Mehrsprachig in der Familie

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Moderator: conny85

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issala
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Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von issala »

Hoi mitenand
Wir sprechen zu Hause drei Sprachen. Mein Mann und ich sprechen miteinander Englisch. Wenn eine/r mit unserer Tochter (17 Monate alt) alleine ist, benutzen wir jeweils unsere Muttersprache (Deutsch/Arabisch).
Da wir die Muttersprache des anderen nicht genügend beherrschen, sprechen wir als Familie auch mit unserer Tochter Englisch damit alle Anwesenden alles verstehen und am Gespräch beteiligt sein können.
Nun merken wir, dass sie bei ihren ersten Wörtern mal ein Wort aus der einen, mal aus der anderen Sprache verwendet - ein super Chrüsimüsi!
Ich habe natürlich Fachliteratur etc. studiert, wollte euch aber mal um persönliche Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit in der Familie fragen. Gibt es hier Familien, die ähnliche Konstellationen kennen? Wie kamen eure Kinder mit der Mehrsprachigkeit zurecht, habt ihr Unterschiede zu anderen Kindern bemerkt? Habt ihr spezielle Methoden/Regeln angewandt im Bezug auf das Sprachenlernen oder es dem Lauf der Zeit überlassen?
Danke für eure Erfahrungen!

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lani79
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von lani79 »

Hallo

Wir sind auch mehrsprachig zuhause, allerdings nur 2sprachig. Wir sprechen Hochdeutsch und schweizerdeutsch. Laut Kinderarzt gilt das als 2sprachig, da die Sprache und Satzball doch sehr unterschiedlich ist. Am Anfang gab das ein ziemliches Durcheinander beim sprechen lernen und auch heute (7jahre) passiert es manchmal dass ein Satz Hochdeutsch angefangen wird und auf schweizerdeutsch endet.
Zuhause sprechen die Kinder mehr hochdeutsch da ich einfach mehr zuhause bin. In der Schule, mit Freunden und auswärts meist schweizerdeutsch...wobei wenn ich dabei bin eigentlich immer hochdeutsch.
Wir haben einfach generell auf unserer Sprache mit den Kindern gesprochen und nicht gemischt. Aber zuhause darf jeder so reden wie ihm der Schnabel gewachsen ist und ich erkenne oft gar keinen Unterschied mehr zwischen den Sprachen.
Auch englisch wird noch viel gesprochen bei uns. 1. weil wir sehr viel in Amerika sind und 2. mein Mann beruflich. Auch das ist den Kindern geläufig und die einfache Dinge können sie auch auf englisch und antworten dementsprechend.
Allgemein sind unsere Kinder sprachlich immer sehr weit gewesen trotz 2 Sprachen und man hat nicht gemerkt, dass sie zwei gleichzeitig lernen (Verzögerung oder sowas)

Haltet einfach an eurem Modell fest, aber mischt nicht. Gemeinsame Sprache englisch, du deine Sprache mit dem Kind und dein Mann seine Sprache. Es dauert vielleicht etwas länger und gibt am Anfang etwas durcheinander, aber auf die Dauer kann euer Kind nur davon profitieren.

Viel Spass,
Ich fand die Wortkreationen immer soooo schön

Lani

lavendelstrauch
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von lavendelstrauch »

Hi wir haben das gleiche Setting mit deutsch/französisch/arabisch. 2 Kinder: 1. Klasse/5.Klasse. Bei beiden Kindern ist heute deutsch dominant, weil das Umfeld vorrangig deutsch spricht. Arabisch fördern wir über Kontakt zur arabischsprachigen Familie (Telefon, wenn möglich Ferien im Herkunftsland) und arabische Schule 1x Woche. Beide Kinder verstehen arabisch, das Grosse spricht recht gut und beide können etwa die halben Buchstaben lesen.

tin
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von tin »

