Schlau, aber...

Unsere grossen Kleinen und unsere kleinen Grossen. Was uns in diesem Abschnitt der Kinder begleitet, beschäftigt und interessiert.

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Stella*
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von Stella* » Mi 10. Okt 2018, 12:26

@krista
Ist erledigt. Habe den Thread für dich freigeschaltet. :D
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F. Scarpi
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von F. Scarpi » Mi 10. Okt 2018, 13:58

krista, wir sollten nicht zu lange bei diesem einen Abschnitt, der nur die gute kognitive Entwicklung vieler Kinder erklären sollte, verweilen. Es ist ja eben gerade auch mein Eindruck, dass es an Anregungen oft nicht fehlt, sondern vielleicht an etwas anderem - oder eben vielleicht, wie du schreibst, sind der Anregungen zu viele.
Die Zeit und der Raum war und ist mir auch immer am Allerwichtigsten und die wichtigste Förderung. Je nach Kind und Alter ist es die eigentliche Förderung. Bei meinem Ältesten war das lange so.

Wenn wir schauen, wie die Reformpädagogiken entstanden sind oder aus welchem Impuls gute Entwicklungen in der Pädagogik entstanden sind, dann, finde ich, sehen wir, dass es der Blick auf das Kind war, der Respekt vor dem Kind. Dieser Blick und dieser Respekt hatte zum Beispiel Maria Montessori, und genau daraus ist ihre Pädagogik entstanden - und auch aus dem Respekt vor der Welt, vor dem Material zum Beispiel. Hingegen die Fragen, welche Menschen oder was für Arbeitskräfte wollen wir aus den Kindern machen, haben keine gute Pädagogik entstehen lassen. Aber diese Fragen werden gerade heute wieder oft gestellt. Oder nicht? Es heisst zum Beispiel, wir wollen kreative Menschen (Arbeitskräfte), Teamplayer, Problemlöser... Wir (als Gesellschaft, als Eltern...) fördern die Kinder, weil wir die Talente brauchen oder weil die Kinder konkurrenzfähig werden sollen.
Aber das sollten nicht die primären Beweggründe sein.
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sonja32
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von sonja32 » Mi 10. Okt 2018, 19:26

Stella* hat geschrieben:
Di 9. Okt 2018, 11:34
Ich bin in den letzten Tagen nicht dazu gekommen, nachzulesen. Habe aber gerade den geschützten Thread eingerichtet. Falls jemand dort noch mitschreiben möchte, den ich nicht auf meiner Liste hatte, bitte ich um eine PN.
wo ist der thread?
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Netterl
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von Netterl » Mi 10. Okt 2018, 19:55

@f.s.: Mal wieder super geschrieben. Ich lese sehr gerne mit. Auch die Diskussion zwischen Dir krista udn Ariadne - sehr spannend - und einer der Gründe, warum ich hoffe, dass hier dennoch weitergeht trotz parallelem "Geheim"thread. Zurzeit haben wir hier keine Probleme, mein großer Sohn ist an einem Ort, wo er sich wohlfühlt und der zu ihm passt. Dementsprechend verhält er sich auch , trotz Pubertätsvergesslichkeit und -getue :lol:
Mein Schwerpunkt liegt derzeit bei meinem entwicklungsverzögertem Kind, da heir evtl. ein Schulwechsel ansteht.

Noch etwas zu "anregender Umgebung". Ich war nie ein "Fördermami" im Sinne von: "Dieses Spiel fördert die Feinmotorik, also machen wir das." oder ähnlichem. Unsere Kinder leben in meinem bzw. unserem Leben mit. Somit kamen sie vom Babyalter mit Bibliotheken und Büchern in Berührung, hörten Wissenschaftssendungen, bekamen viele wissenschaftliche Dinge erklärt oder gezeigt -einfach, weil das mir Spaß macht. Wir gehen wandern, kraxel da etwas, machen Fahrradtouren, gehen schwimmen - alles unser Leben, in das wir die Kinder mit hineinnehmen. Allerdings Musizieren machen nur wir Erwachsenen. Da drücken wir auch nicht, einfach weil uns aufgrund unserer eigenen Musiklaufbahn einiges bewusst ist (Welches ist "mein" Instrument" etc.)

