Dr. Karg Gedichte / Teil 2

Moderator: Phönix

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Dr. Karg
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So leben wir

Beitrag von Dr. Karg »


So leben wir

So lebt der Mensch von altem Geblüte,
so leb' ich als Staubkorn, milliardenfach,
glaube, von meinen Göttern getragen.

Ihr Windhauch kündigt sich nicht mehr an
wo ich meine, alles sei unter Dach und Fach
und Götter können mit mir Neues wagen.

Leben wir nicht, um dem Ende zu frönen,
um das wir Menschen doch immer schon wissen?
Können wir überhaupt noch Neues erfragen?


©Hans Hartmut Karg
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Lösungsbemühen

Beitrag von Dr. Karg »


Lösungsbemühen

Wenn auch die Wege sich nicht mehr kreuzen
Die Ecken bleiben, wo sich Menschen reizen,
Die Liebe sich längst verordnet Auszeiten,
Kann Trennendes oft nur Fluch verbreiten,
Wird kaum noch geredet, wenig gefragt,
Ob man gemeinsam die Zukunft wagt.

Haben wir uns nicht stets bemüht,
Miteinander unseren Kaffee gebrüht
Und uns doch auseinander gelebt,
Weil jeder nur zentrifugal danach strebt
Und ein jeder zu eigener Seelenschonung
Sich eingemauert in der eigenen Wohnung?

Wegen der Kinder bleibt man zusammen,
Will auch den Partner gar nicht verdammen,
Bleibt im Leben dem Nachwuchs nah,
Verantwortlich und für ihn immer da
Und zeigt so auf diese großartige Weise,
Dass zwar getrennt man – doch gemeinsam weise.


©Hans Hartmut Karg
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Weltsinn

Beitrag von Dr. Karg »


Weltsinn

Gäbe es Gemeinsinn von Anfang an
Und wäre er Teil uns'rer Geburt,
Bräuchte es weder den Größenwahn,
Nach dem manches Schicksal gespurt.

Das Leben könnte so frohsinniger laufen,
Die Furcht müsste niemand ereilen,
Man müsste sich nicht mit Despoten raufen,
Gemeinsinn könnte auch Ängste heilen.

Der Weltsinn, der sich daraus ergibt
Zeigt den ganzen Kosmos, der uns erhält,
Weil man eben dadurch den Mitmenschen liebt,
Dass man sich auf ihn mit Freuden einstellt.


©Hans Hartmut Karg
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Verstörungen

Beitrag von Dr. Karg »


Verstörungen

Wie sehne ich Zeiten zurück,
Als den Diskurs man gerne buchte.
Gemeinsam war man Hans im Glück,
Weil freiheitlich Konsens man suchte.

Anstrengend ist die Zeit geworden,
Denn mancher macht Jagd auf Personen,
Um mit Kumpanen und Konsorten
Gar keinen Menschen mehr zu schonen.

Versteckt gibt dies das Netz doch her,
Das jetzt gar dreißig Jahr' alt wird.
Da fällt es manchem Nutzer schwer
Zu filtern, was im Netz verführt.

Wo störend man eingreifen kann,
Da finden immer sich Verstörer,
Denn es kommt ja auf Fehden an,
Man schätzt mitunter Weltverschwörer.

Und Politik? Die redet viel,
Dabei sollte sie mehr handeln,
Denn immer lockt das höchste Ziel:
Zur Humanität hinauf zu wandeln.

Ich wünsche Zeiten mir zurück
In einer fairen Demokratie,
Wo dann geschärft der Handlungsblick,
Verbrecher man zwang in die Knie.


©Hans Hartmut Karg
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Immer mehr Menschen

Beitrag von Dr. Karg »


Immer mehr Menschen

Immer mehr Menschen wollen erzählen,
Immer mehr sollen zuhören können,
Ja nicht das Eigene dann erwählen
Und sich ans Zutexten gerne gewöhnen.

Schriftliches kann man beiseite legen,
Den Monitor jederzeit ja ausschalten.
Doch wenn viele Münder die Worte bewegen,
Muss man sich mitunter die Ohren zuhalten.

