch die Entbindung auftreten können (weil Risiken hat man auch bei einer Schädellage!). Es war eine reine Angstmacherei und Ausüben von moralischem und emotionalem Druck! Und dass ein Kaiserschnitt weder sanft noch schonend ist, dass weiss ich aus eigener Erfahrung. Ich war dann wenigstens so geistesgegenwärtig und habe mir meine Patientenakte noch aushändigen lassen, bevor ich nach Hause gefahren bin. Ich wusste nun, dass ich nicht ins Spitalzentrum gehen kann, wenn ich dermassen nicht ernst genommen werde in meinen eigenen Entscheidungen und man solchen Druck auf mich ausübt. Es war einfach kein Vertrauen mehr vorhanden. Nun habe ich auf Bern gehofft... In meiner Patientenakte stand, dass Kindsgrösse und Fruchtwassermenge gut seien, also habe ich am Mittwoch die Unterlagen an Dr B geschickt, mit der Bitte seine Entscheidung nochmals zu überdenken. Am Abend rief mich dann die Hebamme an. Sie hat mich gefragt, wie ich das denn geschafft hätte, Dr B wäre nun doch bereit, die Hausgeburt zu begleiten und somit stünde auch ihr nichts mehr im Weg. Ich habe mich so gefreut!!! Sie hat mir aber auch ganz klar gesagt, dass bei dem kleinsten Zeichen von Stress beim Kind wir ins Krankenhaus gehen würden. Ich hatte ein gutes Gefühl und war glücklich. Und am gleichen Abend kamen dann die ersten Vorwehen (es war Mittwoch). Am Donnerstag auch und ich war mir sicher, dass du am Wochenende zur Welt kommen würdest,