Dafür spielen wir sehr wenig Gesellschaftsspiele (wobei da die Diskrepanz der Kinder bzgl Intelligenz udn Entwicklung auch eine große Rolle spielt)

Aber Du hast Recht f.s. Im Endeffekt, wenn ich mir das so durchlese, ist die Grundlage der Respekt vor dem Kind. Nämlich das Zutrauen, solches Wissen aufzunehmen; das Sehen, was interessiert.
zurzeit ists übrigens die Tagesschau, also beende ich jetzt hier und hoffe, in diesem Thread noch weiter zu lesen
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von Stella* » Mi 10. Okt 2018, 22:30

sonja32 hat geschrieben:
Mi 10. Okt 2018, 19:26
Stella* hat geschrieben:
Di 9. Okt 2018, 11:34
Ich bin in den letzten Tagen nicht dazu gekommen, nachzulesen. Habe aber gerade den geschützten Thread eingerichtet. Falls jemand dort noch mitschreiben möchte, den ich nicht auf meiner Liste hatte, bitte ich um eine PN.
wo ist der thread?
Bei der Forenübersicht hat es nach den anderen wichtigen Themen den geschützten Bereich. Dort findest du den Thread.
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dromedar
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von dromedar » Mi 10. Okt 2018, 22:34

Was haltet ihr von Therapien?

Unser Sohn hatte im Kindergarten ein Jahr Psychomotorik, was ihm sehr gefallen hat. In der ersten Klasse sprach mich die Lehrerin wiederum auf die Motorik an und empfahl wieder Psychomotorik. Ich wollte aber eine Pause und ich hätte es besser gefunden, wenn stattdessen seine Stärken gefördert worden wären. Ich fühlte mich da etwas unter Druck gesetzt. Mir wurde unter anderem gesagt, dass er sich in seinem Körper nicht wohlfühle.

Er ist dann ein Jahr später noch einmal für zwei Jahre in die Psychomotorik gegangen, wiederum sehr gerne. Ich hatte da das Gefühl, dass er in dieser Therapie so akzeptiert wird, wie er ist. Es waren für ihn Inseln im Schulalltag zum Durchatmen. In der Schule wurde er sogar dafür kritisiert, dass er zu wenig interessiert zuhört...

Aber auch nach drei Jahren Psychomotorik schreibt er noch nicht schön, ist nicht gut im Turnen und die Arbeitsorganisation etc. sind weiterhin ein Thema.

Ich finde eine Therapie gut, wenn sie hilft die Ressourcen einzusetzen, um die Schwächen zu kompensieren.

Und besser als eine Therapie, wo versucht wird das Kind passend zu machen, wäre doch das Schulumfeld passender zu machen.

Ich denke, dass unsere Kinder davon profitieren, wenn wir ihnen die sozialen Situationen erklären. Sie brauchen da schon mehr Unterstützung als z.B. in Mathe, wo sie ganz schnell den Durchblick haben.

Ich glaube auch, dass man für die Schwächen der ADHS Kinder gerade auch im schulischen Umfeld wenig Verständnis hat. Das sind Dinge wie nicht warten können, dazwischen schwatzen, schlechte Schrift, Dinge vergessen, nicht bei der Sache bleiben... Die Kinder stehen im Verdacht, diese Dinge absichtlich zu tun. Und sie bekommen durch die vielen Ermahnungen und Zurechtweisungen zusätzliche Probleme wie ein schlechtes Selbstbewusstsein.