Immer mehr wollen groß schwadronieren,
Zeigen, wie gut ihre Heldentaten doch sind,
Anerkennung damit beim Zuhörer erspüren
Und, wie großartig doch dieses Götterkind!

Vielhundertmal wird das Mantra errichtet,
Keine Frage an das Gegenüber gerichtet,
Immerzu nur die eigene Deutung verdichtet,
Denn dazu ist man seinem Ego gepflichtet.

Da rollen denn Zuhörer gerne von dannen,
Heilig ist ihnen auch ihre eigene Welt.
Erzähler können niemals verlangen,
Dass annimmt man, was ständig einbestellt.

Der Mensch braucht auch Ruhe vor seinesgleichen
Und kann nicht immer nur Zuhörer sein,
Denn gute Dialoge lassen sich so nicht erreichen –
So lässt man den Zutexter mit sich allein.


©Hans Hartmut Karg
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Der Po

Beitrag von Dr. Karg »


Der Po

Träge zieht der große Strom
Gemächlich hin zur Adria,
Sehr weit weg vom alten Rom,
Lebensfroh in Patria.

Schwemmlanden gibt er die Kraft,
Wohin er seine Wasser sendet,
Gibt der Pflanze Lebenssaft,
Die dann volle Ähren spendet.

Reisfelder sind überschwemmt,
Fischgründe sind Nahrungsräume,
Reich das Licht, ganz ungehemmt
Fliegen Vögel in die Bäume.

Strahlen und die Wasser walten,
Wo die Erde nährstoffreich,
Lassen gute Ernten halten,
Nah ist dort das Himmelreich.


©Hans Hartmut Karg
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Taubenasyl

Beitrag von Dr. Karg »


Taubenasyl

Das war Alleinstellungsmerkmal:
Die Tauben flogen ein und aus
In dem Hotel ganz ohne Zahl –
Und viele Gäste blieben aus...

Das Haus beherbergt' nicht nur Gäste,
Sondern in zwei Zimmern die Tauben.
Die feierten gurrende Feste,
Weil Zuzug man wollte erlauben.

So zogen ein denn diese Tauben
Und nahmen sich zwei schöne Zimmer,
Durften den Gästen Ruhe rauben –
Von Tag zu Tag wurde es schlimmer!

Das gab es in Abano Terme:
Ein Haus mit Tauben, mittendrin.
Die suchten nach der Räume Wärme
Und kamen dort in Massen hin.

Anstatt die Fenster zu verschließen
SchlossTüren man mit Pressspanbrettern,
Ließ sich des Kots auch nicht verdrießen,
Niemand sollte dagegen wettern.

Tauben schienen sanfte Tiere,
So gab es keine Gegenwehr.
Man gab ihnen fleißig Quartiere –
Und immer mehr flogen daher!

Dafür kamen kaum noch Gäste,
Gurren und Mist schreckten sie ab!
So feierten Tauben die Feste,
Brachten Tierfreuden da auf Trab.

Abends, wenn die Sonne sank,
Umschwirrten sie ihr Domizil:
Wo's immer mehr nach Tauben stank,
Gab Leitung dem Tierwohl ein Ziel.

Sie konnte leider nicht verstehen,
Dass man so gegen Tauben ist,
Die man ja gerne wollte sehen –
Selbst wenn das Dach nun voller Mist.

Dass ihr Hotel bald pleite ging,
Das interessierte keine Leitung.
Sie pflegte wohl ihr eigenes Ding,
Ließ zu deshalb Taubenverbreitung.

Längst ist das Haus in neuer Hand,
Denn kein Hotel lebt ohne Gäste.
Der Neubesitzer rasch verstand,
Dass Sauberkeit für ihn das Beste.

Die Tauben waren rasch verjagt,
Das Haus, die Räume renoviert,
Ihnen das Kommen untersagt
Und Gäste neu herbeigeführt.

Jetzt kann man wieder dorthin kommen,
Kein Gurren und kein Mist regt auf.
Den Gästen ist der Spuk genommen
Und das Hotel hat seinen Lauf.


©Hans Hartmut Karg
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Die beste Stunde

Beitrag von Dr. Karg »


Die beste Stunde

Am Tag gehört die beste Stunde
Dem Morgen, wenn noch alles jung
Und früh bellen die vielen Hunde –
So kommt der Geist richtig in Schwung.

