Asperger Syndrom - Teil 5

Unsere grossen Kleinen und unsere kleinen Grossen. Was uns in diesem Abschnitt der Kinder begleitet, beschäftigt und interessiert.

Moderator: Mrs. Bee

Antworten
tin
Member
Beiträge: 449
Registriert: So 13. Jun 2010, 21:52
Geschlecht: weiblich

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von tin » So 27. Mai 2018, 16:10

Papa.
Ja wie geht's mir als Mama so? Manchmal ist es einfach nur streng, zum Verzweifeln..aber dann fange ich mich( bis jetzt) zum Glück rasch wieder (jammere einfach ein paar Tage dem geschlossenen Forum die Ohren voll :lol: )
Die Autismusdiagnose meines Sohnes hat mir wenig ausgemacht. Mein Sohn war von Geburt auf sehr speziell, doch er hatte eine lebensbedrohliche Krankheit, die ich als Grund sah...Diese Krankheit wurde durch eine Operation aber als er gut 2 Jahre alt war, grösstenteils behoben. Als er dann "speziell" blieb, kam mir selber der Verdacht auf frühkindlichen Autismus (andere Autismusformen kannte ich dazumal zu wenig.) So war die Diagnose eigentlich nur noch eine Bestätigung (vielleicht sogar eine Lösung, so im Stil: das auffällige Verhalten hat einen Namen, ist kein Erziehungsfehler und keine lebensbedrohliche Erkrankung...oder ich hatte einfach keine Tränen mehr übrig, da ich die für die medizinische Krankheit, die die ersten 2 Lebensjahre meines Sohnes prägend waren, vergossen hatte...)

Steramima
Junior Member
Beiträge: 87
Registriert: Di 6. Jan 2009, 11:28

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von Steramima » So 27. Mai 2018, 16:17

@Magnolia77
Magnolia_77 hat geschrieben:
Sa 26. Mai 2018, 20:48

Geht ihr an Elterntreffen?
Melde mir doch kurz per PN, wo Du wohnst (Kanton oder Region), dann kann ich Dir hoffentlich eine Elterngruppe empfehlen. Mir selbst hat vor allem zu Beginn (nach der Diagnose bei unserem Sohn), der Austausch mit den Eltern extrem geholfen. Da die anderen Eltern Ähnliches erleben und erlebt haben, habe ich mich sofort verstanden gefühlt. Ansonsten hätte ich gedacht, dass ich an allem schuld sei (mangelnde Erziehung und so...)

Mittlerweile kann ich durch meine bisherigen Erfahrungen (unserer Sohn ist inzwischen 18 Jahre alt), oft auch "neuen" Mitgliedern helfen oder gute Stellen vermitteln, wo sie sich Hilfe holen können).

Liebe Grüsse: Steramima

tin
Member
Beiträge: 449
Registriert: So 13. Jun 2010, 21:52
Geschlecht: weiblich

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von tin » So 27. Mai 2018, 16:55

Gut, Steramima, dass du dich meldest
Habe auf der Vorseite (versehentlich) geschrieben, dass du auch eine Elterngruppe leitest..Dann war das doch nicht zu sehr aus dem Nähkästchen geplaudern :wink: Glück!

Hoffe, es geht euch einigermassen?

Steramima
Junior Member
Beiträge: 87
Registriert: Di 6. Jan 2009, 11:28

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von Steramima » So 27. Mai 2018, 17:06

@tin
Kein Problem - wir sind ja dazu da, uns gegenseitig zu helfen. :wink:

Uns geht es soweit ganz gut, wir kommen mit kleinen Schritten vorwärts.

Liebe Grüsse: Steramima

fläcki
Member
Beiträge: 189
Registriert: Do 18. Feb 2010, 11:03
Geschlecht: weiblich
Wohnort: im Ämmitau

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von fläcki » Mo 28. Mai 2018, 14:07