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sillyspider73
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von sillyspider73 » Mi 10. Okt 2018, 23:12

@Dromedar:
Puh, Schönschreiben und Turnen waren immer meine schlechtesten Fächer, und mein Mann scheint von Arbeitsorganisation noch nie was gehört zu haben - und trotzdem meistern wir erfolgreich unser Leben. Noch nie ist jemandem in den Sinn gekommen, uns deshalb eine Therapie ans Herz zu legen...Was ich damit sagen will: Vielleicht ist es Deinem Kind einfach nicht gegeben, ein guter Sportler oder ein Grossmeister der Kalligrafie zu sein - dafür wird es während seines Lebens von vielen anderen seiner Eigenschaften profitieren können.. Man kann zwar versuchen, Schwächen aufzufangen, aber ich finde, dass heutzutage einfach zuviel herumgedoktert und -optimiert wird (sowohl von Eltern- wie auch Lehrerseite), statt erst einmal abzuwarten und gewisse Sachen/Eigenschaften einfach hinzunehmen.
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dromedar
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von dromedar » Do 11. Okt 2018, 08:25

@Sillyspider: Wir haben keine Ambitionen in Richtung Kalligraphie und Sport ;-). Aber es ist schon so, dass die Motorik auch in andere Bereiche mit reinspielt. Wenn das Kind sich auf den Schreibprozess konzentrieren muss, hat es weniger Ressourcen für den Inhalt und die Rechtschreibung.
Ich wäre froh gewesen, wenn man uns weniger Druck und Sorgen bereitet hätte. Er kann mit der Intelligenz vieles kompensieren und doch kommt nicht alles aufs Blatt, was im Kopf ist.

Ich finde auch, dass man mit einer chaotischen Arbeitsorganisation gut durchs Leben kommen kann.

candyfloss
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von candyfloss » Do 11. Okt 2018, 11:21

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wo ist der thread?
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Bei der Forenübersicht hat es nach den anderen wichtigen Themen den geschützten Bereich. Dort findest du den Thread.
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ich finde da nichts... vielleicht bin ich blind :oops:

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Re: Schlau, aber...

Beitrag von krista » Do 11. Okt 2018, 11:49

@stella: Danke

Netterl hat geschrieben:
Mi 10. Okt 2018, 19:55
Unsere Kinder leben in meinem bzw. unserem Leben mit.
Das handhaben wir auch so. ich denke, die Kinder spüren sehr gut, was uns Spass macht. Wir können ihnen vorleben, den eigenen Interessen zu folgen. Ich glaube, das ist sehr viel wert. Wir können ihnen Interesse, Begeisterung vorleben. Aber wir sollten sie selbst wählen lassen, wo und wie stark sie "anbeissen".

Netterl hat geschrieben:
Mi 10. Okt 2018, 19:55
Im Endeffekt, wenn ich mir das so durchlese, ist die Grundlage der Respekt vor dem Kind. Nämlich das Zutrauen, solches Wissen aufzunehmen; das Sehen, was interessiert.
Ja genau das meinte ich: das Zutrauen, Wissen aufzunehmen.

F. Scarpi hat geschrieben:
Mi 10. Okt 2018, 13:58
Hingegen die Fragen, welche Menschen oder was für Arbeitskräfte wollen wir aus den Kindern machen, haben keine gute Pädagogik entstehen lassen. Aber diese Fragen werden gerade heute wieder oft gestellt. Oder nicht? Es heisst zum Beispiel, wir wollen kreative Menschen (Arbeitskräfte), Teamplayer, Problemlöser... Wir (als Gesellschaft, als Eltern...) fördern die Kinder, weil wir die Talente brauchen oder weil die Kinder konkurrenzfähig werden sollen.
Da hast Du recht, diese Frage treibt uns (Eltern, Gesellschaft) an. Wir wollen natürlich das Beste für die Kinder, und dass sie wirtschaftlich gesehen bestehen können. Viele fragen sich, was wir dazu unseren Kindern beibringen müssen.
Ja, wir wollen kreative Menschen -- und, überspitzt gesagt, "fördern" sie solange, bis sie nur noch fremdbestimmt sind imd all ihre Kreativität verloren haben. Wir wollen Teamplayer und bestimmen über unsere Kinder, wann sie welche welche Förderung brauchen und hören/sehen/spüren sie viel zu wenig. Wir wollen Problemlöser und lösen alle Probleme für sie. Das kann doch nicht gutgehen.
Ich glaube ferner, dass wir uns überhaupt nicht vorstellen können, wie die Arbeitswelt von morgen aussehen wird. Man denke mal daran, wie die Arbeitswelt unserer Eltern im Vergleich zu heute aussah. Daher denke ich manchmal: Stärke, Selbstbewusstsein, Begeisterungsfähigkeit (und mit ihr Motivation), Liebe und Geliebtwerden - ist vielleicht das Wichtigste, dass man im Leben braucht. Überspitzt gesagt.