Samstag, 39+0:
In der Vornacht bin ich einige Male aufgewacht, weil ich Wehen hatte. Und den ganzen Morgen kamen sie und ich war ganz seelig! Es war ein wunderschöner, heisser Sommertag. Der erste Ferientag von deinen Schwestern und J hatte Spätschicht. Also haben wir die Badesachen gepackt und sind am Vormittag zu viert quer auf der Luftmatratze die Zihl hoch gepaddelt und ich hatte im Wasser meine Wehen und es war irgendwie ein wunderbarer Moment, mit allen meinen Liebsten da in dem Fluss und dem Wissen, dass du nun auch bald kommen würdest. Am Nachmittag hat J sich verabschiedet und ich habe noch Besuch von Freunden bekommen und sie haben geschmunzelt, weil ich die ganze Zeit Wehen hatte. Wir haben dann entschieden noch ins Strandbad zu gehen. N war zwischenzeitlich noch vom Hochbett gesprungen und hatte sich den Fuss so verdreht, dass sie nicht laufen konnte. Zum Glück hatte ich schon einen Kinderwagen. Also haben wir uns mit Sack und Pack auf den Weg gemacht und als wir da waren, hat man schon eine schwarze Wolkenwand gesehen und die Sturmleuchte war am Blinken. Egal, die Kinder sind trotzdem noch ins Wasser, bis der Bademeister alle raus gewunken hat. Und dann zuerst der Sturm. Die Leute haben fluchtartig das Strampi verlassen. Wir sind zum Unterstand, um uns das Naturspektakel anzuschauen. Dann der Regen, der uns in die hinterste Ecke gezwungen hat. Und dann der Hagel, der bis in die letzte Ecke gepeitscht kam. Die Kinder am Schreien haben wir in Handtücher gewickelt, um sie vor dem Hagel zu schützen und es kam eine richtige Eisflut und wir mit den Flipflops im knöchelhohen, kalten Wasser. Es war wunderbare Weltuntergangsstimmung, in der man die Kraft der Natur eindrücklich spürt. Meine Wehen waren nun recht regelmässig und so kräftig, dass ich sie veratmen musste. Ich war etwas besorgt, dass ich es nicht mehr nach Hause schaffe. Kaum hatte sich das Wetter etwas beruhigt, sind wir schnell nach Hause. Es ist etwa 18 Uhr. Der Hebamme schreibe ich eine SMS, dass ich Wehen habe. Ich habe deine Schwestern in die warme Badewanne gesetzt und sie haben mich mit grossen Augen angeschaut, wie ich im Bad nun laut begonnen habe die Wehen zu verarbeiten. Dazwischen gute Stimmung, Haare föhnen und Vorfreude auf dich. Zum Znacht habe ich Griesbrei gemacht, wie immer wenn es schnell gehen soll. Der Tisch ist gedeckt, T (meine Mitbewohnerin) kommt in die Küche. Ich erzähle ihr, dass ich schon den ganzen Tag Wehen habe und frage sie, wann sie dazumal eigentlich die Hebamme gerufen hat und in dem Moment platzt mir vor ihren Füssen die Fruchtblase und ich erschrecke, weil ich nicht sicher bin, ob ich gerade vor ihr voll an den Boden gepinkelt habe. Ich Laufe den langen Flur hoch zum WC und das Wasser läuft wie ein kleiner Bach hinter mir her und T folgt mir mit dem Lappen und ich fühle mich ihr in diesem Moment ganz nahe. Sie sagt, ich solle jetzt die Hebamme anrufen und ruhig nach oben gehen, sie würde nun die Kinder übernehmen. Es ist ca 19 Uhr. Ich gehe also hoch und rufe die Hebamme an. Die ist noch in Bern und sagt, dass sie sich sofort auf den Weg macht. Dann rufe ich J auf der Arbeit an und sage ihm, dass es losgeht. Seine Reaktion ist: Oh nein, grad voll der Stress auf der Arbeit, ich kann doch jetzt nicht weg... Er glaubt mir nicht wirklich, dass es eilt. Er sagt, ich soll noch auf die Hebamme warten und sie fragen und ihn dann noch mal anrufen. Ok, ich sage, er soll aber schon mal alles organisieren, dass er dann kommen kann. Zwischen den Wehen, die etwa alle 5-10 Minuten kommen, richte ich das Zimmer her. Ich ziehe die Malerfolie auf das grosse Bett unter das Laken, beziehe die kleine Matratze und lege sie ans Fussende auf den Boden. Teste die Position, wie es ist wenn ich mich beim Bett abstütze (in BEL soll man nämlich im Vierfüssler gebären). Die Position passt mir. Die Spitaltasche steht auch bereit. Die Kinder sagen mir noch gute Nacht, sie schlafen heute oben bei T, damit ich sie mit meinem Lärm nicht störe. Ich lege Waschlappen und Handtücher raus und die Einweg-Wickelunterlagen, ich koche Wasser ab und fülle es in eine Thermosflasche, ich mache mir eine Trinkflasche fertig und zünde Kerzen an. Die Wehen veratme ich im Stehen mit kreisenden Hüften. Viel bewegen, das habe ich mir gemerkt. Die Hebamme kommt und untersucht mich und bestätigt, dass J kommen soll. Sie muss noch mal nach Hause ihren Koffer holen (sie war gerade direkt aus Bern gekommen). Ich rufe J an, der hat alles organisiert und macht sich auf den Weg. Als er ca um 21 Uhr nach Hause kommt, liege ich in der Badewanne. Das macht man doch so... Mal schauen, ob die Wehen bleiben. Sie bleiben, aber ich fühle mich nicht wohl. Ich kann mich nicht genug bewegen. Zu J sage ich: Das mache ich jetzt schnell und sportlich! Er fühlt sich etwas hilflos, weil er nicht weiss, was er nun machen könnte. Ich sage ihm, er soll es sich noch mal gemütlich machen, die Zeit, wo ich seinen Einsatz bräuchte würde schon noch kommen. Die Hebamme ist wieder da und staunt, wie gut alles schon vorbereitet ist. Ich bin bereits auf 5cm offen und sie ruft den Arzt an. Ich begebe mich in meine erwählte Position am Fussende vom Bett. Und nun beginnt die Wehenarbeit. Die Wehen sind kräftig aber ich erschrecke nicht. Ich probiere sie zu packen, gebe mich hin und schöpfe Kraft in den Pausen. Ich probiere mich dabei maximal zu entspannen, um die nächste Wehe wieder gut empfangen zu können. Meine Hüften schwenke ich während der Pausen bewusst