Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Unsere grossen Kleinen und unsere kleinen Grossen. Was uns in diesem Abschnitt der Kinder begleitet, beschäftigt und interessiert.

Moderator: Tiramisu

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Fiona1980
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Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Fiona1980 »

Guten Abend, liebe Mamis. Ich habe mal eine Frage. Mein Sohn sagt manchmal, wenn er "Mist gebaut" hat, dass er das dümmste Kind der Welt sei oder es ihm lieber wäre, es würde ihn gar nicht geben. Das tut mir natürlich mega weh zu hören. Ich weiss allerdings nicht so richtig, wie ich das einordnen soll. Ist es "normal" und eine Phase oder ist es ein Problem? Er dünkt mich generell nicht irgendwie "depressiv", er ist sehr fröhlich, hat viele Freunde, geht gerne in die Schule und ist da auch gut. Er sagt diese Dinge, wenn wir mit ihm geschimpft haben. Heute hat er zum Beispiel gesagt "Gute Nacht, dummer Papi" und der hat natürlich dann geschimpft mit ihm. Daraufhin wollte ich mit ihm reden und er sagte eben, er wünschte sich, er würde nicht existieren. Mir ist es mega wichtig, meine Kinder nicht zu verunsichern. Ich bemühe mich immer sehr darum, sie zu bestärken und ihnen zu sagen, dass sie super sind, wie sie sind. Ich bin selbst mit grossen Unsicherheiten aufgewachsen, habe nie genügt. Das will ich meinen Kindern nicht antun. Deshalb kann ich mir irgendwie nicht vorstellen, dass ich in diesem Bereich so versagt habe. Wir sagen ihm sooo oft, wie toll er ist, wie lieb wir ihn haben, loben ihn für seine Kreativität, seine Noten (Cleverness), für seine Liebenswürdigkeit, seine Empathie, sein hübsches Aussehen, wie toll er das Skirennen gefahren ist (obwohl er bei Weitem der Langsamste war) und wenn mal was "Schlimmes" passiert (schlechte Note, Streit, etc.) schimpfen wir natürlich nicht. Dann ist das kein Problem. Schimpfen tun wir nur, wenn er sich in unseren Augen falsch verhält, man ihm 100x das Gleiche sagen muss, wenn er eben frech oder beleidigend (oder undankbar) ist. Wobei wir es ihm dann erklären, warum es nicht richtig war. Verlangen wir zu viel? Keine Ahnung. Aber eben, wie gesagt, vielleicht ist das ja auch alles völlig normal. Er ist sehr, sehr ehrgeizig, macht nicht gerne etwas falsch und verliert auch nicht gerne. Das ist auch sehr hart zu sehen manchmal für mich. Ich wünschte, er wäre etwas weniger verbissen. Eben, ich wurde so getrimmt und ich würde ihm das so gerne ersparen. Verratet mir gerne eure Gedanken dazu.
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Papa68
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Papa68 »

Ich lese hier gerne mit. Unser Sohn (9) verhält sich genau so. Er hat ein schlechtes Gewissen, wenn er abends nach einer Milch fragt, weil er denkt, er mache uns nur Arbeit. Auch wir versuchen, ihm nicht dieses Bild zu vermitteln.
Fiona, ich kann dir leider nicht weiter helfen. Aber dein Sohn ist nicht der einzige, der solche Dinge sagt.
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ausländerin
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von ausländerin »