Hier schwedisch als Vatersprache, deutsch als Muttersprache, englisch als „Partnersprache“ und wenn verschiedene Landsleute zusammen kommen.
Die Kids (7 und 10) sprechen schwedisch und deutsch, englisch verstehen sie, sprechen es aber nicht (und französisch wird hier ab der 3. Klasse Inder Schule gelernt, ist also auch ein ganz wenig präsent :mrgreen: )
Ich bin froh, dass die Kids das englisch nicht von uns übernehmen, da wir doch starke Akzente haben und wohl auch einige Fehler machen, finde es aber wichtig, dass die Kids „Mutter-und Vatersprache“ beherrschen. Natürlich dominiert deutsch, denn wir leben in der Deutschschweiz. Das ist auch gut so. Die Kids haben aber extra „schwedische“ Spielsachen (Bücher, Kinderlieder, Hörspiele in schwedisch, (auch eine schwedisch sprechende Puppe) damit es präsenter bleibt.
Als die Kinder kleiner waren, fügten sie öfters mal versehentlich ein schwedisches Wort in einen deutschen Satz ein oder umgekehrt. Sofern wir sie verstanden, haben wir sie nicht verbessert..Nach und nach trennten sie die Sprachen automatisch.
Den Lehrpersonen fiel schon im Kindergarten auf, dass die Kids über einen auffallend hohen deutschen Wortschatz verfügen. Der Schulstoff macht ihnen, zumindest bis heute, keine Probleme.
Es scheint, als hätten sie von der Mehrsprachigkeit profitiert

(Was natürlich ein Vorteil ist, ist dass sich deutsch und schwedisch ähnlich liest..beim Arabischen müsste man ja auch noch andere Schriftzeichen kennen, um den Kleinen Bücher zu geben, aber damit habt ihr ja noch ein paar Jährchen Zeit...)

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maple
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von maple »

Bei uns ist's so: Muttersprache Hochdeutsch, Vatersprache Englisch, Umgebungssprache Schweizerdeutsch (wobei ich das auch spreche ausser Haus, ich selbst wurde mit Hochdeutsch zu Hause und Umgebungssprache Schweizerdeutsch sozialisiert). Die stärkere Sprache ist bei den Kinder definitiv Deutsch, es gibt Interferenzen vom Hochdeutschen ins Schweizerdeutsche gibt und umgekehrt (z.B. "ich habe ein Geschenk überkommen", oder die Kleine sagt relativ hartnäckig "ich war" auf Schweizerdeutsch). Das Englisch klingt mitunter recht abenteuerlich, aber verbessert sich stetig. Sie reden einfach drauf los, und was ihnen gerade nicht einfällt, wird mit deutschen Wörtern aufgefüllt (mal mehr, mal weniger). Oder deutsche Syntax wird mit englischen Wörtern befüllt. Die Kleine hat vor einigen Monaten mal gesagt "A., can you me that open making?" :lol: Wir lassen den Dingen ihren Lauf, das kommt schon noch.

Was ich persönlich immer etwas seltsam finde ist, wenn Leute mir ihren Kindern nicht die eigene Muttersprache sprechen. Red doch du mit eurer Tochter Deutsch, dann kann dein Mann es auch gleich lernen, und umgekehrt hast du die Möglichkeit, etwas Arabisch zu lernen. Wenn Deutsch Umgebungssprache ist, bringt das deinem Mann auch sonst etwas. Mit einem anderthalbjährigen spricht man ja noch über den unmittelbaren Alltag, in wenig komplexer Sprache - ein super Lernumfeld auch für euch Erwachsene. Das Deutsch meines Mannes hat sich sehr verbessert, als wir Kinder bekommen haben.

Wenn die Kinder ganz klein sind, ist es übrigens so, dass sie noch keine "translation equivalents" verwenden. Sie haben ja nur einen beschränkten Wortschatz, und der wird gewissermassen möglichst effizient genutzt. Es wäre quasi Verschwendung, wenn man nur 50 Wörter kann, und zwei davon heissen das Gleiche. Daher ist eine bunte Mischung am Anfang kein Grund zur Besorgnis. Und sie checken erstaunlich gut, wer was versteht und passen sich entsprechend an. Es gibt spannende Studien, wie sich bereits zweijährige Kinder anpassen, wenn sie mit Personen zusammen sind, die wirklich nur eine der beiden Sprachen verstehen.

