Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Unsere grossen Kleinen und unsere kleinen Grossen. Was uns in diesem Abschnitt der Kinder begleitet, beschäftigt und interessiert.

Moderator: Mrs. Bee

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Malaga1
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Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von Malaga1 »

Guten morgen miteinander, über die Wiedereröffnung der Schulen gehen die Meinungen unter Experten weit auseinander. So sieht man nun auch in den verschiedenen Ländern ganz unterschiedliche Strategien. Dänemark hat als erstes Kindergärten und Primarschule wieder geöffnet, in Italien und Frankreich wird das wohl erst im Herbst passieren. Deutschland will die Krippen/Kindergärten geschlossen halten, aber dafür die Grundschüler mit Masken wieder in die Schule schicken. Einige Eltern wünschen sich so schnell wie möglich die Schulöffnung, andere würden ihre Kinder nicht hinschicken. Was denkt ihr darüber? Ich hoffe auf eine möglichst rasche Öffnung (evtl. im SChichtbetrieb), da die jetzige Situation auch Risiken mit sich bringt. Man kann Kinder nicht monatelang soziale Kontakte verbieten. Das gibt gewaltige Kollateralschäden, auch wenn man bedenkt, dass Kinder von Covid-19 nicht stark betroffen sind. Weiter geht es für mich nicht auf, die Wirtschaft wieder hoch zu fahren, die Schulen aber geschlossen zu halten. Wo sind dann die Kinder, wenn die Eltern arbeiten? Und weiter kann man nicht monatelang die Eltern mit Homeoffice und Homeschooling doppel belasten, wenn man sie nicht reihenweise ins Burnout treiben will. Ein paar Wochen geht das, ein paar Monate nicht. Ich bin der Meinung, das Virus wird nicht weggehen. Wir müssen damit leben lernen. Masken für Primarschulkinder finde ich eine widersinnige Idee. Dann fummeln sich die Kinder ständig mit den Händen im Gesicht rum und womöglich dem Nachbar auch noch gerade.
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bodega
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von bodega »

Bevor mir jemand glaubhaft erklären kann, wie meine Kindergärtler Abstand halten können, möchte ich keinen Schulbeginn. Vor der Schliessung war der Abstand gleich null. Wenn ich nur an meine Garderobe denke, im Kreis sitzen 22/23 Personen auf ca. 16m2. Spielen nur noch einzeln? Masken? Und was ist damit beim Znüniessen? Nein, ich hoffe ganz fest, dass die Schule noch länger zu bleibt aus ganz egoistischen Gründen, mein Mann ist im Risikoalter.

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Ups...
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von Ups... »

Ich bin selber Risikopatientin.
Ich arbeite im Homeoffice, mein Kind ist eines der armen, die nicht raus dürfen - ja, weil die Kinder nicht fähig sind, Abstand zu halten - er schon, aber die anderen können es nicht. Ich bin mir aber sicher, dass er da auch ohne Kollateralschaden raus kommt. Klar, er sagt schon immer, seine Kollegen würden ihm fehlen, aber so schlimm ist es nicht...

Ich bin überzeugt, dass je höher die Klasse, desto schneller geöffnet werden soll. In der Oberstufe, wenn es auf die Berufswahl los geht wird in einem Tag Schule mehr gelehrt, als in einer Woche in einer 2.ten Klasse - das heisst ein Manko in der 2ten Klasse ist auch schneller wieder aufholbar als in der 8ten Klasse...