Wie seht ihr das, hat man Autismus oder ist man Autist! Seht ihr das als Behinderung? Bei der Abklärung wurde mir gesagt, Autismus ist keine Behinderung, mehr eine Art des seins. Wie zum Beispiel Homosexualität.
Das sehen glaube ich alle anders. Manche sagen so, manche andersrum. Ich sage unser Sohn ist Autist. Oder im Autismus Spektrum. Jemand hat Autismus klingt für mich zu sehr wie eine Krankheit und als das sehe ich Autismus nicht. Ich gehe aber nicht einig damit, dass es keine Behinderung ist. Das mag bei schwachen Ausprägungen vielleicht noch passen, das kann ich nicht so einschätzen. Aber ab einer gewissen Stärke der Betroffenheit ist ein Mensch in seinem Tun und innerhalb seiner Möglichkeiten behindert. Sprich, er kann nicht aus dem Vollen schöpfen und ist aufgrund von Besonderheiten eingeschränkt. Für mich ist unser Sohn in gewissen Bereichen behindert. Damit habe ich kein Problem, weil das Wort für mich noch nie eine Wertung in sich getragen hat.
Wenn ich die Beurteilungsbögen der IV anschauen, dann kann ich diese Behinderung ohnehin nicht mehr aus dem Wind schlagen. Allerdings sehe ich Behinderung generell nicht als etwas das keine Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Aber ich bin mir bei unserem Sohn bewusst, dass diese anders aussehen als bei anderen Kindern und dass sie in gewissen Bereichen sehr viel mehr Zeit brauchen und in manchen vermutlich früher ausgeschöpft sein werden, als bei einem anderen Kind.

@Vererbung
Auch ich kenne niemanden, bei dem nicht ein Elternteil ebenfalls ins Spektrum fällt.
Autismus sieht bei Mädchen/Frauen häufig etwas anders aus als bei Jungs und fällt oft weniger auf. Ich habe den Eindruck, dass Mädchen weniger physisch eskalieren als Jungs, das kann aber auch nur eine Frage meiner eigenen Wahrnehmung sein.
Bei uns war es auch die Kinderpsychiaterin die auf familiäre Verbreitung aufmerksam machte :wink: : "Also wissen sie, ihr Sohn ist mit Sicherheit nicht der einzige Autist in diesem Raum." Danach kam einiges dazu und inzwischen ist der Fall klar und diese Klarheit, dass ich selbst auch so ticke, die hilft doch einiges zu "tischelen" und macht Situationen vor allem für meinen Mann klarer und verständlicher.
Darf ich mal in die Runde fragen, wie es euch als Mamas so geht? Ich bin innerlich sehr unruhig, traurig und gestresst. Kann schlecht schlafen und mache mir viele Gedanken über unseren Sohn. Vielleicht ist es einfach die Ungewissheit und Sorge, was die Abklärung bringt. Ich sehe meinen Asperger-Cousin, der sein Leben gar nicht auf die Reihe kriegt.
Für uns war die Diagnose eine Erleichterung. Wir wussten praktisch ab Tag 0 dass etwas anders ist. Mit drei war es so deutlich, dass wir eigentlich sicher waren. Die Diagnose kam mit 3.5 und war entlastend weil wir endlich nicht mehr nur an uns zweifeln mussten und aus allen Ecken Dinge zu hören bekamen, die uns fertig gemacht haben. Es wurde nicht einfacher. Aber es wurde anders und berechenbarer.
Gedanken mache ich mir auch mit Diagnose. Aber nach und nach kann ich sie ordnen, sehe einen Weg den ich gehen will, habe Perspektiven auch für mich selber. Das ist wichtig. Ich weiss was mein oberstes Ziel ist. Und da sind wir wieder bei der Behinderung. Ich will, dass unser Sohn die grösst mögliche Selbstständigkeit erreichen kann. Ich denke langfristig und plane auch so. Setze mir und uns mittelfristige Ziele, die uns langfristig zum Hauptziel führen sollen. Und merke, dass ich so langsam wohl werde. Ich versuche zu agieren, nicht mehr nur reagieren zu müssen.
Ich sehe das wie Buntschatten. Es ist eure und seine Chance, dass ihr früh erkennt wo der Hund begraben liegt und früh anfangen könnt mit ihm Strategien zu erlernen. Unserem Sohn wurde eine Prognose gegeben, die mir zu Denken gab. Und er hat schon jetzt Dinge erreicht, von denen man in der Psychiatrie dachte, er wird es niemals schaffen. Happigstes Beispiel ist die Bindung zum Vater. Der viel Zeit und Energie investiert und es geschafft hat, das er eine ganz tolle Beziehung zu seinem Sohn hat. Nach sieben Jahren. Seither hören wir: Wir sagen bei nichts mehr, es geht nicht.
Leute in unserem Alter wurden in der Regel erst als Erwachsene abgeklärt und bekamen oder bekommen erst jetzt Hilfe. Ich bin überzeugt, dass es mit Kindern mit Diagnose anders läuft.
Wie es mir geht, oder uns? Wir kommen nach sieben Jahren etwas von der Betreuungs-WG weg und haben wieder hart erkämpfte Zeiten in denen wir uns als Paar wieder finden und nicht nur - eben reagieren und funktionieren. Wir sind beide müde, erschöpft, ausgelaugt. Es wird einfacher und das merken und spüren wir. wir fangen wieder an zu geniessen. Aber im Moment ist es wie wenn man Ferien hat und krank wird. Alles was in den letzten Jahren nicht Platz hatte, hat es nun ganz wenig und schlägt voll zu. Körperlich sieht das übel aus und psychisch einfach unendlich müde. Aber ich glaube dennoch immer noch daran dass es besser wird, wenn wir so weitermachen wie bisher. Es sind kleine Schritte aber es gibt sie.

