Lehrstellensuche

Die Zeit des Erwachsenwerdens

Moderator: Züri Mami

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Icecream
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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von Icecream » Mi 10. Jul 2019, 06:30

Unser Sohn ist diese woche am schnuppern. Es gefällt ihm dort sehr gut. Er will sich dort nun bewerben und nimmt das Bewerbungsdossier morgen mit. Nun sind wir noch auf der Suche nach einem guten Schlusssatz in der Bewerbuung. Also dass er wirklich dort gerne die Lehre absolvieren möchte. Wer hat einen tipp? Ist es ein no go wenn man z.B. schreibt: Ich möchte gerne bei Ihnen die Lehre absolvieren. (ist ja der Konjunktiv) Oder : Es würde mich freuen, wenn ich meine Lehre bei Ihnen absolvieren könnte

Alebri
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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von Alebri » Mi 10. Jul 2019, 07:41

@Icecream
Ganz ehrlich? Piepegal ;-). Ich habe noch nie jemanden genommen oder nicht genommen wegen des Schlusssatzes bzw. bei allen 6 Lernenden, die ich für Sommer 2019 eingestellt habe, könnte ich Dir nicht mal mehr sagen, wie deren Schlusssatz in der Bewerbung war :lol: .

Dein Sohn war dort und hatte die Möglichkeit, einen persönlichen Eindruck zu hinterlassen. Wenn der gepasst hat und Schulzeugnisse auch passen, dann ist die Entscheidung eh klar bzw. ob sie dann den Schlusssatz noch lesen werden, ist eh zweifelhaft ;-) (genau so, wenn sie sich umgekehrt aufgrund des Eindrucks oder der Zeugnisse gegen ihn entschieden haben - dann wird es die Formulierung des Schlusssatzes auch nicht mehr retten bzw. dann werden sie den wohl gar nicht mehr lesen, da nicht mehr relevant).

Von daher: "Plagt" Euch nicht wegen eines einzigen Satzes - Dein Sohn soll diesen schreiben, wie es für ihn stimmt/besser klingt (ist ja auch wichtig, dass die Bewerbung wenigstens teilweise auch vom Schüler kommt und nicht nur von den Eltern beeinflusst mitbestimmt wird). Beide Sätze sind absolut ok - aber eben: Dieser Satz wird keine Rolle bei der Entscheidung spielen. Wichtig ist, dass er beim Schnuppern einen guten Eindruck hinterlassen hat, die Bewerbung als ganzes stimmt (übersichtlich, schönes Layout, richtige Anrede, etc.) und halt auch die Zeugnisse für den Lehrberuf passen.

Viel Glück!

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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von Icecream » Mi 10. Jul 2019, 08:01

@Alebri
Danke für Deine Antwort

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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von Nette » Di 16. Jul 2019, 15:09

Sohnemann het sich jo bi 2 Lehrbetrieb beworbe, wo er unbedingt als Schriner ane möcht. Leider het er bim einte gester Absag becho.
Jetzt hoffe mir, dass er bim zweite Chance bechunnt. Sorry Dialekt
Stolzes Mami vo zwei liebe Luusbuebe ;-)

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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von Hausdrache » Di 16. Jul 2019, 19:25

Nette
drücke euch die Daumen, dass es klappt.
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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von Nette » So 21. Jul 2019, 10:46

Ich hatte diese Woche diesbezüglich eine Diskussion:
Sendet ihr die Schnupperberichte mit?
An die Lehrlingsberamtwortliche: erwartet ihr diese oder ist dies euch egal?
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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von Sternli05 » So 21. Jul 2019, 19:52

Nette
Die haben wir mitgeschickt weil die alle super waren.

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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von stella » So 21. Jul 2019, 22:19

Wir empfehlen den SuS, die guten, berufsspezifischen Berichte zu kopieren und in das Dossier zu legen.
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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von Nette » So 21. Jul 2019, 22:50

@ Stella: und wenn sie so la la sind?
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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von stella » So 21. Jul 2019, 22:53

Ich würde sie nur dazu legen, wenn klar drin steht, dass er sich für den Beruf eignet, aber noch Entwicklungspotenzial hat.
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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von AnCoRoJe » Mo 22. Jul 2019, 11:47

Bei uns hiess es von Schule und BIZ klar, dass man sie beilegen soll. Wenn sie aber nicht gut wären, dann würden sie auch diese Schnupperlehre nicht erwähnen. Weil es komisch wirkt, man war schnuppern aber kann nichts beilegen.

