Wackelzahnpubertät 6jähriger

Unsere grossen Kleinen und unsere kleinen Grossen. Was uns in diesem Abschnitt der Kinder begleitet, beschäftigt und interessiert.

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Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von 2014 » Di 3. Dez 2019, 20:17

Huhu zusammen, wer kennt die Wackelzahnpubertät und befindet sich eventuell wie wir gerade drin? :roll: Erfahrungen?

Wir haben es grad sehr schwer mit unserem bald 6jährigen Sohn...alles ist NEIN und sehr starke Stimmungsschwankungen und emotionale Ausbrüche auch im KIGA :?

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Hausdrache
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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von Hausdrache » Di 3. Dez 2019, 20:35

Hab den Begriff noch nie gehört, gefällt mir aber ;) Wir stecken da zwar nicht mehr drin, unsere Grosse hatte das aber sehr heftig.

Geholfen hat nur Geduld, immer gut überlegen, wo man Regeln oder Ansagen machen muss, wo man es lieber lässt und darauf vertraut, dass es auch ohne geht. Klar hätten wir manches gerne so, wie wir das haben möchten, aber oft lohnt es sich nicht, einen Tobsuchtsanfall zu provozieren.

Bei uns wars aber im KIGA am schlimmsten. Die kamen weniger gut klar damit, als wir zu Hause. Bei uns war aber noch erschwerend, dass sie bei zu wenig Essen, oder zu spät essen extrem austickte. Bis der KIGA merkte, dass sie sie zwingen müssen zuerst zu essen, erst dann darf wieder gespielt werden. Das hat geholfen.
Auch hilfreich war die Abmachung zu Hause, wenn ich merkte, dass sie einen Wutanfall bekommt, dann war ein Zeichen abgemacht und dann wusste sie, dass jetzt erstmal eine Runde Trampolin angesagt ist. In einem ruhigen Moment besprochen, wirkte das dann Wunder in Stressmomenten. Aber klar, immer hat das nicht geklappt, aber jedesmal, das klappte war ein Erfolg.

Schlussendlich hielt die Phase bei uns recht lange an, die Pubertät, war dann dafür ein Spaziergang.
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Pädagogik ist der organisierte Kampf der Erwachsenen gegen die Kinder.(Mark Twain)

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Nuuneli
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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von Nuuneli » Mi 4. Dez 2019, 10:47

Ich kenne den Ausdruck auch nicht ;-) .

Unser Sohn war aber in diesem Alter auch sehr aufbrausend. Wir haben einen Kleberliplan gemacht. Immer wenn ich gemerkt habe, dass er sich in einer Situation (die eigentlich kein ausflippen erforderte), sich beherrschen konnte, bekam er einen Kleber. Er hat (anfangs mit Hilfe) gelernt, sich selber aus diesen Situationen zu "retten". Er bekam dann einen Extra-Ausflug als Belohnung, wenn der Kleberliplan voll war. (Diesen mussten wir nicht allzulange machen ;-) ). Heb' Geduld!
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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von 2014 » Mi 4. Dez 2019, 19:04

Danke euch für eure Tipps/ Anregungen. Den Begriff " Wackelzahpubertät" habe ich via google gefunden; als ich schwierige Phase mit 6 eingab! Den Begriff kannte ich vorher auch nicht- finde aber der passt wie angegossen 👌🏻!

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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von ChrisBern » Mi 4. Dez 2019, 20:12

Bei uns ist/war es nie dramatisch (nur nervig), aber ich kann Hausdrache nur zustimmen: bei uns hat es fast immer mit dem Essen zu tun! Müssen unserem Kind ein Brötchen "reinzwingen" und dann sieht Die Welt besser aus...

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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von 5erpack » Do 5. Dez 2019, 07:27

ChrisBern hat geschrieben:
Mi 4. Dez 2019, 20:12
Bei uns ist/war es nie dramatisch (nur nervig), aber ich kann Hausdrache nur zustimmen: bei uns hat es fast immer mit dem Essen zu tun! Müssen unserem Kind ein Brötchen "reinzwingen" und dann sieht Die Welt besser aus...
Kann ich auch bestätigen. Kaum hat das Kind gegessen sieht es wieder gaaanz anders aus und ist wieder angenehm.