Benutzeravatar
Missdaisy
Member
Beiträge: 187
Registriert: Fr 28. Okt 2005, 22:35
Geschlecht: weiblich

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von Missdaisy » Di 29. Mai 2018, 14:58

@Magnolia
Der Antrag über Förderstunden wird durch die Lehrer / Schulleitung an das Volksschulamt gestellt. Manchmal braucht es auch noch eine Empfehlung durch den SPD, so war es bei uns.
Unser Sohn hat schon Anschluss in der Schule. Er ist aber trotzdem eher ein Einzelgänger oder sucht den Kontakt zu jüngeren. Aber es ist nicht so, dass er sich z.B. durch andere Kinder gestört fühlt oder lieber alleine ist.

Den Begriff Kristallkind habe ich auch schon gehört (nicht auf unser Kind bezogen). Hatte dann mal gegoogelt und herausgefunden, dass es im esoterischen Bereich zu finden ist, somit war die Sache für mich durch. :wink: Ist nicht so mein Ding.

An Elterntreffs gehe ich nicht. Ich hatte anfänglich einige Therapien, an die ich mit unserem Sohn gehen musste. Also z.B. 2 1/2 Jahre lang Psychomotorik, musste dazu 20 km pro Weg mit dem Auto fahren. Dann 2 Jahre musste ich ihn auch in ein Nachbar-Dorf zur Logopädie fahren. Jeweils die jünge Tochter im Schlepptau, die ich dann in der Wartezeit beschäftigen musste. Das fand ich sehr aufwendig, deshalb hatte ich keine Energie, noch an Elterntreffs zu gehen. Die Freizeit, die mir dann noch blieb, widmete ich lieber einem Hobby. Und jetzt haben wir soweit den Rank gefunden, dass es okay ist oder ich kann im Forum austauschen.

@Vererbung
Also ich bin mir sicher dass bei uns weder ich noch mein Mann autistische Züge haben. :oops: Aber ich sehe in der nahen Verwandtschaft schon auch Personen, die bestimmt autistische Besonderheiten haben. Bei meinem Bruder fällt es mir z.B. immer wie mehr auf oder auch mein Schwiegervater ist bestimmt betroffen.
Räuber 12/2005
kleine Zicke 10/2008

Benutzeravatar
sheepy
Newbie
Beiträge: 26
Registriert: Mi 15. Dez 2010, 11:28
Geschlecht: weiblich
Wohnort: Zürich

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von sheepy » Di 5. Jun 2018, 21:36

hallo zusammen, ich bin neu hier, (also in dieser gruppe, habe bei jedem kind in der monatsgruppe mitgeschrieben). bei meinem ältesten der im sommer in die schule kommt wurde nach halbjähriger Abklärung das asperger Syndrom diagnostiziert. er ist eigentlich im kindsgi sehr angepasst, ruhig zurückgezogen, ein mega Träumer und wenn ihn niemand holen würde würde er wohl den ganzen Tag in der Garderobe sitzen bleiben (ok ein bisschen übertrieben, aber es gibt solche Tage). Zu Hause dreht er dann richtig auf. Er hat praktisch keine Freunde im Kindergarten, spielt aber mit Kindern wenn ich sie nach Hause einlade oder mit wenigen wenn wir sie besuchen. Ich habe jetzt ein Gespräch mit der Schulleitung bevor die Schule anfängt. Ich habe keine Ahnung was noch alles kommt oder wie ich ihn am besten auf die Schule vorbereiten kann...die diagnose war - obwohl geahnt - trotzdem ein kleiner schock...momentan versuche ich so viele Infos wie möglich zu bekommen...wie seid ihr da vorgegangen? harren was da kommt? oder so gut vorbereitet sein wie möglich? momentan hab ich keinen plan....:-/// aber super habe ich auf jeden fall mal diese gruppe gefunden :-) liebi grüess und en schöne abig

