Zeugnisnote 6

Unsere grossen Kleinen und unsere kleinen Grossen. Was uns in diesem Abschnitt der Kinder begleitet, beschäftigt und interessiert.

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fally
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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von fally » Do 8. Feb 2018, 22:04

stella hat geschrieben:Die Kids haben auch bei einer LRS oder einer Diskalkulie einen NTA zu gute. Die Kinder sind in der Regel normalintelligent, haben einfach in dem Bereich zu ihrer Grundintelligenz eine übermässig grosse Schwäche.
ja, das habe ich schon verstanden. Ich frage mich trotzdem, wie Lisa-Maria, ob es den generell schwachen Schülern gegenüber fair ist.

Solvej2
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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von Solvej2 » Do 8. Feb 2018, 22:15

Moreen hat geschrieben: Solche Prophezeiungen begrüsse ich gar nicht; ich kann mich in diesem Zusammenhang dem Posting von F. Scarpi durch und durch anschliessen... Stell dir vor: DIE Enttäuschung wenn es nicht klappen täte :(
Und stell Dir vor: DIE Freude, wenn es klappt. Ich habe als Kind schon gewusst, das ich einmal studieren werde. Und das habe ich. Ich bin froh, dass meine Eltern mich immer in meinen Träumen bestärkt haben. Meine Grossmutter hat damals genauso argumentiert wie Du. Ich bin froh, dass meine Mutter damals nicht auf sie gehört hat. Kinder in ihren Ambitionen zu unterstützen finde ich ganz wichtig. Und im Gegensatz zu allen hier kennt der Lehrer Phases Tochter. Vielleicht ist seine Einschätzung gar nicht so abwegig?

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stella
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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von stella » Do 8. Feb 2018, 22:53

fally
Die LRS und die Diskalkulie sind in Abhängigkeit vom IQ...
hingegen ist es bei schwächeren Kinder oft so, dass alle Bereiche tiefe Werte aufweisen, z.B. im Hawik-Test...
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Papa68
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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von Papa68 » Do 8. Feb 2018, 22:56

Wenn ein Kind den Wunsch nach einem hohen Schulabschluss hat, aber nicht zwingend dafür prädestiniert ist, sollte man meiner Meinung nach den Wunsch trotzdem untertützen. Das Kind muss natürlich mit dem Gedanken vertraut sein, dass es nicht klappen könnte und einen Plan B haben.
Ich habe es meinem Vater noch immer nicht verziehen, dass er die Haltung hatte "du brauchst ja keine Matura" und "lieber der erste im Dorf als der letzte in der Stadt" und "wofür denn Englisch lernen? Lerne mal besser gut Französisch". Er war und ist kurzsichtig (nicht im Sehvermögen) und lebt in seiner Welt mit seinen Vorstellungen, die nicht in das Leben anderer passen. Ich habe daraus gelernt und werde meine Kinder auf jeden Fall nach ihren Interessen, Wünschen und Zukunftsplänen fragen und sie wo immer ich kann unterstützen.
Ich fühle mich, als könnte ich Bäume ausreissen. Also kleine Bäume. Vielleicht Bambus. Oder Blumen. Naja, Gras. Gras geht.

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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von Moreen » Fr 9. Feb 2018, 04:54

@Solvej2 und Papa68, habt ihr all meine Beiträge zu diesem Thema gelesen? Nirgends habe ich geschrieben, dass man ein Kind in seinen Wünschen, Träumen, Zielen nicht unterstützen solle. Aber ich finde es vermessen, wenn ein Lehrer einem 15 jährigen Kind sagt: "Du könntest es an die Uni schaffen". Hätte er stattdessen gesagt: "Du könntest es ans Gymi schaffen" wäre das eine (vielleicht) realistische Aussage. Wenn es Phases Tochter ans Gymi schafft, ist doch toll... Und wenn sie - trotz ihrer Defizite - sogar den Maturaabschluss schafft, noch schöner.