Fiona - was heisst "schimpfen"? Wie genau schimpft ihr? Erkennst du den Unterschied zwischen "hier liegen Kleider am Boden" und "hier sieht es aus wie im Saustall"? Oder "du hast dich sehr angestrengt und mit sehr viel Mut die Skirennen gefahren" und "du hast toll Skirennen gefahren"? Wenn nich - lese bitte über gewaltfreie Kommunikation in Erziehung (Google oder Bücher). Es kann helfen aus diesen alten "Schimpfen" und "Loben" Muster rauszukommen die beide für sensible Kinder selbstwertzerstörend und Destruktiv sein kann. Als Beispiel - wenn ein Kind bei Skirennen der langsamste ist, weiss er dass er nicht "Toll" gefahren ist, und wenn er es von euch hört, verliert ihr eure Glaubwürdigkeit. 4-jahriges merkt da vermutlich nichts, 8-jahriges aber schon, und da lohnt es sich nicht der Resultat zu loben sonder das Prozess zu anerkennen (Mut gezeigt, angestrengt, die letzte Kurve nah an Törli usw.) Das andere was mich in deiner Beschreibung beunruhigt ist der Erwartung der Dankbarkeit. Weil es ist das Gegensatz von bedingungslose Liebe und Akzeptanz. Und es ruft die Abhängigkeit von Eltern hervor, die Kinder in diesem alter anfangen zu verstehen. Da ist kein Wunder dass sie Fragen für was sie gut sind, wenn sie ohne Eltern und deren gute Wille nichts sind. Meine Tochter stellt in ihren schlechten Phasen oft die Frage "für was bin ich überhaupt nützlich?", "Für was braucht es mich", "warum gibt es mich überhaupt wenn ich selber nichts kann?" Das sind sehr berechtigte Fragen und es lohnt sich darüber ehrlich zu Diskutieren.
Ich finde das Erlernen der Gewaltfreier Kommunikation ist schwierig - ich bin noch Meilen davon entfernt und mein Mann scheitert da komplett - aber es hilft schon die Unterschied zwischen Beobachtung und Bewertung zu erkennen und die Situationen reduzieren. Und von "Schimpfen" ganz zu verzichten, und stattdessen ruhig zu Fragen warum er denkt dass Papa dumm ist, statt zu Predigen dass man sowas nicht sagt. Ihr könnt sogar gemeinsam der Unterschiede suchen was Bewertung (papa ist dumm) und was Beobachtung (papa hat etwas wichtiges vergessen) ist.
Meine Tochter ist ein speziell Fall - ich habe schon längst aufgehört von ihr auf andere Kinder zu schliessen. Aber ihr hat sehr geholfen zu verstehen wie die Gesellschaften funktionieren, und warum es Kinder in Gesellschaft braucht, und wie sie sich selber der Gesellschaft nützlich machen kann. Das hat die Aussagen ziemlich reduziert.
Du fragst ob das Normal ist? Es hängt ab von deinem Kind und wie sensibel er ist. Das gleiche Ereignis oder abwertende Worte kann bei einem Kind höhestents "Göschenen-Airolo" Effekt auslösen, und ein anderes stürzt in eine innerliche Drama und hinterfragt sich noch Monate danach. Da helfen die Kommentare "mein hatte es auch, hat ihm nicht gross geschadet" nicht weiter, weil dein Kind ein einzigartige Persönlichkeit ist, und nur er weiss was ihm schadet und was nicht.

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Fiona1980
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Fiona1980 »

Vielen Dank für eure Gedanken. Ich muss auch mal darüber nachdenken. Aber natürlich ist nicht alles so schwarz oder weiss wie hier beschrieben. Schimpfen heisst etwa vor allem reden, erklären (bei mir zumindest, bei meinem Mann oft schreien und drohen, irgendwann, nach dem gefühlt 100. Mal erklären kippe ich dann auch und schreie mal) und loben heisst natürlich nicht, du bist so schnell gewesen beim Skirennen, sondern eher "hey, das macht doch nichts, du hast dir Mühe gegeben und du bist alle Tore richtig gefahren und das nächste Mal hast du noch ein bisschen mehr Mut", einfach halt sicher kein Wort darüber, dass wir enttäuscht wären (sind wir auch nicht) oder so. Dankbarkeit erwarten wir auch nicht generell. Aber zum Beispiel dann, wenn er etwas bekommen hat (viele Weihnachtsgeschenke, Skiferien mit Essen im Restaurant) und er noch mehr will oder unzufrieden ist. Da muss ich sagen, dass es mich schon nervt, wenn er dann nach noch mehr Geschenken bettelt und die bereits bekommenen kaum beachtet. Da ist es mir wichtig, dass er weiss, wie schön er es hat und wie privilegiert er ist. Aber ich erwarte keine Dankbarkeit für Liebe, Kleidung, Essen, Hilfe, etc. Wie gesagt, es ist schwierig, alles richtig zu machen und ich muss mal darüber nachdenken, wo ich selbst noch Potenzial habe.
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Sunne12
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Sunne12 »