Yoghurt
Senior Member
Beiträge: 548
Registriert: Mo 3. Dez 2012, 21:16

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von Yoghurt » Di 5. Jun 2018, 22:04

Hallo sheepy

Herzlich willkommen! Als bei uns der Verdacht auf Autismus geäussert wurde, habe ich so viele Informationen wie nur möglich gesammelt. Das heisst, ich habe Bücher gelesen und mich auch hier im Forum ausgetauscht. Nach meiner Erfahrung ist es von Vorteil, so viel wie möglich zu wissen. Dann hast du eine gute Grundlage, um auf Augenhöhe mit Schule, Fachleuten etc. zu reden und Entscheidungen zu treffen.

Benutzeravatar
Majoties
Senior Member
Beiträge: 587
Registriert: Mo 21. Jun 2004, 22:15

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von Majoties » Di 5. Jun 2018, 23:50

Ich weiss nicht ob ich mich hier schon mal vorgestellt habe . Ich bin alleinerziehrnd habe 4 Kids und 3 davon mit Asperger wobei 2 eher atypische sind . Also deshalb heisst es ja ASS.
Gibt es auch jemand wo mehr als 1 betroffen ist ?
Bild

fläcki
Member
Beiträge: 189
Registriert: Do 18. Feb 2010, 11:03
Geschlecht: weiblich
Wohnort: im Ämmitau

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von fläcki » Mi 6. Jun 2018, 15:26

@Sheepy
Willkommen.
Schliesse mich Yoghurt an. Infos saugen wo man kann. Autismus ist ein Spektrum, da ist es ein Herausfinden, in welchen Bereichen das eigene Kind wie stark betroffen ist und welche Unterstützung brauchen wird. Da ist es hilfreich wenn du dir überlegst, was für Strategien ihr zuhause bereits habt, was sich schon bewährt. Oder auch was die Kindergärtnerin schon an zusätzlicher Hilfe bietet, die weitergeführt werden müsste. Vielleicht ist da nichts, vielleicht ist TEACCH euer täglicher Begleiter und euer Kind braucht viel AS spezifische Hilfe.

Vor dem Übertritt ist ein Runder Tisch sinnvoll und wenn die Kindergärtnerin von der Diagnose weiss, dann kann sie euch dort auch unterstützen und den aufgleisen. Bei uns waren vor Kindergarteneintritt die Schulleitung, die Kindergärtnerin, die Heilpädagogin, die Psychiaterin vom KJPD und wir Eltern am RT (organisiert hat ihn das KJPD). Da unser Sohn schon vor dem Kindergarten diagnostiziert wurde und wir bereits von zuhause wussten, was er brauchen wird, damit eine Einschulung überhaupt eine kleine Chance hat, konnten wir mit der Psychiaterin einen Bedürfniskatalog erstellen. Beim Gespräch ging es dann darum zu sehen, wer was braucht, was die Schule leisten kann, was die Lehrperson kann und leisten will, wo die Grenzen aller liegen. Und auch wer wie und wo Unterstützung bekommen kann.
Für den Übertritt in die erste Klasse macht es sicher Sinn, wenn auch die Kindergärtnerin überlegt, was sie bei eurem Sohn anders machen muss, was er braucht. Von da aus kann man dann weiterschauen.
Schlussendlich ist es auch während der Schulzeit ein andauerndes Anpassen an sich verändernde Bedürfnisse mit den vorhandenen Möglichkeiten. Aber wenn zBsp. schon im Kindergarten ein Rückzugsort nötig war, dann sollte man das übernehmen. Wenn er schon da Piktogramme brauchte, ebenfalls übernehmen. Wenn er schon eine Heilpädagogin hatte, dann macht es sicher Sinn, dass die ihn weiterbegleitet und als bekanntes Gesicht bleiben kann. Oder dass er die, die ihn in der Schule ev. begleitet, schon im Kiga kennenlernt. Dass er ev. die neuen Räumlichkeiten vorher ohne Kinder kennenlernen darf. Dann mal mit einem Besuchsmorgen. Oder er vielleicht schon Fotos von den Kindern hat, die dann in der Klasse sein werden.
Es kommt sehr auf die Kinder darauf an. Alle brauchen andere Dinge. Manche sehr viel, manche fallen in der Schule nicht auf und lassen den Dampf nur zuhause ab, brauchen auch nicht so offensichtlich Unterstützung. Und schlussendlich muss es zwischen allen Beteiligten klappen, damit das Kind optimal betreut werden kann. Das braucht viel Kommunikation.
Abwarten was da kommt würde ich persönlich nicht. Ich habe bisher mit Offenheit und klarer Kommunikation am meisten erreicht und bin der Meinung, dass es für alle, Kind, Schule und Eltern, am erfolgsversprechendsten ist, wenn alle wissen woran sie sind.
Aus Sicht der LP kann ich sagen, dass es einfacher ist wenn man von Anfang an weiss was Sache ist und sich darauf einstellen kann und auch in Rechnung hat, dass da ein Kind im AS in die Klasse kommt. Alles was man nicht vor dem Beginn des Schuljahres weiss, muss man dann währenddessen aufarbeiten und das bedeutet dann auch für das Kind dass manches lange dauert oder länger nicht rund läuft. Auch ist es so, dass Unterstützungslektionen nicht mitten im Jahr vergeben werden.
Als Mutter eines Kindes im AS kann ich dir nur sagen: Informieren, aktiv das Gespräch suchen, immer wieder.