An ein Kind glauben und es unterstützen und begleiten finde ich wichtig; ist für mich auch selbstverständlich. Aber ich erachte es genau so wichtig, dem Kind halt auch mögliche Grenzen aufzuzeigen... (mit einer Dyskalkulie Pharmazie studieren ist wohl eher unrealistisch; mit Lese- und Schreibschwäche Lehrerin werden zu wollen genau so, denn im Studium und im Berufsleben gibt es sicher keinen Nachteilausgleich mehr ;) )

Ich als Mutter bin jedenfalls nicht so verblendet, dass ich meinen Kindern eine Berufskarriere empfehle, die ihrem Potenzial in keiner Weise entspricht. Hingegen aber zeige ich ihnen Berufsfelder auf, wo ich sehe, dass sie dort ihr Potenzial voll ausschöpfen und einbringen könnten... Ich glaube an meine Kinder, aber ich kenne auch ihre Grenzen ;)

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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von fally » Fr 9. Feb 2018, 06:40

stella hat geschrieben:fally
Die LRS und die Diskalkulie sind in Abhängigkeit vom IQ...
hingegen ist es bei schwächeren Kinder oft so, dass alle Bereiche tiefe Werte aufweisen, z.B. im Hawik-Test...
jaja, ich weiss das alles...ich glaube wir reden aneinander vorbei...
meine Frage war eher moralischer/philosophischer Natur oder wie man das nennen soll. Ich probiers ein letztes Mal:
Eine Lese- oder Rechenschwäche ist eine Behinderung und kriegt Nachteilsausgleich. Jetzt könnte man ja THEORETISCH so argumentieren, dass ein geringer IQ auch eine Art Behinderung ist und auch einen Nachteilsausgleich bekommen sollte. Oder völlige motorische Ungeschicklichkeit im Turnen. Und so weiter.

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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von stella » Fr 9. Feb 2018, 06:49

fally
Das Ziel ist ja, dass jemand mit einer leichten Beeinträchtigung, der sich sonst für ein Berufsziel eignet, diese Beeinträchtigung ausgeglichen bekommt, damit er das Ziel trotzdem erreichen kann.

Motorische Einschränkungen verhindern nicht wirklich Berufsziele. Sportlehrer könnte eine Person mit dieser Beeinträchtigung nicht werden, da würde auch kein NTA nützen.

Ebenfalls eignen sich z.B. Personen, die durchs Band weg tiefe Werte haben, nicht für ein Mathestudium, darum braucht es da auch keinen NTA.

Jedoch könnte es sein, dass ein Asperger sich z.B. für ein Informatikstudium eignet und darum ein NTA in Form von begleiteten Prüfungen Sinn machen könnte.

Jeder NTA wird sorgfältig geprüft und situationsbedingt ausgesprochen.
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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von jupi2000 » Fr 9. Feb 2018, 06:53

Seit wann gilt eine Lese- oder Rechenschwäche als Behinderung? Da müsste man sich ja bei der IV melden, oder? Ich kenne einige Legastheniker, die sich in keiner Weise als Behindert ansehen. Die machen / machten erfolgreich die Schule fertig, lernen einen Beruf und eine Kollegin hat auch studiert.
Oder meint ihr mit Behinderung, dass einem eine LRS im Alltag behindert?
Bei uns gibts nur NTA bei schweren Fällen mit Notenbefreiung. Das ist auch gut so.

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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von stella » Fr 9. Feb 2018, 06:57

Jupi
Liest du mein Text... Ich schreibe von Beeinträchtigung...

Ein NTA ist nicht Notenbefreiung.

NTA kann sein, dass jemand mehr Zeit bekommt, weil er die Aufmerksamkeit nicht so lange aufrecht halten kann, in der Regel ist es ungefähr einen Viertel mehr Zeit.
NTA kann sein, dass jemand die Prüfung vorgelesen bekommt, dass er sie alleine in einem stillen Raum machen darf, dass die Rechtschreibung nicht gesichtet wird, ...
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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von stella » Fr 9. Feb 2018, 06:59

Zum NTA finde ich dieses Papier noch so gut:

http://www.peterlienhard.ch/download/12 ... eitung.pdf
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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von Phase 1 » Fr 9. Feb 2018, 07:16

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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von stella » Fr 9. Feb 2018, 07:34

Phase
Integration und Inklusion sind nicht das selbe wie NTA. Oder anders gesagt: Lernende mit NTA erreichen mit kleinen Hilfen die gesetzten Lernziele. Integrierte und Inkludierte nicht, da zählt die Vielfalt und der individuelle Fortschritt.

Und in meinen Augen ist die Integration gescheitert, die Inklision sowieso. Die Organisation der Volksschulen mit dem Selektionsdruck widersprechen einer inklusiven Schule.