Die wackelzahnpupertät trifft es aber auch. Aktuell akzeptiert mein Sohn keine Neins und Ungeduldig bis zum geht nicht mehr ist er auch noch.
Ausserdem hat er keine Mühe, mir die Hölle heiss zu machen wenn andere da sind.
Grad aktuell musste ich mit den Technikern im Haus hantieren, aber er will jetzt eine Banane...
Meine Nerven...
Nicht umdrehen, weiter gehen!

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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von Nicoletta » Do 5. Dez 2019, 09:52

Ja, das kennen wir auch von unserem Kleinen. Er hatte eine späte Trotzphase und diese ging direkt über in die Nächste Phase wie auch immer man die nennt :D

Am schlimmsten war es zwischen Kindergarten und erster Klasse. Er kann aber auch jetzt noch mit knapp 9 problemlos ausrasten und einen Tobsuchtsanfall hinlegen. Nur dauert es nicht mehr so lange wie früher und er haut dann zum Glück auch nicht mehr :roll:

Oft rastet er auch wenn er eigentlich Hunger hätte und etwas essen müsste.

Mittlerweile ist es am einfachsten, wenn man sich von der Situation distanziert, auch räumlich. Ich sage ihm dann einfach, dass ich das (was auch immer es grade ist) nicht mit im diskutiere und ich etwas anderes mache. Dann gehe ich am liebsten in die Waschküche :lol:

Meist isst er dann etwas und dann sieht die Welt wieder gut aus.

Viel Nerven allen in der gleichen Situation!

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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von Sonnenblume83 » Di 10. Dez 2019, 13:52

also ich kenne das nur zu gut... und ich weiss auch, weshalb es wackelzahnpubertät heisst.... bei uns läuft alles wieder nornal, sobald der Zahn draussen ist... ich hätte das nie gedacht. wir merken am verhalten, wenn sohnemann einen wackelzahn hat, er braucht es uns nicht mal zu sagen... wackeln die zähne, wackelt die seele....

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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von Mirma » Mi 11. Dez 2019, 08:56

Unser Sohn ist 6,5 Jahre alt und steckt auch gerade in einer schwierigen Phase. Den Begriff Wackelzahnpubertät habe ich noch nie gehört, trifft aber die Phase unseres Sohnes sehr gut. Mich beschäftigen seine fast täglichen heftigen Wutausbrüche fest. Vor allem die Gewalt gegen mich macht mir zu schaffen. Verbiete ich ihm etwas oder läuft etwas einfach nicht nach seinem Kopf, wird er sehr wütend und richtet seine Gewalt dann oft auch gegen mich. Er schlägt mich, stösst mich, etc. Gehe ich aus dem Raum, wie es so oft empfohlen wird, läuft er mir nach und macht weiter. Ich versuche während dem jeweils ruhig zu bleiben (gelingt mir aber nicht immer :roll: ) und ihm immer wieder zu sagen, dass er mich nicht schlagen darf, dass er mir weh tut, etc. So ein Wutausbruch kann zwischen 10 und 30 min. dauern. Ist der Wutanfall ausgestanden, benimmt sich mein Sohn wieder so, als wäre nichts gewesen...er ist dann überhaupt nicht nachtragend oder so. Im Anschluss suche ich in einer ruhigen Minuten auch immer das Gepräch mit ihm, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wie er mit seiner Wut anders umgehen kann. Leider fruchten bisher die gesuchten Lösungen (z.B. 3x ums Haus rennen, mit den Fäusten aufs Sofa oder Bett hauen, etc.) beim nächsten Wutanfall nicht. Ich wäre also auch sehr froh um Tipps.

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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von Leela » Mi 11. Dez 2019, 10:22

Ist das wirklich die empfohlene Vorgehensweise?
Sich schlagen lassen und dann später drüber reden?
Ehrlich, das könnte ich nicht...wenn ein Kind mich körperlich angeht, ist definitiv eine Grenze bei mir überschritten, das geht doch nicht :-(
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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von Mirma » Mi 11. Dez 2019, 10:30

@ Leela
Hast du denn einen Rat?

