Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Unsere grossen Kleinen und unsere kleinen Grossen. Was uns in diesem Abschnitt der Kinder begleitet, beschäftigt und interessiert.

Moderator: conny85

Antworten
Annika
Member
Beiträge: 310
Registriert: Mo 25. Jun 2007, 19:26

Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von Annika »

Hallo Ihr Lieben... hier gehts weiter...

Benutzeravatar
praline84
Member
Beiträge: 105
Registriert: Mi 7. Okt 2009, 17:37
Geschlecht: weiblich

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von praline84 »

Hallo ihr

dann versuch ichs hier im neuen teil noch einmal. hat eines von euren kindern in der schule einen nachteilsausgleich? wie sieht das praktisch aus?

danke für die antworten
praline

Benutzeravatar
stella
Moderatorin
Beiträge: 8271
Registriert: Do 6. Nov 2003, 10:45
Geschlecht: weiblich
Wohnort: zuhause

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von stella »

Ich kann dir nur als LP berichten: NTAs sind für uns LP eigentlich bindend. Am meisten habe ich Jugendliche, die in allen Fächern von der Rechtschreibung befreit sind.
Pfunzle 06/04 und Gumsle 10/07

Annika
Member
Beiträge: 310
Registriert: Mo 25. Jun 2007, 19:26

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von Annika »

Hallo Praline
Einen NTa auszuarbeiten ist das Eine, die Umsetzung durch die Lehrpersonen das andere.
Praktisch ist die Breite enorm. Je nachdem wo bei Deinem Kind ausgeglichen werden soll.

Stella schreibt, dass er für LP binden sei... ich ergänze dies mit "wäre"... wie fast alles im Schulkontext steht und fällt das mit der LP.

Benutzeravatar
Pinie
Senior Member
Beiträge: 500
Registriert: Mi 2. Nov 2016, 12:38
Geschlecht: weiblich

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von Pinie »

Das erfährst du gar nicht immer, wie der NTA umgesezt wird, noch siehst du es dem Test an wenn du keinen Vergleich zum normalen hast.
Bei meinem Kind konnte es z.B. sein, dass sie den Text statt in einem einzigen Blocksatz in mehreren Abschnitten geschrieben hat. Sie schaute, ob er durch kommt mit dem Test in der Zeit wie die anderen Schüler, allenfalls hätte er mehr bekommen. So Sachen können das sein, je nach Kind ziemlich verschieden, halt was nötig ist.

Annika
Member
Beiträge: 310
Registriert: Mo 25. Jun 2007, 19:26

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von Annika »

Ja das ist verschieden und in der Regel auch kontrollierbar. Denn ein NTa wird gemeinsam ausgearbeitet. So wissen auch die Eltern, wie der NTa umgesetzt werden sollte. Wenn die LP dann noch eigene Differenzierungen vornimmt, ja, das muss sie nicht kenntlich machen.

Häufige NTa bestehen aus: mehr Zeit (auch bei Prüfungen), Nutzung bestimmter Hilfsmittel, Hilfsperson die z.B. beim Leseverständnis hilft, usw. Das ist natürlich problemlos kontrollierbar, ob das umgesetzt wird oder nicht.

Hibiskus
Senior Member
Beiträge: 969
Registriert: Fr 11. Mär 2011, 17:56

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von Hibiskus »

Hier (Kind erst 2. Klasse) kein offizieller Nachteilsausgleich, aber vielleicht hilfreich als Idee, wie es funktionieren könnte:
- Kind darf Prüfungen oft dann machen, wenn die Aufmerksamkeit noch da ist. Also nicht in der letzten Stunde. Oder es darf einen zweiten Versuch starten, wenn es beim Ersten ganz klar an der Aufmerksamkeit scheitert.
- Kind darf Antworten sagen und Assistenz schreibt auf (nicht in Deutschprüfungen). Dasselbe mit Aufgaben vorlesen, also Assistentin liest, Kind beantwortet.
- oder Prüfungen mündlich machen
- Nur jeweils 1 Aufgabe, ist diese gelöst, gibt es die nächste.