Bei meiner Tochter wurde es von beiden bisherigen Betrieben wo sie sich beworben hat verlangt.
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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von Nette » Mo 22. Jul 2019, 16:37

Und was ratet ihr einem Kind, welche alle Berichte so lala sind? Er kann ja nicht schreiben, dass er noch nirgends schnuppern war
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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von stella » Mo 22. Jul 2019, 17:28

Die besten zwei dazu legen. Dort, wo er als Persönlichkeit gut sichtbar ist.
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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von Alebri » Sa 27. Jul 2019, 13:28

Wenn ich im Lebenslauf sehe, dass der Jugendliche schnuppern war, erwarte ich jeweils schon die dazugehörigen Schnupperberichte. Wenn 3-4 Schnupperstellen aufgeführt sind und kein einziger Schnupperbericht dabei, habe ich sicher das eine oder andere Fragezeichen.

Allerdings gebe ich nicht brutal viel drauf. Meistens können die Jugendlichen ja nur 1-2 Tage, maximal 5 Tage schnuppern- da ist keine wirklich aussagekräftige Beurteilung möglich. Und meistens sind die Schnupperberichte "sehr wohlwollend" ausgestellt - habe zumindest unter gefühlten 1000 Schnupperberichten, die ich gesehen habe, noch keinen erlebt, der wirklich eine schlechte Beurteilung hatte oder wo am Schluss stand "Der Schüler eignet sich nicht/nur bedingt für den Beruf" ;-) (heisst nicht, dass es das nicht gibt - sind aber sicher Ausnahmefälle).

Viel wichtiger sind für mich die Methoden- und Sozialkompetenzen in den Oberstufen-Zeugnissen. Denn die/der LP kennt den Schüler aus dem täglichen Alltag und von daher sind diese Beurteilungen für mich aussagekräftiger/wichtiger, als die Schnupperberichte.

Wenn die Schnupperberichte wirklich nicht gut sind, würde ich sie evtl. auch eher weg lassen - man muss jedoch damit rechnen, dass dann danach gefragt wird bzw. dass man dann doch nicht darum herum kommt, sie einzureichen. Viel wichtiger fände ich allerdings die Frage, wieso alle Schnupperberichte nur "so so la la" ausgefallen sind. Mal einer, ok - das kann es geben. Aber alle? Da ist ja evtl. doch irgendwo seitens des Schülers der "Wurm" drin, an dem ich als Mutter/Eltern mit ihm arbeiten würde. Und die Frage ist halt noch: Wieso sind die Schnupperberichte nur "so so la la"? Auftreten, Verhalten, Interesse? Wie gesagt: Daran kann man mit dem Schüler arbeiten bzw. da muss man als Eltern den Jugendlichen wirklich darauf aufmerksam machen, dass er da ein anderes Auftreten zeigen muss. Wenn ein Schüler jedoch für einen Beruf in 2-3 Lehrbetrieben schnuppert und bezüglich Fachkompetenzen überall nur eine "so so la la"-Beurteilung bekommt, stellt sich meines Erachtens die Frage, ob der Schüler für den Beruf überhaupt geeignet ist.

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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von stella » Sa 27. Jul 2019, 14:13

Alebri
Es kann durchaus sein, dass ein Jugendlicher nicht für den Beruf geeignet ist und Eltern und Jugendlicher dies nicht merken.

Es gibt aber zig andere Gründe, warum ein Schnupperbericht so la la ausfallen. Und ich finde, die Jugendlichen sind da zu abhängig davon.

Als Beispiel kann ich dir das von einer Schülerin von mir erzählen. Sie war eine gute bis sehr gute Sekschülerin und interessierte sich für den Beruf Drogistin. Von der Persönlichkeit her ist sie sehr zurückhaltend und ruhig. Etwas, was ich jetzt in einem Team sehr zu schätzen wüsste. Sie ging in einer Drogerie (keine Kette) in der Schulnähe schnuppern. Und die Ausbildungsverantwortliche schaffte es mit zwei Sätzen, sie so runter zu machen, dass sie das Gefühl hatte, dass sie sich nicht für diesen Beruf eignen würde. Und zwar war der Kritikpunkt, dass sie zu verschlossen, nicht offen sei und dass man so NIE Drogistin werden könne.