Ich finde ausländerin hat sehr gut beschrieben und viele Punkte genannt.
Ich bin selber auch in dem Prozess und arbeite an mir. Mein Sohn hat ebenfalls ein grosses Selbstwertdefizit, bei ihm kamen auch Todessehnsuchtsäusserungen dazu. Dazwischen ist er aber auch wieder sehr fröhlich. By the way: Depressionen bei Kindern sind übrigens sehr schwer zu diagnostizieren (auf jeden Fall durch das Umfeld) und äussern sich ganz anders als bei Erwachsenen.
Wenn ich lesen, dass dein Mann sehr oft mit Schreien und Drohen reagiert, dann stimmt mich das schon nachdenklich. Bei mir, als wir noch nicht getrennt waren, war das ähnlich. Er oft schreien und drohen - ich auch schnell schreien. Vom Schreien bin ich nun ziemlich weggekommen - Schreien ist immer ein Zeichen für Überforderung. Natürlich kann man auch als Eltern mal unangepasstes Verhalten zeigen, niemand ist perfekt. Heute entschuldige ich mich wenn ich Schreie und sage, dass ich jetzt gerade eine Auszeit brauche. Ich gehe dann auf den Balkon oder what ever. Mir hat es geholfen zu reflektieren was für eine Haltung ich gegenüber den Kindern habe. Meine Haltung ist nun, dass Kinder grundsätzlich mit allen Anlagen auf die Welt kommen. Ein Potential, dass grundsätzlich bereit ist sich zu entwickeln und das auch tun wird. Ich finde ich muss meine Kinder nicht "erziehen" im Sinn von irgendwo hin ziehen, sondern begleiten und mich selber gut anschauen - genau das wird das Kind nämlich auch tun.
Dankbarkeit: wie reagierst du, wenn du jemandem ein gutausgesuchtes Geschenk von dir bekommt und dann kommt kaum eine Reaktion der Dankbarkeit? In der Regel schenkt man ja uneigennützig. Es hat so ein Touch von Machtgefälle, wenn man von den Kindern so und soviel Dankbarkeit erwartet. Aber ja, das ist etwas, was auch mich herausforderte. Ich habe versucht meinem Sohn zu erklären, wie es Kindern in Drittweltländern ergeht oder wie ich es selber als Kind gehabt habe. Beides ist für die Kinder viel zu weit weg. Ich denke es ist doch völlig OK, wenn das Geschenk nicht so gut ankommt wie erwartet oder schon das nächste erwartet wird. Ich erkläre dann, hör mal ich kann und will dir nicht alles kaufen. Gespräche laufen nun ca. so: Essen, Wohnen etc. kostet auch und denkst du denn, du wärst wirklich glücklich, wenn du XY auch noch hast? Möchtest du dann nicht noch TZ? Und wann wärst du glücklich - wenn du alle Spielsachen im Laden hast? Meiner Erfahrung nach kann man Glück und Frieden nur in sich selber finden.
Ich finde die Kinder dürfen ihre eigenen Erfahrungen machen und ihren eigenen Prozess durchlaufen. Früher habe ich beleidigt reagiert, heute mehr im Sinn von Ich bin OK Du bist OK. Und heute signalisiere ich auch mal, dass wir darüber nicht mehr sprechen, was er noch/wieder kaufen möchte etc., da wir das nun zu genüge diskutiert hätten.
Es lohnt sich noch zu überlegen, ob etwas dahinter steckt. Also das Problem hinter dem Problem. Ist es eine Strategie für ein verstecktes Bedürfnis? Was fehlt denn wirklich?
Gewaltfreie Kommunikation, kann ich dir wirklich sehr ans Herz legen. Hilft nicht nur den Kindern. Am besten in einem Kurs.