vor und zurück, damit du dich besser durchs Becken drehen kannst. Ich bin laut in meinen Ahs und Ohs und die Wehen sind schmerzhaft. Zwischen den Wehen jammere ich ganz gerne und nerve mich, dass ich eine Trinkflasche mit Drehverschluss habe, die ich in der Eile vor der Wehe immer noch auf- und zudrehen muss. Der Arzt kommt begrüsst uns kurz und zieht sich dann in die Küche zurück. Mir ist soooo heiss. J kühlt mir den Rücken während der Wehenpausen mit Eiswasser. Ich brauche mehr Luft!!! Die Balkontür ist offen. Draussen ist ein frischer kalter Wind noch vom Unwetter. Ich habe das Gefühl nicht tief genug atmen zu können. Mehr Luft!!!! Die Wehen kommen ganz regelmässig mit zuverlässigen Pausen mein Körper befindet sich im Rhythmus mit der Geburt. Ich kann richtig fühlen wie mein Muttermund sich öffnet. Im Nachhinein war mir klar, wie stark ich die ganze Zeit visualisiert habe. Ich habe es förmlich vor mir gesehen, wie sich der Muttermund öffnet und sich dein Körper durch den Geburtskanal bewegt hat. Ich presse Js Hand bei jeder Wehe und er ist mit wachem Blick und voller Mitgefühl und Einsatz bei mir. Die Hebamme ist hinter mir positioniert, ich kann meine Füsse an ihren Fussgelenken abstützen. Das ist toll! Sie spricht mir gut zu und sagt, dass du um 23:11 Uhr da bist. Ansonsten macht sie eigentlich nichts, ausser mit J Blicke über meinem Rücken auszutauschen. Sie sagt noch, dass wir das zu zweit schon gut hinbekommen. J sagte mir später, dass das für ihn ein sehr grosses Kompliment war. Die Hebamme macht keine vaginalen Untersuchungen mehr. Sie möchte nicht, dass du dich erschrickst und dann die Arme hochziehen könntest, das wäre sehr ungünstig zum Gebären. Ich spüre, dass ich nun voll offen bin und pressen kann. Ich presse so stark ich kann und ich fühle wie dein Körper sich nach unten schiebt, gleichzeitig habe ich noch weiter oben den Dehnungsschmerz von deinem Köpfchen, dass noch durch meinen Muttermund tritt. Bei jeder Wehe presse ich mit voller Kraft. Ganz vorsichtig fühle ich einmal in mich hinein. Ich kann deinen Po spüren. Du bist schon ganz nahe. Und weiter geht’s. Der Arzt ist nun auch da. Deine Herztöne werden immer wieder kontrolliert. Die Hebamme will die Balkontür zu machen, damit es schön warm ist für dich... Nein!!! Ich brauche mehr Luft!!! Die Wärmelampe wird angestellt die Handtücher parat gelegt. An dem Gewusel um mich herum merke ich: Jetzt habe ich es bald geschafft! Weiterhin kräftige Wehen in Folge von regelmässigen Pausen. Ich presse und spüre wie sich dein Po und Körper wie eine Wurst aus mir rausdrückt. Dies ist nun der Spannungsmoment. Der Arzt möchte dir gerne bei der Drehung helfen, aber die Hebamme hält ihn davon ab. Niemand berührt dich in diesem Moment. Die Hebamme hat mir erzählt, dass du schon Gaggi gemacht hast, als nur dein Po aus mir raus schaute. Der Moment, als dein Körper geboren ist und der Kopf noch in mir, ist der heikle Schreckmoment. Ich bekomme das in dem Moment nicht mit, aber deine Nabelschnur pulsiert nicht mehr. Sie ist vom Köpfchen abgedrückt. Die Hebamme sagt, dass der Kopf bei der nächsten Wehe kommen muss. Ich weiss das. Ich warte ruhig, die Wehe kommt und ich presse so stark ich kann, ich presse über die Wehe hinaus, die Hebamme fasst in mich hinein schiebt ihren Finger in deinen Mund und zieht dein Kinn nach unten, damit dein Köpfchen besser rauskommt, dazu drückt sie von aussen in meinen Bauch. Ich presse so stark ich kann und rufe laut und flutsch, bist du da. Es ist 23:10 Uhr (die Hebamme hat echt super geschätzt!) Dass der Arzt, die Hebamme und J gespannt darauf warten, dass du zu atmen beginnst, merke ich auch nicht. Wie weggetreten knie ich über dir und du liegst unten zwischen meinen Knien. Ich bin total geflashed. Der erste Schrei, ein kleiner Moment vergeht, dann nehme ich dich zu mir an den Bauch (höher geht nicht, weil die Nabelschnur und Plazenta noch in mir sind). Ich habe es geschafft ich spüre deine Wärme du bist glitschig und ich bin so endlos erleichtert. Mir wird aufs Bett geholfen. Ich halte dich, bin voll Glück! Ich sehe dir in deine ausserirdischen Augen, die nun zum ersten Mal das Licht der Welt erblicken. Ich lege dich selbst an die Brust an. Es klappt recht gut. Wir schauen nach deinem Geschlecht, ein Mädchen! J lacht und meinte, das wäre im völlig klar gewesen. Die Plazenta kommt, eine kurze Untersuchung, ich bin unverletzt. T kommt herein mit Tränen in den Augen und gratuliert. Sie geht deine Schwestern wecken, sie kriechen mit ins grosse Bett, verschlafen. Sie bestaunen dich und berühren dich und wir kuscheln alle miteinander. M möchte gerne die Nabelschnur durchschneiden und darf es auch. Nach einer kurzen Zeit gehen sie wieder schlafen. Morgen beginnt das Leben zu fünft. Du wirst nun gewogen und gemessen. Du bist zarte 2660g bei 47cm. Auch die Plazenta ist recht klein. Der Arzt hatte also nicht so unrecht. Ein Glück, dass die Messungen im Spital so ungenau waren, wo dein Gewicht auf über 3kg geschätzt wurde. Ich gehe duschen und aufs WC und du liegst beim Papa auf der Brust. Als der Arzt sieht, dass so weit alles gut ist, geht er und sagt er käme morgen wieder, um dich genauer zu untersuchen. Wir werden also nicht mehr beim Kuscheln gestört. Auch die Hebamme geht heim und dein Papa, du und ich liegen im Bett. Ihr beiden schlaft ein und seid beide am Schnarchen aber ich bin immer noch viel zu aufgeregt zum Schlafen und lausche voller Liebe und Glückseeligkeit eurem nächtlichen Konzert.