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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von Netterl » Mi 11. Dez 2019, 10:37

Stella hat da mehrmals dazu geschrieben, was ich auch nur aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Es geht dabei um die eigene innere Einstellung.

Ich kann das leider nicht so gut schildern, vielleicht schreibt sie was dazu.
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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von AnneP » Mi 11. Dez 2019, 12:39

Nr. 2 hatte bei uns so eine Phase. Die Große war schon in der Schule, die kleine nicht ausgelastet. Uns kam entgegen, dass die Kita mehr beschäftigte. Die Kids wurden Forscher und durften viele Sachen ausprobieren, waren in Betrieben, hatten Englischunterricht.
Dadurch war der Kopf häufiger am grübeln und vergaß diese ewige Zickerei.

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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von Leela » Mi 11. Dez 2019, 13:25

Mirma hat geschrieben:
Mi 11. Dez 2019, 10:30
@ Leela
Hast du denn einen Rat?
Meine Kinder würden sich das gar nicht trauen, dazu haben sie zu viel Respekt vor mir.
Ich will mich keinesfalls als gutes Vorbild darstellen. Ich bewundere, dass du das aushälst. Ich selber habe ein eher aufbrausendes Temperament und das ist für mich in der Erziehung eine grosse Herausforderung, ruhig zu bleiben.
Nichts desto trotz, einen 6.5 jährigen, der mich körperlich angreifen würde, wurde ich kurzerhand unter den Arm klemmen und im Kinderzimmer deponieren, bis er sich beruhigt hat.
Ich muss das ab und zu mit meinem Junior auch machen (bei den Mädchen gabs oder gibt es das nie). Da das KiZi im oberen Stock ist, stell ich ihn vor die Tür, wenn er mal einen Aussetzer hat. Nur 1, 2 min. aber das reicht, denn auch ich muss in solchen Situationen erst mal durchatmen, dann geht es wieder.
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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von ausländerin » Mi 11. Dez 2019, 14:07

Leela - und, bleibt dein Kind dann im Zimmer? Super, wie hast du ihm das beigebracht? Kind von Mirma lauft ihr nach - ihm musst du dann ins Zimmer einsperren. Ist das was du machen würdest? Oder was dann?
Ich finde solche empfehlungen super wenn du selber ein Kind hast dass brav im Zimmer weint und nacher rauskommt und dazu noch sich entschuldigt. Ja, es gibt Kinder die kooperieren. Aber es gibt eben die andere. Meine Tochter muss du einsperren damit sie im Zimmer bleibt und damit Gefahr laufen dass sie sich verletzt.
Bei meiner Tochter waren alle Wutanfäle verschwunden sobald sie Weg aus KiGa war. Vorher war das beste weg - die Anfälle verbeugen in dem dass ich gut überlegt habe welche Kampf ich gewinnen will und ob wirklich so wichtig ist, immer aufgepasst das Kind regelmässig gegessen hat. War der Anfall da - war sie durch der Anfall gar nicht ansprechbar oder irgendwie urteilungsfähig. Sie hat oft selber gesagt - ich will ja aufhören, kann aber nicht. Sie war in nott genauso wie ich.
Mirma, beim schlagen würde ich ihm Auffangen, schläge und hände abwehren oder durch kopfkissen auffangen und klar sagen dass er wut haben kann aber dich trotzdem nicht schlagen darf. Falls es sehr heftig ist, kannst du mal nachlesen über Meltdowns bei autistischen Kindern. ich finde es gibt sehr gute Tips die auch hilfreich sind für nicht autistischen kindern.

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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von tris » Mi 11. Dez 2019, 17:36

und Meiner „zerstört“ das Kinderzimmer wenn ich ihn im Akutfall im Zimmer deponiere dh. geht ein Konflikt in den nächsten über, wenn es nach dem eigentlichen Problem vorbei ist und es darum geht sein Zimmer wieder herzustellen..