Ah, und du hattest noch wegen Methoden gefragt. Ich mache das korrekte Zurückspiegeln, das allgemein für den Spracherwerb empfohlen wird, nicht nur für mehrsprachige Kinder. Also das Kind sagt "Gabe" und du sagst "Ja, das ist eine Gabel". Ich mache das noch mit der 6-Jährigen, wenn sie Fallfehler macht (meiner Ansicht nach nicht zu wenig, obwohl ihr vom Kindsgi ausgezeichnete Sprachfähigkeiten bescheinigt werden - aber da merkt man den Unterschied zwischen Akkusativ und Nominativ halt nicht...) Wenn sie so Sachen sagt wie "kannst du mir der Löffel geben", antworte ich z.B., "ja, ich kann dir den Löffel geben".
Grosse Schwester 08/13
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Melia
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von Melia »

Bei uns sprechen der Vater und das Umfeld ungarisch (wir wohnen in Ungarn), ich zu hause schweizerdeutsch mit den Kindern und im Kindergarten sprechen sie hochdeutsch. Meine fünfjährige Tochter hat bis sie 3 war nur ungarisch gesprochen (auch mit mir, da sie wusste, dass ich verstehe, was sie sagt). Dann waren wir für zwei Wochen in der Schweiz bei den Grosseltern und danach hat sie mit mir konsequent schweizerdeutsch gesprochen, ohne die Sprachen gross zu vermischen. Die Kleine ist jetzt drei und hat schon viel früher ungarisch und schweizerdeutsch gesprochen, allerdings vermischt sie die beiden Sprachen sehr stark. Weil sie noch so klein ist, korrigiere ich sie nicht aktiv, wiederhole aber immer den Satz, den sie gesagt hat, auf schweizerdeutsch.
Ich könnte mir nicht vorstellen, mit meinen Kindern nicht in meiner Muttersprache zu sprechen (davon wird in der Fachliteratur auch abgeraten). Wir haben aber einige in unserem Umfeld, die das machen, da spricht dann der Vater oder die Mutter englisch mit dem Kind, obwohl die Familie keinen Bezug zu dieser Sprache hat. Ein Bekannter von mir (Schweizer) spricht mit seinen Kindern zu hause (in Ungarn) nur hochdeutsch, weil er denkt, sie hätten so einen Vorteil in der deutschen Schule. Ich sehe das aber eher als Nachteil, weil er seinen Kindern so die Gelegenheit nimmt, schweizerdeutsch zu lernen.
Bei eurer Konstellation würde ich es auch so machen, dass jeder Elternteil konsequent seine Sprache mit dem Kind spricht. Wir haben das "Glück", dass mein Mann und ich unsere jeweiligen Muttersprachen verstehen, aber im Beisein anderer Leuter, z.B. unserer Babysitterin, die nur ungarisch spricht, stehe ich manchmal auch vor der Frage, ob ich dem Kind etwas auf deutsch sage, das die Babysitterin dann nicht versteht. Ich sag dann einen Satz öfters auch mal auf beide Sprachen, einmal direkt zum Kind auf schweizerdeutsch und dann nochmal zur Babysitterin auf ungarisch. Bei euch fände ich es auch eine gute Gelegenheit, die Sprache des Ehepartners zu lernen (zumindest passiv).

Labskaus
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von Labskaus »

Wir sind nicht in genau der gleichen Situation, aber unsere Tochter wächst auch mit 3 Sprachen auf. Mein Mann und ich sprechen Hochdeutsch, in der Kita und in der Umgebung wird Französisch gesprochen und unsere Nanny spricht Englisch. Wir sprechen auch viel Englisch, wenn unsere Tochter dabei ist, weil wir sehr viele internationale Freunde und Arbeitskollegen haben und Englisch die gemeinsame Sprache ist. Sie ist jetzt 27 Monate und spricht sehr viel. Der KiA hat bestätigt, dass sie sprachlich sehr gut mit dabei ist.