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Fiona1980
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Fiona1980 »

Ich finde mich und mein Kind völlig OK. Mehr noch, ich finde ihn mega toll. Ich danke für deine Gedanken.

Heute ist er wieder happy und hat alles vergessen. Er meinte auf meine Nachfrage, dass er mich und Papi traurig machen wollte (weil er wohl irgendwas nicht bekommen hat, was er wollte).
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Petite Souris
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Petite Souris »

Ich kann bei Ausländerin und Sunne nur unterschreiben.
Wir sind per Zufall schon vor der Geburt auf die Aussahe gestossen, dass Kinder weder bestraft, noch gelobt werden sollten. Was wir zuerst sehr komisch fanden, durchs Einlesen aber je länger je mehr Sinn bekam.

Mein Mann beherrscht es sehr gut, ich neige schnell noch dazu, einfach mit: das hast du gut gemachr, anstatt mit Beschreibung der Situation, um so mein Interesse zu zeigen.

Unsere Tochter ist zum Glück noch klein, und so haben wir noch Zeit zum "lernen", denn es ist wirklich schwierig.

Was uns auch hilft ist der Gedanke, dass ein Kind nicht extra gemein ist, oder böse, sondern vieles auch noch nicht richtig einordnen kann und sich manchmal auch etwas machtlos findet und deshalb so reagiert.

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Papa68
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Papa68 »

Was mir zu "dummer Papa" noch in den Sinn kommt: schaut er Peppa Wutz? Die sagt das nämlich gerne und alle lachen. :roll: Finde ich so was von daneben.
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Fiona1980
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Fiona1980 »

Ich würde gerne auf das eigentliche Problem zurückkommen, das sich selbst Schlechtmachen. Wenn ich eure ganzen Erziehungstipps lese, komme ich nur zum Schluss, dass ich weniger falsch mache, als ich dachte...

Papa, nein, Peppa Wutz schaut(e) er wenig bis gar nie. Aber ja, klingt echt doof.
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annegretli74
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von annegretli74 »

Hallo Fiona! Ich habe den Eindruck gewonnen, dass du deinem Sohn gerne die Probleme vernhalten möchtest bzw seine Enttäuschung klein redest. Ich habe das auch früher oft getan und habe gemerkt dass es besser ist, einfach mal das gesagte anzunehmen und nachzufragen. Also statt zu sagen "das ist doch nicht so schlimm" besser "ich verstehe dass du traurig bist. Was ist denn für dich schlimm daran?"
So können sich tolle Gespräche entwickeln.

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dede
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von dede »

Auf so Ausagen wie "dummer Papi" oder ähnliches reagiere ich gar nicht so gross, wenn dies ein 8jähriges Kind sagt. Da darf ich doch nicht gekränkt reagieren. Das Kind will eine Aussage machen, tut dies ungeschickt. Da frage ich besser nach, was gemeint ist bzw. was dahinter steckt. Und die Bemerkung, dass der Ausdruck "dumm" nicht angebracht ist bzw. umgekehrt auch nicht gerne gehört wird, reicht eigentlich aus. Für mich ist die Ermunterung, das auszurücken, was hinter dem Ausdruck also die eigentliche Motivation ist, viel wichtiger. So lernen die Kinder, ihre Sorgen, Probleme, Fragen und Kritik angemessen auszudrücken. Wenn ich schimpfe, verhindere ich diesen Lernprozess.
Natürlich können wir als Eltern nicht immer perfekt reagieren, gerade auch wenn wir noch andere Dinge zu tun haben, müde sind oder auch sonst gereizt sind.

Zum Lob: angepasstes Lob ist wichig, überschwengliches Lob bewirkt eher Verunsicherung als Bestärkung.