Schichtbetrieb in der Schule - würde heissen, die Lehrer müssten dann 300% Arbeiten? Oder wo bekommt man so schnell die zusätzlichen Stunde her? Was man machen könnte, statt 6 STunden Schule am Tag - wovon 3-4 Stunden nicht unbedingt lernen bedeuten, in 3 x 2 Stunden anpassen - d.h. die Klasse 3teln und so die Dinge beibringen - aber das würde den Arbeitenden Eltern in dem Sinne auch nichts ändern...

sonrie
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von sonrie »

Ich bin dafür, dass die Schulen so bald als möglich wieder geöffnet werden, eben weil Kinder nicht zu den Risikogruppen gehören und die Imunität so schneller erreicht werden könnte. ich hätte auch keine probleme damit, meine Kinder zu schicken, und zwar ohne Masken und besondere Massnahmen (abgesehen von Händehygiene). Abstand halten ist für mich utopisch, vor allem in der Primarschule.
Die Frage stellt sich hier dann mehr, wie es für Familien weiter gehen soll, welche Risikopatienten zu Hause haben - hier habe ich ein grosses Fragezeichen, die könnten sich dann ja so gut wie nicht schützen.

Zudem ist es widersinnig zu glauben, dass die Wirtschaft gleichzeitig hochgefahren werden und die Kinder zu Hause beschult werden können. Ich rechne (und hoffe) auf eine Schulöffnung Mitte/Ende Mai.

nala11
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von nala11 »

Ich könnte mir vorstellen dass z.B. vormittags die Hälfte der Klasse in die Schule geht, und nachmittags die andere Hälfte. Dann hat man nur halb so viele Kinder und kann grosse Abstände zwischen den Pulten machen.

5erpack
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von 5erpack »

Ich würde meine Kinder auch schicken, würde es aber begrüssen, wenn für Familien mit risikopatienten eine separate Lösung gefunden werden könnte.
Ich könnte mir gar einen gestaffelten Unterricht für jüngere Kinder vorstellen.
Mittel, Oberstufe, Gymnasien etc. sollen unbedingt geöffnet werden! Da kann Abstand halten gut umgesetzt werden.
Andere frage wäre dann der öV!
Meine Kinder müssen alle mit dem Zug zur Schule. Entweder nur ins Nachbardorf, oder aber gleich in die grosse Stadt.
Ich würde es begrüssen, wenn zuerst die Schulen wieder auf gehen, noch vor den Läden etc!

Bildung ist so extrem wichtig und wer das bis heute nicht verstanden hat, der tut mir einfach nur leid!
Muss mal ein paar wichtige Dinge erledigen und hab grad keine Zeit..

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bodega
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von bodega »

Ich würde es auch mit 10/11 Kindern nicht schaffen den Abstand zu halten. Am Abend hätte ich wohl einen Nervenzusammenbruch.... Und was wäre der Sinn dahinter? Das freie Spiel wäre ja gar nicht mehr unbelastet möglich. Da bleiben die Kinder besser zu Hause und man zieht ihnen nicht noch den Speck durchs Maul.

sonrie
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von sonrie »

@gestaffelter Unterricht: dann bräuchte es entweder doppelt soviele LP oder aber alle LP müssten ihr Pensum verdoppeln.
@bodega: sehe ich genauso, im Kindergarten ist das doch gar nicht möglich. Dann lieber zu Hause unbeschwert spielen lassen

Malaga1
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von Malaga1 »

sonrie hat geschrieben:
Mi 15. Apr 2020, 08:43
Die Frage stellt sich hier dann mehr, wie es für Familien weiter gehen soll, welche Risikopatienten zu Hause haben - hier habe ich ein grosses Fragezeichen, die könnten sich dann ja so gut wie nicht schützen.
Das ist ganz klar ein Problem, aber ein grundsätzliches. Wir haben bei uns auch Angestellte mit Angehörigen in den Risikogruppen. Die müssen arbeiten kommen, geht nicht anders. Wir können punktuell etwas Home Office ermöglichen, aber job-bedingt leider nur wenig. Auch Migros-Angestellte, Bus-Chauffeure, Ärzte und Intensivpflegende haben Angehörige, die zur Risikogruppe gehören. Die können auch nicht alle zu Hause bleiben und sind je nach Berufsgruppe dem Risiko noch mehr ausgesetzt. Das ist bei uns auch ein zusätzliches Problem. Ich glaube, das kann man nicht befriedigend lösen und wir werden ein gewisses Risiko in Kauf nehmen müssen. Sonst müssen wir den Lockdown beibehalten, bis ein Impfstoff verfügbar ist.