Der Morgen kann alles ertragen,
Wenn gereinigt die kühle Luft,
Die ersten Strahlen sich herwagen
Und man nach gutem Frühstück ruft.

Das ist auch fein für unseren Geist,
Weil nun erwacht die alten Lungen,
Die Fantasie nun frei verreist,
Ihm zureden die tausend Zungen.

Bereichert steht die Seele auf,
Weil sie den Körper wachsen spürt,
Richtet sich so ein im Tageslauf,
Der nun erneut zum Lichte führt.


©Hans Hartmut Karg
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Pessimist und Optimist

Beitrag von Dr. Karg »


Pessimist und Optimist

„Mit dieser Welt sind wir jetzt fertig!“
Ruft streiterfüllt der Pessimist.
So bleibt er allen gegenwärtig:
Er weiß, dass er nachtragend ist.

In Wirklichkeit recht pubertär
Kann er den Schatten nicht verlassen:
Die eigene Welt ist ihm Gewähr,
Dass er nur lebt, wenn er kann rasen.

Schon immer mit der Welt im Reinen
Sucht nach Freuden der Optimist,
Will lieber lachen, niemals weinen
Und lässt die Hähne auf dem Mist.

Denn er ist nie mit Leben fertig,
Weil er Neugierde suchen lässt
Nach Schönem, das allen gewärtig
Und nicht die müden Seelen stresst.


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Wollen wir das?

Beitrag von Dr. Karg »


Wollen wir das?

Jetzt laufen sie wieder
die großen Luftwärmepumpen,
und recht bald, ununterbrochen
wächst dauerndes Wohlbehagen,
wenn mit zunehmender Kälte
die Radiatoren anspringen,
ganze Häuser erwärmen,
damit ja niemand mehr
frieren muss.

Doch wenn automatisch
keiner mehr danach fragt,
wo für die vielen Aggregate
der erzeugte Winterstrom herkommt,
alle Wärmekraftwerke aktiv sind,
Rohstoffe jetzt verbrauchen,
wird es nicht Zeit zu fragen,
ob wir in Verschwendung
mehr sind als naiv?


©Hans Hartmut Karg
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Alt werden, alt sein

Beitrag von Dr. Karg »


Alt werden, alt sein

Im Glück des Eig'nen zu verharren
Und Glück an Nächste weitergeben,
Sie nicht dumm halten, gar zum Narren
Und nach den Möglichkeiten streben,
Die auch das Alter menschlich machen,
Weil dadurch vorbildlich für Junge
Befreit sich hin zu offenem Lachen
Mit reifer, kontrollierter Zunge.

So tritt das Altwerden ins Sein,
Weil es als Größe wird begriffen
Und keine Flucht muss Zielpunkt sein,
Wenn Werden nicht wird abgeschliffen.
Denn wo Du bist, da will ich hin,
Betrachte Dich als unsere Zukunft
Und suche mit mir Herz und Sinn,
So retten wir auch die Vernunft.


©Hans Hartmut Karg
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Herbsterinnerung

Beitrag von Dr. Karg »


Herbsterinnerung

Im Herbst bedeckt der Tau die Blätter,
Jetzt gibt es keine Blätter mehr.
Schnee treibt daher das kalte Wetter,
Bringt Sonnensehnen zu uns sehr.

Im Herbst lag grün noch unsere Wiese,
Sonne glänzte zur Erntezeit
Erfreute uns, womit man ließe
Zum Obst uns, das erntebereit.

Jetzt gibt es keine Sonnenstrahlen,
Kein Schatten zeichnet Mauerbilder
Und Buntes kann so nur nachhallen,
Weil alles härter und nichts milder.

Ich freu' mich auf die Jahreszeiten,
Damit wir auch in Wintersdarben
Erinnerlich uns hin begleiten,
Wo Früchte in den schönsten Farben.


©Hans Hartmut Karg
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Kontaste

Beitrag von Dr. Karg »


Kontraste

Sie war mit einem Barocken zusammen,
Der Mensch, der alles in Massen genoss.
„Es reicht!“ war ihr Motto, das ließ sie prangen,
Stieg beleidigt auf ihr Askeseross.

