Abklärung Hochbegabung

Unsere grossen Kleinen und unsere kleinen Grossen. Was uns in diesem Abschnitt der Kinder begleitet, beschäftigt und interessiert.

Moderatoren: Tiramisu, Mrs. Bee

Antworten
Benutzeravatar
Hausdrache
Vielschreiberin
Beiträge: 1015
Registriert: Mo 22. Aug 2005, 10:04
Wohnort: Zentralschweiz

Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Hausdrache » Mi 12. Sep 2018, 20:13

HB kommunizieren
ich mache die Erfahrung, dass es besser ist, darüber zu sprechen und auch dem Kind zu erklären, dass es einen Grund gibt, warum es die anderen manchmal nicht versteht, es an anderen Themen interessiert ist und für ihns so vieles langweilig ist, an dem andere Knorzen. Ich merke einfach, dass die Kinder ja sich selber verstehen lernen müssen, aber auch Verständnis aufbringen müssen für die anderen Kinder. Unsere Grosse ist regelmässig wütend geworden, wenn ihr eine Freundin sagte, sie sei jetzt nicht mehr ihre Freundin. Sie konnte nicht verstehen, warum eine Freundschaft zu ende sein muss, nur weil man gerade Streit hat. Für die meisten Kinder im KIGA ist man entweder befreundet oder eben nicht, sie unterscheiden da nicht so sehr.
Das Umfeld verstand unser Kind nicht wirklich, sie fanden gewisse Reaktionen einfach schwierig. Einige konnten dann nach der Diagnose ein gewisses Verständnis aufbringen, es gab aber auch viele Neider, von daher ist es immer die Frage, wieviel das Umfeld wissen muss. Bei uns wars halt irgendwann klar, weil wir in einem kleinen Dorf leben und unsere Tochter mehrfach die Klasse übersprungen hat. Das führte zu Fragen.
Was ich einfach wichtig finde, nicht einfach sagen, er oder sie ist halt HB, kann also nichts dafür, sondern eher im Sinne von, da müssen wir nun hinschauen und suchen nach Möglichkeiten, damit das Zusammenleben mit den anderen besser funktioniert. Damit können die Leute besser umgehen. Es ist halt auch viel Neid da, wenn ein Kind leicht lernt und das eigene so schwer. Und man hat wenig Verständnis, wenn dann dieses ach so begabte Kind dafür banale soziale Dinge nicht auf die Reihe bekommt.

Minderleister/Leistungsbfall
der Wechsel von der zweiten in die dritte Klasse und damit hin zum lernen ist für HB-Kinder oft sehr schwierig. Auch muss man wissen, dass sie halt emotional dann doch jünger sind, wenn sie beschleunigt wurden. Auch damit müssen sie erstmal klar kommen. So Ausdauerdinge wie Einmaleinstraining liegt ihnen oft nicht. Da braucht es Begleitung, damit sie den Biss lernen und sich für etwas einsetzen können.
Nun kann es aber auch sein, dass ein Kind noch eine "Schwäche" hat, die nicht erkannt wurde. So hatte ich schon ein Höchstbegabtes Kind in der Schule, da wurde eine ADHS lange nicht erkannt. Mit Ritalin waren dann auf einen Schlag ganz viele Probleme weg. Das war wirklich frappant. Durch den hohen IQ wurde das verschleiert. Auch Legasthenie oder Dyskalkulie werden oft zu spät erkannt. So wars bei unserer Dritten, die erst in der fünften Klasse eine schwere Lega bescheinigt bekam.
Und dann kann es tatsächlich sein, dass es einfach zu langweilig ist. Unsere Grosse hatte zweimal einen Taucher, ganz extrem. Dann haben wir sie beschleunigt und sie war innert kurzer Zeit wieder voll dabei. Unsere Jüngste hatte gerade auch einen Hänger in der 6. Klasse. Empfehlung Realschule. Auch Mathe war die Leistung tief. Mit Hilfe von Psychologen und Fachleuten kam sie nun trotzdem in die oberste Schulstufe, also zwei Stufen höher als vom Lehrer vorgeschlagen. Die erste Mathenote nun war eine 5.3 ohne zu lernen. Da frage ich mich dann schon, wie sowas zu Stande kommt. Sie blüht im Moment richtig auf. Sie macht wieder Hausaufgaben, lernt wieder von selber, ist deutlich ausgeglichener und zufriedener als auf der Primarschule und ich bin gespannt, wie es weiter geht.
So einfach lässt sich somit nicht sagen, was es ist.
Fürs Einmaleins hilft oft der Computer. Wenn man es über Spiele üben kann, sind auch HB-Kinder mehr dabei, als wenn man einfach trocken üben muss. ILERN.ch ist eine Seite, wo es viele gute Spielmöglichkeiten gibt.
Bild

Pädagogik ist der organisierte Kampf der Erwachsenen gegen die Kinder.(Mark Twain)

Benutzeravatar
Nellino
Posting Freak
Beiträge: 3136
Registriert: Mi 11. Okt 2006, 16:22
Geschlecht: weiblich
Wohnort: Da wos am schönsten ist

Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Nellino » Do 13. Sep 2018, 13:37

