Essdramen

Unsere grossen Kleinen und unsere kleinen Grossen. Was uns in diesem Abschnitt der Kinder begleitet, beschäftigt und interessiert.

Moderator: conny85

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Fiona1980
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Re: Essdramen

Beitrag von Fiona1980 »

@Stella: Wo habe ich denn das mit der Dankbarkeit geschrieben? Und eben, ich habe gefragt, ob ich zu viel erwarte. Offenbar lautet die Antwort darauf ja... Dann ist ja alles okay :-)
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Ursi71
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Re: Essdramen

Beitrag von Ursi71 »

Ich finde ehrlich gesagt nicht, dass du zu viel erwartest. Ich stimme mit Naura überein, dass ein grundsätzliche Portion Respekt und anstand gegenüber der kochenden Person erwarte werden darf.
Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit: Wenn wir uns beschwert haben, kam das Killerargument meiner Mutter: "na dann iss, was du mitgebracht hast!". Das hat uns noch jedes mal abgestellt. (hat übrigens auch dazu geführt, dass sich meine Schwester ab und zu auf dem Heimweg von der Schule ein Brötchen gekauft hat, wenn sie wusste, dass es etwas gab, das sie wirklich nicht mochte).
Ich habe es bei meinen Kindern immer so gehalten: Brot und Butter (was beide mögen), gab es immer als Alternative. Allerdings wirklich nur Butterbrot, nicht Honig, Konfi Nutella oder anderes Süsszeug.
Übrigens kann eine Neunjährige durchaus verstehen, dass Kochen Aufwand und Arbeit ist. Sie muss dafür nicht dankbar sein, aber eben, Respekt und Anstand kann man erwarten.
Ich finde auch, du kannst ihr zeigen, was Kochen für Arbeit ist: Auch eine Neunjährige kann schon kochen helfen.
Seit ich sechs war, haben meine beiden Eltern gearbeitet. Mittagstisch gab es damals nicht. Es war die Quadratur des Kreises, jeden Mittag eine warme Mahlzeit auf den Tisch zu bekommen. Meine Mama hat, während wir noch frühstückten, vor der Arbeit das Mittagessen vorbereitet, mein Vater, der das Büro im Haus hatte, kurz vor 12 Schluss gemacht und fertiggekocht. Wer daheim war, musste helfen (zB Reis oder Pasta Kochen oder Salatsauce machen, manchmal musste ich auch vor der Schule schon Kartoffeln schälen), sonst ging es gar nicht. Ich fand das zwar nicht toll, aber ich habe so früh gesehen und verstanden, dass Kochen Arbeit ist und Zeit braucht.
Vielleicht würde ich mal da ansetzen, dass die Tochter an Wochenenden oder so beim kochen helfen muss.
Ich habe übrigens die Zeit, die ich dann jeweils mit meinem Vater beim Kochen in der Küche verbracht habe, als wertvolle Quality-Time in Erinnerung.

lale
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Re: Essdramen

Beitrag von lale »