Zum Glück hatte sie noch andere Berufsideen, denn diese Erfahrung hat sie so runtergezogen, dass sie sich diesen Beruf nicht mehr vorstellen konnte. Der Schnupperbericht fiel dem entsprechend so la la aus.

Sie wurde dann Zahnarzthelferin. Passt noch besser, weil sie sooooo ruhig ist und auf alle beruhigend wirkt. Der Zahnarzt ist absolut zufrieden mit ihr.

Darum finde ich es verwunderlich, dass sie Auszubildende so etwas heraus nehmen. Die wissen oft nicht, wie das auf die Jugendlichen wirkt.
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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von *esprit* » So 28. Jul 2019, 09:22

@stella

Nur kurz zum all verdonnerten Beruf Drogistin.

Ja es nützt nichts wenn sie verschlossen ist, es nützt auch nichts wenn sie wertvoll für das Team ist.
Als Drogistin beratest du die Kunden, du musst hinstehen und sagen was die beste, für den Kunden zufriedenste Lösung ist. Das braucht schon ein bisschen Offenheit. Auch arbeitest du ja nicht im Team an einem Kunden sondern beratest Ihn (sicher nach der Lehre )meistens alleine.
Ist doch super gefällts Ihr nun als Zahnarztgehilfin, vielleicht war es doch richtig so?;-)

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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von Alebri » So 28. Jul 2019, 09:30

@Stella
Ich habe ja geschrieben, dass ich auf die Ausbildungsberichte nicht allzu viel gebe :wink: .

Entscheidend ist (zumindest für mich) immer das Gesamtbild (Schulnoten, Beurteilung Sozial- und Fachkompetenzen Schule, Bewerbung - Brief und Layout - evtl. Multicheck, etc.). Ganz grundsätzlich; man schaut und beurteilt in der Rekrutierung nie nur ein Dokument an - das wäre unprofessionell. Ich habe auch schon Schüler mit schlechten Multichecks eingeladen (weil die Noten ein anderes Bild zeigten) - weil der Multicheck ja recht stark von der Tagesform abhängig an, die der Schüler an dem Tag grad hat. Und darum würde ich Schüler auch nie nur wegen "so so la la"-Ausbildungsberichten nicht einladen, sondern den Schüler im Gespräch höchstens darauf ansprechen und dann mal schauen, wie er das erklärt.

Was generell so ist: Hinter jeder Note/Beurteilung steckt ein Mensch - und somit muss man immer damit "rechnen", dass die Note/die Beurteilung (auf die eine oder andere Seite!) evtl. nicht ganz fair ist. Ich hatte z.B. mal die Bewerbung einer Oberstufenschülerin, die wirklich die ganze Schulzeit hindurch nur 2-3 in Mathe hatte - also ziemlich lausig. Der Rest passte aber, sie hatte einen tollen Brief geschrieben, hatte sehr gute Sozialkompetenzen, etc. Ich lud sie dann zum Gespräch ein und 1-2 Tage vorher rief mich dann ihre Klassenlehrperson an und bat mich, nicht zu viel auf die Mathe-Note zu geben. Der Mathe-Lehrer sei grundsätzlich ein guter Lehrer, aber halt nur für eine bestimmte Art Schüler, die mit seinen Art von Tests klar kämen. Das heisst, die eine Hälfte der Klasse hätte nur 6er, die andere Hälfte sei zwischen 2 und 3. Dazwischen gäbe es gar nichts :shock: . Sie sei überzeugt, dass die Schülerin bei einem anderen Lehrer in Mathe zumindest im genügenden Bereich wäre oder höchstens knapp ungenügend - und somit auch die Berufsschule schaffen würde (das war natürlich auch etwas meine Sorge).

