Abklärung Hochbegabung

Unsere grossen Kleinen und unsere kleinen Grossen. Was uns in diesem Abschnitt der Kinder begleitet, beschäftigt und interessiert.

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Hausdrache
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Hausdrache » Mi 12. Sep 2018, 20:13

HB kommunizieren
ich mache die Erfahrung, dass es besser ist, darüber zu sprechen und auch dem Kind zu erklären, dass es einen Grund gibt, warum es die anderen manchmal nicht versteht, es an anderen Themen interessiert ist und für ihns so vieles langweilig ist, an dem andere Knorzen. Ich merke einfach, dass die Kinder ja sich selber verstehen lernen müssen, aber auch Verständnis aufbringen müssen für die anderen Kinder. Unsere Grosse ist regelmässig wütend geworden, wenn ihr eine Freundin sagte, sie sei jetzt nicht mehr ihre Freundin. Sie konnte nicht verstehen, warum eine Freundschaft zu ende sein muss, nur weil man gerade Streit hat. Für die meisten Kinder im KIGA ist man entweder befreundet oder eben nicht, sie unterscheiden da nicht so sehr.
Das Umfeld verstand unser Kind nicht wirklich, sie fanden gewisse Reaktionen einfach schwierig. Einige konnten dann nach der Diagnose ein gewisses Verständnis aufbringen, es gab aber auch viele Neider, von daher ist es immer die Frage, wieviel das Umfeld wissen muss. Bei uns wars halt irgendwann klar, weil wir in einem kleinen Dorf leben und unsere Tochter mehrfach die Klasse übersprungen hat. Das führte zu Fragen.
Was ich einfach wichtig finde, nicht einfach sagen, er oder sie ist halt HB, kann also nichts dafür, sondern eher im Sinne von, da müssen wir nun hinschauen und suchen nach Möglichkeiten, damit das Zusammenleben mit den anderen besser funktioniert. Damit können die Leute besser umgehen. Es ist halt auch viel Neid da, wenn ein Kind leicht lernt und das eigene so schwer. Und man hat wenig Verständnis, wenn dann dieses ach so begabte Kind dafür banale soziale Dinge nicht auf die Reihe bekommt.

Minderleister/Leistungsbfall
der Wechsel von der zweiten in die dritte Klasse und damit hin zum lernen ist für HB-Kinder oft sehr schwierig. Auch muss man wissen, dass sie halt emotional dann doch jünger sind, wenn sie beschleunigt wurden. Auch damit müssen sie erstmal klar kommen. So Ausdauerdinge wie Einmaleinstraining liegt ihnen oft nicht. Da braucht es Begleitung, damit sie den Biss lernen und sich für etwas einsetzen können.
Nun kann es aber auch sein, dass ein Kind noch eine "Schwäche" hat, die nicht erkannt wurde. So hatte ich schon ein Höchstbegabtes Kind in der Schule, da wurde eine ADHS lange nicht erkannt. Mit Ritalin waren dann auf einen Schlag ganz viele Probleme weg. Das war wirklich frappant. Durch den hohen IQ wurde das verschleiert. Auch Legasthenie oder Dyskalkulie werden oft zu spät erkannt. So wars bei unserer Dritten, die erst in der fünften Klasse eine schwere Lega bescheinigt bekam.
Und dann kann es tatsächlich sein, dass es einfach zu langweilig ist. Unsere Grosse hatte zweimal einen Taucher, ganz extrem. Dann haben wir sie beschleunigt und sie war innert kurzer Zeit wieder voll dabei. Unsere Jüngste hatte gerade auch einen Hänger in der 6. Klasse. Empfehlung Realschule. Auch Mathe war die Leistung tief. Mit Hilfe von Psychologen und Fachleuten kam sie nun trotzdem in die oberste Schulstufe, also zwei Stufen höher als vom Lehrer vorgeschlagen. Die erste Mathenote nun war eine 5.3 ohne zu lernen. Da frage ich mich dann schon, wie sowas zu Stande kommt. Sie blüht im Moment richtig auf. Sie macht wieder Hausaufgaben, lernt wieder von selber, ist deutlich ausgeglichener und zufriedener als auf der Primarschule und ich bin gespannt, wie es weiter geht.
So einfach lässt sich somit nicht sagen, was es ist.
Fürs Einmaleins hilft oft der Computer. Wenn man es über Spiele üben kann, sind auch HB-Kinder mehr dabei, als wenn man einfach trocken üben muss. ILERN.ch ist eine Seite, wo es viele gute Spielmöglichkeiten gibt.
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Nellino » Do 13. Sep 2018, 13:37