Meine Kinder fragen immer wieder, ob das was sie gemacht haben, gut ist oder nicht. Ich frage dann oft zurück, was ihre Meinung dazu ist. Dann ergibt sich oft ein Gespräch, in dem das Kind seine eigene Arbeit beurteilt und dann selber entscheidet, ob es mit sich zufrieden ist oder nicht. Darum geht es am Schluss, der Mensch muss mit sich selber im Reinen sein und das Glück mit sich und in sich finden und das alles nicht von aussen abhängig machen bzw. die Eltern, den Lehrer oder wer auch immer zufrieden stellen.

Mit anderen über die eigene Leistung zu diskutieren, ist auch wichtig. Das geht für mich aber erst, wenn man sich selber auch schon Gedanken und eine Meinung dazu gemacht hat.

Und wer man ist und was man macht ist nicht das Selbe. Fehler machen gehört zum Menschsein dazu. Trotz aller Fehler kann der Mensch als Person trotzdem gut sein.

Und manchmal ist das Abwägen zwischen "normalen" Verunsicherungen und Krankheiten wie depressiven Episoden nicht einfach. Sollte dies für dich nicht klar sein, kann das Gespräch mit einer Fachperson helfen.

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Lotus
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Lotus »

Anerkennung für Geschafftes, Erreichtes: Wer von uns würde sagen, dass er/sie das nicht braucht? Manche Theorien sollte man nicht auf Alles ummünzen, und muss sehr sorgfälltig überlegen, auf welche Situationen sie sich beziehen. ZB Lob für eine Schludderzeichnung brauchts nicht. Aber Rückfragen als Aufmerksamkeit, Ersatzhandlung für Lob etc. Sonst würde ich das Ignorieren nennen.

Fiona: ich kann mich erinnerm, dass du hier im Forum schon ab und zu recht streng mit andern warst (Aussehen ;) ). Vielleicht hast du irgendwo noch (versteckte) Haltung(en), die dein Sohn spürt, dass du sie hast. Auch wenn du es nicht aussprichst. Also zumindest meine Kinder triggern mich auch mit Themen, zB Heimlichkeiten. Das macht mich wahnsinnig und ich würde ihnen auch (fast) nichts verbieten - trotzdem machen sie es.
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Ursi71
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Ursi71 »

Hoi Fiona. Mein GG schwört auf Carol Dweck (oder so ähnlich, vielleicht mal Googeln). Deren Dogma ist, man lobt nicht Eigenschaften (Kleverness, Kreativität) oder Ergebnisse (Noten), sondern Anstrengungen. Also zB: Deine Zeugnis zeigt, wie sehr du dich im letzten Semester angestrengt hast. Ich hab gesehen, dass du im Rennen alles gegeben hast, und nicht "Deine Noten sind toll!" oder "Du bist ein super Rennen gefahren".
Was das Schimpfen angeht: Ich habe gelernt, nicht zu schimpfen, sondern Erwartungen klar zu definieren. Also nich: "Hier liegen überall Kleider auf dem Boden", sondern "Ich erwarte, dass du deine Kleider wegräumst."
WEnn ich meiner Tochter sagen würde: Hier liegt überall Zeug rum, antwortet sie mir zurecht: So What? das ist mir egal...
Auch noch wichtig: ehrlich loben. Wenn wir loben, um des Lobens willens, dann entlarven Kinder das schnell. Mir fällt zB immer auf, dass es Tochter nervt, wenn GG ihre Musik-Übungen lobt, selbst wenn sei ein Stück völlig falsch gespielt hat (GG merkt nicht mal, dass er mitten im Stück unterbricht und lobt, so unmusikalisch ist er :roll: ). Ich sage dann halt: Den und den Teil könntest du nochmal spielen, dann geht es besser...

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Fiona1980
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Fiona1980 »

Ich bin mir nicht sicher, wie ich in diesen Strudel aus Erziehungstipps geraten bin :-) Ich lese sie gerne und nehme mir was davon mit. Ich könnte sicher noch weniger schimpfen oder punktgenauer loben, mehr ausführen. Aber im Grunde setze ich all das eigentlich schon so um.