Deutsch ist definitiv ihre stärkste Sprache, da Muttersprache. Französisch leidet grad etwas, da sie seit Corona nicht mehr in die Kita geht und viel weniger mit der Sprache in Kontakt kommt.

Ich finde es immer wieder unglaublich unserer Tochter dabei zuzusehen, wie sie zwischen den Sprachen hin- und herwechselt, je nachdem, mit wem sie gerade spricht. Natürlich vermischt sie auch mal Sachen, aber meistens macht sie das einfach toll. Es ist auch sehr spannend zu sehen, wie sie im Spiel verschiedene Sprachen nutzt. Manchmal spielt sie Kita mit ihren Stofftieren und spricht dabei nur Französisch. Sie brabbelt dann sogar Französischklingend :)

Wie schon vorher geschrieben wurde, ist es wichtig, dass jede Bezugsperson seine/ihre Sprache hat und nicht gemischt wird. Wenn wir in einer Gruppe sind, in der Englisch gesprochen wird, sprechen wir zu unserer Tochter trotzdem auf Deutsch. Wenn sie zu uns spricht und ein Englisches Wort benutzt (water statt Wasser), antworte ich ihr: Ja, ich hole dir Wasser. Sie bringt auch manchmal den Plural durcheinander und sagt: Kühes oder Schuhes. Dann antworte ich auch mit „Ja, Kühe“ etc. Aber das macht man ja auch eigentlich so bei Einsprachigkeit.

Es ist sicher mühsamer immer auf „seiner“ Sprache zu antworten, wenn der Partner sie nicht oder schlecht versteht, aber ich denke, die Mühe lohnt sich. Ich sehe bei einer Kollegin, dass ihre Tochter ihre Muttersprache immer weniger benutzt und sie immer schlechter wird, weil die Mutter aus Bequemlichkeit auch immer mehr zur Umgebungssprache wechselt. Die Tochter wird die Zweisprachigkeit so irgendwann verlieren.

Zusätzlich haben wir Bücher in allen Sprachen. Sie kann zwar natürlich noch nicht lesen, aber so sieht sie von Anfang an die Wörter in verschiedenen Sprachen.

Sie liebt es auch zu Singen und Musik zu hören. Wir haben eine Toniebox. Da es nur Figuren mit Deutschen und Englischen Liedern gibt, haben wir noch eine selbst mit Französischen Liedern bespielt.

Sobald unsere Tochter Schreiben lernt (in der Schule auf Französisch dann), werden wir uns etwas (hoffentlich) Spassiges überlegen, damit sie dann auch regelmässig Deutsch schreibt, z.B. regelmässige Briefe, Postkarten oder Päckchen an die Grosseltern. Vielleicht eine Brieffreundschaft mit einem Kind von unseren Deutschsprachigen Kollegen. Irgendsowas.

issala
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von issala »

Hallo ihr Lieben
Danke vielmal fürs Teilen eurer Erfahrungen, das ist sehr spannend zu lesen wies bei euch so geht!
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie Kinder so ganz nebenbei mehrere Sprachen parallel lernen, ohne zu Büffeln, einfach genial.
Wir freuen uns auf die spannende Sprachenlern-Zeit, die jetzt auf uns zukommt und sind gespannt auf tolle Wort- und Satzkreationen mit drei Einflüssen.
Hebeds guet!

Janus
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von Janus »

Liebe Issala

Ich werde bald in der gleichen Situation sein wie du (Muttersprache Schweizerdeutsch/Vatersprache Französisch/Gemeinsame Sprache Englisch/Umfeldsprache Holländisch) und es nimmt mich sehr Wunder, wie du die letzten Monate erlebt hast? Hat sich ein System für euch bewährt?

Liebe Grüsse
Janus

issala
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von issala »

Hallo Janus
Es ist und bleibt spannend!
Unsere Tochter (im November 2 geworden) versteht sowohl in Schweizerdeutsch wie auch Englisch so ziemlich alles im Alltag.
Selber spricht sie etwas mehr Schweizerdeutsch, benutzt aber wos einfacher ist auch Englisch und für wenige Begriffe Arabisch. Arabisch ist aber klar die schwächste Sprache, da mein Mann (leider) auch meistens Englisch mit ihr spricht wenn sie allein sind.