Hausdrache lese immer sehr gerne bei dir.
Grosser ist nun ja im zwischenjahr..gefällt ihm serh gut. Gestern kam er mit den ersten noten heim..alles bestnoten..wobei das nievau sicher tiefer ist wie vorher in der Bez.
Morgen haben wir den Termin bei der schulpychologin , vorgespräch vor dem Leistungstest. Sind sehr gespannt.
unser hatte den hänger ja in der dritten Bez..war halt bisschen doof da er ja an sich direkt an die kanti wollte. Nun freut er sich aber auf
die prüfung im märz..da werden nur seine lieblingsfächer sprachen udn mathe geprüft.
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von ausländerin » Do 13. Sep 2018, 14:02

Liebe Hausdrache, ein wenig OT - aber mir würde sehr interessieren wie ihr es damals erklärt haben. Meine Tochter (5) hat gerade das selbe Problem wie deine mit "Ich bin nicht mehr deine Freundin". Das Thema hatten wir schon kurz vor 1.5 Jahren am Ende der Kita Zeiten, und es ist wieder eine grosse Thema geworden. Mag du was darüber kurz erzählen?
Nach dem guten Start ins 2 Kiga Jahr (trotz fast neuen Gruppe und neuen Kindergärtnerin), habe ich wieder ein Kind dass öfter mit Nassen Hosen nach hause kommt, und sonst eher genervt am Morgen vor Kiga ist und schnell ausflippt. Am Wochenenden, in Kunstturnen usw. ist alles kein Thema. Und ich versuche wieder rauszufinden wo die Schwierigkeiten sein können.

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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Hausdrache » Do 13. Sep 2018, 17:12

Ausländerin,

ich fand das damals auch sehr schwierig. Ich habe es eher so erklärt, dass ich ihr sagte, dass man es halt verschieden sagen kann. Die einen sagen, wir haben Streit, wenn wir wieder Frieden haben, sind wir dann wieder Freunde, andere sagen, ich bin nicht mehr deine Freundin, was sich aber auch wieder ändern kann und dann kann man auch wieder Freunde werden. Eher so. Ich habe ihr auch erklärt, dass es Menschen gibt, die haben eine beste Freundin, oder einen besten Freund und das über Jahre und andere wechseln halt lieber immer mal wieder die Freunde. Sie hat dann schnell gelernt, dass sie da etwas lockerer werden kann und sich lieber freut, wenn es gut klappt mit den anderen und sich weniger abhängig macht von der Meinung anderer. Das war aber ein jahrelanges Ding. Heute ist sie dafür extrem unabhängig und gibt sehr wenig auf die Meinung anderer, wo ich manchmal denke, vielleicht wäre es doch nicht schlecht, sie würde sich dcoh mal draum kümmern, was andere so denken. Das schöne an ihr ist dafür, dass sie heute auch gut verzeihen kann. Sie trägt einem nie lange etwas nach, kann nach einem Streit auch wieder Freund sein, da hat sie einen guten Zug an sich, wie ich finde.

Das mit den Schwierigkeiten ist so eine Sache. Da habe ich gemerkt, dass es oft unfassbar war für mich. Wir haben, aus der Not heraus, weil unsere dann irgendwann untragbar wurde in der Schule, jeweils einen Schulwechsel gemacht. Das gab uns dann jeweils wieder für zwei drei Jahre Luft. Alles Neue war erstmal spannend, da gab es genug Inputs, nur schon wegen dem Neuen. Wir wissen aber nicht gesichert, ob sie nicht noch ein ADHS hat. Die Diagnose wurde mal so gestellt, mehrfach wieder in Frage gestellt, es war schwierig. Sie hat sicher Züge, wie impusivität, motorisch eher unruhig, vor allem, wenn sie ihren Sport und ihren Ausgleich nicht hat, emotional spontan um nicht zu sagen zickig, was sich irgendwie seit klein auf etwas durchzieht, unkonzentriert, wenn es sie nicht interessiert, oder zu viele Wiederholungen kommen. Auch eine Sprachschwäche konnten wir nicht ganz ausschliessen, auch da kam aber nie eine Diagnose zu stande.