@Majotes
Wow das hast du aber einiges zu tragen!
Wir haben nur ein Kind im AS und ein Elternteil. Ist aber nicht Selbe.

Sternli05
Stammgast
Beiträge: 2274
Registriert: Di 15. Dez 2015, 08:15

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von Sternli05 » Di 10. Jul 2018, 10:33

Wir haben bei unserem Sohn, 8 Jahre alt, letzte Woche die Diagnose Autismus Spektrum bekommen. Bin ich hier richtig?

Yoghurt
Senior Member
Beiträge: 548
Registriert: Mo 3. Dez 2012, 21:16

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von Yoghurt » Di 10. Jul 2018, 10:34

Ja! :wink:

Herzlich willkommen!

Sternli05
Stammgast
Beiträge: 2274
Registriert: Di 15. Dez 2015, 08:15

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von Sternli05 » Di 10. Jul 2018, 11:24

Yogurth
Danke, aber er hat kein Asperger, das haben sie irgendwie extra betont. Sie meinte früher habe man den einen Autisten Asperger gesagt und heute sagt man Autismus Spektrum. Naja ich weiss die Unterschiede nicht so genau. Auch meinten sie wir sollten nicht googeln oder Bücher lesen zum Thema, den jeder Autist sei ganz individuell. Wir sind gleich nach der Diagnose in die Ferien gefahren und haben das genaue Gespräch erst nachher. Er geht ja seit Pfingsten in die Psychiatrische Tagesschule. Jetzt Zuhause und in den Ferien ist er anstrengender den je. Auch sein grösserer Bruder provoziert halt oft. Sorry, sicher etwas wirr. Bin ziemlich am Anschlag. Wir haben jetzt sicher 2 Jahre in die falsche Richtung Therapiert. Aber ich bin dankbar das er nun viel lernen kann in der Schule. Wir müssen nun auch den Umgang neu lernen mit ihm. Wie genau erhoffe ich mir vom Gespräch in ein paar Wochen. Hoffte einfach auf etwas Erholung in den Ferien. Dem ist aber leider nicht so. Wahrscheinlich hocken wir alle zu sehr aufeinander.

Majoties
Unser 12-Jähriger hat vermutlich ein ADS, ist aber nicht diagnostiziert. Er ist ein eher unauffälliges Kind das aber sehr viele Eigenheiten hat, die für uns im Alltag schwierig sind.

Yoghurt
Senior Member
Beiträge: 548
Registriert: Mo 3. Dez 2012, 21:16

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von Yoghurt » Di 10. Jul 2018, 11:58

Hallo Sternli

Es ist verständlich und auch normal, dass ihr im Moment ziemlich durcheinander seid und nicht so recht draus kommt. Es braucht Zeit, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich ein wenig zurechtzufinden.

Mit den Bezeichnungen wie Asperger ist es so, dass sich die Diagnosestelle an den vorgegebenen Katalog halten muss. Hier in Europa ist es das ICD-10, in den USA das DSM-V. Im ICD-10 sind nur drei Autismus-Diagnosen vorgesehen: Asperger-Autismus, frühkindlicher Autismus (auch Kanner-Syndrom genannt) und atypischer Autismus. Zu jeder Form gibt es einen klar definierten Symptom-Katalog. Diese Kataloge wurden schon seit langem kritisiert, weil sie viel zu schablonenartig sind und nach neuerem Forschungsstand auch nicht mehr ganz korrekt. In der Neuauflage wird daher auf die drei Formen verzichtet und stattdessen vom Autismus-Spektrum gesprochen. Aber die Neuauflage ist noch nicht in Kraft. (ICD-10 und DSM-V sind die Diagnosen-Kataloge für sämtliche Krankheiten, nicht nur Autismus etc. Darum dauert es so lange, diese Kataloge zu überarbeiten.)