Hausdrache lese immer sehr gerne bei dir.
Grosser ist nun ja im zwischenjahr..gefällt ihm serh gut. Gestern kam er mit den ersten noten heim..alles bestnoten..wobei das nievau sicher tiefer ist wie vorher in der Bez.
Morgen haben wir den Termin bei der schulpychologin , vorgespräch vor dem Leistungstest. Sind sehr gespannt.
unser hatte den hänger ja in der dritten Bez..war halt bisschen doof da er ja an sich direkt an die kanti wollte. Nun freut er sich aber auf
die prüfung im märz..da werden nur seine lieblingsfächer sprachen udn mathe geprüft.
Bild

ausländerin
Senior Member
Beiträge: 696
Registriert: Mi 28. Jan 2015, 15:09
Geschlecht: weiblich

Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von ausländerin » Do 13. Sep 2018, 14:02

Liebe Hausdrache, ein wenig OT - aber mir würde sehr interessieren wie ihr es damals erklärt haben. Meine Tochter (5) hat gerade das selbe Problem wie deine mit "Ich bin nicht mehr deine Freundin". Das Thema hatten wir schon kurz vor 1.5 Jahren am Ende der Kita Zeiten, und es ist wieder eine grosse Thema geworden. Mag du was darüber kurz erzählen?
Nach dem guten Start ins 2 Kiga Jahr (trotz fast neuen Gruppe und neuen Kindergärtnerin), habe ich wieder ein Kind dass öfter mit Nassen Hosen nach hause kommt, und sonst eher genervt am Morgen vor Kiga ist und schnell ausflippt. Am Wochenenden, in Kunstturnen usw. ist alles kein Thema. Und ich versuche wieder rauszufinden wo die Schwierigkeiten sein können.

Benutzeravatar
Hausdrache
Vielschreiberin
Beiträge: 1015
Registriert: Mo 22. Aug 2005, 10:04
Wohnort: Zentralschweiz

Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von Hausdrache » Do 13. Sep 2018, 17:12

Ausländerin,

ich fand das damals auch sehr schwierig. Ich habe es eher so erklärt, dass ich ihr sagte, dass man es halt verschieden sagen kann. Die einen sagen, wir haben Streit, wenn wir wieder Frieden haben, sind wir dann wieder Freunde, andere sagen, ich bin nicht mehr deine Freundin, was sich aber auch wieder ändern kann und dann kann man auch wieder Freunde werden. Eher so. Ich habe ihr auch erklärt, dass es Menschen gibt, die haben eine beste Freundin, oder einen besten Freund und das über Jahre und andere wechseln halt lieber immer mal wieder die Freunde. Sie hat dann schnell gelernt, dass sie da etwas lockerer werden kann und sich lieber freut, wenn es gut klappt mit den anderen und sich weniger abhängig macht von der Meinung anderer. Das war aber ein jahrelanges Ding. Heute ist sie dafür extrem unabhängig und gibt sehr wenig auf die Meinung anderer, wo ich manchmal denke, vielleicht wäre es doch nicht schlecht, sie würde sich dcoh mal draum kümmern, was andere so denken. Das schöne an ihr ist dafür, dass sie heute auch gut verzeihen kann. Sie trägt einem nie lange etwas nach, kann nach einem Streit auch wieder Freund sein, da hat sie einen guten Zug an sich, wie ich finde.

Das mit den Schwierigkeiten ist so eine Sache. Da habe ich gemerkt, dass es oft unfassbar war für mich. Wir haben, aus der Not heraus, weil unsere dann irgendwann untragbar wurde in der Schule, jeweils einen Schulwechsel gemacht. Das gab uns dann jeweils wieder für zwei drei Jahre Luft. Alles Neue war erstmal spannend, da gab es genug Inputs, nur schon wegen dem Neuen. Wir wissen aber nicht gesichert, ob sie nicht noch ein ADHS hat. Die Diagnose wurde mal so gestellt, mehrfach wieder in Frage gestellt, es war schwierig. Sie hat sicher Züge, wie impusivität, motorisch eher unruhig, vor allem, wenn sie ihren Sport und ihren Ausgleich nicht hat, emotional spontan um nicht zu sagen zickig, was sich irgendwie seit klein auf etwas durchzieht, unkonzentriert, wenn es sie nicht interessiert, oder zu viele Wiederholungen kommen. Auch eine Sprachschwäche konnten wir nicht ganz ausschliessen, auch da kam aber nie eine Diagnose zu stande.

Ich denke, mit diesen Kindern muss man im Gespräch bleiben. Was eine gute Möglichkeit ist, damit sie lernen, dass es verschiedene Sichtweisen gibt, ist das Bilderbuch, dumme Ziege blöde Gans. (Ich meine so heisst es) Solche Dinge haben wir geliebt, da kann man die Geschichte von der einen Seite lesen und von der anderen. Und mann dann selber ihre Geschichten so ähnlich denken. Sie müssen lernen, dass Menschen verschieden sind und damit irgendwie umgehen.
Bild

Pädagogik ist der organisierte Kampf der Erwachsenen gegen die Kinder.(Mark Twain)

ausländerin
Senior Member
Beiträge: 696
Registriert: Mi 28. Jan 2015, 15:09
Geschlecht: weiblich

Re: Abklärung Hochbegabung

Beitrag von ausländerin » Fr 14. Sep 2018, 18:07

Danke Hausdrache! Und danke für der Buchtip. Ich werde mir eins besorgen.
Wir reden viel zusammen, am Abend erzählt sie meistens wenn etwas passiert ist. Sie kann auch recht gut reflektieren. Aber ich glaube sie weiss momentan selber nicht mit was sie unzufrieden ist.

Antworten