@Schichtbetrieb: Ich stelle mir das so vor, dass die einen zB am Montag und Mittwoch kommen und die anderen am Dienstag und Donnerstag. Der Unterricht würde sich dann auf die wichtigen Fächer konzentrieren. Singen und Handarbeit braucht im Moment niemand bzw. geht wunderbar zu Hause.
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Lotus
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von Lotus »

Und dann komm ich wieder:
Wieso sollten meine Kids nicht wieder zur Schule gehen dürfen, wenn andere ein Risiko haben? Versteh ich nicht ;) bis jetzt gings ja um die Entlastung des Gesundheitssystems, das ist ja jetzt fertig entlastet und irgendwann gehen alle Covid-19 Fälle aus.
Wenn dieses Argument wegfällt, dann kann die Schule wieder auf.
Ich würde meine Kinder auch schicken, hätte ich ein kleines Risiko, für mich sehen die Todeszahlen der u60 jährigen nach generell wenig Risiko aus (glaubs 4 oder 5 Menschen mit massiven Vorerkrankungen!). Bin da nicht so ängstlich, habe grössere Probleme, wenn mein Mann mal wieder den Velohelm vergisst :?
"Erziehung ist organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend." Mark Twain

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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von Nisi81 »

Ich denke die einzige Lösung für Risikopersonen wird die Impfung sein. Diese wird wahrscheinlich nicht mehr dieses Jahr verfügbar sein.
Die Schule kann so lange sicher nicht geschlossen bleiben. In den letzten Wochen ging es darum das Gesundheitswesen nicht zu überfordern, das ist uns gelungen.
Da die Schulen nicht bis zur Verfügbarkeit der Impfung geschlossen werden können, könnten sie somit auch bald wieder öffnen. Ob sie nun jetzt oder in 2 Monaten öffnen spielt nicht so eine grosse Rolle denke ich. Oder mache ich da einen Gedankenfehler?
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ChrisBern
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von ChrisBern »

Nisi81 hat geschrieben:
Mi 15. Apr 2020, 09:26
Ich denke die einzige Lösung für Risikopersonen wird die Impfung sein. Diese wird wahrscheinlich nicht mehr dieses Jahr verfügbar sein.
Die Schule kann so lange sicher nicht geschlossen bleiben. In den letzten Wochen ging es darum das Gesundheitswesen nicht zu überfordern, das ist uns gelungen.
Da die Schulen nicht bis zur Verfügbarkeit der Impfung geschlossen werden können, könnten sie somit auch bald wieder öffnen. Ob sie nun jetzt oder in 2 Monaten öffnen spielt nicht so eine grosse Rolle denke ich. Oder mache ich da einen Gedankenfehler?
Nein, ich hatte ähnliche Gedanken, weiss aber nicht, ob ich falsch denke. ;-) dass der Virus auf null geht, ist sehr unwahrscheinlich. Dass es dieses Jahr eine Impfung gibt, auch (bzw ggf zum Start der Wintersaison). Durchseuchung scheint auch nicht realistisch, davon sind wir viel zu weit weg, da gibt es wohl eher eine Impfung. Wirtschaft hochfahren ohne Beschulung funktioniert nicht. Abstandhalten bei Kindern illusorisch. Irgendeinen Preis wird man zahlen müssen. Und das wird vermutlich die potenzielle Ansteckung einzelner (und hoffentlich verteilt, ohne Massenseuche) sein.
Und freue mich, wenn die Schule wieder öffnet und schicke mein Kind (bzw ist ja Schulpflicht). Die Hypothese, dass Kinder Träger des infektes sind, die alle anderen anstecken, ist meines Wissens bisher nicht bestätigt.

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stella
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von stella »

Es geht ja auch darum, keine zweite Welle zu verursachen. Und da ist eben nicht ganz klar, was für eine Rolle die Schulen haben. Die einen sprechen von Brückenfunktion in der Weitergabe des Virus', die anderen sprechen davon, dass die Schulen wenig bis keinen Einfluss auf die Weitergabe des Virus' haben. Die Experten sind sich da nicht einig.