Ich denke, mit diesen Kindern muss man im Gespräch bleiben. Was eine gute Möglichkeit ist, damit sie lernen, dass es verschiedene Sichtweisen gibt, ist das Bilderbuch, dumme Ziege blöde Gans. (Ich meine so heisst es) Solche Dinge haben wir geliebt, da kann man die Geschichte von der einen Seite lesen und von der anderen. Und mann dann selber ihre Geschichten so ähnlich denken. Sie müssen lernen, dass Menschen verschieden sind und damit irgendwie umgehen.
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von ausländerin » Fr 14. Sep 2018, 18:07

Danke Hausdrache! Und danke für der Buchtip. Ich werde mir eins besorgen.
Wir reden viel zusammen, am Abend erzählt sie meistens wenn etwas passiert ist. Sie kann auch recht gut reflektieren. Aber ich glaube sie weiss momentan selber nicht mit was sie unzufrieden ist.

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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Hausdrache » Sa 22. Sep 2018, 11:56

Ach leute, bin gerade mal wieder an einem Punkt, wo ich einfach nur feststelle, wie bescheuert Schule, Lehrer und das System wie unterrichtet, beurteilt und den Kindern geholfen wird, ist.

Im Aargau ist es ja nach wie vor so, dass wir nicht den LP21 haben. Somit ist es auch so, dass man nur eine Fremdsprache belegen muss an der Sekundarschule.
Nun hat unser HB-Legamädchen einen Lehrerwechsel in Französisch. Der Lehrer gewährt keinen Nachteilsausgleich und auch sonst ist es relativ schwierig für sie, in seinem Unterricht irgendwas mitzubekommen. Ein Gespräch ergab nun, wer nicht fähig sei, dem Unterricht so zu folgen, wie er halt ist, der müsse Franösisch abwählen. Nachteilsausgleich werde nicht gewährt, da man das Fach ja nicht besuchen muss und auch für eine Lehre nicht braucht.

Tija, in Mathe ist sie total gefrustet, da komplett unterfordert, sogar in Deutsch kommt sie mit sechsen an, auch sonst ist Schule nur öde und langweilig und da wo sie gefordert wäre, sagt man ihr einfach, das sei nichts für sie. Begabungsförderung keine Chance, Hilfe in den Sprachen ist nur in Englisch wirklich möglich, der Lehrer da macht das von sich aus, hat er selber angeboten. Es ist irgendwie schon erstaunlich, wie wenig man sich mit Kindern auskennt, die anders lernen und manchmal einfach eine grössere Kopie bräuchten, ein Lösungsblatt, weil sie es nicht vom Beamer abschreiben können, oder auch nur die Botschaft, hey du schaffst das, anstatt, du bist eh nicht in der Lage.

Sorry, musste das mal loswerden, beschäftigt mich gerade sehr. In zwei Jahren müssen die Lehrer die Kinder im Französisch behalten, nimmt mich ja wunder, was sie dann machen. Schade für unsere Tochter, die es sehr gerne weiter behalten hätte, die letztes Schuljahr total motiviert war und mit wenig Aufwand dabei sein konnte. Jetzt geht gerade gar nichts mehr, das ist schon sehr erschreckend. Zweifach besondere Kinder sind so komplex und auch anstrengend.
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Stella* » Mo 24. Sep 2018, 08:28

@Hausdrache
Tut mir riesig leid, was ihr gerade mit eurer Tochter erlebt. :cry: So etwas ist ja total schräg. Hoffe, ihr findet einen Weg, damit sie den Französisch-Unterricht trotzdem weiterbesuchen kann.
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Malaga1 » Mo 24. Sep 2018, 09:50

@Hausdrache: Ich habe dich gelesen und möchte dich nicht einfach so unkommentiert stehen lassen, da ich deine Beiträge immer sehr schätze - gleichzeitig weiss ich aber gar nicht, was ich schreiben soll. Du bist so kompetent in diesem Thema als Mutter und als Lehrerin, dass ich gar nichts Schlaues beitragen kann. Ich kann dir nur Recht geben: Es ist total bescheuert. Was meint denn die Schulleitung zu diesem Thema? Bis jetzt ging es ja mit deiner Tochter im Französisch.
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von lunita » Mo 24. Sep 2018, 12:08

liebe hausdrache

es gibt ja schon nichts, was es in einer hb-schulkarriere nicht gibt! unglaublich, was ihr alles durchstehen müsst! ich fass es nicht. einfach nur traurig und tiefst beschämend, wie gewisse leute in unserem schulsystem ticken :shock: :evil: :!:

habe ihr noch den mum, etwas zu unternehmen?
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von AnnaMama » Mo 24. Sep 2018, 13:19

Liebe Hausdrache

Euch bleibt aber auch gar nichts erspart! Es stimmt mich traurig, dass ihr immer wieder vor so grossen Hürden steht. Warum kann eine Lehrperson nicht mal über den eigenen Tellerrand gucken? Unglaublich, echt!
Ich wünsche euch ganz viel Kraft!