Denn alt wollt' sie werden, blieb bescheiden,
War eigentlich gegen jegliche Fülle.
Sie konnte das Schlemmen und Protzen nicht leiden
Und arbeitete an ihrer schlanken Hülle.

Von Größe und Schönheit hielt sie recht viel,
Doch kostengünstig musste das bleiben.
Dafür hatte sie ein Gespür und Gefühl:
Man muss sich nicht alles einverleiben!

Doch der Barocke, er ließ nicht locker,
War unterhaltsam und lullte sie ein:
Trotz der Fülle ging's bei ihm leicht vom Hocker,
Denn er wollte doch auch Beschützer sein.

Und nach den vielen Lebensjahren
War klar: Gegensätze ziehen sich an.
Dabei sind die Vorstellungen wohl verfahren,
Doch die Liebe trägt sie so gut wie sie kann...


©Hans Hartmut Karg
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"Hast Du mich lieb?"

Beitrag von Dr. Karg »


„Hast Du mich lieb?“

„Hast Du mich lieb?“ fragte der Hase,
Der mit der übergroßen Nase
Eigentlich nicht im Rampenlicht stand
Und sich lieber ins Abseits wand.

„Hast Du mich lieb?“ fragt' die Kokotte,
Denn es war ihre Dauermarotte
Männer nach Gefühlen zu fragen
Und quälend sie abseits zu ertragen.

„Hast Du mich lieb?“ fragte die Katz',
Denn sie suchte nach ihrem Schatz
Und fand ihn, weil sie nicht zickig war
Sogar für immer im Pandemiejahr.


©Hans Hartmut Karg
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Südsonne

Beitrag von Dr. Karg »


Südsonne

Wie sehne ich mich nach dem Süden,
Wie sehnt der Süden sich nach mir,
Wo alle Kranken, alle Müden
Haben die Sonne im Gespür?

Du, der die Sonne so sehr mag,
Bleibe mir weiterhin gelassen,
Denn für uns kommt der schöne Tag,
An dem wir reisend Räume fassen.

Da bräunt dann unsere helle Haut
Und hellt so auf Herz und Gemüt:
Wer südwärts auf Erholung baut,
Um den ist Sonne auch bemüht.

Die Halle öffnet sich dem Gast,
Der aus dem hohen Norden kommt:
Alles ist freundlich, ohne Hast,
Damit dem Kalten man entkommt.

Kein Tag muss ohne Lichtsinn sein,
Er strahlt sofort nach jedem Regen
Und gibt mit seinem hellen Schein
Zurück wieder den Lebenssegen.

So kommt man jedes Jahr gern wieder,
Wenn unsicher bei uns das Wetter.
So regeneriert man klamme Glieder,
Wenn baden geht der alte Städter.

Wie sehne ich mich nach dem Süden,
Wie sehnt der Süden sich nach mir,
Wo alle Kranken, alle Müden
Haben die Sonne im Gespür!


©Hans Hartmut Karg
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Ausgetretenes

Beitrag von Dr. Karg »


Ausgetretenes

Näherungen hinterlassen uns
in Zeiten verordneter Trennungen
oftmals ein fernes Denkgefüge,
mit dem wir verlernt haben,
uns freundlich mitzuteilen.

Werden wir jedoch dauerhaft
von medialer Seite nur zugetextet
und mit längst ausgetretenen
Denkräumen versorgt,
schwindet das Interesse.

Lasst uns doch wieder
gemeinsam nach Wortfreuden suchen,
die Öffnungen ins Leben finden,
anstatt immer wieder mantraartig
das längst Ausgetretene
fürderhin auszutreten.


©Hans Hartmut Karg
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Galadiner

Beitrag von Dr. Karg »


Galadiner

Honigmelonen und Wassermelonen,
Dazu noch den Tiroler Speck,
Warmwasser aus den tieferen Zonen –
Ja, so erfüllt Urlaub den Zweck.

Die Pasta mit viel Öl und Knoblauch
Leitet das Galadiner ein:
Das ist für mich ein schöner Brauch,
Da will ich Italiener sein!