Die Zeichen deuten darauf hin, dass die Schulen, wahrscheinlich gestaffelt, ab Mitte/Ende Mai wieder aufgehen werden. Zuerst kommt die Lockerung in der Wirtschaft, man wird nicht alles aufs Mal machen und es ist nun wichtig, dass die Wirtschaft wieder in Gang kommt, dann erst kommen die Schulen. Und hier sind sich die Experten auch nicht einig. Während die einen sagen, je älter die SuS sind, desto eher soll man diese Schulen öffnen, weil die die Regeln gut einhalten können, sagen die anderen, dass diese SuS besser fähig sind, im Fernunterricht und im Selbststudium zu arbeiten und dass sie im Privaten die Regel eben dann nicht so genau nehmen würden und dass es besser sei, wenn die Primarschulen aufgehen würden, weil Entlastung von Eltern und weil Kinder für die Verbreitung nicht eine grosse Rolle spielen würden.

Fakt ist, dass man es nicht klar sagen kann, weil man schlicht zu wenig weiss über das Virus.

Ich selber wäre dann als Lehrerin betroffen und würde wollen, dass mein AG Schutzvorrichtungen vornehmen würde, damit ich mich durch Einhaltung der Regeln selber schützen kann. Sprich: 2 Meter Abstand, warmes Wasser für Händehygiene, allenfalls Händedesinfektionsmittel, Mundschutz (ich habe auch einen Mann, der zu den Risikopatienten gehört.), organisatorische Massnahmen (Gruppengrösse der SuS, Arbeitsplätze der LP auseinander nehmen, Gruppenströme kanalisieren,...

Was man glaub schon sagen kann: Es wird bis zu den Sommerferien KEINE grossen Schulanlässe (Sporttag, Theater, Schulschluss, Schulreisen,..) geben.
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Zoo: I hät gärn e Bislibär! Weisch, wie toll e Bisli wär!? (Pfunzi, mit 4 Jahren)

Ilse
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von Ilse »

stella hat geschrieben:
Mi 15. Apr 2020, 09:40

Ich selber wäre dann als Lehrerin betroffen und würde wollen, dass mein AG Schutzvorrichtungen vornehmen würde, damit ich mich durch Einhaltung der Regeln selber schützen kann. Sprich: 2 Meter Abstand, warmes Wasser für Händehygiene, allenfalls Händedesinfektionsmittel, Mundschutz (ich habe auch einen Mann, der zu den Risikopatienten gehört.), organisatorische Massnahmen (Gruppengrösse der SuS, Arbeitsplätze der LP auseinander nehmen, Gruppenströme kanalisieren,...

Was man glaub schon sagen kann: Es wird bis zu den Sommerferien KEINE grossen Schulanlässe (Sporttag, Theater, Schulschluss, Schulreisen,..) geben.
Ich muss als Kindergärtnerin sagen, dass Schutzmassnahmen (ausser Händewaschen) im Kindergarten total illusorisch sind, wie ja auch Bodega schon geschrieben hat.
Wie soll man 2 m Abstand zu den Kindern halten? Geschweige denn die Kinder untereinander? Eventuell ist das ab Oberstufe möglich.

Ich freue mich sehr auf die Wiedereröffnung. Aber ich denke, wenn verlangt wird, dass solche Schutzmassnahmen eingehalten werden, müssten wir uns weigern zu arbeiten.

fläcki
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von fläcki »