Ich würde gerne vielleicht jemanden hören, dessen Kind auch solche Sachen gesagt hat und wie es sich dann entwickelt hat, bzw. was geholfen hat. Also bitte gerne solche Ratschläge und nicht noch mehr "Wie soll ich besser erziehen", ich finde, ich mache schon Vieles richtig oder sehe auch nicht immer alles gleich. Trotzdem nehme ich mir eure Worte zum Anlass, wieder mehr darauf zu achten.

Lotus: Ich bin streng? :-) Ich finde, ich bin der netteste Mensch der Welt :-) Aber rumjammern wegen der Optik, aber nix dagegen tun, das geht einfach nicht.
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Lotus
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Lotus »

Fiona1980 hat geschrieben: Mo 1. Mär 2021, 12:05 Ich bin mir nicht sicher, wie ich in diesen Strudel aus Erziehungstipps geraten bin :-) Ich lese sie gerne und nehme mir was davon mit. Ich könnte sicher noch weniger schimpfen oder punktgenauer loben, mehr ausführen. Aber im Grunde setze ich all das eigentlich schon so um.
.

Lotus: Ich bin streng? :-) Ich finde, ich bin der netteste Mensch der Welt :-) Aber rumjammern wegen der Optik, aber nix dagegen tun, das geht einfach nicht.
Ich habe hoffentlich keine blöden Tipps geschrieben, ich wollte nur darauf hinweisen, dass man manchmal etwas fördert, was man denkt, man nähme es cool - da nehme ich mich nicht raus. Bei 4 von 5 Sachen entspricht meine Haltung dem Resultat = was die Kids tun. Bei einer einfach niiiicht :lol: und ich denke, es liegt an mir ;)

ein Bsp aus einem ganz anderen Thema: eine Mutter sagt immer, dass es ihr egal ist, was aus ihren Kids mal wird, dasw Schulleistungen nicht wichtig sind (alleine!). Sie meint auch, dass sie das wirklich meint, aber nein von aussen betrachtet, nein. Sie hat immer das Gefühl, die Kids werden unfair benotet, müssen viel zu viel leisten, die armen Kinder, und überhaupt. Das formuliert sie aber um. Also zugunsten des Kindes. Würde es anders laufen, wäre mein Kind viel besser! Ich glaube ihr wirklich, dass sie denkt, dass sie cool sei mit dem Thema, aber ihre Sorgen darüber sind effektiv doch sehr gross.

Zweiteres: so kann ich das absolut unterschreiben.

LG
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Fiona1980
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Fiona1980 »

Lotus: Ich habe dich schon richtig verstanden. Sorry. Ja, ich frage mich das manchmal schon auch, ob ich ihn unbewusst irgendwie triggere. Ich muss darüber nachdenken, womit. Denn aus meiner Sicht genügt er tatsächlich vollauf so wie er ist. Es gibt nichts, was ich insgeheim denke, müsste er anders machen, aber sage es nicht. Vielleicht spürt er auch meine Angst oder Unsicherheit, mein Wunsch, es besser zu machen als meine Mutter damals mit mir. Ihr genüge ich ja heute noch nicht. Wann immer sie kommt, kriege ich zu hören, dass die Wäsche nicht schön genug gefaltet sei, da ein Gestell fehle, ich die Boxen im Tiefkühler nicht richtig beschriftet habe, die Kinder schmutzige Fingernägel und verfärbte Zähne hätten und und und. Ich habe schon langsam Angst vor ihrem nächsten Besuch. Das ist so in mir drin. Ein Lob würde mir auch mal gut tun. Weil meine Kinder sind alles andere als verlumpet, die Wohnung ist sauber (nicht steril, aber völlig ausreichend) und die Kinder sind anständig, beliebt, fröhlich und gut in der Schule. Naja. Ich weiss, dass sie es gut meint. Aber es hat mich mein Leben lang sehr verunsichert und deshalb achte ich bei meinen Kindern vielleicht zu extrem drauf, dass das nicht passiert. Trotzdem hat mein Sohn so wenig Selbstvertrauen.
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ChrisBern
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von ChrisBern »

Also ich glaube nicht, dass Peppa pig damit zu tun hat, nur so am Rande...(wenn, würde das "perfekte Kind Conny" wohl eher sowas triggern, gruslig...).