Und weil man inzwischen von einem Autismus-Spektrum spricht, ist dieser Thread für alle Eltern autistischer Kinder, nicht nur Kinder, die die Schublade Asperger bekommen haben.
Sternli05 hat geschrieben:
Di 10. Jul 2018, 11:24
Auch meinten sie wir sollten nicht googeln oder Bücher lesen zum Thema, den jeder Autist sei ganz individuell.
Diesen Rat finde ich persönlich nicht sonderlich gut. Es stimmt schon, dass jeder Autist ganz individuell ist, aber trotzdem fand ich Literatur immer unglaublich hilfreich. Gute Fachbücher befassen sich auch mit den verschiedenen Ausprägungen des Autismus, und ich konnte immer unterscheiden, was auf Junior passt und was nicht. Letztlich bin ich der Meinung, dass ich als Mutter nur dann kompetente Entscheidungen für mein Kind treffen kann, wenn ich mich selbst informiere.

Vielleicht meinten "sie" aber auch, dass ihr erst das genaue Gespräch nach den Ferien abwarten sollt, weil ihr dann noch detaillierte Informationen bekommen werdet. Im Moment habt ihr ja nur den Namen einer Diagnose, die ihr erst einmal "verdauen" müsst. Und im Internet findet man wirklich die unterschiedlichsten Informationen, von denen manche hilfreich sind, andere dagegen gar nicht. Als Neuling kann man da schnell den Überblick verlieren, aber auch denken, "Das alles trifft auf mein Kind überhaupt nicht zu. Ist es wirklich autistisch?" Darum könnt ihr wirklich in Ruhe das Gespräch nach den Ferien abwarten. Danach habt ihr immer noch Zeit, euch weiter zu informieren.

Geniesst die Zeit und erholt euch bestmöglich!

fläcki
Member
Beiträge: 189
Registriert: Do 18. Feb 2010, 11:03
Geschlecht: weiblich
Wohnort: im Ämmitau

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von fläcki » Di 10. Jul 2018, 18:05

@Sternli
Schliesse mich Yoghurt an.
Ganz kurz zu dem hier
Hoffte einfach auf etwas Erholung in den Ferien. Dem ist aber leider nicht so. Wahrscheinlich hocken wir alle zu sehr aufeinander.
Das ist ziemlich sicher so :wink: "two's company, three's a crowd". Bei uns trifft es dieser Satz ziemlich genau. Oft ist einer zu viel. Da hilft Distanz schaffen, aufteilen, Ruhephasen mit Alleinsein einhalten, nicht erwarten dass man immer alles zusammen macht. In unserem Fall ist schon ein gemeinsames Essen nach einem gemeinsamen Tag eine enorme Herausforderung und wir haben Phasen, da isst unser Sohn allein, weil er uns schlicht nicht erträgt und einem das Essen dann ihm Hals stecken bleibt. Der Begriff Familie wird in ein anderes Licht gerückt wenn ASS im Spiel ist. Je nach Ausprägung kann das ganz schön heftig sein.
Vielleicht könnt ihr euch etwas Erholung verschaffen in dem ihr herausfindet wieviel "gemeinsam" es erträgt und wo die Grenze zu "es leiden alle nur noch darunter" verläuft. Wir mussten in den letzten Jahren über viele Schatten springen und alte Konzepte über den Haufen werfen, aber unterm Strich hat es sich gelohnt.
Hoffentlich doch noch etwas Erholung und schöne Ferien!

Sternli05
Stammgast
Beiträge: 2274
Registriert: Di 15. Dez 2015, 08:15

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von Sternli05 » Mi 11. Jul 2018, 12:10

Danke Euch
Bei uns ist es so das er schon im Kindergarten auffällig war und in der Schule ging gar nichts mehr. Ich denke er ist total überfordert. Es würde dann zuerst die Diagnose, emotionale soziale Entwicklungsstörung mit hoher Intelligenz gestellt. Er war nicht beschulbar, auch nach einem Jahr Therapie nicht. Er bekam dann einen Platz in der Psychiatrischen Tagesschule und da wurde jetzt die Diagnose Autismus Spektrum eben in diesem Bereich gestellt. Das schlimmste ist das er uns alle aufs übelste beschimpft wenn es nicht genauso läuft wie er will. Das neueste ist: du Nutte du verfickte Schlampe fick deine mutter ins Arschloch. Auch so Aussagen wie: (wir waren auf einem Leuchtturm) von hier könnte man mit einer Knarre alle erschiessen. Schockieren mich immer sehr. Hier in den Ferien ist es extrem, wahrscheinlich weil ihm die Routine fehlt.