Ich habe ein Kind in einer kleinen Sonderschule. Noch nicht lange. Bevor wir den Platz bekamen hatten wir das Kind fünf Jahre Schulzeit daheim und waren dementsprechend am Limit. Nun stehen wir wieder am selben Punkt. Die Schule ist für uns primär eine Verschnaufpause. So geht es vielen Eltern mit Kindern in Sonderschulen oder Sonderschulheimen, deren Kinder einen sehr hohen Betreuungs- und teils Pflegebedarf haben. Die Entlastung fällt weg. Die familiären Netze, meist Grosseltern, ebenfalls. Ehrlich, ich bin seit Jahren am Limit und nun noch einen Zacken mehr, weil ich keine Unterstützung mehr habe. Darum, auch mit eigenem Risiko, wünsche ich mir trotzdem, dass die Schule unseres Sohnes nicht mehr ewig zu bleibt. Er ist neun. Kann die Abstandsregeln durchaus einhalten. Er nimmt das sehr ernst. Zuhause mit uns sieht es natürlich anders aus, aber um Kinder herum gehts.
Es gibt, durch die Besonderheiten die er hat, aber auch Dinge, die er nicht kann und bei der eine Lehrperson oder Betreuung den Abstand nicht einhalten könnte. Dem muss man bei Kindern mit Behinderungen besonders Rechnung tragen und dafür sorgen, dass es für die LehrerInnen stimmt, aber auch für die Kinder, die in diesen Gruppen vermehrt auch schon Vorerkrankungen mitbringen und deren Betreuung Abstandhalten nicht zulässt. Mir fehlt generell der Blick auf diese Gruppe. Seit Beginn der Krise ist das Thema pflegende Angehörige und auch Sonderschulen, eigentlich keines. Finanziell war es das schon vorher nicht. Nun scheint es ganz vergessen. Da werden aber sicher andere Massnahmen nötig sein als in Regelschulen, wenn man LehrerInnen und Kinder schützen will.
In der Schule unseres Sohnes hat es unter zwanzig Kinder und der Betreuungsschlüssel ist extrem hoch. Es könnte, mit reduzierten Pensen, Kleingruppen von zwei Kindern wohl umgesetzt werden. Daher sehe ich da kein so grosses Problem, wie bei 20er bis 25er Klassen.

Generell bin ich der Meinung, man muss die Lehrpersonen schützen und denen die Risikopatienten sind, oder einen zuhause haben, die Möglichkeit geben, sich aus der direkten Begegnung mit den SuS herauszunehmen. Die Frage ist da halt, wie definiert man, wer arbeiten kann/muss und wer nicht? Ich kenne zur Zeit vier Fälle von Frauen, die in der Pflege arbeiten und einen Mann mit Vorerkrankungen, teils sehr schwerwiegende, haben. Diese Frauen leben seit Wochen räumlich getrennt von ihren Männern. Manche mehr, manche weniger. Die einen haben das Haus aufgeteilt. Eine ist im Hotel. Kann man sowas verlangen? Macht es Sinn? Wer kommt dafür auf?
Mich dünkt das sehr schwierig, festzulegen wer unter welchen Umständen zu arbeiten und das Risiko zu tragen hat.

Ich sähe am ehesten einen Weg über massiv reduzierte Pensen, damit kleinstmögliche Gruppen entstehen könnten. Das würde zwar weniger Präsenzunterricht bedeuten und die Kinder müssten noch immer vermehrt daheim unterrichtet werden, aber es würde vielleicht auch Chancen eröffnen, wenn die Gruppen sinnvoll zusammengesetzt sind und die Lehrperson im Kleinen auf jedes Kind eingehen kann. Weniger kann auch mehr sein. Man könnte auch schauen, wer braucht was und die Gruppen so zusammentun. Aber es wird sicher eine grosse Aufgabe, da ein Konzept zu finden, das verhäbt.
In der Zeit in der die Kinder nicht in der Schule unterrichtet würden, könnten die Risikogruppen der LehrerInnen über Fernunterricht beschulen. Da wäre ev. ein Gesamtkonzept innerhalb der Kantone zBsp hilfreich, damit man sich der Chancengleichheit zumindest annähern könnte. Erreichen wird man sie wohl eh nicht.
Was für mich nicht ideal ist, ist die unterschiedliche Menge an Kontaktaufnahmen. Von uns kenne ich direkten, sehr nahen und wirklich tollen Kontakt mit der Heilpädagogin. Auch schon mal ein Anruf von der Schulleitung, wie es uns gehe, ob alles laufe. Gute Kommunikation zusätzlich schriftlich mit Daten, wann nächste Infos kommen. Finde ich top.
Von anderen höre ich, die Kinder sind seit Wochen daheim, bekommen unpersönliche Mails mit Aufträgen für eine Woche, unstrukturiert. Persönlicher Kontakt nur nach dem Holsystem. Keine Nachfragen von Seiten der Schule. Das ist das andere Extrem, dazwischen gibt es alle Schattierungen.
Da fände ich es für die Kinder nötig, dass Kontakte geregelt werden. Das müsste ja nicht nur die KLP sein. Man könnte ja auch TP LPs aufteilen und Kinder zuweisen, um die man sich "kümmert". Damit würde die Last von den KLP genommen. Kontakt halten und mit Eltern und Kindern reden, kann auch die Handarbeitslehrerin oder die Religionslehrerin, etc.