Kommunikation ist ja nur ein Teil der Sache, sehr viel Wirkung wird über Tun/Modell erreicht. Meine Eltern waren beispielsweise immer wertschätzend in ihrem Ton und haben ordentlich kommuniziert, aber trotzdem waren die Erwartungen an meine Schwester und mich sehr hoch. Es war einfach klar, dass Performance erwartet wird. Und das gar nicht böse, sondern die Messlatte war einfach hoch. Genauso wie klar war, dass nicht Fernsehen geschaut wird, ohne dass meine Eltern das je verboten haben...

Ich denke, dass unsere Werte und Maßstäbe sich immer durchdrücken, in den Sachen, die wir sagen, aber vor allem in denen, die wir tun und die wir nicht tun. Ich bin beispielsweise sehr leistungsorientiert, und natürlich fordere ich von meinen Kindern nicht explizit Leistung ein, aber wenn sie sehen, dass ich jeden Abend arbeite, alles immer gut machen will, allem zu Hause hinterher bin dass es läuft und bestimmte Sachen zur Schule bei der Grossen nachfrage, merkt sie automatisch, dass es mir wirklich ist. Da kann ich noch so sehr auf meine Kommunikation achten.

Dazu kommt, dass wir als Eltern einen nur noch recht kleinen Teil der Wirkung haben, wenn die Kinder in der Schule sind. Kinder merken gut, ob sie gut im Vergleich mit anderen da stehen oder nicht. Vielleicht kam auch mal ein Spruch der lehrerin, eines Kollegen etc. Und eben, Kinder merken, wenn sie ruhiger /ängstlicher/langsamer etc. Als andere sind und das fährt ihnen sehr ein. Meine Tochter ist überzeugt, eine Katastrophe in Mathe zu sein - was die Lehrerin total verwundert hat. Ich habe keine Ahnung, wie sie darauf gekommen ist...aber irgendwie wird sie da wohl im quervergleich etwas festgestellt haben.

Edit: ich finde solche Sachen wie gewaltfreie Kommunikation durchaus ok, aber ich glaube, das ist nur ein Puzzlestein im Ganzen. Unser Verhalten und Nicht-Verhalten, unsere Aufmerksamkeit und Ignoranz scheinen mir einen grossen Teil beizutragen und noch stärker das der Peers, dh der Kollegen der Kinder.
Zuletzt geändert von ChrisBern am Mo 1. Mär 2021, 13:07, insgesamt 1-mal geändert.

sonrie
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von sonrie »

@Fiona:
sorry, etwas OT, weil das bei uns grad auch so ein ähnliches thema ist (Beziehung zu den eigenen Eltern) und man solche Sachen doch immer irgendwie mitträgt:
Spoiler:

Wenn du mal das hier, genau so, deiner Mutter sagen würdest:
Ein Lob würde mir auch mal gut tun. Weil meine Kinder sind alles andere als verlumpet, die Wohnung ist sauber (nicht steril, aber völlig ausreichend) und die Kinder sind anständig, beliebt, fröhlich und gut in der Schule.
... dann würdest du genau das Vorleben, was du dir von/für deinen Sohn wünschst: Sich hinstellen, sagen können "ich bin ok so wie ich bin und ich mache meine Sache gut".