Aber das ist ein ganz anderes Thema.
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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von Phase 1 » Fr 9. Feb 2018, 07:39

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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von Phase 1 » Fr 9. Feb 2018, 07:41

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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von fally » Fr 9. Feb 2018, 08:29

Ein Kind, das einfach eher schwach in Mathe ist aber keine Dyskalkulie hat, bekommt eben nicht mehr Zeit oder sonstige Erleichterung.
Darum gehts mir.

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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von Moreen » Fr 9. Feb 2018, 08:37

Phase 1 hat geschrieben:Sie braucht sicher kein Taschenrechner, aber schriftlich ausrechnen und mehr Zeit würde das Defizit schon lösen.
Von welcher Tochter sprichst du jetzt? Denn bei Dyskalkulie ist ja das Problem sehr komplex; wenn das Zahlenverständnis fehlt, nützt auch schriftliches Ausrechnen nichts...

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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von Peppino » Fr 9. Feb 2018, 08:41

@Maturaprüfung:
Ich habe den Eindruck, dass bei der Frage Matura/Studium dem IQ ein zu grosser Stellenwert beigemessen wird. Fleiss und Ausdauer sind für einen erfolgreichen Studienabschluss genau so wichtig.
Dann gibt es Kinder, die zwar nicht für ein naturwissenschaftlich-mathematisches Studium geeignet sind, aber durchaus tolle Psychologen, Sprachwissenschaftler, Historiker etc. werden (oder halt umgekehrt, Kinder, die mathematisch sehr begabt sind, aber kein Gespür für Sprache haben usw). Ich habe so ein sprachlich-musisch begabtes Kind zuhause, das nächstes Jahr an die Gymiprüfung will. Die Matheaufgaben, die aryus Tochter gelöst hat, könnte meine Tochter auf Anhieb nicht lösen. Sie wird also für die Gymiprüfung so richtig Mathe büffeln müssen (sie hat in der Mathe im Zeugnis eine hart erarbeitete 5, sonst alles 5.5er und 6er). Tja, und wenn's mit der Prüfung klappt, wird sie sich ein paar Jahre mit Mathe und Physik abplagen müssen. Das ist mühsam, im Endeffekt vielleicht aber auch eine gute Erfahrung, weil sie lernen muss, sich durch eine unliebsamen Materie zu beissen.
By the way: Wir wohnen Züri Stadt und mir graust jetzt schon vor dem ganzen Tamtam bezgl. Gymivorbereitung :mrgreen:.

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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von Lisa-Maria » Fr 9. Feb 2018, 08:45

Und gerade bei der Berufswahl ist es dann doch logisch, dass man etwas wählt das dem Kind liegt. Ihm auch Spass macht. Bei Lese und Mathe Schwäche sicher nicht Lehrerin sondern ein Handwerklicher Beruf, ein Beruf in der Pflege etc. ein Beruf wo Sprache oder Mathe kein Thema mehr ist in der Berufsschule. Was bringt es da ein Kind durchs Gymi zu boxen? Es wird ein Aussenseiter sein weil 98 % der Mitschüler anders ticken und wenn man die Matura dann hat fängt es erst an.
Das ist bei schwachen nicht abgeklärten Kindern der normale Weg. Käme keinem in den Sinn zu studieren. Obwohl sie es mit gezielter Hilfe evtl auch schaffen würden.
Dass ein Kind alle nötige Hilfe erhält um die obligatorischen Schulzeit abzuschliessen finde ich mehr als recht, denn davon hängt das ganze Leben nachher ab.

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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von Lisa-Maria » Fr 9. Feb 2018, 08:48

@peppino auch wenn du das Gymi mit dem Schwerpunkt Kunst, Sport etc. machen willst musst du ein gutes Flair für Sprachen und Mathe haben.

Dass Fleiss auch eine grosse Rolle spielt ist unbestritten.
Nur denke ich Kinder mit einer ausgeprägten Schwäche bringen mit allem Fleiss kein genügendes Verständnis für Mathe oder Sprachen auf. Das bestätigt ja Phase.

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Re: Zeugnisnote 6

Beitrag von Peppino » Fr 9. Feb 2018, 09:00

@Lisa-Maria: Ich meine eigentlich auch nicht die Kinder, mit einer ausgeprägten Schwäche, sondern eher solche, mit einem insgesamt überdurchschnittlichen, aber eher einseitigen Profil/Potential.

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