Fläcki
Essen ist eh so ein Thema. Er will ständig essen, am liebsten dabei auf YouTube etwas schauen. Das erlaube ich bei den Mahlzeiten aber nicht. Gestern Abend hatte ich keine Nerven mehr. Wir alle sassen am Tisch, er auf dem Sofa und Ass Brot mit Natel. Ich weis halt nicht wieviel ich tolerieren kann, er muss ja trotz allem lernen wie man sich verhält.

Wissen eure Kinder von ihrer Diagnose? Wir haben ihm einfach aufgezeigt was in der Schule nicht klappt und das er es in der neuen Schule in die er jetzt darf, dies lernen kann.

Wie reagieren die Geschwisterkinder? Wir haben mit ihnen gesprochen, sie sind ja schon 12 und 15. der 12-jährige wirft dem Kleinen oft an den Kopf das er dumm sei und nicht normal. Das tut weh, ich rede und rede und es fruchtet nichts.

Ihr klingt so sicher, ich bin total unsicher, weis irgendwie gar nicht was unser Sohn braucht, was ich von ihm verlangen kann, was nicht. Bis jetzt dachte ich das er einfach total überzogen ist, keine Konsequenz was nützt ect. Ich muss sagen das ich eh nicht die voll konsequente Mutter bin. Ich bin eher locker, mit sehr wenigen Regeln und vielen Ausnahmen. Wohl die falsche Mutter für ihn. Ich liebe ihn sehr aber ich bin auch oft wütend auf ihn, schreie ihn an. Ich weis nicht wie ich mit ihm umgehen soll.

Yoghurt
Senior Member
Beiträge: 548
Registriert: Mo 3. Dez 2012, 21:16

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von Yoghurt » Mi 11. Jul 2018, 13:41

Hallo Sternli
Sternli05 hat geschrieben:
Mi 11. Jul 2018, 12:10
Das schlimmste ist das er uns alle aufs übelste beschimpft wenn es nicht genauso läuft wie er will. Das neueste ist: du Nutte du verfickte Schlampe fick deine mutter ins Arschloch. Auch so Aussagen wie: (wir waren auf einem Leuchtturm) von hier könnte man mit einer Knarre alle erschiessen. Schockieren mich immer sehr. Hier in den Ferien ist es extrem, wahrscheinlich weil ihm die Routine fehlt.
Leider kenne ich mich mit dieser Problematik überhaupt nicht aus und kann dir darum keinen Rat geben. Ich verstehe aber sehr gut, dass es dich schockiert und belastet!
Sternli05 hat geschrieben:
Mi 11. Jul 2018, 12:10
Fläcki
Essen ist eh so ein Thema. Er will ständig essen, am liebsten dabei auf YouTube etwas schauen. Das erlaube ich bei den Mahlzeiten aber nicht. Gestern Abend hatte ich keine Nerven mehr. Wir alle sassen am Tisch, er auf dem Sofa und Ass Brot mit Natel. Ich weis halt nicht wieviel ich tolerieren kann, er muss ja trotz allem lernen wie man sich verhält.
Da bist du auf ein schwieriges Thema gestossen. Ich vermute, dass dein Sohn am Abend von allen Eindrücken des Tages so überflutet ist, dass er nichts mehr aufnehmen kann. Aber die Reize prasseln ja weiter auf ihn ein. Er sieht euch, er hört eure Gespräche, er riecht das Essen etc. Autisten brauchen da eine Möglichkeit, um sich selbst vor den Reizen zu schützen. Jeder Reiz kann da der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Und für viele Autisten ist das Natel / das Tablet / der Computer eine gute Möglichkeit, um die Umgebung auszublenden und sich auf diese Weise vor Reizüberflutung und einem psychischen Zusammenbruch zu retten. Sie können sich so auf das Gerät fokussieren, dass sie die anderen Reize ausblenden können. Insofern ist es für deinen Sohn vielleicht eine gesunde Möglichkeit der Selbstregulierung, wenn er am Abend Distanz zu euch sucht und dabei mit dem Natel spielt.