Bleistift79
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von Bleistift79 »

ich könnte mir vorstellen, dass man ab der Mittelstufe den Unterricht schrittweise wieder aufnimmt. Es muss ja nicht täglich Präsenzzeit sein. z.b. 2Tage pro Woche für die Hauptfächer. Die restliche Zeit wird zu Hause gearbeitet.
Die „Verzögerung“ bezüglich 1. bis 3.Klasse denke ich sollte auffangbar sein.
Kiga sehe ich nicht wirklich prioritär und die Hygiene-Massnahmen nicht wirklich umsetzbar.
Im Endeffekt wird nicht s anderes bleiben, als das LP s unf Kiga-LP s mehr im Pool arbeiten müssen, also übergreifend. Das würde ein grosses Mass an Neuorientierung bedeuten und über das eigene Gärtli hinaus gehen. Nicht negativ gemeint!
An unserer Schule traue ich den LP s sehr viel Kreativität und Spontanität zu, sich neu aufzustellen.

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ChrisBern
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von ChrisBern »

Ich glaube, es geht nicht darum, ob kiga sinnvoll ist (den finde ich ehrlich gestanden schon immer eher sinnfrei in Bezug auf das Lernen, egal ob mit oder ohne corona, aber OT): wenn man sukzessive die Wirtschaft hochfährt, muss man auch die Betreuung hochfahren. Oder wie soll das sonst gehen? Da ist es egal, ob kita, kiga oder Schule, wenn die Eltern wieder vor Ort arbeiten müssen, braucht es ja vor allem Betreuung auch für Kinder, die nicht zu Hause bleiben können. Daher wird man sich um alle Altersgruppen Gedanken machen müssen.
Aktuell sehe ich zwei Argumentionsstränge: man startet mit den älteren Kindern, weil die die regeln besser einhalten können oder man startet mit den jüngeren Kindern, weil die am schlechtesten zu Hause alleine lernen können.

ragusa
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von ragusa »