@dromedar
Ich bin mir nicht sicher, ob Therapien gut sind oder nicht. Gewisse Therapien bringen sicher etwas, andere machen Spass und sind zum Wohlfühlen, wieder andere fokussieren zu sehr auf Schwächen und unterminieren das Selbstbewusstsein.
Ich glaube, es ist gar nicht möglich, ein Pauschalurteil abzugeben.
Ich persönlich finde auch, dass man im schulischen Umfeld wenig Verständnis hat für die Eigenheiten und Unterschiedlichkeit der Kinder.
Man hat den Eindruck, als herrsche die Überzeugung, man könne "alles therapieren" - warum also eine Schwäche akzeptieren?
Ich wünsche mir da mehr Geduld, Gelassenheit, Akzeptanz und Respekt dem Kind gegenüber.

Ich versuche meinen Kindern beizubringen, dass nicht jeder alles können kann und muss.
Dazu gehört auch, dass wir ganz offen mit unseren Schwächen umgehen, die Dinge benennen, die wir nicht gut können und vorleben, dies an sich selbst zu akzeptieren.
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von Netterl » Do 11. Okt 2018, 12:31

krista hat geschrieben:
Do 11. Okt 2018, 11:49
Ich versuche meinen Kindern beizubringen, dass nicht jeder alles können kann und muss.
Dazu gehört auch, dass wir ganz offen mit unseren Schwächen umgehen, die Dinge benennen, die wir nicht gut können und vorleben, dies an sich selbst zu akzeptieren.
Ja, aber: Ich versuche meinen Kindern beizubringen, dass man "Schwächen" hat, aber sich nicht drauf "ausruhen" soll.
Der Große ist z.B. unglaublich langsam. O-Ton Gymi Lehrerin: So ein langsames Kind habe sie noch nie gehabt in ihrer ganzen Laufbahn. :shock: Sie hege Zweifel, ob er den Ansprüchen des Gyms aufgrunddessen gewachsen sei.

Nungut, einerseits konnte er durch die hervorragende Merkfähigkeit kompensieren, andererseits bat ich beim Elterngespräch die Lehrer um Tips, wie man damit im (Schul)Alltag am besten umgehen könne. Das war dann je nach Fach unterschiedlich: In Mathe alle Hefte + Buch aufgeschlagen auf den Tisch legen, In D gar nichts rausholen in E nur Hefte etc. Dann Strukturen aufbauen und einüben, dass Dinge immer am gleichen Platz sind.

Bzgl Schrift: Ich finde es sehr wichtig, dass die Kinder eine leserliche Schrift haben. Und das geht auch viel durch Üben, das habe ich im Architekturstudium am eigenen Leib erfahren: Wir beschrifteten Pläne grundsätzlich in Großbuchstaben und da ich viele viele Texte so schrieb, wurde die Schrift immer schöner, gleichmäßiger, lesbarer.

Zudem versuche ich klarzumachen, dass eine Schwäche in einem anderen Kontext auch durchaus eine Stärke sein kann. Die Langsamkeit z.B. bewirkt auch, dass er sehr ruhig wirkt und z.B. unsere Meeris sind bei ihm am zahmsten. Er handelt dadurch auch selten überstürzt.

Arbeitsorganisation kann man auch einüben, das kann durchaus sehr anstrengend sein. Die Dinge immer wieder an den gleichen Platz, Systeme aufbauen, die helfen (wie führe ich den Kalender etc.) Viel Routinen einbauen.