Mit dieser Erklärung im Hintergrund und dem persönlichen Eindruck, den das Mädchen bei uns hinterliess, stellten wir sie dann ein - und: Sie absolvierte bei uns erfolgreich ihre Lehre und hatte auch in der Berufsschule keine Note (auch Mathe nicht) unter 4 ;-).

Von daher: ich denke schon, dass ich da mit meiner inzwischen bald 15jährigen Erfahrung als Berufsbildnerin und in der Rekrutierung von Schülern eine Bewerbung schon "fair" in der Gesamtheit zu bewerten weiss ;-). Und ich habe ganz viele Bekannte, die als Berufsbildner sehr ähnlich wie ich unterwegs sind. Ein "so so la la"-Ausbildungsbericht oder eine schlechte Note macht es selten aus - zuletzt zählt immer das Gesamtbild (wie ich grundsätzlich jede Bewerbung - auch bei Erwachsenen - beurteile und anschaue).

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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von Alebri » So 28. Jul 2019, 09:34

*esprit*
Guter Einwand! ;-) Allerdings habe ich da auch schon gaaaaaanz viel erlebt ;-). Wenn die Schüler sich bewerben, sind sie +/- 15 Jahre alt, wenn sie bei uns die Lehre beenden, zwischen 19-20. In diesem Alter passiert bei Jugendlichen EXTREM viel!! Ich habe schon ein paar Mal ganz "verschupfte", ruhige und scheue Schüler eingestellt - die 3 oder 4 Jahre später (je nach Lehre) als völlige andere Menschen und Persönlichkeiten vor mir standen ;-). Und grad wenn sich 15jährige vorstellen müssen, sind 90% davon aufgeregt, eher scheu und zurückhaltend. Was bei uns "hilft": Sie verbringen immer den halben Tag mit anderen Lernenden - nur mit denen. Im Beisein von Jugendlichen, die nur max. 2-3 Jahre älter sind, geben sie sich oft ganz anders (realistischer!). Und auch das berücksichtigen wir bei der Entscheidung. Wenn ich und die Praxisbildner z.B. das Gefühl hatten, dass der Schüler zu scheu, zu introvertiert war und die Lernenden uns sagen, dass er (oder sie ;-)) bei ihnen recht offen und gesprächig war, gebe ich da mehr auf die Beurteilung des Lernenden ;-). Denn eben: Im Umgang mit Erwachsenen - in so einer Bewerbungssituation - ist es halt für so junge Menschen oft extrem schwierig und sie können gar nicht zeigen, wer und was sie wirklich sind.

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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von *esprit* » So 28. Jul 2019, 09:57

@alebri

Da geb ich dir auf jedenfall Recht, Jugendliche entwickeln sich.
Nur wieviel Lernende sind es denn in einer Drogerie?
Viele Arbeiten werden auch alleine gemacht.

Deshalb finde ich es schon berechtigt, wenn man einem Jugendlichen sagt, es sei nicht der richitge Beruf.
Der Jugendliche kann es immer noch abhaken und weiter schnuppern im selben Beruf. Aber wenn man halt wirklich nicht geeignet ist(was es ja in jedem Beruf gibt), dann ist es doch besser man erfährt es früh und hat noch Zeit sich andere Berufe an zuschauen?

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Re: Lehrstellensuche

Beitrag von Alebri » So 28. Jul 2019, 10:57

@*esprit"
Wie geschrieben: Im Grundsatz gebe ich Dir recht. Aber: Da müssen halt in erster Linie auch die Eltern Verantwortung übernehmen. Sie haben das an der Schule meines Sohnes - wo grad eine Berufsinformation stattfand - so schön gesagt: "Der Berufsfindungsprozess" ist in erster Linie Familiensache! Und das ist auch so. Niemand kennt den Jugendlichen besser als die Eltern (zumindest sollte das so sein :wink: ). Umgekehrt ist es für Schüler, die in der Berufsfindungsphase sind - also 13-15 Jahre - je nachdem halt einerseits schwierig, sich selber realistisch einschätzen zu können (die einen können es besser, die anderen weniger gut) und andererseits halt auch im "Dschungel" der vielen Lehrberufe einen zu finden, der dann auch mit den Wünschen und Fähigkeiten übereinstimmt. Und wenn dann halt ein sehr introvertierter, sehr scheuer Schüler mit der Idee eines Lehrberufes kommt, wo er von Anfang an viel "an der Front" sein muss, viel Kundenkontakt hat und auch sehr selbständig, proaktiv sein muss, muss man halt vielleicht auch als Eltern den Schüler auf diese - wahrscheinliche - Schwierigkeit aufmerksam machen.