Ich stehe der ganzen Schulöffnung sehr kritisch gegenüber, auch weil wir zu Hause Risikopatienten haben. Ich wüsste ehrlich nicht, ob ich meine 2. Klässlerin vor August in die Schule schicken würde, weil ich schlichtweg den Kontakt mit Hochrisikopatienten nicht vermeiden kann. Wer bringt unsere Schwiemu (Krebspatientin) ins Spital? Kein ÖV Anschluss, hat ÖV Verbot von den Ärzten. 2 Meter Abstand halten im Auto ist utopisch, zum selber Auto fahren ist sie nach der Chemo schlichtweg nicht mehr in der Lage und darf gemäss Arzt auch nicht. Wir sind jetzt total abgekapselt, weil sie und GG Risikopatienten sind, die schlechte bis sehr schlechte Überlebenschancen hätten und trotzdem auf mich als nicht Risikopatientin sehr angewiesen sind.
Ich persönlich hoffe also, dass die Schulen noch geschlossen bleiben, ansonsten müssten wir uns zumindest bis die Chemo abgeschlossen ist in 3 Monaten mit der Schule und den Ärzten schlau machen und auf umsetzbare Lösungen hoffen. Denn auch wenn unsere Grosse ein sehr verantwortungsvolles Mädchen ist, merke ich im Alltag, wie schnell sie sich doch vergessen bezüglich Abstand halten, ich muss sie viel ermahnen, wenn wir unterwegs sind. Aus diesen Gründen sehe ich einer Schulöffnung von Kiga / Primarklasse (zumindest bis 3. Klasse) sehr kritisch gegenüber und denke nicht, dass da das Abstand halten mit dem gewohnten Schulalltag machbar ist. Auch nicht mit Schutzkleidung (da muss man wissen, wie man damit umgehen muss, sonst bringt die Schutzkleidung wenig).
Ich möchte auch viele Lehrer nicht vergessen, die eventuell Risikopatienten sind oder mit Risikopatienten zusammenleben. Da ich davon ausgehe, dass uns der Covid noch einige Zeit begleiten wird, finde ich es wichtig, dass es gute Lösungen gibt, aber auch unbürokratisch Lösungen gefunden werden mit Kindern, in deren nahem Umfeld Risikopatienten leben. Denn wenn unsere Grosse aussuchen könnte, ob sie noch 3-5 Monate auf direkten Kontakt / Schule verzichten könnte oder in die Schule gehen könnte, dafür keinen Kontakt mehr mit gewissen Menschen haben könnte würde sie ohne zu zögern auf die Schule / Gspänli verzichten. Und hat sie bereits mehrfach, wenn Freundinnen mit ihr draussen spielen wollten.
Meitli 07/2011
Bueb 02/2016

Malaga1
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von Malaga1 »

@ChrisBern: Das sehe ich auch. Selbst wenn es gesundheitspolitisch sinnvoll wäre, die Kinder weiter zu Hause zu lassen, geht das nicht auf. Die Realität ist, dass heute in den meisten Fällen beide Eltern berufstätig sind. Mir scheint, dass ist den Leuten in Bern mehr bewusst wie unserer Primarschule im Dorf. Ich bin zwar mit einem 4. und 5. Klässler zu Hause auch recht gefordert, aber immerhin können sie selber aufstehen, frühstücken, lernen recht selbständig und machen auch viel im Haushalt (sie können nachher grad ausziehen - alles gelernt bzgl. Haushaltführung ;-)). Mit kleineren Kindern wie bei dir ist es noch viel schwieriger mit Homeoffice und Kinderbetreuung. Es ist eine sehr schwierige Entscheidung und recht machen kann man es nicht allen.
Malaga1 mit Mädchen (2009) und Junge (2010)

Ondina
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Re: Was denkt ihr über die Wiedereröffnung der Schulen?

Beitrag von Ondina »

Ich denke auch, dass die Schulen schrittweise wieder geöffnet werden, wahrscheinlich ab Mitte Mai. Ich vermute aber auch, dass grössere Anlässe wie Schulreisen, Sporttage, Theateraufführungen (wir haben mit unseren Klasse eines geplant :? ) wohl nicht stattfinden werden.
Ups... hat geschrieben:
Mi 15. Apr 2020, 08:20
Ich bin selber Risikopatientin.
Ich arbeite im Homeoffice, mein Kind ist eines der armen, die nicht raus dürfen - ja, weil die Kinder nicht fähig sind, Abstand zu halten - er schon, aber die anderen können es nicht. Ich bin mir aber sicher, dass er da auch ohne Kollateralschaden raus kommt. Klar, er sagt schon immer, seine Kollegen würden ihm fehlen, aber so schlimm ist es nicht...
Ups, ich finde, dass es sehr auf das Umfeld des Kindes ankommt: Kinder, welcher in einer "gesunden" Familie aufwachsen, werden wohl kaum einen Schaden aus der aktuellen Situation davon tragen. Aber ich denke, dass es leider Kinder hat, die es zuhause eben nicht so gut und schön haben wie dein Sohn und diese werden vermutlich wirklich einen Schaden erleiden aufgrund der Schulschliessungen.

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