Ob es dann den gewünschten Effekt auf deinen Sohn hat kann ich dir nicht sagen, aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: es ist unglaublich befreiend und auch reinigend, wenn man solche alten Rollen/Muster mal aufbricht und einfach mal klar stellt, was Sache ist. Wir (ich und meine Mama) hatten so ein Thema vor Weihnachten, irgendwie hat sich da vieles aufgestaut und auch total irrtümlicherweise so ergeben. Es war gut, auszusprechen, was gewisse Reaktionen oder Aussagen bei einem anrichten.
Zuletzt geändert von sonrie am Mo 1. Mär 2021, 13:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Sunne12
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Sunne12 »

Fiona ich denke nicht, das du jetzt im Thread mit Erziehungstipps "bombardiert" wirst, die völlig am Thema vorbei gehen. Natürlich kann niemand genau sagen, wie du es wirklich machst und wo konkret der Hebel angesetzt werden könnte. Es sind wenige Stichworte wie "oft schreien", "oft drohen", "Dankbarkeitserwartung", "schimpfen", die dann bei einigen von uns etwas ausgelöst hat. Das heisst aber noch lange nicht, dass du als Mutter alles falsch machst!
Wie ich schon geschrieben habe, ich habe einen Sohn, der schon länger unter einem Mangel an Selbstvertrauen leidet. Ich kenne so Aussagen auch von ihm. Meiner Erfahrung nach gibt es eben nicht den ultimativen Erziehungstipp und zack ist das Selbstvertrauen wieder da. Es ist meistens eine komplexere Geschichte. Das ist eben meine Erfahrung - es bringt wenig beim Kind anzusetzen, denn oft liegt der Hase bei den Eltern begraben.
Vielleicht wäre das auch mal eine Möglichkeit. Setz du dich mit deiner Familiengeschichte auseinander. Kinder spiegeln nämlich die Eltern und kopieren das Verhalten der Eltern als eine erlernte Strategie. Da kannst du dann nach aussen hin dir noch so Mühe geben, wenn in dir drin das Kind verletzt und selbstunsicher ist. Bitte sieh das nicht als Kritik an! Es ist wirklich als Hilfe gedacht!
Ich selber war aus dem Grund in Therapie, ich haben dort eine Art Familienaufstellung gemacht.
Ansonsten ist es mir wichtig, mit meinem Sohn im Gespräch zu bleiben. In irgend einer Weiterbildung habe ich mal systemische Fragestellung gehabt, enorm hilfreich. Du findest dazu auch vieles auf Google und einige Frauen hier haben konkrete Beispiele gebracht wie du lösungsorientiert fragen könntest. Dazu die gewaltfreie Kommunikation. Ich habe danach auch begonnen mit den Kindern "gewaltfreie Kommunikation Stunden" einzubauen, weil mir per Zufall ein Lehrmittel dafür in die Hände gefallen ist. Was soll ich sagen, gerade mein Sohn lechzt danach. Den Kindern fehlt oft ein ausgeprägter Wortschatz über Gefühle und Bedürfnisse die sie haben und was ich bei mir persönlich im ganzen Prozess fest gestellt habe, mir hat den eben auch gefehlt und sie haben nur gespiegelt.
Weil es in letzter Zeit schon Richtung depressive Episode abzurutschen drohte und durch die Trennung die Probleme komplexer wurde (Probleme waren schon vorher da), ging mein Sohn kurzzeitig noch in die Kinesiologie. Schulsozialarbeit ist auch immer eine Möglichkeit.
Was mir übrigens noch fehlt ist so eine Art Wen-do-kurs für Jungen.

OK Fiona, vielleicht war dies alles to much für dich, dann ab in die Tonne damit. Aber ich denke eben nicht, dass man Selbstvertrauen oberflächlich angehen kann, das ist eben schon was systemisches. Und wie gesagt es ist mein Erfahrungsbericht mit einem Sohn mit wenig Selbstvertrauen, nicht mehr und nicht weniger.

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Papa68
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Re: Kind (8) redet schlecht über sich selbst

Beitrag von Papa68 »

Fiona, mein Sohn scheint deinem sehr ähnlich. Auch er hat ein geringes Selbstbewusstsein und ähnliche Aussagen, wie von dir beschrieben. Er geht jetzt in eine psychologische Beratung und kommt jeweils ganz glücklich und entspannt zurück. Nur hält es leider nicht lange und er ist wieder im alten negativen Trott. Aber er ging noch nicht oft in die Beratung. Mal sehen, wie sich das längerfristig auswirkt.
Vielleicht wäre das auch etwas für deinen Sohn.
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