Auf der anderen Seite hast du recht damit, dass dein Sohn trotz allem lernen muss, wie man sich verhält. Autismus ist keine Ausrede für schlechtes Benehmen. Aber dein Sohn hat eben Bedürfnisse, die die meisten Menschen nicht haben (oder nicht in diesem grossen Ausmass), und daher müsst ihr schauen, was es an Sonderregelungen für ihn braucht. Ihr müsst herausfinden, was seine Bedürfnisse sind, was (nur) seine Wünsche, und wie weit man von ihm verlangen kann und muss, am familiären Zusammenleben teilzunehmen. Es gibt keine Patentlösung und kein starres Schema dafür. Das müsst ihr herausfinden, wie es für eure Familie und vor allem für euren Sohn stimmt.
Sternli05 hat geschrieben:
Mi 11. Jul 2018, 12:10
Wissen eure Kinder von ihrer Diagnose? Wir haben ihm einfach aufgezeigt was in der Schule nicht klappt und das er es in der neuen Schule in die er jetzt darf, dies lernen kann.
Unser Sohn hat vielleicht einmal mitbekommen, dass wir über Autismus gesprochen haben, er ist aber noch zu klein, um es wirklich zu verstehen. Euren Ansatz, einfach auf die Lernfelder einzugehen, finde ich sehr gut und pragmatisch, denn es kommt ja nicht auf das "Etikett" an, sondern ganz praktisch auf die Hilfestellung, die dein Sohn braucht. Hilfe zur Selbstorganisation etc.
Sternli05 hat geschrieben:
Mi 11. Jul 2018, 12:10
Ihr klingt so sicher, ich bin total unsicher, weis irgendwie gar nicht was unser Sohn braucht, was ich von ihm verlangen kann, was nicht. Bis jetzt dachte ich das er einfach total überzogen ist, keine Konsequenz was nützt ect. Ich muss sagen das ich eh nicht die voll konsequente Mutter bin. Ich bin eher locker, mit sehr wenigen Regeln und vielen Ausnahmen. Wohl die falsche Mutter für ihn. Ich liebe ihn sehr aber ich bin auch oft wütend auf ihn, schreie ihn an. Ich weis nicht wie ich mit ihm umgehen soll.
Naja, wir hatten ja schon länger Zeit, uns mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ihr steht noch ganz am Anfang. Da ist die Unsicherheit völlig normal. Darum hatte ich dir weiter oben geraten, dich intensiv mit dem Thema Autismus auseinanderzusetzen (aber gäll, warte ruhig das ausführliche Gespräch nach euren Ferien ab!). Je mehr du dich damit beschäftigst, desto klarer werden dir manche Dinge. Und ihr könnt dann auch schauen, ob bzw. welche Unterstützungsangebote für eure Familie (Eltern und / oder Sohn) sinnvoll sein könnten.

Sternli05
Stammgast
Beiträge: 2274
Registriert: Di 15. Dez 2015, 08:15

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von Sternli05 » Mi 11. Jul 2018, 14:03

Diverse Verhaltensweisen von ihm sind völlig klar seit der Diagnose. Aber trotzdem weis ich nicht was er wirklich braucht.

Er war immer ein anstrengendes Kind und ich gab ihm des Öfteren mein Natel. Das führte irgendwann dazu das er es dauernd hatte. Auch zum einschlafen und so.
Du schreibst das er nicht viele Reize verträgt. Dabei ist er aber derjenige der ständig laut ist und Aufmerksamkeit will der uns die ganze Zeit etwas erzählen will und hundertmal von vorne anfängt wenn jemand kurz was sagt und er wird extrem wütend dabei. Er will seine Geschwister immer erpressen das sie was mit ihm machen. Er zieht sich eigentlich selten zurück. Er will nie was alleine machen.

Sternli05
Stammgast
Beiträge: 2274
Registriert: Di 15. Dez 2015, 08:15

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von Sternli05 » Mi 11. Jul 2018, 14:41

Kann mir jemand eine gute Literatur empfehlen?

fläcki
Member
Beiträge: 189
Registriert: Do 18. Feb 2010, 11:03
Geschlecht: weiblich
Wohnort: im Ämmitau

Re: Asperger Syndrom - Teil 5

Beitrag von fläcki » Mi 11. Jul 2018, 15:01

Sternli, ich mach dir eine PN

Antworten