Ich bin heute so froh, dass ich auf mein Bauchgefühl vertraut habe und mich für diesen Weg entschieden habe. Und ich bin auch sehr dankbar, dass es Hebammen und Ärzte gibt, bei denen man dafür die Unterstützung findet. Schade, dass sie dafür ein so grosses Risiko eingehen müssen. Ich durfte eine selbst bestimmte Geburt erleben, in der ich mich einfach nur auf mich und auf meinen Körper konzentrieren und vertrauen konnte, ohne in irgendeiner Weise abgelenkt oder gestört zu werden. In der ich keinen Zweifel an meiner Kompetenz als gebärende Frau erlebt habe. Auch für uns als Familie, war dieser Start mit dir sehr schön. Wir waren zu keinem Zeitpunkt getrennt und die Kinder durften, so weit wie es für sie stimmig war, an diesem Ereignis teilnehmen. Dein Papa und ich waren ein tolles Team und ich habe mich so sicher gefühlt mit seiner Unterstützung. Und natürlich auch für dich, du bist in unsere Mitte, in unser Nest geboren worden, bei Kerzenschein und durftest hier einfach in Ruhe und Frieden ankommen. Wir haben dich alle von Anfang an sehr in unsere Herzen geschlossen! Deine Schwestern sind sehr fürsorglich und liebevoll und freuen sich jeden Tag, dass du da bist. Eifersucht war nie ein Thema und sie helfen mir, wo immer sie können. Und dein Papa und ich sind sehr glücklich und stolz. Es fühlt sich toll an, so eine grosse Familie zu haben und dass sich der Wunsch nach einem dritten Kind auf so wundersame Weise erfüllt hat. Ich liebe dich von ganzem Herzen und bin unendlich dankbar, dass ich dich habe!!!