fiona, tochter (11) und ich führen seit einigen monaten immer mehr von diesen unsinnigen kämpfen - angefangen hats auch mal mit dem essen, vor einigen jahren schon, mittlerweile lässt es sich auf fast alles ausweiten. das sind zuhauf solche situationen wie die von dir beschriebene toast getoastet/ungestoastet 🙄
jüngstes beispiel heute morgen: ich habe ihr secondhand einen pulli gekauft, den ich total schön finde, ob er ihr gefällt war ich mir aber nicht sicher und habe ihr das auch gesagt. sie findet ihn grässlich. ok, dann schenken wir ihn weiter...
jetzt stapft sie heute morgen schimpfend über fen hässlichen pulli in die küche - und zieht ihn an. weil ja kein anderer zu ihrer leggings passt. aber er ist also saudoof und gefällt ihr gar nicht🤷‍♀️ hauptsache schlechte stimmung haben...
ich finde, dankbarkeit muss ich nicht erwarten von ihr. ABER keine UNDANKBARKEIT! das muss sie wirklich lernen. für mich heisst das, sie muss nicht mir persönlich dankbar sein, aber sie soll sich nicht selber so bemitleiden weil sie momentan falsche kleidung/essen/aktivitäten geboten bekommt.
ich finde mittlerweile meistens einen ruhigen klaren ton ihr in diesen momenten mitzuteilen dass sie sich selber kümmern kann um sich zu verpflegen/kleider waschen/aktivitäten organisieren, wenn sie mit meinen vorschlägen nicht zufrieden ist. darauf folgt ihrerseits noch meistens ratlosigkeit, weil sie sich selber nicht aufraffen kann. ich glaube sie fühlt sich oft echt verloren und nicht wohl mit sich selbst.
letzthin hat es mir aber echt wieder mal den deckel gelüpft und ich habe selber genauso rumgemotzt wie sie... ihr war langweilig am wochenende, sie hing jammernd herum und 'wollte etwas schönes unternehmen/geboten bekommen'. mein hinweis dass sie vormittags schon reiten war kommentierte sie mit: ja aber das ist ja nix besonderes, das mach ich ja jede woche. daraufhin hab ich ihr wirklich lautstark ihre undankbarkeit vorgeworfen inkl. der aussage 'meinst du ich wäre als kind nicht gerne reiten gegangen? das war aber gar nie thema weil das schlicht nicht möglich gewesen wäre für meine eltern...'
nicht toll von mir. aber in dem moment war ich wirklich getroffen von dem diva-getue.

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danci
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Re: Essdramen

Beitrag von danci »

Ich habe die Antworten etwas überflogen und mir gehen da gerade verschiedene Gedanken durch den Kopf, vielleicht kannst Du etwas mitnehmen (einiges wurde sicher schon genannt):

- Ich gehöre sicher nicht zu den strengen Mamis und bin auch alles andere als konsequent, ABER ich bin absolut allergisch auf schlechte Umgangsformen. "Zum Essen sagt man nicht bäh" war wohl einer der ersten Sätze, die meine Kinder kannten :oops: Nein, einfach nein. Man darf gerade am Esstisch eine anständige Sprache erwarten, mit 9 sowieso. Ich habe da auch schon meine Kinder halt wieder vom Tisch geschickt und sie konnten jederzeit wiederkommen, wenn sie anständig tun. Das kann man auch lustig verpacken, wie "So, jetzt bringst Du schnell die schlechte Laune ins Zimmer und schliesst sie da ein und nimmst das Lächeln mit" etc.

- Wie oft geschrieben wurde, ist Freude oder Dankbar und Anstand nicht das Gleiche. Für Deine Gefühle und Deine Erwartung kann Deine Tochter nichts. Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass es einen mehr trifft, wenn man sich doch extra bemüht hat, etwas für sie zu finden, aber sie hat Dich ja nicht darum gebeten. Das musst Du mit Dir selbst ausmachen. Ich persönlich koche auch nicht "für die Kinder" (dazu unten mehr), sondern für alle, die da sind. Mal das eine, mal das andere. Je mehr Du Dich da reinsteigerst, ihren Geschmack zu treffen, desto mehr verletzt es Dich, wenn sie nicht entsprechend reagiert. Aber eben, Du bist die Erwachsene und solltest das trennen. Wenn man es ihr eh nicht recht machen kann, dann koch halt Dinge, die Du und Dein Sohn mögt.

- Du sprichst von der Anerkennung, dass es Arbeit ist. Das wird sie erst dann können, wenn sie die Arbeit auch macht. Ich würde das Kind da dringend mit einspannen. Natürlich geht das mittags unter der Woche schlecht. Aber ein Frühstück vorbereiten oder beim Abendessen helfen, kann sie mit 9 Jahren durchaus. Wer mal eine Stunde in der Küche gestanden ist, weiss dass es Arbeit ist. Drama wegen getoasteten oder eben nicht getoasteten Toast? Das würde ich ehrlich gesagt genau ein einziges Mal mitmachen. Ansonsten ist das doch nicht Dein Problem. Sie ist alt genug, einen Toaster zu bedienen, wenn sie will oder sich halt ein nicht getoastetes aus der Packung nehmen.