Mir ist das zu einfach, zu sagen, dass man ja auch ohne durchs Leben käme, provokant gesagt.;-)
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von krista » Do 11. Okt 2018, 13:34

@Netterl
Es gibt natürlich nicht nur Schwarz und Weiss. Die Frage ist nur: wo tut es gut, an Schwächen zu arbeiten und wo wird es zur Belastung. Und : finden wir tatsächlich immer den richtigen Weg?
Oder verlangen wir von den Kindern nicht auch manchmal zu viel?
Muss man, bloss weil es eine "Therapie gegen die Schwäche" gibt, diese auch machen?
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F. Scarpi
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von F. Scarpi » Do 11. Okt 2018, 22:59

Netterl hat geschrieben:
Do 11. Okt 2018, 12:31
krista hat geschrieben:
Do 11. Okt 2018, 11:49
Ich versuche meinen Kindern beizubringen, dass nicht jeder alles können kann und muss.
Dazu gehört auch, dass wir ganz offen mit unseren Schwächen umgehen, die Dinge benennen, die wir nicht gut können und vorleben, dies an sich selbst zu akzeptieren.
Ja, aber: Ich versuche meinen Kindern beizubringen, dass man "Schwächen" hat, aber sich nicht drauf "ausruhen" soll.
Der Große ist z.B. unglaublich langsam. O-Ton Gymi Lehrerin: So ein langsames Kind habe sie noch nie gehabt in ihrer ganzen Laufbahn. :shock: Sie hege Zweifel, ob er den Ansprüchen des Gyms aufgrunddessen gewachsen sei.

Nungut, einerseits konnte er durch die hervorragende Merkfähigkeit kompensieren, andererseits bat ich beim Elterngespräch die Lehrer um Tips, wie man damit im (Schul)Alltag am besten umgehen könne. Das war dann je nach Fach unterschiedlich: In Mathe alle Hefte + Buch aufgeschlagen auf den Tisch legen, In D gar nichts rausholen in E nur Hefte etc. Dann Strukturen aufbauen und einüben, dass Dinge immer am gleichen Platz sind.
...dadurch könnte seine Schwäche zu einer Stärke werden. :) Wegen seiner Langsamkeit muss er dort wo es möglich ist vorausdenken, er muss sich konzentrieren und Überflüssiges vermeiden. Wer weiss, wo ihm das noch zugute kommen wird! Ich glaube, oft entwickeln sich in der Praxis aus Schwächen, oder aus Nachteilen, Stärken.


(Die anderen Posts habe ich mit Interesse gelesen, weiss aber gerade nicht, was dazu schreiben...)
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von ausländerin » So 14. Okt 2018, 15:02

Ich möchte noch was zu "Chaotischem verhalten" und mangel an Organisation schreiben. Ich habe es mal irgendwo gelesen dass es zwei grundarten von Denken gibt - das lineare Denken (also an einem "Projekt" arbeiten, abschliessen, nächstes Projekt aufnehmen und der bearbeiten usw. So wird es uns in der Schule beigebracht und viele Menschen funkzionieren auch so. Mein Gehirn funkzioniert völlig anderes - ich brauche mehrere Projekte gleichzeitig um weiter zu kommen. Auch wenn ich auf A fokusiere und an A konzentriert arbeite, lauft noch B und C im hintergrund. Dann komme ich beim B um wichtiges Erkentniss, der eine Art Alarm im Kopf auslöst (zum Beispiel umbedingt beim B noch etwas kontrollieren dass vergessen wurde), und dann muss ich A liegen lassen und für B etwas entweder direkt ins Agenda aufschreiben, oder telefonieren oder jemandem ein mail schreiben. Wenn das gemacht ist komme ich zurück zum A ohne dass Unterbrechung mich gestört hat. Die unterbrechungen sind manchmal sogar nützlich, da plötzlich komme ich dort weiter als vorher auch. Wenn ich nur A habe und sonst nicht, bin ich einfach weniger effizient, lenke mich schnell ab und kann weniger gut konzentrieren. Mein Kopf braucht dieses paralleles Arbeiten. Für alle andere sieht es völlig chaotisch aus, an zwei Bildschirmen können unterlagen von Verschiedenen Projekten offen sein, ich schreibe mal was während einer Sitzung auf was nichts mit thema der Sitzung zu tun hat. Ich verpasse aber so nichts, und bin grundsatzlich bekannt für effizienz und dass ich nie überblick verliere. In der Schulzeiten war ich aber bekannt für mangelnde Organisation, chaotisches verhalten, chaos am Tisch, im Zimmer usw. Bis ich gemerkt habe (so mit 15-16) dass meine stärken eigentlich im Chaos sind und ich einfach anderes Denke, und statt der Chaos zu bekämpfen, ich es nur zulassen muss und mehrere Sachen einfach gleichzeitig machen soll. Klar wenn es eine Wahrnehmungsstörung vorliegt (oder ADS) dann bring Chaos noch mehr Chaos da die fähigkeit zu prioritisierrn fehlt. Aber vielleicht ist es "nur" ein anderes Denkart wie bei mir?