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Re: Spontane BEL-Geburt

Beitrag von Tämi » Fr 12. Jan 2018, 04:39

Wow danke vilmol dass du üs teilneh loh häsch an dinere Geburt! So idrücklich! Es zeigt dass mer sich selber söll vertraue und uf sini Intuition lose! glg

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Re: Spontane BEL-Geburt

Beitrag von Corina » Fr 12. Jan 2018, 06:22

Wow!!!!! Ohni dich zkänne isch klar: STARCHI, COOLI FRAU!!![-]️[-]

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Re: Spontane BEL-Geburt

Beitrag von Maisha » Fr 12. Jan 2018, 09:30

Mir chömed Träne bi dem magische Moment[-] und Dini Hebamme isch tatsächlich di Bescht, au i mim Wuchebett en Säge gsii. Herzliche Dank fürs Teile und alles, alles Gueti!!

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Re: Spontane BEL-Geburt zu Hause

Beitrag von Strandeule » So 14. Jan 2018, 14:45

Vielen Dank für den schönen Bericht. Ich finde es super, dass Du Dich nicht hast entmutigen lassen.
Das Verhalten der Ärztin im Spital finde ich hingegen unverantwortlich. Wie kann man nur bewusst so viele Ängste schüren und Vorwürfe machen.
Meine Autokorrektur hat seine eigene Einstellung zur Rechtschreibung
Unsere kleine Maus im Mai 2016

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Re: Spontane BEL-Geburt zu Hause

Beitrag von Nik » Do 18. Jan 2018, 14:00

Schade dass man so viele Steine in den Weg legen wollte. Gut dass du auf dein Gefühl gehört hast und dich durchgekämpft hast. Schön dass es nach deinem Wunsch geklappt hat.
Ich bin das Gegenteil von dir und habe ab Schwangerschaftstest gehofft, dass es eine Indikation für KS gibt.
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Re: Spontane BEL-Geburt zu Hause

Beitrag von anschein » Fr 19. Jan 2018, 08:39

ja, so individuell ist das. darf ich fragen warum du dir einen kaiserschnitt wünschst? der umgang damit ist sehr unterschiedlich, es gibt viele frauen, die den kaiserschnitt auch positiv erleben. bei mir war das nicht so. trotzdem ist es natürlich gut, dass es diese option gibt! für mich ist es halt nur eine option im notfall...

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Re: Spontane BEL-Geburt zu Hause

Beitrag von Trochantor » Mo 22. Jan 2018, 08:27

So schön geschrieben. Tolle Leistung was du alles geschafft hast. Darfst sehr stolz auf dich sein.
Alles liebe und gute euch 5
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