Benutzeravatar
Hausdrache
Vielschreiberin
Beiträge: 1093
Registriert: Mo 22. Aug 2005, 10:04
Wohnort: Zentralschweiz

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von Hausdrache »

NTA
ist so ein Thema für sich. Es gibt keine einheitliche Regelung und auch keine klaren Richtlinien, die das schweizweit regeln würden, obwohl es ganz klar gesetzlich verankert ist und die Kinder ein Recht darauf hätten. Es herrscht absoluter Wildwuchs, ist sehr Lehrer/Schulabhängig und es gibt Kantone, in denen der NTA so gut wie nicht möglich ist. Unsere Zweitjüngste hat vom KJPD verschrieben Nachteilsausgleich, es klappt überhaupt nicht.
Die häufigsten Formen:
-Zeitzuschlag bei Prüfungen von rund 1/3.
-mündliche Prüfung, statt schriftlich. (Meist nicht umsetzbar, mangels Ressourcen)
-grössere Schrift, besser Gliederung der Blätter.

Was wir oft noch zusätzlich machen:
- Mehr Pausen, sie dürfen zum Beispiel Seilspringen, damit sie nachher wieder konzentriert arbeiten können.
- Prüfungen zerschneiden und die Kinder bekommen Aufgabe für Aufgabe, so dass sie nicht den ganzen Berg vor sich haben.
- Erklären der Aufgaben, damit sie sicher verstehen, was gefragt ist.
-Prüfung in einem anderen Raum, damit die Ablenkung durch andere Kinder, Geräusche durch Stifte auf dem Papier etc. nicht so gross ist. Wir haben aber die tolle Situation, dass ich einen Gruppenraum habe, der zum Schulzimmer dazu gehört, so dass wir das problemlos gewährleisten können.

Aber es gibt viele Schulen und Lehrpersonen, zumindest in meinem Wohnkanton, die das nicht umsetzen wollen, unfair finden, oder schlicht finden, sie hätten dafür keine Zeit. Auch kommt von Seiten Schulpsychologie immer eine sehr abwehrende Haltung. Bei unsere Zweitjüngsten war es die Kinderpsychiatrie, die nach einem halben Jahr Klinikaufenthalt dann vorgab, dass es den NTA brauche. Leider wird der bis heute nur von einer LP wirklich umgesetzt. Alle anderen Lehrer sehen das nicht ein. Das Problem, sie wäre mit NTA zu gut in der Schule. Man hält sie so künstlich klein, es muss ja nur reichen, sie kann mit ihrer Schwäche ja gar nicht gut sein. Ich habs aufgegeben zu diskutieren. Wir sind aber immer kurz davor, dass sie wieder in die Depression rutscht. Es ist ganz schwierig. Zum Glück nur noch ein Jahr, dann ist die Schulzeit geschafft. Berufsschulen sind da deutlich weiter, wie wir bei unseren Grossen feststellen konnten.
Bild

Pädagogik ist der organisierte Kampf der Erwachsenen gegen die Kinder.(Mark Twain)

Benutzeravatar
praline84
Member
Beiträge: 105
Registriert: Mi 7. Okt 2009, 17:37
Geschlecht: weiblich

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von praline84 »

Vielen lieben dank für eure zahlreichen antworten, ich fühle mich nun etwas vorbereitet auf das gespräch, welches wir bald haben werden mit der LP und der HP. ich hoffe, dass sie den NTA erst nehmen, weil unserem sohn würde es wirklich helfen wenn er mehr zeit bekommen könnte und ein ruhiges arbeitsklima. die LP hat wohl gehofft, dass er medis bekommt und nicht einen NTA :roll:

Stella: wer sagt denn in welcher art der NTA umgesetzt werden soll? die ärzte, lp oder in "abmachung" mit den eltern? edit: habs grad weiter unten bei annika gelesen :wink:

annika: genau vor dem "wäre" habe ich ein wenig "angst", weil eigentlich die LP schon ganz genau wüsste, was er brauchen würde und wies sie ihm helfen könnte, aber sie was die person, welche uns zur abklärung geschickt hat, weil sie für ihn nicht immer einen sonderzug fahren "kann" (oder will?). bei prüfungen steht oft darunter. "anforderungen erfüllt" und ein zusatzkommentar "zeit nicht erfüllt" wobei meistens ca. die hälfte gelöst ist und auch grösstenteils richtig.