Jetzt merken wir langsam, dass sie zwischen den Personen unterscheidet. Bei uns sagt sie zum Beispiel ‚sleep‘ , bei Oma ‚schlafe‘ oder ‚potato’ und ‚Häpfel’. Diese Unterscheidung braucht aber sicher noch lange - laut KiÄ sei dies auch bis 4/5 Jahren normal und kein Grund zur Sorge wenn die Sprachen zwischendurch gemischt werden oder sie eine Sprache für eine gewisse Zeit nicht sprechen möchte.
Das mache ja sogar ich so, wenn mir ein Englischer Begriff halt näher liegt oder passender ist nutze ich den.

Medien (Büechli, Musik, Trickfilm) gibts bis jetzt nur auf Schweizerdeutsch und Englisch damit nicht auch noch Hochdeutsch dazu kommt.

Geplant ist nächstes Jahr ein Semester oder 9 Monate im Herkunftsland meines Mannes, damit auch das Arabisch wirklich Platz hat.

Wir haben grosse Freude an der Sprachentwicklung und gehen die Sache möglichst unverkrampft an - es kommt raus was grad am einfachsten ist, richtig oder falsch gibt es nicht. Sie wird dann mit der Zeit sicher merken, in welcher Situation welche Sprache passt.

Liebe Grüsse!

Waha
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von Waha »

Spannend, wie viel verschiedene Situationen dass es zum Thema Mersprachigkeit gibt! Meine ist etwas ähnlich wie melias, aber eben doch anders...

Ich lebe in einem englischsprachigen Land, mein Partner spricht englisch, seine Töchter auch. Ich bin schweizer- und hochdeutsch aufgewachsen (in der Schweiz) und Schwitzerdütsch ist meine "Herzenssprache". Trotzdem überleg ich mir, ob ich mit meinem Kind (kommt im August) nicht Deutsch sprechen soll. Oder wie einfach/schwierig/verwirrend es wohl für das Kleine sein wird, wenn Mami schweizerdeutsch spricht, Büchli aber auf Hochdeutsch liest und Filme, Hörbücher etc auch Deutsch sind...
Ich möchte nämlich schon sehr gerne, dass es später der deutschen Schriftsprache mächtig ist (ich bin eine grosse Leseratte und liebe es, mich in deutscher Sprache schriftlich auszudrücken)...
Gibts hier Ideen, Tipps und Gedanken dazu?

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Papa68
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von Papa68 »

Waha, wenn Deutsch auch deine Muttersprache ist, würde ich wohl darauf tendieren. Schweizerdeutsch kann man ja nicht mal schreiben. Also, einige können es schon, aber du weisst, was ich meine.
Unsere Kids wachsen zweisprachig auf und konnten erst im Kiga richtig unterscheiden. Im Dorf gibt es eine Familie, deren Kind (6) viersprachig aufwächst (Vater und Mutter jeweils eine Sprache, Tagesmutter eine andere und schweizerdeutsch mit den Gspänli). Das Kind unterscheidet problemlos.
SCHWEIGEN IST GOLD.
ES SEI DENN, DU HAST KINDER. DANN IST SCHWEIGEN VERDÄCHTIG!

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Papa68
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von Papa68 »

Noch was, Waha: schweizerdeutsch gibt es in so vielen Dialekten. Meine Kids haben grosse Mühe, einen anderen Dialekt zu verstehen. Da gibt es bestimmt Kinder, denen macht es nichts aus. Aber ein Hörspiel auf Berndeutsch hat bei meinen Kindern von Vornherein verloren. Ich denke, dass dein Kind von der hochdeutschen Sprache mehr profitiert.
SCHWEIGEN IST GOLD.
ES SEI DENN, DU HAST KINDER. DANN IST SCHWEIGEN VERDÄCHTIG!

Waha
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von Waha »

Danke für die Inputs!