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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Hausdrache » Mo 24. Sep 2018, 20:29

Danke euch. Eines ist unsere Tochter, die klar traurig ist, dass sie nun die Sprache nicht weiter lernen kann. Andererseits merkt sie selber, dass sie so nicht wirklich vom Unterricht profitiert.
Wir geben nun auf. Wir können unsere Energie besser brauchen. Auch ändert man Lehrer nicht und unser SPD sieht auch nur die Defizite, die aber zu wenig gross sind, als dass Handlungsbedarf bestünde. Das Problem bei HB-Kindern ist, dass sie vieles so gut kompensieren, dass sie weder Begabungsförderung bekommen, noch Hilfe bei ihren Schwächen. Sie sind ja genügend, das muss reichen. :roll:
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Netterl » Mo 24. Sep 2018, 22:09

Ach Hausdrache, ich schätze Dich und Dein weises Schreiben sehr. Ich kann verstehen, dass irgendwann die Kraft ausgeht. Ist ja nicht der erste Kampf.
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Meieli » Di 25. Sep 2018, 14:50

Hausdrache, schade für deine Tochter. Ich verstehe dich. Dieses ewige kämpfen und einstehen für unsere Kinder kostet unglaublich viel Kraft. Ich hoffe, dass deine Tochter ihren Weg findet.
Wir bereiten uns auf ein neues Elterngespräch vor. Diesmal mit dem neuen Psychologen, den Lehrern und der Schulleitung. Ich hoffe, wir kommen endlich vorwärts.
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Meieli » Fr 5. Okt 2018, 08:44

Langsam gehts voran. Anfangs Nov haben wir das Gespräch mit Psychologen, Lehrer und Schulleitung. Dann können wir das weitere vorgehen besprechen und Fördermassnahmen beatragen.

Erste Fortschritte gibts aber schon: Wir sind zweisprachig. Junior besucht die Schule auf franz. Bisher musste er dem Deutschunterricht trotzdem in grossen Teilen folgen. Er durfte jeweils ca 10min pro Lektion ein deutsches Buch lesen, welches er dann der Klasse vorstellen durfte. Mittlerweile darf er die ganze Lektion an einem Deutschprojekt arbeiten :D .

Ich wurde bisher auch regelmässig von der ausserschulischen Betreuung darauf angegangen, dass Junior bei den Hausaufgaben trödelt und nicht zum Ende kommt. Dazu aber jedesmal noch: Dabei würde es ihm doch leichtfallen, er solle sich nicht so anstellen. Am Montag hats mir dann gereicht. Ich hab der Dame gesagt, dass Junior HB sei und ihn mittlerweile alles einfach langweile, weshalb er keine Lust mehr auf die Schule habe. Und wisst ihr was? Plötzlich war da Verständnis. Sein Verhalten war auf einmal aktzeptabel. Das find ich zwar schön, macht mich aber auch traurig. Ich meine, ich hab vorher jahrelang gesagt, es sei ihm langweilig und wurde nicht ernstgenommen. Und kaum ist eine abgeklärte HB da, ist plötzlich alles anders.
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Papa68 » Mi 24. Okt 2018, 22:17

Langeweile kennen wir auch. Unser Sohn hat letzthin gesagt, dass die Schule ihn stresse. Auf mein Nachfragen hin hat er gemeint, dass er immer auf die anderen warten müsse, das stresse ihn. Heute hat er seine Hausaufgaben ausgepackt (die erledigt er für gewöhnlich in drei Minuten) und hat gejammert "nicht schon wieder so einfache Aufgaben".
Ich hoffe, dass er keinen Schulverleider bekommt. Wenn ich euch so lese graut mir vor den nächsten Jahren.
Ich fühle mich, als könnte ich Bäume ausreissen. Also kleine Bäume. Vielleicht Bambus. Oder Blumen. Naja, Gras. Gras geht.

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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von AnnaMama » Mi 24. Okt 2018, 22:55

@Papa68
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unser Sohn am meisten Mühe mit den HA hatte, wenn diese für ihn keine Herausforderung darstellten (das waren sehr viele). Er konnte dann die HA nicht einfach schnell erledigen sondern hatte sehr lange daran und motzte die ganze Zeit (vorallem letztes Jahr in der 4. Klasse).
Uns fällt auch auf, dass seine Schrift immer dann unleserlich wird, wenn er unterfordert ist.