hibiskus: oh wow, das find ich toll. dass sowas auch ohne offiziellen NTA geht! häffe bei unserem sohn auch ausgereicht und wir hätten uns die viiiiiielen untersuchungen sparen können :? vielen dank für deine auflistung, werde mir einige dinge notieren.

hausdrache: auch dir vielen dank für die auflistung! ich werde auch von dir einige ideen aufschreiben und zum gespräch mitnehmen. schade, dass es bei euch nicht so klappt mit der umsetzung! hoffe und wünsche, dass sie das letzten jar noch gut durchbringen kann!

Hibiskus
Senior Member
Beiträge: 969
Registriert: Fr 11. Mär 2011, 17:56

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von Hibiskus »

Ach weisst du, das funktioniert bei uns leider erst, seit klar ist, das Junior in der Regelschule nicht mehr tragbar ist....
Also ist auch hier nicht alles Gold was glänzt....
(Die Lehrerinnen pochten hier massiv auf Medis. Dazu waren wir nicht bereit und nun suchen wir eine alternative Lösung)

Benutzeravatar
praline84
Member
Beiträge: 105
Registriert: Mi 7. Okt 2009, 17:37
Geschlecht: weiblich

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von praline84 »

oh hibiskus, das tut mir leid. jetzt hab ich mich doch tatsächlich gefreut, dass ihr eine aufmerksame und einfühlsame, ideenreiche LP erwischt habt. da war ich wohl etwas naiv... :roll:

alternativen: meinst du damit eine andere schule? also "erleben statt lernen", privatschule oder so? wir würden uns für useren (ebenfalls 2. klasse) so eine erlebnisschule wünschen, das wäre total sein ding. es gäbe sogar ab sommer (glaube ich) eine in der gegend, aber wir können uns das einfach nicht leisten... :(

Benutzeravatar
stella
Moderatorin
Beiträge: 8271
Registriert: Do 6. Nov 2003, 10:45
Geschlecht: weiblich
Wohnort: zuhause

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von stella »

NTA
Ich denke, je mehr dass er gefordert wird, desto selbverständlicher wird er. Ich mag mich noch an meinen ersten NTA erinnern... Und ja, als LP beschleichen mich komische Gefühle und wenn ich diese habe, dann schaue ich gut, denn die Gratwanderung, einen Nachteil auszugleichen schlägt schnell einmal in einen Vorteil um.

Aber ja: Wir Eltern müssen dafür kämpfen und Aufklärung betreiben. Aber es lohnt sich.

Lustig: In den Berufsschulen und in weiterführenden Schulen ist der NTA schon besser etabliert, ömu hier in meinem Wohnkanton.
Pfunzle 06/04 und Gumsle 10/07

Benutzeravatar
praline84
Member
Beiträge: 105
Registriert: Mi 7. Okt 2009, 17:37
Geschlecht: weiblich

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von praline84 »

Ich kann mir sehr gut vorstellen, das ein NTA für die LPs eine grosse herausforderung ist, diese gratwanderung zu wagen stelle ich mir schwierig vor.
was ich aber daneben finde, ist: meinem kind eine "nicht genügend" zu geben, weil es zu langsam war, inhaltlich die antworten aber richtig sind. das "dürfte" mit dem NTA nicht passieren. das kind wärend dem sportuntericht aufgaben zu geben, welches es währenddessen in einer anderen klasse lösen muss oder es die pausen im schulzimmer verbringen zu lassen, finde ich -besonders, aber nicht nur, bei ADHS- absolut falsch! mein kind kann besser arbeiten, wenn es zwischendurch aufstehen darf oder sich bewegen und den kopf verlüften kann. Da sind solche bestrafungen ...sorry, e-r-z-i-e-h-u-n-g-s-m-a-s-s-n-a-h-m-e-n... doch total kontraproduktiv?! es gibt probleme im unterricht mit meinem kind, das weiss ich und es ist nicht einfach damit umzugehen als LP bei über 20 kindern in einer klasse, aber es ist die total falsche herangehensweise das verhalten meines kindes zu ändern. bei der nächsten gelegenheit wird es wieder vergessen haben, dass es das letzte mal eine strafe gegeben hat für dieses verhalten und den impuls es zu tun, lässt sich auch nicht so leicht unterdrücken/beherrschen.

