Weihnachtswunder

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Marmotta
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Weihnachtswunder

Beitrag von Marmotta » Do 31. Mär 2016, 20:55

Die Schwangerschaft verlief so anders, als bei deiner Schwester. Ich versuchte von Anfang an positiv zu denken und es gelang mir auch meistens. Auch wollte ich die Schwangerschaft anders angehen. So hatte ich noch die FA gewechselt und liess mich von meiner Hebamme, welche mittlerweilen Beleghebamme war, begleiten. Ich wollte so viel Normalität wie möglich.
Immer wieder Mal hatte ich mit kleinen Gebresten zu kämpfen, aber es war nie so stark/so oft, dass es mir die Freude an der Schwangerschaft genommen hätte. Ich genoss die Tage und Wochen sehr und war bis zum Ende noch recht fit, was mich sehr freute. Auch die zunehmenden Vorwehen gegen Ende konnten dem nichts anhaben. Ich versuchte mich mit Hypnobirthing auf die Geburt vorzubereiten. Ich konnte nicht mit allem Inhalt etwas anfangen, aber vorallem die Atem- und Entspannungstechniken, so wie die Grundhaltung sprachen mich an.
Je näher aber der Termin rückte, umso mehr kamen die Erinnerungen an die Geburt deiner Schwester hoch. Ich freute mich weiterhin auf die Geburt, aber die Ängste und der Respekt, vor dem was kommt, rückte schon täglich mehr ins Zentrum.
Ein Gespräch mit meiner Hebamme beruhigte mich etwas. Sie meinte ich solle uns beiden gut zureden, dass wir es schaffen und eine schöne Geburt haben werden.
Die Tage vergingen, die Vorwehen wurden intensiver und zwischendurch keimte schon Hoffnung, es gehe los. Doch noch kurzer Zeit war der Spuk jeweils vorbei. Schlafen ging noch so so la la, vorallem auch, da mich eine Erkältung plagte. Bei 39 +4, meinem eigentlichen Wunschdatum, ging ich nochmals zur Hebamme zum Moxen. Ich sprach sie darauf an, dass ich Angst habe, wieder so entkräftet in die Geburt zu starten, wie bei deiner Schwester und ob sie nicht etwas anregend moxen könne. Sie vertröstete mich auf den ET, da es sonst evtl nur ein noch grösseres Gerupf gäbe.
Tags darauf genossen wir nochmals einen kinderfreien Tag, da die Grosse in der KiTa war. Der Bauch blieb ruhig. Dann kam Weihnachten. Wir starteten gemütlich in den Tag, am Nachmittag testete dir Grosse ihr neues Laufrad bei einem Spaziergang an der Sonne. Zuhause angekommen nahm ich ein Erkältungsbad. Meine Lieben kochten Znacht und ich bekam die ersten Wehen. Nicht stark oder sonderlich anders als sonst, aber irgendwie regelmässig, alle 10min. So verging der Abend mit Essen und Beschehrung, die Wehen weiter im 10min Takt. Die Grosse ging gegen 21 Uhr ins Bett. GG und ich machten es uns auf dem Sofa gemütlich und genossen den Abend mit Dok-Sendungen, Wehen unverändert. Gegen 23 Uhr beschloss ich, nochmals ein Bad zu nehmen, dies verkürzte die Abstände auf 3min, aber nicht stärker. Gut, was nun? Abwarten war meine Haltung, GG ging also mal ins Bett und auch ich machte mich Bettfertig, tigerte aber danach noch etwas in der Wohnung umher. Irgendwann ging ich ins Bett, die Wehen wurden weniger, aber an Schlaf war dennoch nicht zu denken oder max mal für 10min. Also wieder auf und weiter durch die Wohnung, je nachdem was ich machte waren die Abstände kürzer oder länger, aber sie waren da, auch die Intensität nahm zwar wenig, aber doch etwas zu. GG erwachte immer mal wieder und erkundigte sich nach dem Stand der Dinge. Ich war sehr unschlüssig, was ich machen sollte. Wäre es Tag gewesen, hätte ich schon lange die Hebamme angerufen und um Rat gefragt. Aber Mitten in der Nacht? Irgendwann, nach langem hin und her, entschied ich, bis am Morgen zu warten, normal in die ET Kontrolle um 9 Uhr zu gehen und wie geplant deine Schwester mal mitzunehmen. Je nach dem, was dann dort rauskommt, können wir ja immer noch meine Eltern aufbieten. Mein Plan war, dass wenn diese Nacht noch nicht der Start zur Geburt war, darauf zu drängen, dass eingeleitet wird, denn noch so eine Nacht stehe ich nicht durch.