Im KV z.B. kann man ja auf sowas Rücksicht nehmen. Wenn ich 1.-Lehrjahr-Lernende haben, die eher scheu/introvertiert sind, achte ich darauf, dass ich sie erst in die Abteilungen mit viel Kundenkontakt (Sales, Kundendienst, etc.) ab dem 2. und 3. Lehrjahr einteile und in den ersten Abteilungen da noch etwas "Schonzeit" möglich ist. Aber eben: Bei Lehrberufen im Verkauf, an der Front (eben z.B. Drogistin) ist das natürlich nicht möglich - und da bin ich auch der Meinung, dass ein sehr scheuer, sehr introvertierter Schüler da einfach nicht passt. Und dann ist es sicher auch gut, wenn er einen entsprechenden Ausbildungsbericht bekommt, wo eben genau das so vermerkt ist.

In dem Berufswahlbuch meines Sohnes hat es z.B. einen Fragebogen, den einerseits der Schüler, andererseits ein Elternteil ausfüllen muss. Da geht es eben so um Stärken/Schwächen, was macht der Schüler gerne/weniger gerne/gar nicht gerne, etc. Das heisst, indem Eltern und Schüler diesen Test ausfüllen, hat man nachher so ein Vergleich punkto Fremd- und Eigenbild. Und wenn man dann als Mutter/als Vater sieht, dass sich der Schüler ganz anderes einschätzt, als er eigentlich ist, muss man daran halt auch arbeiten.

Ich war von daher froh, dass ich meinen Sohn zu 99% so eingeschätzt habe, wie er sich selber auch, d.h. er scheint da in punkto Stärken/Schwächen recht realistisch unterwegs zu sein. Das hilft schon mal. Und nun geht es darum, die Lehrberufe näher anzuschauen, die am ehesten zu seinen Wünschen und Fähigkeiten passen. Käme mein Sohn z.B. mit dem Berufswunsch Landschaftsgärtner oder Schreiner, würde ich wahrscheinlich intervenieren bzw. mit ihm darüber sprechen - weil er für mich nicht der Typ ist, der gerne draussen und vor allem mit den Händen arbeitet. Er ist der klassische "Kopfmensch". Aber eben: Das sehen wir beide genau so :wink: . Aber es gibt halt sicher Schüler, die da mit der Selbsteinschätzung etwas mehr Mühe haben und wenn sich eben ein Schüler, der bisher sozial eher schwach unterwegs war, nicht gerne redet, Mühe im Miteinander mit anderen Menschen hat, etc., für einen Beruf interessiert, wo viel Kundenkontakt da ist, ist das sicher etwas, das man als Eltern mit dem Kind besprechen muss bzw. ihn zumindest darauf aufmerksam machen muss. Da ist evtl. dann doch ein Lehrberuf besser, der etwas weniger "soziale Fähigkeiten" erfordert und nicht grad dort Stärken voraussetzt, wo man eigene Schwächen hat.

Ich bekomme z.B. ab und an auch immer wieder mal KV-Bewerbungen von Schüler, die in den Sprachfächern durchwegs ungenügend oder nur ganz knapp genügend unterwegs sind, dafür in Fächern wie Mathe, Geometrie, Chemie, etc. brutal stark. Da frage ich mich dann halt jeweils auch, warum diese Schüler niemand darauf aufmerksam macht, dass sie sich mit diesem Profil - diesen Stärken und Schwächen - für den total falschen Lehrberuf bewerben. Es gibt ja zig Lehrberufe, die händeringend nach genau solchen Schüler-Profilen Ausschau halten - aber im KV sind halt gerade die Sprachfächer sehr wichtig und da passt so ein Profil dann halt einfach nicht.

Aber eben: Dieses "beraten" und "begleiten" ist halt schon in erster Linie die Verantwortung von den Eltern und da muss man das Kind halt je nachdem auch etwas "leiten".

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