Benutzeravatar
stella
Moderatorin
Beiträge: 8271
Registriert: Do 6. Nov 2003, 10:45
Geschlecht: weiblich
Wohnort: zuhause

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von stella »

praline
Die Lehrperson darf ein Zeitlimit setzen, in der die Antworten kommen müssen. Das steht ihr frei. Gerade Blitzrechnen auf der Unterstufe wird oft auf Zeit gemacht. So lange dein Kind keinen NTA hat, ist dies rechtens.

Ebenfalls darf die LP Strafen aussprechen, ob die nun Sinn machen oder nicht. Viele LP checken leider nicht, dass Bewegungsmangel ein Teil vom Problem ist. Da ist oft, von Seiten der Eltern, Aufklärungsarbeit nötig.

Was die LP in ihrem Schulzimmer macht, ist ihr Ding (so lange es rechtens ist). Da kannst du leider nichts dagegen tun. Und leider funktionieren viele LP genau so, wie du es beschrieben hast. Und sie verwenden sehr viel Energie, ein System aufrecht zu halten, welches nicht nachhaltig ist und das Verhalten nicht verbessert und den Kids keine Hilfestellungen gibt.

Viele Kinder kommen damit zurecht. Einige nicht. Viele Kinder, die eine Beeinträchtigung haben, müssen aber trotzdem schauen, wie sie sich anpassen können. Die Schule und die LP ändern sich nicht. Also gerade trotz Beeinträchtigung arbeite ich mit meiner Tochter daran, wie sie in diesem System nicht untergeht und wie sie social codes lesen kann. Sie wird auch eine Ausbildung durchlaufen (müssen) und da sind die Begebenheiten noch sturer.

Daher: Wie kannst du dein Kind unterstützen?

Ich habe z.B. mein Kind vor und nach der Schule eine lange Zeit aufs Trampolin geschickt, damit die Anspannung, die mit dem Schulbesuch vorhanden war, abgebaut werden konnte.
Ich habe mit ihr Checklisten gemacht, damit sie zuverlässig sein konnte.
Ich bin mit ihr in ein Lerncoaching gegangen, damit sie einstudieren konnte, was wichtig ist in der Schule.
Ich habe versucht, die LP ins Boot zu holen. 1./2. Klasse sowie 5./6. Klasse lief es richtig gut, weil die LP willens waren und mir gut zugehört haben. 3./4. Klasse und Oberstufe ist eine Katastrophe. Da haben und da tun wir uns immer noch durchwursteln.
Ich habe mich selber weiter gebildet punkto ADHS/ADS und Schule, habe Kurse besucht, damit ich noch besser verstanden habe, wie die Kids ticken. (Hilft mir sowohl als Mutter als auch als Lehrerin...)

Vielleicht helfen dir ein paar Ideen?
Pfunzle 06/04 und Gumsle 10/07

Hibiskus
Senior Member
Beiträge: 969
Registriert: Fr 11. Mär 2011, 17:56

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von Hibiskus »

praline84 hat geschrieben: Fr 12. Apr 2019, 14:28 oh hibiskus, das tut mir leid. jetzt hab ich mich doch tatsächlich gefreut, dass ihr eine aufmerksame und einfühlsame, ideenreiche LP erwischt habt. da war ich wohl etwas naiv... :roll:

alternativen: meinst du damit eine andere schule? also "erleben statt lernen", privatschule oder so? wir würden uns für useren (ebenfalls 2. klasse) so eine erlebnisschule wünschen, das wäre total sein ding. es gäbe sogar ab sommer (glaube ich) eine in der gegend, aber wir können uns das einfach nicht leisten... :(
Ja, wir suchen eine Privatschule.
Junior ist in der Regelschule mit der grossen, heterogenen Klasse und mit einer Lehrerin, die (logischerweise) am Anschlag ist und wenig Kapazitäten für "Extrazüge" hat, nicht mehr tragbar. Der nächste Schritt hier im Kanton ist dann eine Sonderschule für verhaltensauffällige Kinder. Da gibt es aber für Junior in keiner einen freien Platz und wir befürchten auch, dass er da sein gutes kognitive Potenzial nicht ausschöpfen kann.
Deswegen haben wir uns nun für die Lösung mit einer Privatschule entschieden. Aber auch das ist nicht ganz einfach, suchen wir doch eine, in der sehr viel Individualität und vorallem auch Bewegung möglich sind, die aber auch klare Strukturen bietet. Und vorallem Menschen, die mit "solchen" Kinder umgehen und sie dort abholen können, wo sie stehen.

Annika
Member
Beiträge: 310
Registriert: Mo 25. Jun 2007, 19:26

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von Annika »

Stella
Ist bei uns anders. Wir erleben die Möglichkeiten in der Berufslehre deutlich flexibler als zu Schulzeiten. Ausser die Berufsschule selbst, doch da muss unser Kind nur 1 Tag hin.

zoe_007
Junior Member
Beiträge: 64
Registriert: Sa 27. Aug 2011, 16:09

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von zoe_007 »

Wir hatten uns auch mehr erhofft vom NTA, sind aber ziemlich desillusioniert. Es hat mehr als ein halbes Jahr und immer wieder insistieren gebraucht, damit der NTA endlich zustande kam. Jetzt ist es vor allem ein Papiertiger. Zeitzuschlag wird meistens vergessen, oder man hat keine Zeit mehr dafür oder man will einfach nicht. Die Entscheidung darüber liegt bei der jeweiligen Lehrperson. Rechtschreibung wird nun einfach bei allen Schülern nicht mehr bewertet, wo es nicht Lernziel ist. Eine übersichtliche Darstellung wird auch nicht als nötig angesehen, weil eines der Lernziele ja sei, aus unterschiedlichen und nicht immer übersichtlichen Quellen, die Informationen herauszulesen.

Nun ja, wir sind die ersten in dieser Schule mit NTA. Vielleicht braucht es einfach seine Zeit und spätere Schüler können irgendwann von unserem Kampf profitieren...

Benutzeravatar
praline84
Member
Beiträge: 105
Registriert: Mi 7. Okt 2009, 17:37
Geschlecht: weiblich

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von praline84 »

dann bin ich mal gespannt, was bei dem gespräch mit der HP und LP rauskommen wird in kürze. bin froh, wird mein mann dabei sein und muss ich da nicht alleine hin. eine frage hab ich noch, würdet ihr den abklährungsbericht und das resultat vom inteligenztest mitnehmen zum gespräch oder reicht es, dass sie den NTA bereits haben (dort stehen die resultate zusammengefasst darauf)?

Felina
Newbie
Beiträge: 4
Registriert: Sa 20. Apr 2019, 13:03
Geschlecht: weiblich

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von Felina »

Hallo liebe Mamis

Ich wende mich an Euch, da ich bzw. wir nicht mehr weiter wissen.
Ich habe schon unzählige Internetseiten, Informationsbroschüren, Gespräche etc gehabt.
Aber seit einer Woche ist der Punkt erreicht, wo ich mit meinem Latein und meinem Wissen am Ende bin. Da ich dieses Ausmass nicht kenne, da in meinem Bekanntenkreis auch niemand davon Betroffen ist, habe ich keinen Einblick um meine Situation etwas zu vergleichen. Nicht an sich das Kind zu vergleichen, sondern die Vorkommnisse, damit ich das ganze etwas besser verstehen kann.