Gesagt getan, ich stand gegen 6.30 dann noch unter die Dusche, packte alle Taschen fertig, GG kümmerte sich um die Grosse. Ich schrieb der Hebamme noch kurz ein SMS mit dem Bericht von der Nacht.
Etwas zu früh fuhren wir los, die Taschen liessen wir noch im Auto. Unterwegs zum GEBS (da Feiertag war, fand die Kontrolle dort statt) musste ich immer mal wieder stehen bleiben, aber noch nicht veratmen.
Die Hebamme nahm uns lieb in Empfang, schon nach kurzer Zeit am CTG meinte sie, dass es doch schon recht Wehen aufzeichne und wenn es schon so lange anhalte, werde das wohl auch nicht mehr so einfach aufhören. Man müsse jetzt einfach noch schauen, dass es vorwärts gehe und die Wehen noch kräftiger werden. Nach dem vaginalen Untersuch (Muttermund sakral, aber 2 Finger einlegbar und weich) meinte sie, wir sollen doch mal die Grosseltern aufbieten. Sie bot mir eine Bauchmassage mit wehenförderndem Öl an und schickte uns nach einem kurzen Ultraschall durch die diensthabende Gynäkologin erstmal für eine Stunde laufen.
Wir genossen die Sonne und liessen die Grosse sich auf dem Spital Spielplatz austoben.
Die Wehen wurden kräftiger, waren aber noch gut aushaltbar. Auf dem Rückweg holten wir uns noch eine kurze Stärkung und trafen dann auch auf meine Eltern, welche die Grosse mitnahmen. Der Abschied war sehr emotional , mir standen die Tränen zu vorderst, die Grosse weinte aber nicht, sie war sehr still.
Danach gings wieder ans CTG, Wehen stärker, vaginaler Untersuch noch gleich. Also weiter im Programm, ich bekam einen Einlauf verpasst, danach spazierten wir noch auf dem Gang, die Wehen musste ich nun schon veratmen. Unterwegs fehlte mir jeweils etwas zum festhalten, daher gingen wir zurück in den Gebärsaal. Wir richteten uns gemütlich ein, liessen Musik laufen. GG versorgte mich sehr fürsorglich mit Getränken und Nahrung und achtete die ganze Geburt darauf, dass ich immer wieder auf die Toilette gehe. Danke an dieser Stelle an den tollsten GG!!!!
Ich versuchte die Wehen (wie übrigens die ganze Zeit schon) nach der Anleitung von Hypnobirthing zu veratmen, was sehr gut gelang.
Nach weiteren 2h wieder CTG, wieder Untersuch: Wehen kräftig, aber sonst alles beim alten. Die Hebamme meinte, die Wehen seien gut, aber zu wenig lang, um etwas bewirken zu können. Der Plan: Wehenmittel für 1h, mit der Idee die Wehen etwas länger zu machen, damit der Druck auf den Muttermund erhöht wird und so evtl. die Fruchtblase platzt. Sie habe den Eindruck, dass es so viel Fruchtwasser sei, dass in der Wehe zu wenig Druck gebildet werden kann. Falls das nichts bringe, dann werde sie die Blase künstlich eröffnen. Ich war mit dem Plan einverstanden. Also Syntocinon Start und ab jetzt immer am CTG. Was schon in der Nacht der Fall war, war auch weiterhin so: je nach Position waren die Wehen stärker und in kürzeren Abständen. Die Wehenpausen nützten wir für munteres Geplauder. GG und ich rätselten ob der Geburtszeit, er meinte 16 Uhr, ich fand das etwas sportlich, er meinte, gut dann 19 Uhr, mein Kommentar: Einfach heute noch! ;)
Nach einer Stunde waren wir noch nicht wirklich weiter, also Blase künstlich eröffnen (das war ehrlich gesagt nicht gerade so angenehm...), ich überschwemmte fast den ganzen Gebärsaal ;)
Danach ging es erst richtig los, die Wehen taten richtig weh!!!!!! Und ich brauchte einen Moment bis ich damit umzugehen wusste und ich die richtige Position fand. Ich versuchte es im Bett liegend, im Vierfüssler, auf dem Ball, aber am besten ging es doch stehend am Fenstersims, da konnte ich mich so schön abstützen und GG drückte während der Wehe gegen das ISG.