Was bei mir fruchtet ist der Appell an die „Vernunft“

„es ist deine Entscheidung wenn du so weiter machen willst, denke einfach daran, dass ich danach auch streng sein kann“ (kein TV, kein Schöggeli oder was er auch immer so mag)

Bei uns ist es aktuell auch sehr ambivalent und ich lese gerne mit, bin mich auch rundherum am informieren was gute Wege sind. Ich gehe aber auch davon aus, dass es halt auch ein bisschen dazu gehört und manchmal weniger Einsatz (ignorieren, aber kein Liebesentzug) mehr ist..
üses chline Sterndli 27.10.2012- du beschützisch üs
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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von Leela » Mi 11. Dez 2019, 17:46

Das ist natürlich kein Patentrezept, ich habe jetzt nur geschrieben, was ich bei meinem Kind mache (danach wurde ich ja auch gefragt).
Das dies bei anderen Kindern vielleicht nicht funktioniert, ist mir klar.
Festhalten bis das Kind wieder runterkommt kenne ich auch aber eher bei "Error-Trotzanfällen" mit 2 oder so....
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, mich von meinem Kind verfolgen und schlagen zu lassen und dabei ruhig zu bleiben...
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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von 5erpack » Mi 11. Dez 2019, 17:58

Mirma das Problem kenne ich von meinen adhs Kindern gut genug.
Heute schicke ich sie ins Zimmer. Sie können dort runterfahren und dann ist gut.

Aber das geht nicht immer.
Mein Tipp an dich, Kind nehmen und es festhalten.
Also setz dich mit dem Kind auf einen Stuhl, Treppe oder sonst was und halte es ganz fest. Dabei halte ich auch die Hände fest und die Beine Klemme ich zwischen meine Beine.
Sie wehren sich zuerst, aber da sag ich ganz bestimmt, „ du hörst auf zu schlagen, beissen oder sonst was, und dann lass ich dich wieder los.
Ab und zu half auch eine kleinere Decke, das Kind darin fest einbinden und dann fest halten.
In Therapien nimmt man auch sandwesten oder schwere decken. Es hilft wirklich sehr.

Wenn das nichts nützt, Kind auf eine erhöhte Plattform setzen, wo es definitiv nicht alleine runter kann.
Zwei Schritte zurück gehen und warten. Einfach abwarten.
Wenn das Kind mit den Armen ausgestreckt um Hilfe bittet, dann klar mitteilen das du es erst runter lässt, wenn es aufhört mit Schlagen etc.
Wenn keine erhöhte anrichte da ist, auf einen Stuhl setzen der frei steht und sich vor den Stuhl setzen ( Augenhöhe).



Immer einmal Ankündigen und nur einmal!
Wenn du nochmal schlägst musst du zu mir sitzen.
Dann sofort handeln.
Sag dann immer: du sitzt jetzt bei mir weil du mich geschlagen hast und ich das nicht will.

Kurze knappe Sätze. Keine Diskussion anfangen!
Nach ein paar mal sitzen schnallt es das Kind und einmal sagen das man sitzen müsste reicht dann meist schon.
Nicht umdrehen, weiter gehen!

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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von stella » Mi 11. Dez 2019, 22:38

Netterl
Für diesen Beschreib einer meiner wichtigsten Lebenserfahrungen habe ich hier bereits viel Kritik bekommen.

All
Ich versuche es noch einmal. Wichtig: Alle Eltern sollen ihren Weg selber finden dürfen, es ist für niemanden einfach. Für Eltern, die ein besonders intensives Kind haben, ist es einfach noch einen Zacken schwieriger.
Vielleicht hilft meine Schilderung, dass bei jemandem etwas anklingt.

Ich selber habe zwei Kinder, eines davon war, und ist es manchmal noch heute, ein Wütling. Von der Trotzphase ging es direkt in extremste Wutanfälle, die zwischen 30 und 120 Minuten dauerten, manchmal zur Tagesverfassung wurden, mit Schlagen und selbstgefährdendem Verhalten. Das dauerte bis ins Alter von ca. 7,8 Jahren.

Mir machte am meisten das Schlagen Mühe. Ich konnte das kaum ertragen und alle mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, die meistens bei anderen Kindern helfen können, brachten nichts. Am schlimmsten war das ins Zimmer bringen — einige von euch haben ja bereits den Unterschied zu den Kindern, bei denen das klappt, beschrieben. Bei uns war es einen Zacken struber. Mehr will ich öffentlich nicht schreiben.