Zur Vorgeschichte. Damals als unsere Tochter in den Kiga ging, war sie sehr schnell unterfordert und man machte einen Leistungstest. Da kam das erste Mal der Vermerk: es könnte noch ADHS im Spiel sein. Man solle dies Beobachten, da sie für eine Abklärung noch zu jung sei. Was noch gemacht wurde ist ein EKG, da sie immer wippte und der Arzt Epivorfälle ausschließen wollte.
Sie kam dann nach einem Jahr Kiga in die Schule. Schulstoff, Aufmerksamkeit bis Dato kein Thema. Außer mit den Mitschülern. Sie wollte oft den Ton angeben, wollte sich nichts sagen lassen und wurde durch ihr Verhalten zur Aussenseiterin. Mit vielen Gesprächen ging das dann wieder Bergauf und sie fand Freunde. Dann kam ein Mobbingvorfall, in welche die Schulleitung sowie Polizei involviert werden musste. Aufgrund diesem Vorfalls, ging ich dann mit ihr zu einer Psychologin. Da verhärtete sich ganz schnell der Verdacht auf ADHS. Bei der Abklärung ging es dann zu schauen ob POS oder ADHS. Ergebnis: ADHS. Ihr IQ und div. andere Sachen seien zu 'Gut' für POS.
Der Leidensdruck nahm aber immer wie mehr zu. Die Aufmerksamkeit in der Schule ging immer wie mehr zurück, die Noten wurden immer wie schlechter und allgemein ihr Verhalten änderten sich in eine negative Richtung.
Nach langen Gesprächen willigte ich für einen Probelauf mit Ritalin ein. Klein Dosiert, einmal Täglich.

Mittlerweile seit zwei Wochen, wird es immer wie schlimmer. Man warnte mich vor dem Reboundeffekt. Auf das habe ich mich so gut es geht vorbereitet, eingelesen, was man halt so machen kann.
Mittlerweile ist es aber nicht mehr nur Abends, sondern auch durch den Tag.

Dieser Satz hört sich vielleicht jetzt Böse an, aber ich will ihr wirklich nichts Böses.
Aber solange es nach ihrem Kopf geht und ich nichts sage, ist die Welt vollkommen okay.
Sobald sie aber etwas machen muss, wie das Zimmer aufräumen, Duschen oder es sonst eine Regel gibt, die es wohlverstanden seit Jahren gibt, also keine neuen, sondern die gleichen (da ich weiss wie sie auf neue Sachen reagiert), kommen richtige Tobsuchtanfälle. Ich kann knapp einen halben Satz sagen und schon eskaliert es. Sei es ein rumschreien und rumkreischen, mir Sachen anwerfen, mich beleidigen, alles verweigern, Türen schelten, in die Türe reinschlagen etc.
Ich kann mittlerweile machen was ich will.
Normal mit ihr sprechen, warten bis ihre Wut vorbei ist, Briefchen schreiben (da sie ungerne über Gefühle spricht), Ruhig bleiben, lauter werden, Konsequenzen aufzeigen, mit ihr zusammen die Sachen zu machen wie z.b. Zimmer aufräumen, nichts bringt etwas.
Es wird von Tag zu Tag nur noch schlimmer.
Die Psychologin meinte dann auch, dann soll ich ihr Zimmer aufräumen. Und hier muss ich für mich Stopp sagen, denn dann habe ich gar nichts mehr zu sagen. Sie nimmt mich jetzt schon nicht mehr ernst. Lacht mich aus, lacht die Konsequenzen und Regeln aus, wird immer wie Ausfälliger, will nur noch machen was sie möchte und das mit 9.
Vielleicht gibt es Eltern die sagen, stell dich nicht so an, das ist normal bei ADHS. Da ich es nicht kenne und andere Kinder oder Familien auch nicht mit diesem Befund, fühle ich mich nur noch als totale Versagerin.
Was habe ich in der Erziehung falsch gemacht?
Warum hatte ich bis vor paar Monaten noch einen Draht zu ihr und mittlerweile bin ich, tut mir Leid für den Ausdruck: nur noch ein Depp?!