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Ariadne
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von Ariadne » Di 16. Okt 2018, 11:32

@ auslaenderin
Ich kann sehr nachvollziehen, was du schreibst. Unsere Kleinste hat ein unglaubliches Chaos in ihrem Zimmer, ich habe noch nie sonst irgendwo so etwas gesehen... Verschiedene Versuche, mit ihr zusammen aufzuraeumen, sind gescheitert. Und es gibt Wichtigeres, finde ich, solange es nicht schmutzig ist. Aber: Recht oft findet sie dann eben etwas nicht, fragt uns, ist untroestlich, muss das jetzt sofort unbedingt haben, kann sich deswegen nicht beruhigen, und sie verliert auch mal Sachen, die ihrer Schwester gehoeren, etc., und dann leiden wir alle drunter. Von daher denke ich eben schon, dass sie da noch etwas zu lernen hat. Sie darf von mir aus so viel Chaos haben wie sie will, aber wenn andere darunter leiden, hoert es eben auf.

Meine aeltere Tochter hat in der Schule auch ein rechtes Chaos unter dem Pult, und ihre Lehrerin hat bei einer Beurteilung mal gesagt, sie solle da mehr Ordnung haben. Als meine Tochter mir das erzaehlte, fragte ich sie, ob es sie selber denn stoere, ob jemand anderer dadurch benachteiligt werde, und ob sie selber immer alles finde. Sie sagte Nein, Nein und Ja, und da sagte ich ihr, dass das in dem Fall wirklich ueberhaupt kein Problem sei. Ich finde also auch, dass heute viel zu viel gleichgeschaltet wird und von allen erwartet wird, dass sie es gleich machen - dabei ist das in vielen Faellen gar nicht noetig, weil wir individuell je anders arbeiten/leben. Mir ist es viel wichtiger, dass meine Toechter herausfinden, welche Ordnung und Art des Arbeitens fuer SIE gut ist.
LG,
Ariadne

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Re: Schlau, aber...

Beitrag von F. Scarpi » Di 16. Okt 2018, 21:24

Ariadne hat geschrieben:
Di 16. Okt 2018, 11:32
@ auslaenderin
Ich kann sehr nachvollziehen, was du schreibst. Unsere Kleinste hat ein unglaubliches Chaos in ihrem Zimmer, ich habe noch nie sonst irgendwo so etwas gesehen... Verschiedene Versuche, mit ihr zusammen aufzuraeumen, sind gescheitert. Und es gibt Wichtigeres, finde ich, solange es nicht schmutzig ist. Aber: Recht oft findet sie dann eben etwas nicht, fragt uns, ist untroestlich, muss das jetzt sofort unbedingt haben, kann sich deswegen nicht beruhigen, und sie verliert auch mal Sachen, die ihrer Schwester gehoeren, etc., und dann leiden wir alle drunter. Von daher denke ich eben schon, dass sie da noch etwas zu lernen hat. Sie darf von mir aus so viel Chaos haben wie sie will, aber wenn andere darunter leiden, hoert es eben auf.