Das Schöne war, dass ich gute Wehenpausen hatte und die Hoffnung, dass es nicht mehr lange geht. (die Hebamme hatte mir vorgänglich mal von 2.gebärenden erzählt, welche nach Blasenöffnung 1.5 h später ihr Kind im Arm hatten). Ich versuchte mir klar zu machen, dass jede Wehe eine weniger sei und mich meinem Kind näher bringt. Doch nach jeder weiteren Wehe getraute ich mich weniger zu fragen, wie lange es wohl noch gehen werde. Zu sehr hatte ich Angst vor der Antwort. Ob ich wohl etwas geahnt hatte? Ich war soweit, dass ich dachte, wenn es nicht mehr lange geht, halte ich es aus, aber ansonsten...soll ich um eine PDA fragen?
Gegen 17 Uhr untersuchte mich die Hebamme wieder (CTG war seit Start Synto permanent dran, weil das Synto auch nach Blasensprengung weiterlief), ich sass auf dem Mayahocker (was ich mir immer als sehr bequem vorgestellt hatte und für mich auch eine mögliche Gebärposition war), und schrie vor Schmerz während der Untersuchung. Irgendwie hatte ich es geahnt, dass wir noch weit vom Ziel entfernt waren. Die Hebamme meinte, der Muttermund sei immer noch gleich (sakral und 2cm offen), in der Wehe könne sie ihn nach vorne ziehen und er öffne sich auf 3-4cm, aber sobald sie loslasse, verschwinde er wieder nach hinten. Diese Nachricht war für mich das Ende, mich verliess aller Mut und alle Hoffnung es noch so zu schaffen, der Entscheid für eine PDA fiel daher auch sehr schnell. Bis die Anästhesie (eine Kollegin von uns) da war, kämpfte ich mich wimmernd, schreiend und weinend durch die nächsten Wehen. Es war die Hölle für mich. Ich konnte mit den Wehen nicht mehr umgehen, der Schmerz überrollte mich.
Die Anästhesie machte mir eine CSE (Kombination PDA und Spinale), welche Wunder wirkte, ich konnte mich erholen, zwar spürte ich die Wehe und den Druck, aber keinen Schmerz. Wir assen Znacht und wollten uns erholen, da fingen die Schmerzen wieder an. Ich lag auf der Seite und versuchte mich weinend durch die Wehen zu atmen. Die Hebamme und GG halfen mir beim Atmen. Wir gaben über die Pumpe Boli, was irgendwann etwas Linderung brachte, aber die Anästhesie kam nochmals zum Aufspritzen. Der vermutete Grund für die erneuten Schmerzen: das Tieferrutschen von dir. Ich hoffte, dass es wirklich so war. Ich sah mich schon auf dem OP Tisch.
Als die Schmerzen wieder nachliessen, keimte wieder Hoffnung. Diese wurde vertausendfacht, als mich die Hebamme wieder untersuchte und meinte alles vollständig eröffnet und mich dein Köpfchen fühlen liess. Was für ein Gefühl!!!! Um Kräfte zu sparen, liessen wir die Wehen für sich etwas arbeiten. Ich versuchte diesen Prozess durch die Geburtsatmung aus Hypnobirthing etwas zu begleiten. Zwischendurch quatschten wir zu dritt munter miteinander. Im Hintergrund lief Musik, das Licht gedämpft. Es war eine wunderbare Stimmung. So friedlich und ruhig. Es war mittlerweilen nach 20 Uhr abends, als du die letzten cm auf dem Weg ans Licht der Welt auf dich nahmst. Es brauchte einige Presswehen, bis du mit der Faust neben dem Kopf geboren wurdest. Als dein Kopf draussen war, durfte ich dich mit der Hand begrüssen, was mich für den Schlussspurt nahezu beflügelte. Und um 20.47, am 25.Dezember 2015 durften wir dich endgültig in die Arme schliessen!!!!
Prinzässin 09/13
Clown 12/15
zwöi Stärnli im Härze, 09/12 und 07/17

melabohne
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Re: Weihnachtswunder

Beitrag von melabohne » Do 31. Mär 2016, 21:35

[-] Danke, das Du eus da dra teil ha lasch[-] mir laufed grad chli trändli[-]

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