Klar ich sollte mir dir Aussagen in ihrer Wut nicht zu Herzen nehmen.
Aber wenn ich höre: Mama du bist dumm, es war nie toll mit dir oder sie mir Sachen anwirft, es tut weh :(

Ich musste mir das alles mal von der Seele schreiben und ich hoffe, ich werde durch meine Sätze nicht gleich verurteilt. Aber momentan bin ich wirklich an einem Punkt, wo ich nicht mehr weiss, wie weiter.

Benutzeravatar
stella
Moderatorin
Beiträge: 8271
Registriert: Do 6. Nov 2003, 10:45
Geschlecht: weiblich
Wohnort: zuhause

Re: Rund um ADHS, ADS und POS - Teil 6.

Beitrag von stella »

Felina
Sei mal lieb gedrückt und du bist nicht alleine. Mir ging es eine Zeit lang auch so und ich bin dann von Beruf noch Lehrerin.

Rückblickend denke ich...
Im Alter, in dem dein Kind ist, manifestieren sich die Probleme oft sehr und es sind noch wenig bis keine Strategien beim Kind vorhanden, wie es mit seinem Gefühlssturm umgehen soll. Nicht von ungefähr werden die meisten Diagnosen in etwa in dem Alter gemacht.

So, das hilft dir noch wenig...

Ich denke, dass du nicht viel falsch gemacht hast in der Erziehung. Und wenn, dann Dinge, die anderen Müttern auch passieren. Dein Kind hat Hilfe in Form einer Therapie bei einer Psychologin? Richtig?
Und du? Ich finde es sehr, sehr wichtig, dass du dir eine unabhängige Fachperson an deine Seite holst, mit der du solche Situationen besprechen kannst. Es sollte eine Therapeutin sein, die sich mit ADHS auskennt und die nicht erschrickt, wenn du solche Begebenheiten erzählst. Am besten weiterhelfen, damit du in deiner Region die richtige Person finden kannst, kann dir elpos.

Als erste Sofortmassnahme würde ich mir überlegen, was mir wirklich, wirklich wichtig ist von dem, was du genannt hast. Und dies würde ich liebevoll und hartnäckig umsetzen. Es ist wichtig, dass du wieder Selbstvertrauen in deine Handlungsfähigkeit bekommst.

Als meine Tochter mit ADS in dem Alter war, hatten wir ganz viel ritualisiert:
* Das Zimmer wurde JEDEN Abend mit meiner Hilfe vor dem Abendessen aufgeräumt und sogleich noch der Schuli gepackt. (Sie konnte es nicht alleine.)
* Geduscht wurde an bestimmten Wochentagen nach dem Abendessen.
* Der ganze Tag war ritualisiert. Vom Aufstehen, Anziehen, bereit machen, heimkommen, essen, ... Praktische jede Handlung. Und ich durfte NICHT davon abweichen, vor allem nicht von Dingen, die ich gerne hatte (wie Tisch abräumen, Zimmer aufräumen, Schuli packen...), ansonsten wurde dies sogleich zur neuen Regel und brauchte dann wieder enorm viel Kraft zum Umstellen.

Vielleicht klingt ja was bei dir an?!

Also: Was ist dir wichtig? Was ist deinem Kind wichtig? Und wie willst du, dass dies abläuft und wie dein Kind und wie könnte der gemeinsame Weg aussehen? Ich würde das Kind unbedingt in die Verantwortung nehmen und ihm ein wenig Selbstbestimmung übergeben. Es tönt für mich sehr danach, als dass es sich nichts vorschreiben lassen möchte. (Kenne ich von meiner Tochter...)

Und diese wenigen Sachen zieht ihr beide durch (im besten Fall helfen alle von der Familie!) und den Rest übernimmst du, bis etwas Ruhe eingekehrt ist und du allenfalls durch Unterstützung wieder etwas mehr Handlungsfähigkeit erlangt hast.

Es wird nicht so bleiben. Dein Kind wird sich entwickeln, durch deine Unterstützung. Ich hoffe, du kannst an das Gute glauben und vorwärts gehen. Und gell: Immer, wenn ich denke, nun weiss ich, wie es läuft, stossen beide meine Kinder alles wieder um, unabhängig vom ADS...
Pfunzle 06/04 und Gumsle 10/07

Antworten