Meine aeltere Tochter hat in der Schule auch ein rechtes Chaos unter dem Pult, und ihre Lehrerin hat bei einer Beurteilung mal gesagt, sie solle da mehr Ordnung haben. Als meine Tochter mir das erzaehlte, fragte ich sie, ob es sie selber denn stoere, ob jemand anderer dadurch benachteiligt werde, und ob sie selber immer alles finde. Sie sagte Nein, Nein und Ja, und da sagte ich ihr, dass das in dem Fall wirklich ueberhaupt kein Problem sei. Ich finde also auch, dass heute viel zu viel gleichgeschaltet wird und von allen erwartet wird, dass sie es gleich machen - dabei ist das in vielen Faellen gar nicht noetig, weil wir individuell je anders arbeiten/leben. Mir ist es viel wichtiger, dass meine Toechter herausfinden, welche Ordnung und Art des Arbeitens fuer SIE gut ist.
Ich finde es immer wieder inspirierend, wie konsequent du bist in dieser Hinsicht. Ich meine, dass du so konsequent deine tiefe Überzeugung umsetzest, dass die Kinder zu sich selber finden können (formuliere es mal so) - neben dem Grundsatz, dass andere nicht unter ihrem Verhalten leiden sollen.
Ich wünsche mir leider immer mal wieder, dass meine Kinder etwas mehr X und etwas weniger Y wären oder werden oder kämpfe um Dinge, die mir wichtig sind, aber die doch den Kindern nicht zwingend auch wichtig sein müssen.
Ich finde zum Beispiel Ordnung etwas Schönes. Und weil sie schön ist, muss sie für alle schön sein :wink: Perfektionismus liegt mir zwar fern und dass unsere Wohnung aussieht wie eine Galerie, wäre mir der letzte Wunsch, aber Chaos finde ich oft schlimm, vor allem wenn es Spielzeug oder allgemein Material von den Kindern oder die Kinderzimmer betrifft. Es be-elendet mich, Chaos zu sehen und finde immer, dass Kinder unmöglich schön spielen können so und dass es den Kindern schadet, die Sachen "lieblos behandelt" zu sehen oder zu viele Sachen auf einem Haufen oder in einem Durcheinander, zu sehen. Ich befürchte, es ist mir praktisch egal, wie die Kinder wirklich dazu fühlen...
Allerdings: die Kinder sagen mir manchmal, "für mich ist es halt nicht so" oder "ich bin halt anders als du". Für sie bin ich also bestimmt nicht das Mass aller Dinge :wink:
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Re: Schlau, aber...

Beitrag von dromedar » Mo 22. Okt 2018, 11:14

Ich würde mich für Tipps oder Ideen interessieren, wie man die Stärken dieser Kinder nutzen kann, um die Schwächen zu kompensieren.
Mein Beitrag dazu:
Mein Sohn hat es nicht so mit der Rechtschreibung. Ich nehme an, dass sein bildliches Gedächtnis besser ausgebildet ist, als seine Fähigkeit zum lautgetreuen Schreiben. Das Verständnis für Regeln ist sicher auch recht gut bei ihm.
Also versuche ich ihm die Rechtschreibung mit Karteikärtchen (Übungswörtern) und Regeln beizubringen.

Noch etwas zum Thema " nicht in andere hineinversetzen zu können": Ich habe die These, dass das für Personen, deren Gehirn stark vom Durchschnitt abweicht schwieriger ist, als für "normale" Menschen. Das heisst, ich habe das auch schon so gelesen und finde das einleuchtend.

Zum Thema Arbeitsorganisation: Ich denke, da kommt es auch sehr auf die Tätigkeit an. Für Kunst und andere kreative Arbeiten ist vielleicht das chaotische Arbeiten besser geeignet, für Mathe eher das systematische Vorgehen. Wobei ich immer sehr gut in Mathe war, aber eine sehr chaotische Arbeitsweise habe. (Ich hatte manchmal Abzug wegen der Darstellung. Das Resultat war aber trotzdem richtig).
Wenn man es als Kind nicht lernt, strukturiert zu arbeiten, kann man es auch noch später lernen. Mir gefällt die Einstellung von Margrith Stamm, Erziehungswissenschaftlerin, dass nicht die ganze Entwicklung in der Kindheit geschehen muss.
Ich kann mittlerweile auch strukturiert arbeiten, muss dies aber sehr bewusst tun.
Momentan konzentriere ich mich bei unserem ältesten Sohn auf die Baustelle Rechtschreibung, die Arbeitsorganisation wird aber sicher auch noch zum Thema werden. Er hatte dies auch in der Psychomotorik geübt, aber ich weiss nicht, ob da viel hängen geblieben ist.

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