- Man sollte sich immer klar machen, dass Motzen und Kritik an einen selbst nicht das Gleiche ist. Manchmal ist man schlecht gelaunt, müde, genervt, hat gerade keine Lust auf etwas etc. Das Essen abzulehnen, ist keine Ablehnung der Köchin. Bei uns hilft es, wenn sich ein Kind reinsteigert, genau da anzusetzen. Nicht auf das Gemotz wegen des Essens eingehen, sondern das Kind in den Arm nehmen und spiegeln: "Ist Dir gerade alles etwas zu viel? War es anstrengend in der Schule?" Etc. Bei meinen Kindern, v.a. der Jüngsten merke ich, dass die Luft langsam raus ist. Sie mag nicht mehr früh aufstehen, früh schlafen gehen ist wegen der Helligkeit schwierig, die hat die Schule gesehen, selbst geliebte Hobbies sind ein Punkt mehr, der erledigt werden muss. Es reicht einfach. Im Juni ist es immer schwierig. Es ist Zeit, dass die Ferien beginnen.

Gegen mäklige Esser halfen bei uns folgende Strategien (ich weiss, das war nicht die eigentliche Frage, aber vielleicht hilft es):

- Einzelne Komponenten auftischen - > Omeletten zum Beispiel kommen bei uns einfach so auf den Tisch und Schüsselchen mit Käse, Schinken, Peperoni, Thon etc., dann kann jeder füllen, was er will. Oder sie halt blut essen.

- Druck rausnehmen -> Es wird nicht extra für jemanden kocht (Ausnahme Fleisch/Vegi), wer das nicht will, isst Brot oder ein Joghurt. Niemand wird zu nichts gezwungen. Die Grossen fingen irgendwann von alleine an, mehr zu probieren, das war aber klar älter als 9. Die Jüngste (9) hält sich eher ans Bekannte. Zudem sind wir Erwachsenen entspannter, wenn wir ein feineres Essen haben als immer nur Spaghetti mit Tomatensauce, wo die Kinder dann die Sauce doch nicht essen.

- beim Kochen helfen -> was selbst gekocht wird, wird eher probiert

- Menuepläne -> so durfte jeder Menuewünsche anbringen und bekommt nicht einfach etwas vorgesetzt, d.h. vielleicht an einem Tag doch, dafür ist am nächsten Tag sein Wunsch dran. Zudem gibt es Kinder (mein Sohn z. Bsp.), die sehr gerne darauf vorbereitet sind, was kommt und sei es nur das Mittagessen. Er mag nichts unerwartetes. Wenn er es weiss, kann er sich darauf einstellen.
Die Grosse, 2008
Der Mittlere, 2011
Die Kleine, 2015

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Schwups
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Registriert: So 20. Mai 2007, 07:59

Re: Essdramen

Beitrag von Schwups »

Ev. wäre es etwas, wenn Du am Abend mit ihr zusammen schon vorkochst, z.Bsp. einen Hörnligratin, und sie sich aktiv daran beteiligt und sieht wieviel Arbeit es ist. Ich habe an meinen Mamitagen den Kindern jeweils morgens gesagt, was es zum Zmittag gibt.

Meine hatten das Essen vom Mittagstisch jeweils Donnerstagmittag nicht gerne und schätzen an den anderen Tagen das Essen von mir, den beiden Grossmüttern und GG. Sie assen auch oft bei Gspänli, wenn zum Bsp. die Grosseltern infolge Ferien ausfielen. Ist sich Deine Tochter nur Deine Küche gewöhnt? Vielleicht kann sie 1 x wöchentlich zu einem Gspänli gehen und das Gspänli kommt einmal zu Euch? Dann hast Du zumindest zwei angenehme Mittage, sie wird wohl bei Anwesenheit vom Gspänli kein Theater machen.
Meitli 12/05
Bueb 06/07

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