Petersfisch, Schwertfisch und Scholle,
Ölsaftig, nur mit Salz gebraten
Spielen jetzt ihre größte Rolle,
Sind wirklich exzellent geraten.

Fenchel, Kräuter und Spinat
Verfeinern unsere Meeresgaben.
Da schreiten wir gerne zur Tat
Und wollen davon noch mehr haben.

Mit Nusseis wird dann abgerundet
Ein Mahl, das man gleich nicht vergisst:
Wer nun den Tisch nochmal umrundet,
Der merkt, dass er ein Schlemmermäulchen ist.


©Hans Hartmut Karg
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Lethargie und Aufbruch

Beitrag von Dr. Karg »


Lethargie und Aufbruch

Die kühle Luft erfrischt die Lungen,
Wir treffen uns wieder zum Reden,
Erfreuen uns an unseren Zungen
Und finden wieder zu den Veden.

Zu lange hat die Gegenwart
Unser Gemüt schon eingenommen
Mit Nachrichten, die überhart
Als Fatum über uns gekommen.

Das Fotobuch nehm' ich zur Hand,
In dem das Leben überschäumt'
Mit Menschen, die mir lang bekannt,
Als ich von ihren Künsten träumt'.

Nicht Cholera und Pest bestimmten
Damals den Tag, das Kunstverständnis,
Als sie auf Bunt die Seelen trimmten:
Man suchte da nach Geistverständnis.

Damals ließ man sich gar nicht schrecken,
Malte Bildwerke mit den Schönen,
Wollte die Sensenmänner necken,
Sich mit Tanz und Spielen verwöhnen.

So such' ich jetzt im Morgengrauen
Nach Zeilen für den Neubeginn,
Die hoffnungsfroh zum Lichte schauen,
Damit im Aufbruch neuer Sinn.


©Hans Hartmut Karg
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Undank ist der Welt Lohn

Beitrag von Dr. Karg »


Undank ist der Welt Lohn

Du willst einem Freude bereiten
Und überweist ihm jährlich Geld,
Um sein Leben mit zu bestreiten,
Die Armut fällt nicht in die Welt.

Du selbst gehst sparsam damit um,
So dass fair Du verteilen wirst
Nimmst Ausreißer auch gar nicht krumm,
Weil Du mit Sorge Liebe spürst.

Doch plötzlich wirft Dir dieser vor,
Du wolltest ihn damit nur kaufen.
Niemals sei er ein solcher Tor,
Er könne unabhängig laufen.

Die Geldgaben sind Heuchelei,
Welche die Liebe nur vorgaukeln.
Almosen sei Scheinliebelei,
Er ließe sich nicht mehr verschaukeln.

Und tief gekränkt ziehst Du zurück
Dich von dem üblen Undankbaren,
Nimmst Dankbare in Deinen Blick,
Stiftest weiter mit Liebgebahren.

Er sieht nicht, wie das Leben kurz,
Verhärmt bleibt dieses Kaltgemüt.
Dabei trägt Armut keinen Schurz –
Geistlos zieht das Gossengeblüt.

Denn Undank ist der Lohn der Welt,
Weshalb Du Dich musst neu erfinden:
Stifte den Dankbaren Dein Geld,
Dann werden Deine Nöte schwinden.


©Hans Hartmut Karg
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Unter fernen Linden

Beitrag von Dr. Karg »


Unter fernen Linden

Das Schöne an den alten Tagen
Ist, dass uns keine Pflichten plagen:
Man muss sich nicht mehr streitend einen
Oder Karrieren gar nachweinen,
Die man verbockt, nicht angenommen,
Weil man Bequemeres bekommen
Und man im Rivalitätsrevier
Wohl übersah manch hohes Tier.

Jetzt sind die Kämpfe ausgestanden,
Man sucht nach neuen Hochgedanken,
Wird abends oft zu Freunden geh'n,
Das Alter macht ja souverän
Und lässt uns machen, was man will,
Gern weiterleben mit dem Ziel
Geistreichtum unter fernen Linden
Anstreben, um sich selbst zu finden.


©Hans Hartmut Karg
2021

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