Also das mit den verschiedenen Dialekten ergibt für mich Sinn. Aber es ginge mit dem Schweizerdeutsch auch mehr drum, dass es mir als Alltagssprache viel näher und natürlicher ist - und dass das Kleine problemlos mit all den schweizer Verwandten (Grossvater, Utgrossmutter, Tanten, Onkel, Cousinen...) kommunizieren kann. Das Hochdeutsch kommt wirklich nur von meiner Mutter - und nur mir ihr spreche ich es. In der Schule habe ich mich damals auch an das schweizer Hochdeutsch angepasst, weils mir ao komisch vorkam, schönes Deutsch mit wem anderes als richtig Deutschsprechenden zu sprechen ...

Ich werde das wohl noch etwas weiter durchkauen und überlegen... CH sprechen, DE für Lesen und Schreiben ist für mich schon sehr reizvoll weil einfach "natürlich" für mich...

Melia
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von Melia »

Ich würde an deiner Stelle auf jeden Fall das machen, was natürlicher für dich ist. Ich würde mir nicht so viele Sorgen machen, dass dein Kind kein Hochdeutsch können wird, wenn du Schweizerdeutsch mit ihm sprichst. Durch Vorlesen, Fernsehen etc. wird das Kind auch mit Hochdeutsch in Kontakt kommen oder - falls es als Kind kein Hochdeutsch lernt (was ich nicht glaube) - später sehr schnell Hochdeutsch lernen können. Das Schweizerdeutsch sehe ich zudem als grosses Plus, einerseits - wie du schreibst - weil das Kind dann mit den Verwandten in der Schweiz mühelos kommunizieren kann. Andererseits kann man Schweizerdeutsch als Erwachsener nur sehr schwer oder gar nicht lernen. Falls dein Kind aber jemals in der Schweiz leben will, wird es von grossem Vorteil sein, wenn es Schweizerdeutsch spricht. Das mit den Dialekten ist bei uns gar kein Problem, sie verstehen auch andere Dialekte gut bzw. haben sich noch nie über Hörspiele in anderen Dialekten beschwert. Hörspiele sind überhaupt auch eine sehr gute Möglichkeit, das Kind mit Schweizer oder Hochdeutsch berieseln zu lassen. Meine hören sehr viel Chasperli, Globi und co, da kommen dann oft auch Dialektwörter vor, die ich nie verwende, bei denen ich aber froh bin, dass sie die zumindest passiv verstehen. Ich bin froh, dass ich meinen Kindern das Schweizerdeutsch nicht "vorenthalten" habe.

Bonjourain
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Re: Mehrsprachig in der Familie

Beitrag von Bonjourain »

Liebe Waha

Ich würde dir auch empfehlen mit ihr Schweizerdeutsch zu sprechen, wenn dies deine Herzenssprache ist. Und du kannst ja gleichzeitig das Hochdeutsch fördern, wie eine weitere "Fremdsprache". Wir sind in der Romandie zu Hause, ich spreche Schweizerdeutsch und mein Mann arabisch, dh unsere Kinder wachsen dreisprachig auf. Die Ältere ist nun 3,5 und spricht alle drei Sprachen gleich gut. Auch das mit den verschiedenen Schweizerdeutsch-Dialekten ist kein Problem.

Beim Hochdeutsch ist es tatsächlich so, dass sie manchmal sagt, dass sie es nicht verstehen würde. Aber ich enthalte es ihr ehrlich gesagt auch bewusst etwas vor, da ich finde mit drei Sprachen hat sie vorerst mal genug. Wenn sie aber mit ihren Cousins zusammen ist, die in D wohnen und nur Hochdeutsch sprechen, dann können sie sich untereinander problemlos verständigen.

Ich habe mir vor der Geburt meiner ersten Tochter viele Sorgen gemacht wegen der Mehrsprachigkeit. Wie sich jetzt herausstellt völlig unbegründet. Ich sehe es als grosses Geschenk für unsere Kinder, wenn wir ihnen mehrere Sprachen mit auf den Weg geben.

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