Nun hat unsere Gemeinde die Hausaufgaben abgeschafft und somit wird er von für ihn langweiligen HA verschont. Zudem hatten wir ein Fördergespräch mit allen beteiligten Personen (inkl. Schulpsychologin) und sein Programm in der Schule wurde so weit wie möglich seinen Bedürfnissen angepasst.

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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Käfermutti » Do 1. Nov 2018, 14:57

@Papa: was darf dein Sohn machen, wenn er auf die anderen warten muss? In der 1. Klasse variiert das Niveau doch so stark, dass die LP verschiedene Angebote haben muss.
Bei uns z.B. gibt's in Mathe und Deutsch Arbeitspläne in 3 Stufen. Die LP teilt anhand des Lernverhaltens die Kinder in die verschiedene Pläne ein. Wenn die Kinder fertig sind mit Ihrem Plan dürfen sie ans Laptop, da gibts verschiedene Lernprogramme - da könnte man deinem entsprechend ein Programm drauf laden, dass er neben dem Pflichtprogramm gefordert ist.
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Ariadne » Do 1. Nov 2018, 16:15

Das Problem für Hochbegabte ist eben, dass diese ständigen repetitiven Aufgaben sie stressen. Es klingt so einfach, und Lehrpersonen, die keine Ahnung haben von HB, denken sich das so: die hb Kinder können doch schwups all die einfachen Sachen machen, denn sie sind ja so gescheit, und dann dürfen sie auch Schwieriges machen. Das geht sicher auf für schlaue Kids, aber eben nicht für hb Kids. Wie gesagt, stresst sie das sehr, es ist wie eine Strafe, denn es ist vollkommen unnötig und geschieht eben viel zu oft (jeden Tag mehrmals in verschiedenen Fächern und dann noch bei den Hausaufgaben). Dann sagen die Lehrpersonen, das Kind müsse halt auch mal lernen, etwas zu tun, was es nicht so möge. Aber erstens tut es das ja eh schon zur Genüge, und zweitens steht "mal" und "etwas" in keinem Verhältnis zu der Häufigkeit, in der ein hb Kind sich derart anpassen muss. Es denkt ganz anders und hat wirklich Stress, wenn es immer das Langweilige wiederholen muss. Das geht dann so weit, dass es dieses Langweilige eben gar nicht mehr schafft, weil es innerlich blockiert.
LG,
Ariadne

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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Malaga1 » Fr 2. Nov 2018, 06:05

Arbeitsblätter in drei Schwierigkeitsstufen ist für HB-Kinder oftmals nichts. Mein Sohn nahm konsequent das einfachste Blatt. „Wenn schon blöd, dann schnell blöd“. Jetzt hat er in der Mathe auch individuelles Programm, das funktioniert
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Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Hausdrache » Fr 2. Nov 2018, 07:03

Malaga
das kenne ich hier auch. Einfach gemacht haben, damit es gemacht ist.

Ariadne
ich finde das als Lehrperson manchmal einfach noch schwierig. Klar, Routinen mögen sie nicht, stressen sie, das erlebe ich auch so. Aber, es ist auch so, dass gerade HB-Kinder dann scheitern, weil gewisse Dinge nicht automatisiert sind. Einmaleins zum Beispiel. Es stinkt ihnen, das zu üben, aber dann kommen Teiler und Vielfache und später die Brüche und sie haben keine Chance zu sehen, wie man kürzen oder gescheit erweitern kann. Hat ja wenig damit zu tun, dass sie es nicht verstünden, sondern mehr damit, dass ihnen die Grundlagen fehlen. Da muss man schon erfinderisch sein, damit sie zu genug Training kommen, aber nicht abgelöscht werden.
Aber unsere sind eben so, dass wenn es zu viele Wiederholungen gibt, werden sie schlecht, gerade in Mathe, wo sie ihre Stärke haben. Unsere Grosse wurde mit jeder Wiederholungsprüfung schlechter. Unsere Dritte hat einen Lehrer, der übt, bis es der letzte auch noch verstanden hat. Er macht teilweise dreimal die gleiche Prüfung, sie wird jedesmal schlechter. Das verstehen die Lehrer dann nicht, finden, sie lerne nur für die erste Prüfung, könne es wohl gar nicht, sondern hätte einfach einmal gut gelernt und geübt und dann wieder vergessen. Dabei hat sie innerlich abgehängt, oder noch schlimmer, bringt die Konzentration nicht mehr hin, macht Flüchtigkeitsfehler und ist gestresst. Das wiederum glauben die Lehrer leider nie.
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