Pfunzi war ungefähr in der 1. Klasse, als ich mir ein Coaching geholt habe. Die Frau, hier eine bekannte Korophäe, attestierte mir, dass ich auf der Handlungsebene alles gut und richtig mache und fragte mich, ob ich schon mal von den Spiegelneuronen gehört hätte. Ich verneinte. Sie erklärte mir, dass wir Menschen die Fähigkeit haben, Haltungen zu „lesen“ und dass, wenn diese nicht mit dem Gesagten übereinstimmen würden, dies beim Gegenüber Unsicherheit auslösen könne. Und dies könne man an den Hinrströmen messen. Wenn du dazu ein leicht verständliches Buch lesen möchtest: „Warum ich fühle, was du fühlst“ von Joachim Bauer.
Sie meinte dann, dass meine Aussagen nicht mit meiner Haltung übereinstimmen täten. Weiter erklärte sie mir, dass die meisten Eltern z.B. an der Strasse ganz klare Aussagen machen, die sie mit 100% jeder Körperfaser spüren täten. Und dahin werde ich kommen. Ich solle nun heim, das Wissen um diesen Effekt der Spiegelneuronen würde bestimmt helfen, ich solle nichts anpassen, wie immer handeln.

Und man glaubt es kaum! Der Wutanfall kam postwendend zuschaute, ich habe wie immer gehandelt, als sie aufgezogen hat. Ich habe mit jeder Faser meines Körpers gespürt, dass ich so nicht mehr will, dass ich es nicht akzeptiere. Und das Kind hat aufgehört. Sie hat von da an nie mehr aus Wut geschlagen. Wütend blieb sie, aber nie mehr so...

edit
Wenn ich zurück blicke, hatte ich wohl insgeheim ein paar Entschuldigungen für sie, weil sie doch grosse Schwester wurde und dann noch in den Kiga kam und weil es für sie doch so schwierig war, wenn es Veränderungen gab. Wohlgemerkt: Ich war mir dessen nicht bewusst, aber retrospektiv hatte ich viele Erklärungen und habe eben mitnichten mit jeder meiner Körperfaser kommuniziert.
Ende edit

Ich war früher extrem wütend, wenn Frauen, wie Leela so locker flockig geschrieben haben, dass sie so etwas nicht tolerieren. Heute denke ich mir, dass diese Mütter ihre Haltung klar in sich haben, aber auch, dass sie nicht ein ganz so hartnäckiges Kind haben.

Mein solches Kind zwingt mich immer, wenn ich unklar in der Haltung bin, diese zu finden, bis ich wieder der Leuchtturm bin. Das andere Kind kommt viel besser damit zurecht, wenn ich mir (noch)nicht ganz sicher bin.

Es ist meine Erfahrung. Eine der prägendsten, die mir bereits in vielen Lebenslagen geholfen hat. Wenn nichts in dir anklingt, dann wird das nicht dein Weg sein.

Ich wünsche allen Müttern und Vätern, aber besonders denen mit speziell hartnäckigen Kids, dass ihr auch bahnbrechende Erfahrungen machen dürft und sich eure Situation verbessert und entspannt.
Pfunzle 06/04 und Gumsle 10/07

9. Klasse und 6. Klasse

Zoo: I hät gärn e Bislibär! Weisch, wie toll e Bisli wär!? (Pfunzi, mit 4 Jahren)

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Re: Wackelzahnpubertät 6jähriger

Beitrag von Leela » Do 12. Dez 2019, 00:57

Spannend was du schreibst....das merke ich tatsächlich oft, die Kinder merken ganz genau, ob ich mir sicher bin wenn ich etwas verneine (ich bin bei anderen Themen sehr Kompromissbereit und keine besonders strenge Mutter).

Über die Körpersprache Autorität und innere Sicherheit auszustrahlen war für mich früher tatsächlich sehr wichtig....aber in der Arbeit mit Pferden und meinen Hunden! Vielleicht kommt es mir nun in der Kindererziehung zu gute 🙈
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